Bahn fahren schwer gemacht

Lange nix gehört von uns und der Bahn, oder?

Eine Zeit lang war dieser Blog ein Reiseblog (z.B. hier ein Klassiker), ganz ungewollt mit zufälligen Häufungen von Reiseberichten, tollen Erfahrungen unserer Erlebnisse in den USA, Europa und Deutschland. Negativ hatte sich eine Zeit lang auch die Bahn eingereiht und wir hörten ein paar mal, dies sei ja nur ein weiterer Bahn Bashing Blog (BBB). 

Spontan mit dem Zug verreisen - ohne Diskussionen! Foto: Anna Spindelndreier
Spontan mit dem Zug verreisen, ohne Diskussionen? In den USA war das für uns kein Problem! Foto: Anna Spindelndreier

Eigentlich will ich auch lieber über positive und tolle Dinge schreiben, eben nicht so defizitorientiert wie es oft schon das System ist. Vielleicht fange ich dann damit an, dass wir auch in der Zeit als der Blog still stand, viele tolle Reisen hatten. Die allermeisten davon mit unserem eigenen Auto. Vor allem dank der Partnerschaft mit Kadomo, die diesen Transporter mit den nötigen Umbauten versehen und auffällig beklebt haben. Dies zusammen mit unseren DIY Camping Ausbauten und unseren Platzbedarf für Rollstühle und Equipment bei Veranstaltungen machten das Auto zu unserer Reisevariante Nummer 1! 

Aber auch mit der Bahn haben wir einige Reisen unternommen, die wirklich gut gelaufen sind. Natürlich immer mit dem Systembedingten Mehraufwand der Anmeldung, spontaner Umplanung weil „geht nicht“, aber auch mit tatsächlich gelungenen Fahrten, engagierten und kompetenten Mitarbeitern.

Dank des findigen Programmierers namens Philipp Maier (aka Akii) wurde auch die Anmeldung der Mobilitätsservicezentrale (kurz MSZ) etwas einfacher, denn bei Hilfeleistung als Service kann man bspw. den Buchungscode importieren und somit das sonst Zeitfressende Prozedere zu einem -klick klick fertig- optimierten Prozess machen. Bei vielen Fahrten kommen dann noch gefühlte 1000 Mails der Bahn, die am Ende hoffentlich bestätigen, dass man die Reise so machen kann und alles ist gut. Doch dann gibt es leider diese Fahrten, wo eine Mail oder ein Anruf der MSZ erfolgt… wie z.B. in folgendem Fall:

Für zwei aufeinanderfolgende Termine in Dortmund buchte ich drei Wochen im Voraus unsere Fahrten: Hamburg-Dortmund am Mittwoch Morgen hin und am Donnerstag Nachmittag zurück. So weit im Voraus bin ich sonst selten dran und da dachte ich doch glatt es könnte nix schief mehr gehen. 

Ich muss erwähnen, um nochmal was positives loszuwerden, dass ich bei dem Buchungsprozedere ein Ticket für den falschen Tag gebucht hatte und dieses problemlos am selben Tag noch stornieren konnte, obwohl es ein Sparpreisticket war, welches nicht stornierbar ist. Wir buchen allerdings immer Sparpreis, weil man ja eh seinen Einstieg anmelden muss, was ein Flexticket quasi unbrauchbar macht. Nun aber weiter im eigentlichen Thema.

Es konnte nix schief gehen? Na mal sehen… 

Ich meldete also den Service an und als der Anruf der MSZ kam, atmete ich schon mal tief durch. Es hieß, dass die IC Verbindungen leider noch für Sitzplatzreservierungen gesperrt seien und sie unsere Fahrt nicht anmelden können. Ich dachte: Naja, dann melden sie sich doch sobald das geht und sie unsere Plätze und Hilfeleistung buchen konnten!? Aber schon bevor ich diesen Gedanken aussprechen konnte, wurde ich gebeten mich in einer Woche nochmal zu melden. Ich fragte warum ich mich melden muss und bekam keine echte Erklärung dafür – ginge halt nicht anders. Nun ja ich war die Diskussion schon im Vorfeld leid und hatte andere Sachen zu erledigen, also schrieb ich mir eine Erinnerung in den Kalender und wartete eine Woche.

Als ich dann eine Woche darauf anrief, hieß es auf einmal ich müsse die Anmeldung erneut ausfüllen. Also wieder Hilfeleistung als Service aufrufen, Buchungsnummer raus suchen, importieren, abschicken. Dann wieder ein Anruf und ich dachte in diesem Moment, verdammt, geht es etwa immer noch nicht???

Es kam noch „besser“… Die gebuchte Verbindung gab es so nicht mehr! Ich solle mir eine Alternative aussuchen. Diese waren aber allesamt, hm wie drück ich es am besten aus, sie waren beschissen… Ich sagte ich würde selbst nochmal nach Alternativen schauen und mich melden. Und so sah ich, dass die gebuchte IC Verbindung wirklich nicht mehr auftauchte, aber dafür zu exakt der selben Zeit, auf der gleichen Strecke nun eine ICE Verbindung existierte. Also rief ich wieder bei der Mobilitätsservicezentrale an und fragte warum ich nicht einfach diese Verbindung nehmen kann!? 

Die Antwort? Die Rollstuhlplätze seien bereits ausgebucht! Moment, eine Verbindung, die seit weniger als einer Woche überhaupt existiert und auf die ich mich quasi im Vorfeld ihrer Existenz angemeldet hatte, soll nun schon an zwei andere Rollstuhlfahrer gegangen sein? Ich möchte mindestens bezweifeln, dass dort überhaupt Rollstuhlfahrer im ICE Richtung Dortmund fahren werden, aber dies ist natürlich nur eine Mutmaßung. Viel mehr empörte mich der Fakt, dass ich nicht informiert wurde, weder von der DB selbst, weil ich ja ein Ticket für eine nicht mehr existierende Verbindung hatte, noch von der MSZ wegen der nun möglichen Alternative/Reservierung. 

Es war dann mit all der sachlichen Diskussion, trotz Empörtheit dennoch gelassenen Professionalität (ja ich kann durchaus ruhig bleiben) nicht mehr zu retten. Ich meldete erst einmal eine Alternative an die mir nicht gefiel, mit der ich einen Termin verpasse, bzw. mindestens 90 Minuten zu spät komme und mit der ich insgesamt zwei Umstiege und drei Stunden mehr auf den Schienen unterwegs sein würde. 

Doch am allermeisten störte mich dieser immense Mehraufwand. Die zweifache Anmeldung und drei Telefonate mit negativem Ausgang, wo jeder „normale“ Fahrgast einfach nur bucht und einsteigt. Die Zeit die dort verstrich ohne eine Lösung zu finden bekomme ich wohl nicht wieder, im Gegenteil, es werden weitere Stunden geklaut wenn ich die Alternative so annehme. 

Nunja, ein Flexticket kaufen und einfach in den Zug springen der einen passt, wäre das nicht toll? Vielleicht im nächsten Leben und nicht mit der DB anscheinend. 

Unsere Lösung dieses mal? Das Kadomo Mobil wird uns nach Dortmund bringen und auch wieder nach Hamburg, flexibel und günstig, der Umwelt zuliebe, ach nee das wäre ja die Aufgabe der Bahn gewesen… naja im nächsten Leben, auf der nächsten Erde dann. 

PS: Auf Antwort bzw. Stornierung der Tickets warte ich nunmehr auch schon wieder eine Woche…

Unser Kadomo Mobil – auffällig und bunt – wie wir!

/David

Where’s your fucking solidarity?

[English version below]

No Racism, no Sexism, no Homophobia, … – das ist Punkrock! Gegen die Wichser aufzustehen, die andere unterdrücken. 

