Tansania Reise – Teil 3

Spina Kids in der Klinik Haydom

Ein kleines Mädchen sitzt in einem Rollstuhl und jagt nach Bällen
Foto: Lars Wehrmann

Der für uns viel wichtigere Teil sollte erst nach dem Berg kommen. Wir machten uns vom urbanen Arusha auf den Weg ins ländliche Haydom. Allein die Fahrt dorthin war sehr interessant, sah man doch die großen regionalen Unterschiede. Von Arusha, der vom Tourismus gewachsenen Stadt mit vielen befestigten Straßen, führte eine gut ausgebaute Überlandstraße Richtung Westen. Doch irgendwann wurden die Dörfer ärmer, die Straße schlechter und der Asphalt verschwand. Die letzten 50 km nach Haydom nannte der Fahrer „African Massage“, da die Straßen hier nur noch aus Sand und Schotter bestanden und wir dem entsprechend durchgeschüttelt wurden. Nachdem wir uns ausgiebig haben massieren lassen und mehrere Viehherden durchfuhren, kamen wir in Haydom an. 

Kaum dort, bezogen wir im Gästetrakt unsere Zimmer. Deutlich barrierfreier als das Hotel in Arusha, aber weit entfernt von Rollstuhlgerecht. Ein Gartenstuhl war diesmal der Duschsitz unserer Wahl. Eine Tour durch die Klinik mit dem Pädriatischen Chefarzt „Daktari“ Joshua Gidabaday ließ schnell erkennen, dass dies nicht im Ansatz mit dem zu vergleichen war, was wir als Klinik kannten. Die Klinik bestand aus mehreren nach und nach gebauten Gebäuden, teilweise nur Container und Baracken, die mit überdachten Betonwegen verbunden waren. Diese Bauweise ermöglichte schöne begrünte Innenhöfe, sorgte aber auch dafür, dass Tiere bis an die Zimmer der Patienten kommen konnten. Die Ausstattung war sehr unterschiedlich. Während einige Gebäudeteile spärlich ausgestattet waren, gab es in der Radiologie Röntgengeräte, allerdings werden die Bilder hier teilweise noch per Hand entwickelt, und ein niegelnagelneues und topmodernes CT. Wogegen die Betten und die Rollstühle, die teilweise nur noch mit Gottes Willen zusammen gehalten wurden, einen deutlich schlechteren Eindruck machten.

Dr. Theresa am Bett eines Neugeborenen mit Spina Bifida
Foto: Lars Wehrmann

Aber unabhängig von der Ausstattung wurde schnell klar, dass das Personal, die Ärzte und Ärztinnen, Pfleger und Pflegerinnen hier hochmotiviert und engagiert waren ihren Patienten den bestmöglichen Service zu bieten. Angekommen an der Kinderstation, genannt „Lena Ward“ nach einer Familie die diesen Teil des Krankenhauses stiftete, erfuhren wir auch mehr über das Spina Bifida Programm und wie es in den letzten Jahren gewachsen ist und weswegen das House of Hope für den Fortbestand und die Weiterentwicklung so enorm wichtig ist. Im Lena Ward gab es 80 Betten und wenn diese voll waren, war kein Platz für Familien die am Nachsorgeprogramm teilnehmen wollten oder nach der Geburt eines behinderten Kindes aus Gründen des Aberglaubens nicht mehr nach Hause zurückkehren konnte. Das House of Hope soll hier Abhilfe schaffen und den Familien Raum geben sich der neuen Herausforderung zu stellen, zu lernen, sich auszutauschen. Den Kindern soll vor allem auch die Trennung vom Krankenhaus zu Gute kommen, denn sie sollen sich ja nicht krank fühlen mit ihrer Behinderung.

Spiel und Spaß für mehr Mobilität

Ina spielt mit Agnes mit einem Ballon
Foto: Lars Wehrmann

Der Tag darauf begann, wie hier üblich, mit einem Gottesdienst in dessen Rahmen wir auch vorgestellt wurden. Es wurde über das House of Hope gesprochen und natürlich über den erfolgreichen Verlauf des Charity Hikes auf den Mount Meru, der ja mittlerweile auch im nationalen Fernsehen zu sehen war.  Später ging es dann endlich zu den Kindern und den Familien. 

Trotz meiner Bemühungen etwas Swahili zu lernen, war die Kommunikation nur über Dolmetscher möglich. Mit den Kindern sind wir aber schnell warm geworden und konnten sie zu Bewegung animieren. Dabei halfen Bälle, Ballons und Flummis, aber auch Seilchen und Malbücher. 

Leider konnten nicht alle Familien ihre Rollstühle mitnehmen, denn das kostet extra und so mussten wir mit den Rollstühlen aus der Notaufnahme und einem selbst mitgebrachten Rollstuhl improvisieren. Leider mussten immer mal wieder Kinder auf Hockern oder auf dem Boden Platz nehmen, da einfach nicht genügend Rollstühle vorhanden waren. 

Rollstühle – Made in Tansania

David bespricht die Rollstuhlversorgung mit Lisa und Janina
Foto: Lars Wehrmann

Die Rollstühle waren auch der nächste Punkt auf der Agenda. Verstärkt mit Jens Naumann, seines Zeichens Gründer der 4ma3ma Filiale Hamburg und Sonderpädagoge, sowie erfahrener Übungsleiter der Rollikids, wollten wir die Rollstühle unter die Lupe nehmen. 

Wir betrachteten die in Tansania gebauten Rollstühle genau, reparierten mit der klinikeigenen Werkstatt was zu reparieren war und machten gemeinsame Überlegungen wie man die Rollstühle konzipieren muss , damit die Kinder sich effektiver fortbewegen können. Hier entstand schon während unseres Aufenthalts eine Kooperation, die fortlaufend sein wird. 

Grundsätzlich finden wir das Rollstuhlkonzept sehr gut, da es die regionalen Bedingungen aufgreift und die Produktionskosten gering sind. Ein Rollstuhl kostete ca. 250 Euro und ist im Vergleich zu Europäischen Stühlen also deutlich erschwinglicher. Ganz abgesehen davon, dass die Nachhaltigkeit gewährt ist, wenn die Stühle im Land produziert werden und dann auch dort mit Ersatzteilen ausgestattet werden können. Es benötigt nur ein paar konzeptionelle Änderungen um den Kindern hier ein effektives Antreiben des Rollstuhls zu ermöglichen. 

Jens mit dem Schrauber aus Haydom arbeiten am Rollstuhl von Musa
Foto: Lars Wehrmann

In Zukunft hoffen wir mit dem House of Hope ein regelmäßiges Mobilitäts- und Sportprogramm, sowie Rollstuhlanpassungs- und Reparaturtermine einrichten zu können. Im Moment nehmen Sport und Mobilität einen nicht so wichtigen Platz ein, bzw. wurden bisher kaum gefördert. Ich denke aber, wir konnten der Klinik und den Menschen vor Ort gut aufzeigen wie wichtig und wertvoll die Bewegungsschulung für die Mobilität sein kann. 

Asante sana – vielen Dank!

/David

Haydom Friends: https://haydom-friends.org

BetterPlace.org: https://www.betterplace.org/en/projects/72907-a-house-of-hope-for-kids-with-birth-defects-in-africa

Bringet den Kinderlein passende Rollstühle

In der Nacht nach Heiligabend hatte ich einen Traum, einen ziemlich komplexen. Das wunderte mich, normalerweise träume ich nur Mist und kann mich kaum dran erinnern. Und nun hatte mein Traum auch noch ein Problem wieder an die Oberfläche gebracht, dass mir sehr wichtig ist! Deswegen sitze ich nun am Weihnachtstag mit Kaffee in der Küche meiner Schwiegereltern und tippe diese Zeilen.

Mein Traum

Ich träumte, Lisa und ich seien unterwegs durch die Stadt zu einem Einkaufszentrum. Wir fuhren über eine mir unbekannte Kreuzung und während Lisa schon vorfuhr in den Konsumtempel meiner offenbar fiktiven Traumstadt blieb ich an der Ampel stehen und suchte den besten Weg über die Kreuzung.

Im Einkaufszentrum angekommen fuhr ich zu einem Geschäft um Lisa zu finden (nehme ich an), doch ich sah zwei andere junge Rollstuhlfahrerinnen, die sich dort Schminke oder andere mir recht fremde Utensilien kauften. Ich setzte mich in die Ecke, wo wohl Männer während des Make Ups Kaufs zu warten hatten (falls sie nicht selbst welches brauchen). Dort saßen einige Briten, die mir berichteten sie seien hier auf so einer Art Klassenfahrt. Ich träumte dies tatsächlich in Englisch, was mich nochmals sehr verwunderte.

Dann kam der Rest der Gruppe und sie verließen den Konsumtempel. Neben den zwei Mädchen aus dem Geschäft war nun noch ein weiteres junges Mädchen im Rollstuhl dabei. In meinen Traum hatte sie einen viel zu kleinen Rollstuhl, sie lag regelrecht darin, passte nicht rein und hatte sichtbar offene Stellen am Rücken.

Ich sprach die Gruppe nochmal an und meinte, dass man da dringend was tun müsste. Es hieß, dass sie wohl gerade keinen passenden Rollstuhl bekommen würden. Ich bot an einen passenden Rollstuhl mitzugeben, müsste den aber erst holen. Natürlich wurde es kein Happy End, denn sie mussten direkt los und ich hatte keine Zeit einen Rollstuhl zu holen. Ich sagte noch so etwas wie: „Give her a fitting wheelchair as soon as possible, because she could suffer her whole life from the results of this one.“

Die Realität

Das war ein Traum, das heißt es ist nicht real oder? Nunja ich weiß nicht wie die Versorgung von Kindern und Jugendlichen im Rollstuhl in Großbritannien aussieht. Hierzulande sehe ich leider viel zu oft Kinder mit schlecht angepassten Rollstühlen. Zum Glück eigentlich nie so schlimm wie in meinem Traum. Selten ist der Rollstuhl so klein, dass die Kids dort nicht rein passen und dadurch Druckstellen bekommen. Viel mehr ist es oft so, dass die Rollstühle viel zu groß sind, damit sie „reinwachsen“. Als sei der Rollstuhl ein Strickpulli von der Oma, der dann vielleicht zum nächsten Weihnachten passt.

Auch wenn mein komisch und ungewohnt realer und komplexer Traum nicht die Realität wiederspiegelt, so holte er doch dieses Thema wieder in den Fokus meiner Gedanken. Ich arbeite seit 6 Jahren für die 4ma3ma, ein Kindersanitätshaus aus Dortmund und böse Zungen behaupten immer wieder, wenn ich dieses Thema anschneide, es sei nur Werbung. Doch wenn ich sehen, dass Kinder und Jugendliche anderswo gut versorgt werden, dann würde ich gar keine Gründe haben sie darauf anzusprechen. Viel mehr gebe ich sogar Tipps mit, damit wichtige Punkte wie die richtigen Sitzmaße und jährliche Anpassungen nicht unter den Teppich gekehrt werden.

Ein Rollstuhl sollte passen wie ein Maßschuh, er darf nicht zu groß sein, für Heranwachsende bedeutet das, dass man einen kleinen(!) Wachstumspuffer lässt, der maximal ein Jahr anhält und den man, sobald er sich schließt, dann mit einer Wachstumsanpassung wieder auf eben dieses kleine Puffermaß bringt. Verschiedene Rollstuhlmodelle für Kinder und Jugendliche können „mitwachsen“ indem man Teile austauscht oder auch nur Rohre ausszieht und neu verschraubt. Es ist also kein Hexenwerk und dennoch sehe ich so viele Kinder und Jugendliche in festverschweißten Erwachsenenrollstühlen, die dann natürlich Strickpullimäßig angepasst werden um sie nicht nach einem Jahr wieder austauschen zu müssen.

Ich frage mich echt was das soll und kann das nur auf mangelndes Fachwissen bei den Fachhändlern, Rehatechnikern und Sanitätshäusern zurückführen. Denn selbst wenn man wirtschaftlich denken möchte in dieser Situation, verdiene ich als Firma doch besser, wenn ein Rollstuhl über viele Jahre angepasst werden muss, als wenn er nur einmal verkauft und dann (ewig nicht passend) entsorgt wird, meistens gerade dann wenn er dann endlich halbwegs passt.

Vielleicht ist es aus Gründen der Einfachheit? Eigentlich bin ich ein Fan von #keepitsimple aber hier geht es um Kinder und Jugendliche, die ein Hilfsmittel für ihre Mobilität brauchen – eigentlich sogar ein Hilfsmittel für ihre Mobilität, ihre Teilhabe, ihre Entwicklung, ihr Spiel, ihre Weltentdeckung und vieles mehr!