Aber was ist mit Ableism?? Wo ist der Aufschrei, wenn jungen, pflegebedürftigen Menschen aus Kostengründen ihre Assistenz genommen wird und sie ins Senioren- oder Pflegeheim abgeschoben werden? Wo der Boykott, wenn der Gruenspan aus „Sicherheitsgründen“ keine Rollstuhlfahrer rein lässt? Warum geht ihr gegen Nazi Scum auf die Straße, gegen Homophobie, gegen soziale Ungerechtigkeit, aber nicht auch für die Rechte von Menschen mit Behinderung? 

Leute, in diesem Land werden Menschen mit kognitiven Einschränkungen von Gerichten entmündigt ohne eine Chance durch komplizierte Rechtswege dagegen vorzugehen! Ist der Weg erst einmal eingeschlagen, gibt es kaum einen Ausweg. Von den Eltern ins Heim gesteckt, von dort zur Förderschule, später in die Behindertenwerkstatt und am Schluss ins Pflegeheim. Das ist doch kein Leben! Das muss sich ändern! Teilhabe und Grundrechte für Alle! 

Solidarisiert euch mit ALLEN marginalisierten Gruppen! Wir brauchen kein Mitleid, wir brauchen Allies!

ENGLISH:

Where’s your fucking solidarity?

No Racism, no Sexism, no Homophobia, … – this is Punkrock! Standing against the dickheads that oppress others. 

But what about Ableism?? Where’s the outcry, when young people in need of care have their assistance taken away for financial reasons and are left in rest homes or special-care homes? Where is the boycotting, when Gruenspan doesn’t let wheelchair users in for “safety reasons”? Why are you taking the streets against Nazi scum, but not for the rights of people with disabilities? Guys, in this country, people with cognitive disabilities are incapacitated by the court, without a chance to act against that for the complicated legal processes! Placed by the parents in nursing homes, they will go on to special needs schools, then to sheltered workshops and in the end to special-care homes. This is not life! These things must change! Show your solidarity with all marginalized groups! We don’t need pity, we need allies!

sit ’n‘ skate – Destroying Stereotypes

Fragt ihr euch auch warum hier manchmal ewig nix neues kommt? Sitzen die eigentlich nur rum? Haben die nix mehr zu berichten? Jein!

Ja, wir sitzen rum! 😉 Aber wir haben noch jede Menge vor, nur das unser neuestes Projekt jede Menge Zeit frisst gerade. Sitzen und Skaten ist ja ohnehin unser Motto, also haben wir nach dem tollen Fotobuch von Anna Spindelndreier uns nun auch ein passendes Logo gegeben und unter diesem Logo soll nun einiges passieren.

Abgesehen von der schon bestehenden Facebook Seite und dem Instagram Account, ist das vor allem einmal ein neuer Youtube Kanal. Ja, schon wieder ein neuer Kanal. Für alle die sich jetzt fragen, was das schon wieder soll, folgt hier eine kleine Erklärung.

Ich war mit meinem Kanal „David Lebuser“ auf dem ich seit 2009 WCMX Videos online gestellt habe nie so wirklich zufrieden, allein schon wegen dieser blöden URL, die ich mir ausgesucht hab zu einer Zeit, in der ich mich nie als Videomaker gesehen habe. Mit diesem Blog „The Wheel Rocking World of Lisa and David“, kam dann ein neuer Youtube Kanal, doch auch hier war die URL wegen des langen Namens nicht so wie gewünscht. Deswegen heißt nun dieser Blog auch nur noch „Lisa and David!, aber die URL vom Kanal lässt sich leider nicht mehr ändern . Da haben wir zu schnell geschossen. Mit dem neuen sit’n’skate Kanal wird es dann auch bald eine kürzere URL geben (sobald wir 100 Abonnenten haben – also los abonniert den Kanal 😉 ), außerdem einen einheitlichen Style mit unseren anderen Projekten.

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Der Grieche hat uns einen neuen Header gebastelt – vielen Dank!

Denn unter sit’n’skate wollen wir nicht nur online auftreten, sondern immer und überall. Ja, wir machen uns damit selbstständig! Egal, ob Skatetreff, Workshop, WCMX event oder Präsentation… ab jetzt heißen wir sit’n’skate! Und ob wir am Ende mehr coole Klamotten kreieren oder mit anderen Aktionen unsere Brötchen verdienen, werden wir sehen. Auf jeden Fall starten wir gerade eine erste Testreihe von DIY Shirts, Sticker und ähnlichem. Außerdem kreieren wir „Produkte“ mit denen wir auf den Markt wollen und so richtig Kohle scheffeln können –  nein Quatsch – natürlich haben wir auch hier das selbe Ziel, wie bei all unseren Aktionen: Wir wollen werben für Teilhabe, Inklusion und vor allem wollen wir diese blöden veralteten Stereotypen aus den Köpfen verdrängen!!!

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Warum wir dafür nun die Selbstständigkeit wählen, ist schnell erklärt. Mit all unseren ehrenamtlichen Engagements kommen wir nicht mehr hin. Weder zeitlich, noch finanziell. Wir sind hier am Limit, dabei wollen wir darüber hinaus noch viel mehr machen! WCMX muss bekannter werden, der Rollstuhl soll nicht nur als blödes Hilfsmittel gesehen werden und um die Masse zu erreichen, muss einfach noch viel mehr Zeit investiert werden. Wir wollen also nicht reich werden, sondern wir wollen versuchen davon zu leben und somit noch flexibler in unserem Engagement zu sein!

Ihr wollt uns dabei helfen? Die Gelegenheit kommt mit Sicherheit, aber jetzt helft ihr uns vor allem erst mal, indem ihr unsere Facebook Seite liked, unsere Inhalte teilt, auf Instagram folgt und unseren Youtube Kanal abonniert.

Vielen Dank schon mal und #staytuned –  da kommt noch einiges!

 

Cheers Lisa + David

 

 

Mein Artikel aus der taz.mit Behinderung

Die taz – Die Tageszeitung hat zum Tag der Menschen mit Behinderung eine Sonderausgabe in Zusammenarbeit mit Leidmedien.de und den Sozialhelden herausgebracht, in der viele Autoren mit Behinderung geschrieben haben. Ich kann nur jedem empfehlen die ganze Ausgabe zu lesen, da sehr viele interessante Artikel darin zu finden sind. Für alle, die die taz vom Freitag, dem 2. Dezember nicht gelesen haben, hier zumindest mein Text in ungekürzter Fassung.

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Foto: RBG Dortmund 51 e.V.

Wie zu Fuß, nur bergab deutlich schneller
Mobilität mit dem Rollstuhl – Warum das fahren lernen so wichtig ist
Text: David Lebuser

Mobilität ist in der heutigen Zeit enorm wichtig. Für uns ist es ganz normal, dass wir kurze Strecken zu Fuß, mittlere mit der Bahn und lange Strecken beispielsweise mit dem Auto fahren – oder mit dem Fahrrad. All das lernen wir in der Regel von klein auf, indem wir uns das von den anderen abschauen und es dann nachmachen. So lernen wir Menschen, wir ahmen nach, wir schauen uns etwas ab und halten das dann für normal. Doch was machen Kinder, die nie laufen lernen oder Menschen, die nicht mehr laufen können – wegen eines Unfalls, Krankheit oder Behinderung?

Meist wird Mobilität mit dem offensichtlich „Normalen“ in Verbindung gebracht, also wird erst mal das Laufen trainiert. Doch für Rollstuhlnutzer, selbst für welche, die noch laufen können, ist das oft nicht die effizienteste Methode. Wir sollten also zuerst lernen, mobil zu sein und dabei sollte nicht entscheidend sein wie man mobil ist, sondern dass man mobil ist.

Die Stärken stärken sollte im Vordergrund stehen und somit sollte man gehbehinderten Menschen, Kindern wie Erwachsenen, das Rollstuhlfahren beibringen. Wenn man selbstbestimmt in der Lage ist, seine Umgebung zu erreichen, dann wird man auch einfacher und motivierter weitere Ziele in Angriff nehmen können. Das kann dann Laufen lernen genauso sein, wie ein guter Schulabschluss oder der (Wieder-)Einstieg ins Berufsleben.

Vor allem Kinder schauen sich in ihrer Entwicklung vieles von den Eltern und anderen Menschen in ihrer Umgebung ab und brauchen daher ein gutes Rollstuhltraining, denn selten gibt es rollstuhlfahrende Vorbilder im engeren Bekanntenkreis. Sinnvoll ist es auch gelegentlich Sportangebote für Rollstuhlfahrer zu nutzen, damit die Kinder auf eine spielerische Art und Weise voneinander lernen können.

Rollstuhl- und Mobilitätskurse gibt es aber nicht nur für Kinder, denn auch Erwachsene, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind – sei es nun durch Unfall, Krankheit oder Behinderung – benötigen eine gute Einweisung in den Gebrauch des Rollstuhls. So eine Einweisung besteht aus deutlich mehr, als wie man den Rücken einklappt oder wie man die Räder abnimmt und wo man die Schiebegriffe einstellt. Viel mehr muss man lernen sich mit dem Rollstuhl effektiv und kraftsparend zu bewegen, zu lenken und zu bremsen, damit man das Gerät in jeglichen Situationen im Griff hat. Weiter geht es zu lernen, wie man Bordsteinkanten sicher hoch und runter kommt und auch wie man Menschen anleitet zu helfen, wenn eine Barriere doch mal zu groß ist.

Solche Kurse werden unter anderem vom Deutschen Rollstuhl-Sportverband e.V. (DRS) angeboten und von eben diesem gibt es auch eine Übersicht aller Kurse in Deutschland. Auf http://www.rollstuhl-fahren-lernen.de kann man schauen, welche Termine demnächst anstehen. Für Kinder und Jugendliche kann man auch speziell bei den Rollikids auf http://www.rollikids.de schauen und auch nach Kindersportangeboten in der Nähe fragen.

Ist man auf einen Rollstuhl für das tägliche Leben angewiesen, sollte auch die Krankenkasse die Kosten für so einen Kurs übernehmen. Das bestätigte 2012 u.a. auch das Sozialgericht in Oldenburg (S 6 KR 412/12): „Gesetzlich versicherte Rollstuhlfahrer haben einen Anspruch auf die Übernahme der Kosten für einen Mobilitäts- und Rollstuhltrainingskurs.“, heißt es dort unter anderem.

Doch oft sehen dies die Krankenkassen anders. Es heißt, für die Einweisung sei der Leistungserbringer, also das Sanitätshaus zuständig. Aber haben die Sachbearbeiter der Krankenkassen ihren Führerschein auch beim Autokauf im Autohaus gemacht? Sicher nicht, denn auch dort ist klar, dass die technische Komponente vom Fachverkäufer übernommen wird, aber die Fahrfähigkeiten werden bei der Fahrschule erlernt.

Gerade für ein selbstbestimmtes Leben ist es enorm wichtig mobil zu sein. Kinder entdecken die Welt und lernen dabei. Je mobiler und selbstbestimmter sie das machen können, desto besser werden sie sich entwickeln – in allen Belangen. Auch ein erwachsener Mensch wird sein Leben besser gestalten können und lebenswerter empfinden, wenn ihm seine Mobilität möglichst einfach gemacht wird. Nur wenn Hilfsmittelversorgung und die Schulung in den Gebrauch des Hilfsmittels individuell auf die Situation des Menschen mit Behinderung abgestimmt sind, wird auch eine optimale Teilhabe am Leben möglich sein. Wenn wir also wieder mal von Inklusion reden, dürfen wir dies auf keinen Fall außer Acht lassen.

Nicht also das Laufen ist als normal anzusehen, sondern die Freiheit sich zu bewegen können und mit dieser Freiheit dann am Leben teilhaben zu können. Wenn der Rollstuhl erst mal beherrscht wird, ist auch das Bahn fahren, sowie das Autofahren kein großer Schritt mehr. Unabhängig von Alter, Behinderung oder Rollstuhlversorgung empfehle ich allen betroffenen Menschen sich über die Möglichkeiten zu informieren und an so einem Training teilzunehmen. Die Mobilitätskurse gibt es für alle Altersgruppen, sowie für Aktiv- und auch für E-Rollstuhlfahrer.

Ist das Fahren dann gelernt, bietet der Rollstuhl nahezu die selben Möglichkeiten, wie das zu Fuß gehen, nur ist man bergab deutlich schneller!

/David

#nichtmeingesetz

Ich hab mich eigentlich nie großartig für Politik interessiert. Ich war zwar immer wählen, aber so richtig beschäftigt und auseinander gesetzt hatte ich mich damit nie. Nun, irgendwie habe ich mich auch nie so richtig davon betroffen gefühlt.

Nach meinem Unfall war das nicht viel anders. Ich musste mich zwar zum ersten mal mit Gesetzestexten rumschlagen um meine Widerspruchsschreiben bei der Krankenkasse zu würzen, aber sonst interessierte es mich immer noch sehr wenig. Zu den Wahlen flammte es dann ab und an etwas auf, aber auch schnell wieder ab. Denn in keiner Partei fühle ich mich wirklich gut aufgehoben, weder früher, noch heute. Bei der Wahl galt für mich immer irgendein geringes Übel, mit den besten Sprüchen oder den blumigsten Aussichten, die es aber eh nicht schafften.

Dann war ich das erste mal in der USA und seit 2012 dann jedes Jahr. Ich war erstaunt über die drastischen Unterschiede zu Deutschland. So viel Barrierefreiheit und überall Behindertentoiletten, völlig selbstverständlich. Hohe Bußgelder für das unberechtigte Parken auf Behindertenparkplätze, viele Abschleppwagen, die das auch durchsetzten und Busse, Züge und Taxis, die ohne jegliches zögern alles möglich machten, damit du ans Ziel kommst. Alles völlig selbstverständlich oder? Aber das war und ist es in Deutschland leider nicht.

Ich erfuhr vom Teilhabegesetz der USA: Americans with Disability Act oder kurz ADA. Jeder kannte es, nutze es und es war offensichtlich, dass diese Regelungen ein Grund sind, dass Teilhabe dort so selbstverständlich ist.

Dann gab es endlich Pläne auch in Deutschland ein Teilhabegesetz zu verabschieden. Das freute mich, denn ich erhoffte mir ja eine ähnliche Entwicklung. Doch nun wird das Bundesteilhabegesetz kaum Ähnlichkeiten mit dem der USA haben. Auch nicht, wenn man das Behindertengleichstellungsgesetz hinzu zieht. Es werden keine Regelungen getroffen, dass Arztpraxen, Boutiquen, Imbissläden, Restaurants oder andere private Unternehmen barrierefrei sein müssen. Nicht mal der Versuch einer Regelung, dass diese es versuchen müssen, wenn die Durchführung super einfach ist. Beim ADA wird dies klar geregelt, es gibt auch dort Ausnahmen, aber eben mit klaren Regeln!