Der Rollstuhl ist für diese Kinder ein wichtiges Instrument und nur wer früh und gut versorgt wird, hat die maximalen Entwicklungschancen und fällt eben nicht hinter die nichtbehinderten Kinder in der Entwicklung zurück! Wir haben heute komplexe und qualitativ gute Versorgungskonzepte für alle möglichen Situationen, Behinderungen, Größen und für alle der vielen verschiedenen Parameter die bei so einer Kinderversorgung auftreten können. Das klingt komplex? Ja, das ist es durchaus und ich wünschte mir, dass Fachhändler hier auch mal öfter sagen würden: „Das können wir nicht gewährleisten, bitte gehen sie damit zu einem Spezialisten.“

Am Ende möchte ich noch sagen, dass auch ich mit meinen gerade mal sechs Jahren Berufserfahrung nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen habe. Auch ich habe schon Fehler gemacht und musste die, oft teuer, auslöffeln. Wenn ich aber mal nicht weiter weiß, habe ich ein Netzwerk aus Kollegen und Institutionen, z.B. Rollikids, die ich befragen kann oder wo ich die Kunden dann abgeben kann, damit sie gut versorgt werden.

Bitte seid ehrlich zu euch, der Kinder wegen, bildet euch gern fort zu dem Thema um in Zukunft auch hier bessere Versorgungen zu machen und macht meinen Traum zu einem Alptraum, der in der Realität so gar nicht mehr vorkommen kann.

Es gibt Weiterbildungskurse bei der Kinder und Jugendabteilung des DRS, den Rollikids, die auch ein Buch zu dem Thema herausgebracht haben, dass sehr empfehlenswert ist. Da es auch für Laien verständlich ist, empfehle ich es auch gern jedem, der sich mit dem Thema mal beschäftigen will, Eltern oder Lehrer z.B., aber auch der Fachhandel und Therapeuten sollten sich das Buch „Rollstuhlversorgung bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen“ mal anschauen. Vielleicht muss ich dann das Buch den Eltern nicht mehr mit dem Satz in die Hand drücken: „Wenn ihr das gelesen habt, seid ihr qualifizierter als 95% des Fachhandels.“ (Auch wenn der rechtliche Teil leider in die Jahre gekommen ist und nicht mehr aktuell, aber der Teil mit Maßen, Einstellungen usw. ist aktueller denn je!)

Links findet ihr im Text und unten drunter. Vielen Dank, dass ihr euch mit dem Thema befasst und vielleicht schaffen wie es ja, dass im Jahr 2020 noch mehr Menschen auf dieses Thema achten und unsere Kids sitzend und flitzend am Leben teilhaben können, in passenden Rollstühlen, um Folgeschäden von Schultern, Hüfte und Co zu vermeiden und eine bestmögliche Entwicklung zu fördern.

/David
PS: Dieser Artikel enthält unbezahlte Werbung, auch wenn ich bei der 4ma3ma angestellt bin und mit den Rollikids Aktionen zu Sport und Mobilität durchführe, so ist es für mich, wie für Lisa und somit für sit’n’skate ein wichtiges Thema das uns beschäftigt. Wir würden uns sehr freuen, wenn der Fachhandel, Therapeuten und andere im Versorgungsprozess involvierte sich mit diesem Thema auseinandersetzen und für eine bessere Qualität sorgen würden. Die Politik könnte Qualitätsstandards festlegen die man kontrollieren kann, doch stattdessen wird durch die Krankenkassen immer mehr pauschalisiert und somit eine individuelle und qualitative Versorgung torpediert! Alles was wir wollen ist also eine gesunde Diskussion und daraus resultierende Veränderungen im Prozess der Versorgung, wenn das ohne Rollikids und 4ma3ma möglich ist, ok, aber vielleicht kann man von der gebündelten Erfahrung profitieren und diesen Weg gemeinsam beschreiten!

So jetzt aber wirklich Ende! (Ja ich könnte zu diesem Thema noch Stunden lang schreiben!)

Links

Buch „Rollstuhlversorgung bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen“
http://www.rollikids.de/index.php?id=45

Rollikids
http://www.rollikids.de/

4ma3ma – Das Kindersanitätshaus
http://www.4ma3ma.de

Auf dem Bild ist ein Kind im Rollstuhl zu erkennen, dass von rechts nach links fährt. Offenbar mit hoher Geschwindigkeit, da die Umgebung stark verzerrt ist.
Sitzen und flitzen mit passenden und gut angepassten Rollstühlen! – Foto: Rollikids

Ninahitaji kiti changu

Ich brauche meinen Stuhl auf Swahili heißt: „Ninahitaji kiti changu.“

Woher ich das weiß? Warum ich das schreibe? Nunja, ich versuche mich seit ungefähr einem Monat daran eine neue Sprache zu lernen. Und nicht etwa Spanisch oder Chinesisch, weil das die neben Englisch am meisten gesprochenen Sprachen auf der Welt sind. Nein, ich versuche mich an Swahili, weil wir im Januar 2020 ein paar Tage in Tansania sein werden.

Natürlich kann man sich dort, wie fast überall, sicher gut mit Englisch durchschlagen. Auch wird mein Swahili wohl bis dahin noch längst keine tiefgründigen Gespräche zulassen. Doch hinter dieser Reise steckt ja nicht nur ein Urlaub oder die Befriedigung unserer Lust darauf die Welt zu entdecken. Vor allem reisen wir nach Tansania, um gemeinsam mit dem Verein Haydom Friends e.V. die Spina Bifida Familien am Lutherischen Krankenhaus in Haidom zu unterstützen und den Kindern in Zukunft dort mehr Teilhabe und Mobilität zu ermöglichen.

Aber Moment mal! Braucht es dazu denn wirklich uns? Schon wieder weiße privilegierte Europäer, die den Afrikanern zeigen wie es richtig läuft? Nein, natürlich wollen wir keine neue Abhängigkeit schaffen, sondern wir wollen das machen, was wir auch hierzulande tun. Wir wollen Kinder motivieren ihren Rollstuhl zum spielen zu nutzen, für Sport und eben für ihre eigene Mobilität. Wir wollen ihnen Bewegungserfahrungen anbieten, um aus dem ewigen „das kannst du mit dem Rollstuhl nicht“ der Gesellschaft auzsubrechen.