Weiter fehlt mir im Bundesteilhabegesetz eine Verbesserung des ÖPNV, der Bahn, Reisebusse und anderen Beförderungsunternehmungen. Auch das findet im ADA deutlich mehr Beachtung. Nicht falsch verstehen, nach wie vor gibt es die Möglichkeit den Nahverkehr mit Wertmarke zu nutzen, es gibt Kostenerstattungen und Vergünstigungen. Aber was bringt mir das, wenn die Bahnhöfe, Züge und Busse nicht ausreichend Platz bieten bzw. nicht barrierefrei ausgebaut sind?

Ich gebe zu, dass die Punkte, die mich direkt berühren vergleichsweise gering erscheinen, wenn man sich die Kritik anschaut, die von vielen Menschen und Verbänden im Internet und auf Demonstrationen in Richtung des Ministeriums für Arbeit und Soziales und des Bundestags gesendet wird.

Doch dann machten wir etwas, dass ich mir wohl nie hätte vorstellen können: Lisa und ich guckten uns Bundestagssitzungen und eine Fragestunde an. In voller Länge und aufmerksam. Wir waren wirklich sehr interessiert und es freute uns, dass die Opposition die Kritik ehrlich und unverfälscht in den Bundestag brachte. Was uns dann schockierte, war der Umgang damit bei den Regierungsparteien. Die Debatten kann man sich auf bundestag.de Eine Kurzform gibt es hier (etwas zurecht geschnitten 😉 ) https://www.youtube.com/watch?v=q-7JZTD1GTQ

Die Antworten der SPD und CDU waren keine echten Antworten. Sie versteckten sich hinter den immer gleichen Ausreden und konterten mit sich wiederholenden Fakten. 700 Millionen werden in die Hand genommen und trotzdem 5 Milliarden Entlastung der Kommunen… Toll, aber das war nicht die Frage! Und immer wieder diese Selbstbeweihräucherung: „Es ist ein gutes Gesetz.“ Dabei hat es anscheinend nur einen tollen Namen für ein Gesetz, dass die Chance gehabt hätte, echt gut zu sein. Eine weitere oft wiederholte Phrase war: „Es wird für viele Menschen Verbesserungen geben.“ – aber was ist das für eine Aussage auf eine konkret gestellte Frage? Als ob ich im Supermarkt frage, warum es keine Äpfel mehr gibt und mir nur geantwortet wird: „Es wird für viele Menschen Bananen geben“. Aber warum ich keine Äpfel bekomme, bleibt offen.

Ja ich weiß, der Obstvergleich ist madig und ist auch nicht mein bester Spruch, aber alles in allem war ich einfach tierisch geschockt, dass offenbar keiner auf die Kritik eingehen möchte. Es soll so durchgedrückt werden. Kritiker werden ignoriert oder angeschrien. Denn nicht nur, dass die Antworten von SPD und CDU keine echten Antworten enthielten, sie waren oft auch noch rotzfrech. Jetzt sagt der ein oder andere, dass das immer so sei zwischen Regierung und Opposition, aber für mich war es, als ob sie mir direkt ins Gesicht spucken. Denn es war ja die Kritik von mir und anderen vom Gesetz betroffenen Menschen. Hätten die mir also genauso geantwortet?

Und dann wird eine Werbekampagne gefahren, die allen vermitteln soll, dass alles gut wird. Beschäftigt euch nicht damit, lest es euch nicht durch, glaubt einfach diesem Plakat. Zum Glück haben engagierte Leute, wie Raul Krauthausen oder Constantin Grosch, zusammen mit Vereinen wie Mobil mit Behinderung und vielen anderen einen Gegenentwurf gestartet. Dieser Gegenentwurf enthält deutlich mehr Wahrheit.

Politik ist für mich nach wie vor Neuland, aber ich möchte, dass die Regelungen für die Teilhabe behinderter Menschen auch ein gutes Gesetz bekommen. Deswegen bitte ich euch, kommt am 7. November zur Demonstration nach Berlin ans Brandenburger Tor, schreibt euren kommunalen Politikern, euren MdLs und konfrontiert sie mit der Kritik, seid laut und lasst euch nicht verarschen. Auch wenn für den ein oder anderen unter euch Politik auch noch Fremdland ist, hier geht es um etwas, dass schon längst selbstverständlich sein sollte!

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Für mehr Informationen schaut nach Hashtags #nichtmeingesetz #BTHG #Bundesteilhabegesetz

Weitere Kampagnen und Informationen findet ihr unter anderem hier: http://nichtmeingesetz.de

 

/David

 

Guter Flughafen Böser Flughafen

Nachdem wir letztens in Düsseldorf ja sehr schlechte Erfahrungen gemacht haben, wollen wir heute mal erzählen, wie es auch sein kann.

Wir sind für zwei Wochen nach Kalifornien geflogen. Dieses mal von Frankfurt und die Unterschiede zu unseren Erlebnissen in Düsseldorf sind enorm. Selbst bevor wir von Flughafenmitarbeitern bedroht wurden, mussten wir in Düsseldorf immer wieder diskutieren, wurden unfreundlich und unangenehm behandelt. In Frankfurt fühlten wir uns bisher jedes mal wohl. Wir fühlen uns in Frankfurt verstanden und akzeptiert und bekommen die Hilfe die wir brauchen von fröhlich-freundlichem Personal.

Bei der Lufthansa in Frankfurt beginnt schon beim Check In die positive Erfahrung. Da es dort einen speziellen Check In Schalter für Familien und Menschen mit Behinderung gibt, sitzen dort Leute, die mit der Thematik vertraut sind. Dies macht vieles einfacher und schneller, insgesamt viel angenehmer in der Abwicklung. Auch unser Sperrgepäck (Ersatzräder, 2. Rollstuhl) wurde von dort abgeholt, unsere Rollstühle für die Lieferung ans Gate markiert.

Danach wurden wir von einem freundlichen Mitarbeiter begleitet, der uns bis zum Gate gebracht hat. Wir hätten das Gate auch alleine gefunden und normalerweise sagen wir auch, dass wir erst am Gate Hilfe benötigen. Woraufhin wir uns ja letztens in Düsseldorf einige blöde Sprüche vom Personal drücken lassen mussten. Da dies aber ein sehr angenehmer und entspannter Zeitgenosse war, unterhielten wir uns auf dem Weg sehr gut und er war einfach nur ein netter Begleiter.

Auch im Flugzeug gab es keine Probleme. Wir durften ohne Diskussion nebeneinander sitzen auf den Sitzen, die wir uns ausgesucht haben. Diese waren möglichst nah an den Toiletten, sodass auch der Klogang problemlos möglich war. Naja zumindest für Lisa waren die paar Schritte machbar. Es gab zwar einen Stuhl an Bord mit dem man mich hätte die paar Meter zur Toilette bringen können, aber ich entschied mich den kurzen Weg auf dem Arsch hin zu robben und aufs Klo zu klettern. Das sorgte zumindest dafür, dass ich gehen konnte wann ich wollte und nicht warten musste, bis jemand von den Flugbegleitern Zeit hat.

In Los Angeles bekamen wir direkt am Gate unsere Rollstühle, so wie es sein soll und sind dann alleine, nachdem wir uns für die Hilfe bedankt und gesagt haben, dass wir von hier aus klar kommen, durch die Sicherheitskontrollen und zum Gepäckband gerollt. In einem barrierefreien Flughafen, in dem man die Aufzüge selbst bedienen kann auch kein Problem. In Düsseldorf braucht man für einige Aufzüge einen Mitarbeiter!

Auch auf der Rückreise lief alles super. Wir sind abends geflogen, mussten den Mietwagen aber schon vormittags abgeben, sodass wir schon 8 Stunden zu früh am Flughafen waren. Wir konnten aber am Check In Schalter für einen früheren Flug unser Gepäck abgeben. Auch in LA wurde alles problemlos angenommen, unser Sperrgepäck abgeholt und wir wurden weder auseinander gesetzt, noch mit irgendwelchem Halbwissen aufgehalten.