Außerdem wollen wir, so wie hierzulande auch, ein Umdenken anstoßen. Denn hier wie dort sind es die mangelnden Vorstellungen der Gesellschaft daran, was ein Rollstuhlfahrer kann und nicht kann, die Teilhabe so schwierig machen. Die Vorstellung, dass Kinder im Rollstuhl gemeinsam mit anderen Kindern zu Schule gehen, gemeinsam lernen und spielen. Das ist nicht nur ein Thema in Tansania, sondern eben auch hier. Und warum sollten wir unsere Arbeit nur auf Europa beschränken? Für uns sind alle Rollikids dieser Welt wichtig!

Sicher wird der Ist-Zustand in Tansania ein anderer sein, aber Kinder sind Kinder und haben einen natürlichen Drang die Welt mit ihren Augen zu entdecken. Doch diese Welt ist mit Barrieren gepflastert und die Kinder müssen befähigt werden, diese nach Möglichkeit zu überwinden- zumindest so lange diese Barrieren noch existieren. Ein Rollstuhl, den man effektiv antreiben kann und die Fähigkeit diesen zu nutzen sind dabei die wichtigsten Werkzeuge und bei diesen Themen sehen wir die Möglichkeit unsere Kompetenz und Erfahrung einzubringen.

Die Rollstühle, welche bereits in Tansania gebaut werden, könnten mit wenigen Änderungen diese Werkzeuge sein und eine nachhaltige Versorgung gewährleisten. Und wenn die Kinder erstmal gut anzutreibende Rollstühle haben, werden sie mit denen spielen und sitzend und flitzend die Welt entdecken. Wir hoffen ein nachhaltiges Mobilitätspaket starten zu können, dass dann Schule macht und sich von Haidom aus verbreitet und auch adaptiert werden kann um die Bedürfnisse vor Ort zu matchen.

Wann es den ersten WCMX Workshop in Tansania geben wird, wissen wir noch nicht. Es gibt bisher einen einzigen Skatepark in der Hauptstadt Dodoama, viele Stunden Autofahrt von der Klinik entfernt. Dieses mal werden wir es dort leider nicht hin schaffen. Aber in der Hoffnung bald erneut vorbeischauen zu können, werden wir dies sicher als einen der nächsten Schritte anstreben.

Ein großes Problem sehen wir tatsächlich noch in der teilweise sehr ableistischen und abergläubischen Sichtweise vielerorts. So hörten wir, dass Familien teilweise nicht mit ihren Kindern in ihr Dorf zurück können, weil sie als verflucht oder verhext gelten. Sie dürfen nicht an Schulen, weil ihnen der Weg nicht zugetraut wird, weil man nicht glaubt, dass sie Erwachsen werden können oder dieses Wissen irgendwann brauchen können. Hierbei berichte ich nur davon, was ich gehört hab und ich hoffe, dass es am Ende alles halb so wild ist. Aber wenn doch, was kann mehr helfen als Vorbilder, die diese Denkweisen sprengen? Und bis eigene Vorbilder im Land vorhanden sind, bilden wir die Spina Kids aus, damit sie möglichst bald selbst zu Vorbildern werden können. So wie wir es hier in Deutschland auch tun würden – mit den Rollikids und mit sit’n’skate!

Oh habe ich noch gar nicht erwähnt, dass wir auch versuchen den Mount Meru zu besteigen? Nein? Dann sei das hier noch einmal kurz erwähnt, dass wir bekloppt genug sind einen Berg zu besteigen, der schon vielen fußläufigen Wanderern zu schwierig ist. Ob wir es nun bis auf den Gipfel schaffen oder nicht, allein, dass Rollstuhlfahrer den Versuch starten diesen Gipfel zu erreichen, sollte die Menschen in Tansania hoffentlich einen Gedanken aufdrängen: „Wenn Menschen mit Behinderung diese Berg in Angriff nehmen können, ohne zu wissen ob sie es bis ganz nach oben schaffen, vielleicht können dann Kinder im Rollstuhl in die Schule gehen, auch wenn man nie weiß ob es später zu einem Beruf oder einem Studium führen wird.“

In diesem Sinne hoffe ich, dass ihr uns auf dieser spannenden Reise folgt. Virtuell, hier, oder auf Facebook, Instagram und Co. Oder ihr wandert mit? Oder ihr unterstützt den Verein Haydom Friends beim Bau eines neuen Gebäudes in dem noch mehr Familien Platz haben sollen, wenn sie bspw. noch nicht in ihr Zuhause zurückkehren können oder für medizinische oder rehabilitative Maßnahmen an die Klinik zurückkehren müssen.

In diesem Sinne, wünscht uns „Safari njema“ – eine gute Reise!

Kwa heri, tutaonana baadaye!

/David

Auf dem Bild verlässt eine große Menschenmenge die Tore der Klinik in Haydom, ganz vorne Kinder im Rollstuhl.
Es gibt noch viel zu tun für die Rechte von Menschen mit Behinderung! – Destroying Stereotypes worldwide! Foto: Haydom Friends e.V.

PS: Großen Dank geht an Dr. Theresa Harbauer, die den Verein Haydom Friends ins Leben gerufen hat und der Firma Wellspect, die die Klinik in Haydom schon eine Weile mit Material versorgt und uns nun diese Reise ermöglicht.

interessante Links:

Haydom Friends e.V.

Spenden auf Better Place Org

Rolli Skate Kids

Amos und Max nach der Siegerehrung der 1. German WCMX Championships - Foto: DRS|Mandau
Amos und Max nach der Siegerehrung der 1. German WCMX Championships – Foto: DRS|Mandau

Dieser Beitrag wurde bereits in der Rollikids Ausgabe des DRS Verbandsmagazins „Sport und Mobilität“ abgedruckt. Nun auch hier für euch verfügbar.

Bei den 1. International WCMX Championships wurden Meistertitel und Medaillen in verschiedenen Kategorien verliehen – aber unabhängig von der Platzierung waren die Rollikids die Sieger der Herzen! Die jüngste Teilnehmerin war Aylin Bülbül aus Bielefeld. Mit ihren 5 Jahren, ihrem Elan und ihrem schrillen pinken Outfit verzauberte Sie Zuschauer und Starterfeld gleichermaßen. Aylin kam schon vor knapp 3 Jahren zum ersten mal zu einem von Davids Skateworkshops in Dortmund. Damals hatte sie sich immer hinter Muttis Bein versteckt, doch auch dort hatte sie schon große Lust sich im Skatepark auszuprobieren – wenn niemand guckt. Heute fahren Aylins Eltern zu vielen Veranstaltungen, wie WCMX Workshops, Skatepark Eröffnungen und nun auch Competitons um Aylins Talent zu fördern. Aktuell sammeln Sie auch Geld über eine Spendenaktion um Aylin auch einen wachstumsanpassbaren Skaterollstuhl anpassen zu lassen.