Die Wartezeit konnten wir nun ohne Gepäck super nutzen und nahmen den Bus nach Santa Monica um noch einige Zeit dort zu genießen. Als wir wieder am Flughafen waren, ging alles super schnell. Wir kamen locker durch die Sicherheitskontrollen zum Gate und hatten sogar noch genug Zeit vor dem Boarding um in Ruhe auf Klo zu gehen. Doch dann wurden wir ausgerufen zum Gate gebeten. Das Boarding sollte früher beginnen. Aber selbst die kleine Hektik Einlage tat der guten Erfahrung keinen Abbruch, denn auch hier wurden wir nun ganz entspannt auf die Sitze gebracht. Leider waren das dieses mal nicht die, die wir uns ausgesucht hatten.

Doch auf Nachfrage durften wir auf diese Sitze umziehen und hatten nun sogar etwas mehr Beinfreiheit, was einen 10 Stunden Flug um einiges komfortabler macht.

In Frankfurt warteten schon unsere Rollstühle auf uns am Gate und wir bekamen wieder einen super Service, der so ein krasses Gegenteil zu unseren Erfahrungen in Düsseldorf darstellt wir man sich kaum vorstellen kann.

Der Grund für die schnelle Eskalation in Düsseldorf letztens war, dass wir mit dem Satz begrüßt wurden: „Ihre Rollstühle bekommen Sie am Band.“ Kein freundliches Hallo, kein wir schauen mal was wir machen können, kein wir versuchen unser Besten, nein nur ein geht nicht gibts nicht: „Ich arbeite hier schon seit Jahren. Das klappt bei uns nie!“ Ich verlangte meinen Rollstuhl und die einzige, die professionell uns serviceorientiert handelte, war der Ramp Agent, der das Boarding aufhielt und unsere Rollstühle bringen lies. Air Berlin und die Rollstuhlassistenten verneinten die Möglichkeit immer noch als unsere Rollstühle längst da waren.

In Frankfurt nun war das gar kein Problem und auch die Begleitung war hier wieder sehr aufmerksam und nett, sodass wir uns gern von ihnen bis zum Gepäck bringen ließen. Im Gegensatz zu Düsseldorf, wo wir uns blöde Sprüche anhören mussten und froh waren, dass wir die Typen endlich nicht mehr brauchten (nach dem sie uns den Aufzug bedient hatten, für viel mehr brauchten wir sie ja nicht).

In Frankfurt mussten wir die Reise mit dem ICE fortsetzen, was den Vorteil hatte, dass wir unser Gepäck direkt am Bahnhof abholen konnten. Auch der Einstieg in den ICE mit der Deutschen Bahn verlief problemlos.

Nach den Erfahrungen in Düsseldorf, frage ich mich nun, warum Düsseldorf sich nicht ein Beispiel an den Abläufen in Frankfurt nehmen kann. Warum muss die Erfahrung so extrem unterschiedlich ausfallen?

 

/David

© Photographer: Jens Goerlich - © Models: Jens Goerlich - © conditions: worldwide, 5 years, no advertising
© Photographer: Jens Goerlich – © Models: Jens Goerlich – © conditions: worldwide, 5 years, no advertising

Gedanken über…Sprache

Ich bin bei einer Diskussion auf Facebook mal wieder auf meinen Sprachgebrauch aufmerksam gemacht worden. Ich wurde dafür kritisiert, dass ich geistig Behinderte „Geistis“ genannt hab und das ich Blinde als Baustelle bezeichnet habe. Letzteres ist nicht so ganz korrekt, denn Sprache funktioniert ja auch oft nur im Kontext. Ich würde ja keinen Menschen als Baustelle bezeichnen. Viel mehr ging es um Aufgabengebiete, die ich Baustellen genannt habe. So sehe ich es als meine Baustelle u.a. gehbehinderte Menschen zu mobilisieren und zu motivieren, aber für blinde Menschen kann ich da nicht so viel tun, weil ich davon halt keine Ahnung habe und ich es auch nicht als meine Aufgabe sehe oder gar als meine Pflicht.

Nun kann man sich natürlich streiten, ob man bestimmte Bezeichnungen verniedlichen darf. Der eine mag es, der andere nicht und ich sage, es kommt auf den Kontext an und eben wer die Sprache anwendet und wo. Rolli, GehBehs, Spasti, Behindi… in meinem täglichen Sprachgebrauch sind das durchaus Worte, die ich oft und gern gebrauche und wenn sich da jemand von angegriffen fühlt, kann ich nur sagen: Nimm den Stock ausm Arsch! Natürlich würde ich diese Verniedlichungen nicht unbedingt überall als angemessen sehen und dort wo sachliche und fachliche Inhalte geschrieben stehen, wie z.B. in der Presse oder anderen Medien, achte ich sehr darauf, dass eine korrekte und angemessene Ausdrucksweise verwendet wird. Bei Interviews verweise ich auch gern auf Leidmedien.de.

In einem persönlicheren Umfeld nennen „wir uns“ auch gegenseitig Spasti oder Krüppel und wissen, dass das alles andere als böse gemeint ist. Auch hier kommt es wieder auf Kontext, wer, wie, wo und warum an. Generell muss ich aber dennoch sagen, dass ich nicht jeden berichtigen muss und mich auch nicht sofort bei jedem Scheiß beleidigt fühlen muss – schon gar nicht bei einer Verniedlichung. Ich mach mich auch gern lustig darüber, wenn der Busfahrer mal wieder fragt, wo denn die Rollstühle raus wollen, aber mehr als einen blöden Spruch gibt es dann auch nicht. Natürlich will der Mensch auch mit aussteigen in aller Regel, aber durch den Kontext ist das zum Glück relativ klar. Bei dem Spruch „…an den Rollstuhl gefesselt…“ bekommt derjenige auch einfach einen blöden Spruch gedrückt, nur selten belehre ich hier immer sofort, außer es ist ein Journalist oder andere, die mit Worten arbeiten und ein öffentliches Bild formen können/sollen. Oder ich habe viel Zeit, dann erkläre ich natürlich auch gern was daran blöd ist und warum man es anders ausdrücken sollte.

Auch der behinderte Mensch, im allgemeinen oft Behinderter genannt, ist eine Ausdrucksweise, die für mich in offizielle Schreiben / Reden gehört. Aber in der Umgangssprache finde ich es nicht schlimm jemanden einfach behindert oder Behinderten zu nennen. Auch hier gilt wieder, wenn ich viel Zeit habe oder mein Gegenüber jemand ist, der das verstehen sollte, erkläre ich mich oder verweise auf Leidmedien.de.

Wenn wir bei jedem Scheiß immer gleich auf Political Correctness pochen, wenn wir bei jedem kleinen Fehler immer berichtigen, erreichen wir die Leute noch viel weniger, weil sie einfach nur genervt sind und wir bauen Ängste auf, die wir eigentlich abbauen wollen. Wenn Leute schon Angst haben mit uns zu sprechen, weil sie Angst haben in Fettnäppfchen zu treten „oh darf ich überhaupt treten sagen?“, dann erreichen wir oft das Gegenteil von dem was wir eigentlich erreichen wollen. Denn Begegnungen und unkompliziertes, einfach normales Miteinander, inklusiv und bunt, das sehe ich sehr wohl als meine Baustelle. Dazu müssen wir aber auch ein unkompliziertes miteinander ermöglichen und dürfen das nicht unnötig erschweren, nur weil wir immer gleich auf politisch Korrekte Ausdrucksweise bestehen. Das ist nicht mein Bier!

Oh du trinkst gar kein Alkohol? War das jetzt unangemessen? Es gibt halt gewisse Floskeln im Sprachgebrauch, die erst nach und nach verschwinden, mal wieder auftauchen und auch wieder verschwinden. Natürlich kann und muss man das ein bisschen steuern, aber man sollte da nicht ein Sprach oder Behindertennazi werden und alle gleich verurteilen und unter Generalverdacht stellen, nur weil die dich „an den Rolli gefesselt“ genannt haben. Ich mag auch einen alten Spitznamen von mir nicht so ganz weil der so niedlich klang: „Busi“ haben mich die Mädels oft genannt, einige tun es immer noch. Dennoch mach ich die nicht blöde an und sage: „Das heißt Lebbe!“

/David

PS: Mit Spastiklatschen meinen wir z.B. das klatschen bei großer Freude von Leuten mit CP und keine gewaltverherrlichenden Aktionen!

blablabla

Eine Zugfahrt die ist lustig…

Was war das für ein Tag! Der Tag als wir nach Berlin wollten. Es fing schon damit an, dass um 7 Uhr morgens, noch in der Koffeinierungsphase mein Handy klingelte. Die DB Mobilitäszentrale war dran. Die Einstiegshilfe für Dortmund muss abgesagt werden, weil dort schon drei (!) weitere Einstiegshilfen zur gleichen Zeit bestellt wurden. Zugegeben, wir haben wieder mal nicht nach den Regeln der Bahn gespielt, haben wir uns es doch erlaubt die Zugfahrt nur 20 Stunden, anstatt 24 Stunden vorher anzumelden. Diese vier Stunden mehr hätte die Bahn sicherlich dazu gebracht, mehr Personal bereitszustellen – klar ne!

Der Mobilitätsservice hatte mir aber vorher schon per Mail die Reservierungen für die Züge geschickt, sodass wir beschlossen die Fahrt wie geplant anzutreten. Wir riefen die Bahnhofsmission zur Hilfe, damit die uns wenigstens durch die Wirren des rollstuhlunfreundlichsten Großstadtbahnhofs Deutschlands (ich finde der Dortmunder Hauptbahnhof hat so einen Preis wirklich verdient) zu bringen. Mit deren Hilfe wurde dann sogar doch noch die Einstiegshilfe durch die Bahn realisiert, aber nicht ohne  eine Menge Kleinkrieg. Es hieß ich sei unfreundlich am Telefon gewesen und deswegen wäre die Hilfe abgelehnt worden. Zur Erinnerung: ich wurde noch vor Vollendung des Koffeinkonsums angerufen! Bevor ich überhaupt die Chance hatte unfreundlich zu werden, wurde mir bereits gesagt, dass die Hilfe nicht realisiert werden kann. Dass die Dame am Telefon so zart besaitet ist, kann ich ja nicht ahnen. Ich hab doch nur gesagt, dass ich denen im Bahnhof schon aufn Tresen kacken werde wenn die mich nicht mit dem Zug fahren lassen.

Nun kamen wir aber mit der Bahnhofsmission zu dem von uns gebuchten und vom Mobilitätsservice reservierten Zug und Wagen. Das neue Problem war ein anderes. Es war ein Großraum-/Fahrradabteil. Wir wollten aber mehrere Stunden nach Berlin fahren, da sollte man für ein 60 € Ticket erwarten können, einen vernünftigen Platz zu bekommen und vor allem ein Klo zu bekommen. Das ist ja nun nicht gerade übermäßiger Luxus oder?

Wir dachten es sei einfach der falsche Wagen reserviert worden, aber der Zug hatte wohl aufgrund seines Alters kein Rollstuhlabteil. Dass das einfach nur Quatsch ist, zeigt schon, dass der HKX bspw. mit gemischten tlw. sehr altem Wagenmaterial fährt und es dennoch schafft rollstuhlgerecht zu sein. Naja es wurde uns angeboten mit dem später fahrenden ICE zu fahren, der dann auch freie Rolliplätze mit Klo hatte. Wir mussten uns also dafür nur ein wenig die Finger am Bahnsteig abfrieren, denn in Dortmund kann man ja als Rollstuhlfahrer nicht einfach mal eben selbstbestimmt nach unten um sich ein warmes Getränk zu holen und noch zwei mal durch die Katakomden wäre ja wohl zu viel verlangt. So viel Personal hat man hier ja nicht.

Hier, in Deutschland, ist das halt alles anders. Wir fanden es schon sehr interessant, dass uns von mehreren Bahn Angestellten an diesem Tag gesagt wurde, als wir von positiven Erfahrungen aus anderen Ländern berichteten, dass wir ja hier nicht in den USA oder sonstwo wären, sondern in DEUTSCHLAND. Da geht so was natürlich nicht. So ein Vierte Welt Land wie Deutschland kann sowas natürlich nicht leisten und trotz unterschriebener UN Behindertenrechtskonvention werden die Rechte von behinderten Menschen ja eh mit Füßen getreten. Die treten ja auch nicht zurück diese Querschnittgelähmten, denkt sich die Bahn da offenbar. Wir hatten einfach mal wieder das Gefühl Fahrgäste 3. Klasse zu sein, mussten wir uns doch Sprüche von der Bahn anhören wie: „Sie wurden ja auch offiziell abgelehnt!“, „Wir können ja nicht 100 Rollstuhlfahrern helfen, so viel Personal haben wir nunmal nicht.“ oder „Reserviert wurde ja auch nur für zwei Personen mit Fahrrädern.“ Um nur einige zu nennen. Ich könnte mir auch die Tonaufnahme nochmal anhören um noch ein paar weitere Zitate aus dem Hut zu zaubern, aber ich möchte mein Blutdruck niedrig halten.

Als wir dann endlich im ICE nach Berlin gefahren sind, schien die Story sich dem Ende zu nähren, aber es sollte noch einiges passieren. In Stendal zum Beispiel wurde der Zug auf einmal picke packe voll und siehe da, es handelte sich um die Fahrgäste des IC Zuges, der aufgrund seines Alters kein Rollstuhlabteil hatte. Ist er nun auch aufgrund seines Alters stehen geblieben? Da hat die Bahn wohl ganz schön schlechtes Karma bekommen nach der Aktion. Der ICE rollte weiter und in Berlin gab es dann eine weitere Schrecksekunde. Die Ausstiegshilfe war nicht zu sehen. Da der Hauptbahnhof aber nicht Endstation war, wollten wir vermeiden weiter zu fahren und so drückte ich meine Reisetasche einen hilfsbereiten Fahrgast in die Hand und sprang aus dem ICE. Keine Rampe zu sehen, also machte Lisa es mir nach und mit der Hilfe von den freundlichen Fahrgästen bekamen wir alles aus dem Zug.

Ich filmte diese Aktion und schwenkte dann über den Bahnsteig, wo ich die Dame vom DB Servicepersonal entdeckte, die die Rollirampe in unsere Richtung schob. Doch anstatt sich zu freuen, dass wir bereits ausgestiegen sind, fragte Sie nur: „Sollte ich Sie aus dem Zug holen?“ Wir sagten, eigentlich schon und dann fing sie an ungemütlich zu werden. Sie wollte meine Kamera sehen, da es ja nicht sein kann, dass ich hier Fotos von ihr machen würde. Ich sagte ihr, dass ich gefilmt hab, wie meine Freundin aus dem Zug klettern musste, weil Sie nicht zu sehen war. Aber sie wollte weiter nur, dass ich das Foto lösche. Sie hörte mir also nicht mal zu, denn ich habe ihr mehrfach erklärt, dass ich ein Video gemacht hab, kein Foto. Lisa erklärte ihr auch, dass es ein Unterschied ist, ob ich nun jemanden direkt filme oder fotografiere oder jemand im zufällig im Hintergrund ist. Ich gab ihr auch meine Visitenkarte und sagte, wenn ich etwas online stelle, finden sie das dort. Sie hat die Karte aber nicht angenommen und drohte mit Sicherheitspersonal und Polizei, was mich aber kalt lies.