Doch nicht nur Aylin zeigte was die Rollikids im Skatepark so drauf haben. Auch Amos Donath aus Leipzig und Tom Brimacombe aus Potsdam drehten ihre Runden im Skatepark. Tom drehte Kreise im gesamten Skatepark und Amos fuhr selbstständig schon alle steilen Rampen alleine rauf und natürlich wieder runter. Man konnte richtig gut sehen, wie gut die Drei ihren Rollstuhl beherrschen. Hierbei hilft der Skatepark natürlich ungemein, denn für die Kids ist es eine Spielwiese in der sie ihre Grenzen austesten und ihre Fähigkeiten erweitern können – spielerisch.

Bei den etwas „älteren“ Rollikids gab es Spitzenplätze zu vermelden. Til Augustin gewann Gold bei den Beginnern und sicherte sich damit den Deutschen Meistertitel in dieser Kategorie – zweiter wurde dort Pierre Richter. Til und Pierre kommen aus Chemnitz und kennen sich vom Basketball. Nun treffen sie sich bestimmt des öfteren im Chemnitzer Skatepark. Wir hoffen auf jeden Fall auf ein Wiedersehen mit den Rollikids bei den Deutschen WCMX Meisterschaften 2019 oder sogar bei den WCMX World Championships am 31. August und 1. September 2019 in Köln.

Kaum zu erahnen was diese Rollikids in wenigen Jahren zeigen werden. Bleibt gespannt und verfolgt den Weg dieser jungen Athleten in dieser jungen Sportart.

Die ganze Crew - und Aylin mittendrin! - Foto: DRS|Mandau
Die ganze Crew – und Aylin mittendrin! – Foto: DRS|Mandau

Mein erster Mobikurs

Als ich 2013 meinen Übungsleiterschein gemacht habe, verfolgte ich damit nur ein Ziel. Ich wollte anderen das Rollstuhlfahren beibringen. Denn meine Fähigkeiten habe ich auch nicht im Schlaf erhalten, sondern durch ein gutes Rollstuhltraining in der Reha. Nur haben nicht alle so ein Glück und deswegen wollte ich meines teilen.

Beim Riesenball mit Risenspaß!
Beim Riesenball mit Risenspaß!

Ich habe dann auch schon die ein oder anderen Mobilitätstrainingskurse angeboten, z.B. den Roll On Workshop mit der RBG Dortmund 51. Dort machen wir je wein Wochenende Training mit unterschiedlicher Wichtung.

Doch ich wollte unbedingt endlich bei dem Mobikurs der Rollikids mitmachen. Eine Woche Rollstuhltraining für Kinder und Jugendliche mit einem ganzheitlichen Programm, dass nicht in ein Wochenende zu pressen ist. Nun habe ich es endlich geschafft und war dabei. Hier nun meine Erfahrungen aus persönlicher Sicht eines Übungsleiters.

Immer am Ball: Wheelsoccer
Immer am Ball: Wheelsoccer

Ich war schon müde als ich in Bad Arolsen ankam. Ich musste früh aufstehen um den Zug zu erwischen und früh aufstehen ist nicht so meins. Als wir ankamen, gab es erstmal jede Menge Organisatorisches zu besprechen. Wer macht was wann. Welcher Übungsleiter kann was am Besten vermitteln? Wie teilt man sich auf? Wer geht zum Schwimmen, was wird daneben angeboten? Was gibt es als Programm neben dem Sport? Alles Fragen die nich zu klären waren. Dann trafen nach und nach die Familien ein.

Bei einer Kennenlernrunde erzählten alle von ihren Wünschen und Vorstellungen. Bei ersten Gesprächen konnte man auch noch mehr erfahren, ob nun beim Abendessen oder beim gemütlichen zusammen sitzen am Abend.

Am Ostersonntag ging es dann endlich richtig los. Als Vormittagsprogramm stand Schwimmen auf dem Plan. Ich blieb außerhalb des Wassers und bot als Alternative an mich für spezielle Wünsche anzusprechen. Da alle Kinder schwimmen wollten, hätte ich fast nix zu tun gehabt. Aber vor und nach dem Schwimmen fanden doch alle etwas Zeit und ich sammelte ein paar Ideen. Dieses wollte ich ab dem nächsten Tag in der Turnhalle umsetzen.

Beim Fangespiel Zauberer und Fee bleiben alle in Bewegung.
Beim Fangespiel Zauberer und Fee bleiben alle in Bewegung.

Das Wetter war sehr wechselhaft, doch beglückte uns die Sonne zur Osterralley und die Kinder konnten draußen nach den Nestern suchen. Als das geschafft war, ging es in die Sporthalle zum Kindersport. Hier sollten heute erstmal die Grundfertigkeiten vermittelt werden und natürlich wurde gespielt, Zauberer und Fee. Die Gruppe war von den Fertigkeiten und Behinderungen heterogen, so hatten wir eine Hälfte, die sehr schnell unterwegs war und eine Hälfte war gemütlicher unterwegs. Zauberer und Fee bietet aber tolle Möglichkeiten diese Unterschiede auszugleichen. So kann eine Fee die Verzauberten befreien und selbst nicht gefangen werden. Mit dem richtigen Verhältnis endet das Spiel vielleicht nie und alle sind in Bewegung.

Da man nicht nur beim Spiel, sondern auch beim eigentlichen Training alle einbinden und alle da abholen wollte, wo sie standen, mussten wir manchmal etwas flexibel sein. Wir schafften es aber die Kids immer gut auszulasten. Manchmal teilten wir die Gruppe um der einen Hälfte etwas anderes zu vermitteln, aber wir versuchten dies so selten wie möglich zu machen, denn die Gruppe sollte ja zusammen wachsen. Dies passierte auch und es war schön zu sehen, wie später die schnellen Kids die anderen mitnahmen, unterstützten und motivierten. Auch umgekehrt wurde viel angefeuert und auch die Kleinsten konnten sich für die Erfolge der anderen freuen.

Ab Montag bot ich dann Vormittags ein Alternativprogramm in der Turnhalle an. Da ein Wunsch war Transfertechniken zu üben, also das umsetzen, baute ich einen Parcour aus Kästen, Matten und Kisten auf. Dort konnte man sich von den Rollstuhl übersetzen und auf gleicher Höhe von Kiste zu Kiste oder

Rollstuhlfahren muss gelernt sein!
Rollstuhlfahren muss gelernt sein!

auf den Boden. Von den Boden auf eine Kiste oder in den Rollstuhl usw… Ich zeigte verschiedene Techniken wie man Höhen überwinden kann. Für Kinder ist ein Klettergerüst durchaus attraktiv, also erzählte ich nicht viel von Transfer, sondern von klettern und erklimmen, von Türmen, Dächern und Bergen. Drum herum entwickelte sich langsam ein Erlebnispark. Einige fuhren schnelle Runden um meinen Parcour, andere bauten Burgen aus großen Schaumstoffbauklötzern, um diese wieder umzufahren. Auch Seile wurden als Spielgerät entdeckt. Kinder können halt am Besten spielend lernen und so entwickelte sich hier ein Paradies, nicht nur für die Kinder. Immer mehr Eltern trauten sich in den Rollstuhl, welche sie beim Elternsport am Tag zuvor bekommen haben, und versuchten sich selbst.

Auch die Eltern mussten ran
Auch die Eltern mussten ran

Elternsport ist auch ein täglicher Programmpunkt und ein wichtiger. Es geht darum den Eltern zu zeigen, wie das Rollstuhlfahren funktioniert. Zum einen können sie dann ihre Kinder besser verstehen, zum anderen aber auch wirklich mal einen Tipp geben. Auch soll es zeigen wie viel Spaß Rollisport machen kann und wie viel es bringt, wieviel man durch Spaß und Bewegung lernen kann. Auch die Eltern wurde von Tag zu Tag besser. Besonders schön fand ich das Experiment, wo sich die Eltern abwechselnd in den Rollstuhl setzten und von anderen schieben lassen, um zu merken, was sie ihren Kindern manchmal unbewusst antun. Eine abrupte Bremsung oder ein Richtungswechsel, spontanes Ankippen oder wegdrehen, wenn man mit anderen redet, sind nur einige Beispiele. Aber die Eltern sollten auch Hindernisse überwinden und Kippeln, sowie den Spaß bei verschiedenen Spielen erfahren dürfen.

Neben dem Sport und dem Training fand ich den persönlichen Austausch sehr wichtig. Von Tag zu Tag wurde man lockerer, man schloss die Kinder ins Herz und bekam im Gegenzug Vertrauen. Man hatte für die Kinder einen so hohen Stellenwert, dass die Eltern mit den Kindern zu uns kamen und ihre Worte bestätigen lassen mussten damit die Kinder das glaubten. Aber wir waren ja auch die, die sogar den Eltern noch was beibringen konnten. Die Gespräche und der Austausch mit den Eltern war für mich sehr wichtig, manchmal sogar etwas emotional. Ich habe schon lange nicht mehr so oft und ausführlich über mich, meinen Unfall, meine Behinderung und all die Steine auf dem Weg hierher gesprochen. Aber es ist schön, wenn man merkt, dass diese Erfahrungen, welche für mich heute total normal sind, für andere wegweisend sein können.

sitzen und flitzen
sitzen und flitzen

Bei den Kids konnte man eine enorm schnelle Lernkurve beobachten. Ein Beispiel war das fahren ohne Kippräder. Beim ersten mal waren alle noch misstrauisch und taten das nur wiederwillig. Zwei Tage später war es schon kein Problem mehr, wenn auch nur für ein paar Minuten und natürlich immer mit mir als Vertrauensperson dahinter. Ich bin mir aber sicher, dass schon bald der Moment kommt, an dem  diese Kids die Kippräder gar nicht mehr brauchen und wollen. Bei einem bin ich mir sogar sicher, dass er die schon jetzt nicht mehr bräuchte. Aber es bringt nichts darauf zu drängen, zumindest nicht jetzt und sofort. Man kann immer mal wieder darauf hin trainieren und schon bald wird das von allein kommen.

Die beste Bezahlung ist ein Kinderlachen
Die beste Bezahlung ist ein Kinderlachen

Bei anderen aus der Truppe war der Erfolg ein anderer. Hier stand nicht das kippeln im Vordergrund, sondern sich generell zu bewegen. Es war schön zu sehen wie auch die „langsameren“ Kids aus sich heraus kamen und immer aktiver und fröhlicher wurden. Egal ob es ein Seil als Spielgerät zu entdecken galt oder die Motivation aus dem Wunsch heraus kam bei einer Betreuerin auf dem Schoß zu sitzen. Der Erfolg war, dass man aus eignem Antrieb diese Wünsche umsetzen konnte.

Die Woche ging schnell vorbei, zu schnell, wollte man doch gern noch so vieles einbauen. Aber am Ende waren auch alle fertig, auch wenn alle beteuerten gerne länger bleiben zu wollen. Vor allem die Kids konnten sich noch nicht damit abfinden, dass wir Tschüss sagen müssen. Die Betreuer, also wir, taten uns aber auch schwer, hatten doch die Kids alle ein Platz in unserem Herzen bekommen. Ein paar beherzte Umarmungen und das Wissen, viele von den Kids bald wieder bei anderen Rollisportangeboten oder einem weiteren Mobikurs zu sehen, konnte aber beruhigen und so mussten nicht allzu viele Tränen vergossen werden.

Mobikurs Truppe
Mobikurs Truppe

Ich jedenfalls freue mich schon auf den nächsten Mobikurs, der hoffentlich nicht wieder zwei Jahre auf sich warten lassen muss. Helft mit und meldet eure Kinder an, denn die Kurse sind teilweise nicht ausgebucht und je mehr die Nachfrage wieder wächst, desto eher wird es auch wieder Kurse in anderen Teilen Deutschlands geben. Alle Infos zu den Kursen bekommt ihr auf der Seite von den Rollikids www.rollikids.de

Also bis bald im Skatepark oder in der Sporthalle!

Auch Rolltreppe fahren muss gelernt sein
Auch Rolltreppe fahren muss gelernt sein

/David

Der Fotografenpapa :)
Der Fotografenpapa 🙂 (rechts 😉 )

Die Wichtigkeit des gekonnten Rollens

Oft werde ich gefragt, wie ich das Rollstuhlfahren gelernt hab. Natürlich habe ich mir mittlerweile vieles beim skaten angeeignet, aber die Grundlage dazu hat ein ausgiebiges und umfangreiches Rollstuhl-, Mobiliäts- und Transfertraining gebildet. In meinem Fall war das während der Reha nach meinem Unfall und da hatte ich offenbar echt Glück.