Ein Bild aus dem "verbotenen Video" bevor die DB Trulla ins Bild kam
Ein Bild aus dem „verbotenen Video“ bevor die DB Trulla ins Bild kam

Lisa und ich packten weiter unsere Sachen zusammen und gingen Richtung Ausgang. Die Dame blieb uns dicht auf dem Fersen, bis sie dann endlich seine Streife von Bundespolizisten im Bahnhof erspäht hatte und auf uns hetzte. Die Polizisten jedoch erklärten ihr das, was wir auch schon mehrfach gesagt haben. Das sie als öffentliche Person damit leben muss hier bei der Arbeit auf dem ein oder anderen Foto zu landen. Der Polizist lies sich meinen Ausweis geben, glich das mit der Visitenkarte ab und gab der DB Angestellten die Karte mit der Bitte dort nachzuschauen. Sie wiederum konnte das alles gar nicht verstehen und wurde immer schlecht gelaunter, konnte aber nun nichts mehr an der Situation retten und verschwand mit dieser peinlichen Aktion sichtlich angepisst in die Weiten des Hauptbahnhofes.

Nun dachten wir das wäre das Ende der Story, doch im Hotel spielte sich noch wesentlich mehr ab. Da ich nach diesem traumatischen Erlebnis nicht mehr in der Lage war etwas zu schreiben, hab ich das einfach mal in einem Video (Achtung! Nicht ganz jugendfrei!) festgehalten:

Nach all den Ereignissen hatten wir aber wieder eine schöne Zeit in Berlin. Zuerst mit dem Auftakt für die Spendenaktion des zukünfigen Peter Panther Park der Kurt-Tucholsky-Oberschile in Berlin Pankow mit meinem alten Sportverein Pfeffersport Berlin. Später haben wir uns noch schöne Stunden an den Berlin Bowls im Gleisdreieck Park gemacht, sowie mit Punkrock Konzerten beim Myfest von DxBxSx am Core Tex. Aber auch geschafft mit Laura und Anhang die Sonne in Fhain zu genießen.

UPDATE

Es gab einen interessanten Kommentar in einer Facebook Gruppe, darauf meine Antwort mit einem Update zu der Geschichte.

Kommentar:
Ich sehe da so einige Fehler. Und zwar beim Rollifahrer selber. Eine Fahrt von Dortmund nach Berlin macht man nicht so ganz spontan. Warum meldet man die Mobilitätshilfe so spät an ? Gut, kann passieren. Dann ruft also morgens früh die Mobilitätszentrale an und sagt das die Hilfe so nicht geht. Anstatt mal abzuwarten was die vorschlagen (es hätte dann nämlich ohne Zusatzkosten schon bei der Hotline der ICE abgesprochen werden können) wird man pampig. Spätestens das sollte definitiv NICHT passieren. Denn dadurch wurde die frühzeitige Problemlösung durch die beiden Rollifahrer schon mal verhindert.

Den Dortmunder Hbf als den Rolli-unfreundlichsten Bahnhof Deutschlands zu bezeichnen zeugt von absoluter Ahnungslosigkeit. Immerhin sind mit Hilfe durch Mitarbeiter ALLE Bahnsteige mit dem Aufzug (teilweise Lasten-Aufzug) erreichbar. Das ist bei sehr vielen anderen Bahnhöfen nicht der Fall. Da geht dann selbst mit Hilfe der DB nichts. So z.B. an der gesamten Rheinstrecke linksrheinisch von Koblenz in Richtung Süden auf weit über 100km.

Die Fehler ziehen sich dann als „roter Faden“ durch den ganzen Bericht. In Berlin z.B. „springt man aus dem Zug“ (Zitat) ohne sich vorher zu vergewissern ob die Mobilitätshilfe nicht doch unterwegs ist. Da das Zugpersonal von den beiden Rollifahrern wusste hätte der Zug doch eh gewartet bis beide draußen waren.

Auch das beharren auf der Zulässigkeit von Videoaufnahmen zeugt eher von Naivität. Denn auch der Bundespolizist hatte Unrecht. Das Bahngelände ist Privatgelände. Dadurch unterliegen alle Video- und Fotoaufnahmen der Hausordnung der DB. Die verweist auf die Foto- und Videogenehmigung der DB und da steht drin das die Rechte der Mitarbeiter am eigenen Bild zu beachten sind. Also war die Videoaufnahme ganz klar unzulässig da die Mitarbeiterin dem widersprochen hat. Auf Anfrage per PN kann ich das PDF mit der angesprochenen Foto- und Videogenehmigung gerne zuschicken.

Sorry, wenn ich SO an solch eine Reise ran gehe ist der Misserfolg vorprogrammiert ! Wenn ich eine angenehme Reise haben will muss ich meine Planung schon auf meine Ansprüche ausrichten. Und vor allem muss ich (wenn ich schon auf Probleme aufmerksam gemacht werde) auch aktiv an einer Problemlösung mitarbeiten.

Selbst wenn man (wie meine Frau und ich) gerne mal spontan und ganz ohne Anmeldung unterwegs ist trifft man (fast) immer auf engagierte, nette Mitarbeiter die immer beim lösen von Problemen helfen.