Kippeltraining auf der Matte - Foto: RBG Dortmund 51
Kippeltraining auf der Matte – Foto: RBG Dortmund 51

Es gibt so viele Menschen die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, aber kein Rollstuhl- und Mobilitätstraining hatten. Oftmals weil das in der Reha vernachlässigt oder nicht ausgiebig genug gemacht wurde. Sehr oft auch, weil derjenige selbst in der Reha noch keine Akzeptanz für sein neues Gefährt entwickelt hat, um motiviert genug an diesem Training teilzunehmen und für sich im Alltag umzusetzen. Aber meistens, und das ist das traurige, sind es Menschen, die entweder schleichend zum Rollstuhl gekommen sind, also lange noch zu Fuß oder mir anderen Hilfsmitteln unterwegs waren, oder die seit der Kindheit einen Rollstuhl nutzen und nicht ausreichend genug in der Nutzung ihres Rollstuhls geschult worden sind.

Auch für Kinder ist ein Training sinnvoll - Foto: RBG Dortmund 51
Auch für Kinder ist ein Training sinnvoll – Foto: RBG Dortmund 51

Bei Kindern wird oft gesagt, sie seien noch zu jung und später wird das dann aber verschleppt bis es dann oft zu spät ist. Denn gerade für Kinder sollte man so ein Training frühzeitig ansetzen, damit sie ihre Mobilität voll ausnutzen können, denn nur so werden sie alle Möglichkeiten haben sich physisch wie psychisch optimal zu entwickeln. Man kann so ein Training ja auch altersgerecht gestalten, so dass auch Kinder frühzeitig und spielerisch den Umgang mit dm Rollstuhl lernen und später nach Stand der Entwicklung dann das Training auffrischen und fortsetzen. Nur so werden diese Kinder auch die Chance auf ein selbstbestimmtes und unabhängiges Leben haben. So ein Training wird u.a. von den Rollikids, der Kinder- und Jugendabteilung des DRS, angeboten. Dort gibt es ein ganzheitliches Konzept zur Schulung der Mobilität mit dem Rollstuhl. In 5 Tagen können dort von Fahrtechniken, über Transfertechniken, Alltagssituationen und vieles mehr trainiert werden, zusammen mit erfahrenen Rollstuhlfahrern und anderen Übungsleitern.

Aber auch für Erwachsene ist es immens wichtig. Egal ob der Rollstuhl als Folge eines Unfalls, einer Krankheit oder als Entscheidung aufgrund der eigenen Mobilitätssituation daher kommt. Bei einer Versorgung mit einem Aktivrollstuhl muss auch dringend ein ausführliches Mobilitätstraining erfolgen. Für Erwachsene gibt es neben dem DRS auch viele andere Anbieter, wie z.B. die Manfred-Sauer-Stiftung, oder regionale Behindertensportvereine.

Mobilitätstraining gemeinsam mit der DSW21 - Foto: RBG Dortmund 51
Mobilitätstraining gemeinsam mit der DSW21 – Foto: RBG Dortmund 51

In Dortmund machen wir, zusammen mit der RBG Dortmund 51, die Roll On Workshops, welche an verschiedenen Wochenenden verschiedene Themen nach eigenem Leistungsniveau anbieten. Dort kann dann zum Beispiel das Fahren mit den öffentlichen Verkehrsmitteln geübt werden oder an einem anderen Wochenende die Grundfahrtechniken, inklusive Kippeln und Kanten fahren. Mit einem starken Team von Übungsleitern, teilweise selbst Rollstuhlfahrer, und Partnern, wie die DSW 21 Verkehrsbetriebe, kann man so mit mehren Terminen im Jahr ein ausführliches Training gewährleisten.

Mit einem umfangreichen Training werden viele Barrieren überwindbar - Foto: RBG Dortmund 51
Mit einem umfangreichen Training werden viele Barrieren überwindbar – Foto: RBG Dortmund 51

Da die Schulung im Umgang mit dem Hilfsmittel bei einer Neuversorgung fest verankert ist, sollten eigentlich auch die Krankenkassen so ein Training bezahlen. Nicht jedes Rollstuhltraining kann mit der Kasse abrechnen, aber die vom DRS und den Rollikids angebotenen sollten in jedem Fall von der Kasse bezahlt werden können. Leider berufen sich die Krankenkassen darauf, dass die Schulung bei der Auslieferung des Hilfsmittels zu erfolgen hat und verkennen dabei, dass dies gar nicht machbar ist. Kein Sanitätshaus der Welt kann innerhalb weniger Stunden alle wichtigen Fahrtechniken vermitteln. Wer mehr über die Kostenübernahme von den Krankenkassen wissen will, kann sich den Artikel aus der Sport+Mobilitäthier anschauen.

EDIT: Patrick Moser hat in den Kommentaren eine sehr richtige und wichtige Ergänzung gebracht. Natürlich steht so ein Mobilitätskurs nicht nur aktive Fahrer zu. Ich möchte aber gar nicht so viel in eigen Worte packen, da Patrick dies wunderbar formuliert hat:

„…guter Blogeintrag, allerdings finde ich die Beschränkung auf Aktivrollstühle sehr schade. Das Suggeriert, dass man ein Mobilitätstraining nur braucht, sofern man einen Aktivrollstuhl nutzt. Ich finde jeder unabhängig vom Rollstuhltyp sollte ein Mobilitätstraining erhalten, damit jeder sein Mobilitätspotential voll ausschöpfen kann. Und auch das Gesetz beschränkt sich bei der Notwendigkeit einer Ausbildung im Gebrauch nicht auf Aktivrollstühle. Die wenigsten Rollinutzer fahren (leider) Aktiv- bzw. Adaptivrollstühle. An den Leitern solcher Kursangebote sollte es dann liegen, im Rahmen der Trainings auf die unterschiede zwischen den Rollstuhltypen hinzuweisen, mittels Demostühlen diese erspührbar zu machen und dann falls bedingt durch das Mobilitätspotential oder dessen Entwicklung notwendig, eine entsprechende Umversorgung mit einzuleiten.“

Vielen Dank Patrick. Ich denke es muss da einfach noch einiges passieren, damit wir auch für alle ein geeignetes Training anbieten können und so jedem helfen können, die für ihn bestmögliche Mobilität und Selbstständigkeit zu erreichen.