Meine Antwort:
So mal von vorn nach hinten: Eine Lösung wurde nicht angesprochen, sondern bis zu dem Punkt wo ich pampig wurde hieß, es Pech gehabt, Arschkarte, meld dich früher an. Tut mir Leid aber Lösungsorientiert war das nicht. Und doch ich muss dir weiterhin widersprechen, wir fahren öfter spontan auch mit der Fernbahn und das ist unser gutes Recht! Zugegeben, dieses mal hab ich es etwas verpeilt, weil es mir aber auch aufn Sack geht, dass ich zu dem normalen Ticketkauf nochmal alle Daten angeben muss um mich anzumelden. Warum kann man das nicht schon beim Ticketkauf? Warum wird das nicht einfacher gestaltet? Wäre sicher kein Problem, aber es ist wohl nicht gewollt.
Dann hast du offenbar nicht richtig gelesen. Ich habe den Dortmunder Hauptbahnhof nicht als rollstuhlunfreundlichsten Bahnhof Deutschlands betitelt, sondern als rollstuhlunfreundlichsten Großstadtbahnhof Deutschlands, da liegt ein Riesen Unterschied. Und solche Preise sind durchaus gängig bei der Bahn, denn meine Heimatstadt Frankfurt Oder wurde „Schönster Kleinstadtbahnhof“ und der ist sogar barrierfrei. Dass du nun die Bahn lobst weil die es schaffen alle Gleise erreichbar zu machen in einer Großstadt, lässt erahnen, dass du Ziele offenbar tief ansetzt oder sehr positiv bewertest. Ich finde es schrecklich jedes mal durch den stinkenden Müllgang zu müssen und dann, wenn ein Zug Verspätung hat oder eben auf einen anderen ausgewichen wird, nicht selbstständig runter zu können um mir nen verdammten Kaffee, ne Brezel oder was anderes kaufen zu können, nicht mal auf Klo kann ich einfach so gehen. Also was bitte soll ich daran positiv bewerten???
Der rote Faden zieht sich durch dein Kommentar. Denn ich bin aus dem Zug gesprungen (und da kannst du die Anführungsstriche weglassen) als ich mehrfach aus der Tür gelinst hab und keinen erblicken konnte. Ich hatte nunmal keinen Bock mit dem Zug einen Bahnhof weiter zu fahren. Dem Bahnpersonal jedenfalls traue ich da nicht, dass die warten.
Wir haben im Bahnhof nicht gewerblich gedreht, sondern rein privat und das verbietet auch die Bahn nicht. Nachdem die Mitarbeiterin sich geäußert hat, habe ich das selbstverständlich sofort eingestellt und somit absolut rechtens gehandelt. Die Dame darf mich gern anzeigen, es würde nie zu einer Verurteilung kommen, warum auch!?
Im Übrigen wir sind zu netten und engagierten Leuten auch immer nett und freundlich, so etwas wie an diesem Tag erlebt man zum Glück seltener. Öfter erlebt man aber, dass Rechte behinderter Menschen beschnitten werden und mit Ausreden abgetan werden und das lass ich nicht zu! So etwas kann ich nicht gelten lassen.
Die Geschichte ging ja durchaus auf der Rückreise weiter… in Hamm (bis dahin hat alles super geklappt und alles war toll) fiel der Zug aus. Es wurde duch die Blume mitgeteilt, dass sich die Passagiere gern schon mal eine andere Verbindung suchen können. Als ich die Zugbegleiterin ansprechen wollte, entgegnete sie mir , bevor ich auch überhaupt nur eine Frage stellen konnte: „Nein, sie bleiben erstmal hier!“ Im Ernst? Was soll das? Darf ich als Rolsltuhlfahrer nicht selbst entscheiden was ich mache? Kann man nicht darüber sprechen? Findet man so Lösungen? Nein, findet man nicht. Sie war danach sichtlich überfordert, aber anstatt einfach mal meine Fragen anzuhören um nach Lösungen zu suchen wurde ich in der Tür stehen gelassen. Sie entfernte sich ein Stück, sie dachte wohl ich könnte dann nicht hinterher… als ich sie dann wieder fragte, musste mir ein Passagier antworten(!) als ob sie mir nicht sagen dürfe ob der Zug da gegenüber auch in Dortmund hält… Mein Vorschlag war simpel, wir steigen hier aus und da drüben rein. „Dann müsse erstmal einer vom Service geholt werden, ist aber keiner hier“ Ja dann vielleicht ma einen rufen? Ja muss der Schaffner machen, stammelte sie und verschwand. Kurz danach war auch klar, dass der Zug nicht mehr fahren wird und alle aussteigen mussten. Den Zug gegenüber, welchen ich nehmen wollte, war dann auch schon weg. Also tut mir Leid, aber ich sehe hier 1000 Fehler und zwar nicht bei mir, bei mir sehen ich einen, dass meinen Kaffee erst um 7 Uhr getrunken habe!
Tipp:
Noch mehr davon gibt es auf Facebook in der Gruppe „Alles rund um den Rolli

/David

Das wahre Gesicht der Bahn…Fortsetzung folgt

Nachdem ich bei meiner letzten Bahnfahrt von der Deutschen Bahn positiv überrascht wurde, zeigen sie heute wieder ihr wahres Gesicht. Sie können in Dortmund keine Einstiegshilfe leisten, weil zu der Zeit schon 3 (in Worten Drei!!!) weitere Einstiegshilfen beauftragt sind. Soll das eine inklusive Gesellschaft sein, in der maximal drei Rollstuhlfahrer gleichzeitig reisen dürfen? Ist das im Sinne der UN Behindertenrechtskonvention? Oder ist das schon ein Ausläufer des #Bundesdraußenhaltgesetz (BDHG) von Frau Andrea Nahles? Wir fahren natürlich trotzdem und halten euch auf dem Laufenden! 

Teilhabe! Jeder! Überall!

Warum fühle ich mich eigentlich auf Reisen immer so viel uneingeschränkter? Klar, man ist im Urlaub, das Gras auf der anderen Seite ist immer grüner, man hat nicht so viel Alltagserldigungen zu tun, muss nicht an so vieles denken.

Spontan mit dem Zug verreisen  - ohne  Diskussionen! Foto: Anna Spindelndreier
Spontan mit dem Zug verreisen – ohne Diskussionen! Foto: Anna Spindelndreier

Kann man das aber wirklich immer so einfach abtun? Kann es nicht viel mehr daran liegen, dass bspw. die USA seit einem Vierteljahrhundert ein Teilhabegesetz haben? Dass man dadurch vielerorts, sogar an den meisten Orten nicht vorher überlegen muss, ob man in ein Café oder Restaurant reinkommt oder ob man dort auf Klo kommt – wenn man mal muss. Kann das nicht sein, dass auch das spontane und einfache Bahn fahren da was zu tut? Und das man nicht mit dem Busfahrer diskutieren muss um mitgenommen zu werden? Auch andere Länder scheinen uns da schon einiges voraus zu sein.

Die USA hat mit ADA nun schon seit 25 Jahren ein Teilhabegesetz und somit eine gesetzliche Verankerung, dass Menschen nicht aufgrund Ihrer Behinderung ausgeschlossen oder diskriminiert werden dürfen. Das wirkt sich dann zum Beispiel darauf auf, dass Barrierefreiheit vorangetrieben wird, weil nun die eine Stufe vor der Tür keine Ausrede mehr ist. Denn eine Rampe ist für jeden machbar. Das ist aber nur ein sehr niederschwelliges Beispiel. Das Gesetz wird für noch so viel mehr gebraucht. Eine Gesetztesgrundlage, für alle Rechte, die in der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen festgehalten sind.

Für Menschen mit Assistenzbedarf muss die Möglichkeit bestehen Geld zu sparen, für Menschen mit einer Gehbehinderung, eingeschränkter Mobilität u.ä. muss Barrierefreiheit gefördert und gefordert werden, für alle Menschen mit Behinderung muss es möglich sein am kulturellen, sportlichen, allgemein gesellschaftlichem Leben zugänglich sein und zwar überall, für jeden und immer!

Nun hat Deutschland bisher nicht nachgezogen und das obwohl wir doch in Sachen Gesundheit und Hilfsmittelversorgung Weltspitze sind, ja trotz aller Streitereien mit den Krankenkassen sind wir da weit vorn. Doch was bringt uns das, wenn wir an dem eigentlichen gesellschaftlichen Leben nur erschwert teilnehmen können, bzw. einige komplett ausgeschlossen werden?

Dass Deutschland mit dem Bundesteilhabegesetz noch nicht nachgezogen hat, ist mittlerweile doppelt und dreifach bedenklich. Zum einen hat Deutschland die UN Behindertenrechtskonvention ratifiziert und ist somit verpflichtet diese in geltendes Recht umzuwandeln, zum anderen sind die Entwürfe dafür mehr als am Ziel vorbei und es sieht so aus, als ob es entweder noch ewig dauert oder wir von den Politikern verarscht werden.

Helft mit und fordert die Politik auf endlich zu handeln! Schreibt euren zuständigen Politikern, dass ihr mit der Situation nich zufrieden seid! Beschwert euch! Seid laut!

Unterschreibt die Petition bitte wenn noch nicht gemacht: kampagne.teilhabegesetz.org

Den zuständigen Politiker für euer Gebiet bekommt ihr hier raus: www.bundestag.de/bundestag/abgeordnete18/wahlkreise

Wenn ihr nicht wisst was ihr schreiben sollt, hier eine Formulierungshilfe:  http://nitsa-ev.de/wp-content/uploads/2016/02/2016_02_22_Brief_an_MdB_Entwurf_BTHG.pdf

Hier noch ein sehr guter Beitrag von Raul Krauthausen bei jung&naiv:

Weitere Links zu dem Thema:

Behindertenrechtskonvention – erklärt von Aktion Mensch
Behindertenrechtskonvention – ganz trocken
teilhabegesetz.org
kobinet-nachrichten.org
MMiB e.V.

/David