April April

Nein ich schreibe keine Ente, keine Satire und auch keinen Mist, nein ich freu mich einfach, dass der April nun hoffentlich den Frühling einleiten wird. Außerdem freu ich mich, dass die 4ma3ma heute ihren 18. Geburtstag feiert und weiterhin, dass der April einige Highlights bereit hält. Aber ma eins nach dem andern…

Like an eagle ... Foto: Anna Spindelndreier
Like an eagle … Foto: Anna Spindelndreier

Letztes Wochenende waren wir in Mühlhausen / Thüringen und haben uns im Thuringia Funpark ordentlich ausgetobt. Besonders am Workshop war, dass ich zum allerersten mal überhaupt keinen Neuling dabei hatte, sondern nur bekannte Gesichter und das wir mit Thomas Winkler und Daniel Schliessmann zwei Gäste hatten, die das Angebot vervielfältigen konnten.

Thomas Winkler ... Foto: Anna Spindelndreier
Thomas Winkler … Foto: Anna Spindelndreier

Thomas z.B. der als Skateboarder mit Beinprothese gemeinsam mit uns gezeigt hat, dass im Skatepark alle ihren Spaß haben können, bzw. Daniel, der gezeigt hat wie man neben dem Skatepark für eine gelungene Abwechslung sorgen kann. Wheelchair Flying Disc Sport, kurz WFDS, oder auch einfach nur Rollstuhl Frisbee ist mehr als einfach nur eine Scheibe hin und her werfen, in verschiedenen Disziplinen, wie z.B. Golf, kann man allein, in Gruppen oder Teams ne Menge Spaß haben. Am Sonntag haben wir dann direkt noch eine Kombination aus WCMX und WFDS probiert. Mit Kreativität haben wir also den März dann beendet und unter dem Schutz des Hallendaches schonmal für den Frühling geprobt.

Aber nun zurück zum April. Nein, ich mache immer noch keine blöden Scherze, Lügen oder Enten an dieser Stelle mit der doppelten Nennung des Monats. Viel mehr möchte ich mal einen Ausblick auf diesen Monat bieten. Es steht eine ganze Menge an und bevor ich gar nicht weiß wo ich da anfangen soll, mach ich es einfach mal chronologisch.

Ostern: Man was haben wir geplant und überlegt. Ostern 2015 sollte was Besonderes werden mit WCMX rund um die Uhr, am besten ganz weit weg in riesigen Skateparks zur Vorbereitung auf das nahende Saison Highlight. Zuerst stand lange Prag auf dem Plan, dann sogar eine ganze Skatepark Tour durch die Tschechische Republik, aber die hat so viele geile Skateparks, dass wir dafür wohl besser mal ne Woche oder zwei einplanen. Dann vielleicht Dänemark, aber auch dort haben wir schon so viel auf dem Zettel, dass ein einfaches langes Wochenende nicht ausreichen wird. Paris? London? Zürich? Ach wir waren uns nicht mehr sicher wohin wir nun eigentlich wollten, doch dann fanden wir eine frisch eröffnete Halle – gar nicht so weit weg – in Stuttgart. Die Freestyle Academy hat gerade erst ihre Pforten geöffnet und ist mit ihrem Konzept noch einzigartig in Deutschland. Neben Skatepark und Bowl gibt es dort jede Menge Trampoline und eine Big Air Anlage mit einem riesigen Luftkissen als Landezone. Wie geil ist das denn bitte!!!??? Vielen Dank an Handbike Toni an dieser Stelle für den Link zur Entdeckung!

Also haben wir die Züge gebucht, ein Zimmer reserviert und die Halle informiert, dass ein verrücktes Rollstuhlpärchen am Osterwochenende zu Besuch sein wird. Mit Sicherheit werden wir über dieses Erlebnis berichten, wer es nicht abwarten kann, kann natürlich auf Facebook und Instagram stalken. 😉

11. April: Ein weiterer WCMX Schnupperkurs findet statt in Dortmund. Gemeinsam mit der RBG Dortmund 51 e.V., der Skatehalle des Dietrich-Keuning-Hauses, der 4ma3ma und Wellspect Healthcare laden wir zum Skate ma anders Workshop für Kids und Teens ein.

11. April 2015 - Skate ma anders in Dortmund
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Ja hier wollen wir das Durchschnittsalter bewusst sehr niedrig halten und vor allem die jüngeren Rollikids einladen, sich hier richtig auszutoben. Ich lade also hiermit nochmal ein zum skaten, toben und rasen. Alle Infos findet ihr auf dem Plakat oder auf der Seite vonne RBG Dortmund 51.

Und dann kommt es: DAS Highlight, der Saisonhöhepunkt schlechthin, denn am 22. April heben wir ab nach Texas. Genauer nach Dallas zur WCMX Worldchampionships, also der Weltmeisterschaft fürs Rollstuhl Skaten. Dieses mal werde ich nicht mehr der einzige Teilnehmer sein, nein, ich werde begleitet von Paul Engel, Philipp Cierpka und meiner reizenden Freundin Lisa Schmidt. Wir vier werden auch am Wettkampf teilnehmen und damit wir uns auch auf diesen konzentrieren können, werden wir unterstützt von Anna Spindelndreier und Patrick Krause. Gemeinsam werden wir Dallas ordentlich rocken! Drückt uns auf jeden Fall die Daumen am letzten April Wochenende, besonders bei den Finals am 26. April werden wir das brauchen.

WCMX Team Germany ... Foto: Anna Spindelndreier
WCMX Team Germany … Foto: Anna Spindelndreier

Für Lisa, Anna und mich wird es danach noch weiter gehen in den USA. Wir knüpfen direkt an und fahren durch die Texanische Wüste nach Austin, touren durch Skateparks und Punkrock Kneipen um dann in den Flieger nach Boston zu steigen. Dort werden wir fortsetzen womit wir in Austin aufgehört haben und einige Tage später noch New York besuchen.

WCMX World Championships 2015
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Ich werde mich bemühen auf der Reise möglichst viele Eindrücke hier für euch in Wort, Bild und Video zu packen, damit ihr an unserer Reise teilhaben könnt. Dank Anna wird es auf jeden Fall viele tolle Fotos geben und ich kann euch nur raten, ihr auf Instagram zu folgen, damit ihr nix verpasst 😉

Na dann ich wünsche euch allen einen schönen April und wer mir nicht glaubt, dass der April so viel Gutes bringt, schaut hier einfach öfter mal rein und überzeugt sich davon, dass dies keine Ente war!

/David

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