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Rolli Skate Kids

Amos und Max nach der Siegerehrung der 1. German WCMX Championships - Foto: DRS|Mandau

Amos und Max nach der Siegerehrung der 1. German WCMX Championships – Foto: DRS|Mandau

Dieser Beitrag wurde bereits in der Rollikids Ausgabe des DRS Verbandsmagazins „Sport und Mobilität“ abgedruckt. Nun auch hier für euch verfügbar.

Bei den 1. International WCMX Championships wurden Meistertitel und Medaillen in verschiedenen Kategorien verliehen – aber unabhängig von der Platzierung waren die Rollikids die Sieger der Herzen! Die jüngste Teilnehmerin war Aylin Bülbül aus Bielefeld. Mit ihren 5 Jahren, ihrem Elan und ihrem schrillen pinken Outfit verzauberte Sie Zuschauer und Starterfeld gleichermaßen. Aylin kam schon vor knapp 3 Jahren zum ersten mal zu einem von Davids Skateworkshops in Dortmund. Damals hatte sie sich immer hinter Muttis Bein versteckt, doch auch dort hatte sie schon große Lust sich im Skatepark auszuprobieren – wenn niemand guckt. Heute fahren Aylins Eltern zu vielen Veranstaltungen, wie WCMX Workshops, Skatepark Eröffnungen und nun auch Competitons um Aylins Talent zu fördern. Aktuell sammeln Sie auch Geld über eine Spendenaktion um Aylin auch einen wachstumsanpassbaren Skaterollstuhl anpassen zu lassen.

Doch nicht nur Aylin zeigte was die Rollikids im Skatepark so drauf haben. Auch Amos Donath aus Leipzig und Tom Brimacombe aus Potsdam drehten ihre Runden im Skatepark. Tom drehte Kreise im gesamten Skatepark und Amos fuhr selbstständig schon alle steilen Rampen alleine rauf und natürlich wieder runter. Man konnte richtig gut sehen, wie gut die Drei ihren Rollstuhl beherrschen. Hierbei hilft der Skatepark natürlich ungemein, denn für die Kids ist es eine Spielwiese in der sie ihre Grenzen austesten und ihre Fähigkeiten erweitern können – spielerisch.

Bei den etwas „älteren“ Rollikids gab es Spitzenplätze zu vermelden. Til Augustin gewann Gold bei den Beginnern und sicherte sich damit den Deutschen Meistertitel in dieser Kategorie – zweiter wurde dort Pierre Richter. Til und Pierre kommen aus Chemnitz und kennen sich vom Basketball. Nun treffen sie sich bestimmt des öfteren im Chemnitzer Skatepark. Wir hoffen auf jeden Fall auf ein Wiedersehen mit den Rollikids bei den Deutschen WCMX Meisterschaften 2019 oder sogar bei den WCMX World Championships am 31. August und 1. September 2019 in Köln.

Kaum zu erahnen was diese Rollikids in wenigen Jahren zeigen werden. Bleibt gespannt und verfolgt den Weg dieser jungen Athleten in dieser jungen Sportart.

Die ganze Crew - und Aylin mittendrin! - Foto: DRS|Mandau

Die ganze Crew – und Aylin mittendrin! – Foto: DRS|Mandau

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Mein erster Mobikurs

Als ich 2013 meinen Übungsleiterschein gemacht habe, verfolgte ich damit nur ein Ziel. Ich wollte anderen das Rollstuhlfahren beibringen. Denn meine Fähigkeiten habe ich auch nicht im Schlaf erhalten, sondern durch ein gutes Rollstuhltraining in der Reha. Nur haben nicht alle so ein Glück und deswegen wollte ich meines teilen.

Beim Riesenball mit Risenspaß!

Beim Riesenball mit Risenspaß!

Ich habe dann auch schon die ein oder anderen Mobilitätstrainingskurse angeboten, z.B. den Roll On Workshop mit der RBG Dortmund 51. Dort machen wir je wein Wochenende Training mit unterschiedlicher Wichtung.

Doch ich wollte unbedingt endlich bei dem Mobikurs der Rollikids mitmachen. Eine Woche Rollstuhltraining für Kinder und Jugendliche mit einem ganzheitlichen Programm, dass nicht in ein Wochenende zu pressen ist. Nun habe ich es endlich geschafft und war dabei. Hier nun meine Erfahrungen aus persönlicher Sicht eines Übungsleiters.

Immer am Ball: Wheelsoccer

Immer am Ball: Wheelsoccer

Ich war schon müde als ich in Bad Arolsen ankam. Ich musste früh aufstehen um den Zug zu erwischen und früh aufstehen ist nicht so meins. Als wir ankamen, gab es erstmal jede Menge Organisatorisches zu besprechen. Wer macht was wann. Welcher Übungsleiter kann was am Besten vermitteln? Wie teilt man sich auf? Wer geht zum Schwimmen, was wird daneben angeboten? Was gibt es als Programm neben dem Sport? Alles Fragen die nich zu klären waren. Dann trafen nach und nach die Familien ein.

Bei einer Kennenlernrunde erzählten alle von ihren Wünschen und Vorstellungen. Bei ersten Gesprächen konnte man auch noch mehr erfahren, ob nun beim Abendessen oder beim gemütlichen zusammen sitzen am Abend.

Am Ostersonntag ging es dann endlich richtig los. Als Vormittagsprogramm stand Schwimmen auf dem Plan. Ich blieb außerhalb des Wassers und bot als Alternative an mich für spezielle Wünsche anzusprechen. Da alle Kinder schwimmen wollten, hätte ich fast nix zu tun gehabt. Aber vor und nach dem Schwimmen fanden doch alle etwas Zeit und ich sammelte ein paar Ideen. Dieses wollte ich ab dem nächsten Tag in der Turnhalle umsetzen.

Beim Fangespiel Zauberer und Fee bleiben alle in Bewegung.

Beim Fangespiel Zauberer und Fee bleiben alle in Bewegung.

Das Wetter war sehr wechselhaft, doch beglückte uns die Sonne zur Osterralley und die Kinder konnten draußen nach den Nestern suchen. Als das geschafft war, ging es in die Sporthalle zum Kindersport. Hier sollten heute erstmal die Grundfertigkeiten vermittelt werden und natürlich wurde gespielt, Zauberer und Fee. Die Gruppe war von den Fertigkeiten und Behinderungen heterogen, so hatten wir eine Hälfte, die sehr schnell unterwegs war und eine Hälfte war gemütlicher unterwegs. Zauberer und Fee bietet aber tolle Möglichkeiten diese Unterschiede auszugleichen. So kann eine Fee die Verzauberten befreien und selbst nicht gefangen werden. Mit dem richtigen Verhältnis endet das Spiel vielleicht nie und alle sind in Bewegung.

Da man nicht nur beim Spiel, sondern auch beim eigentlichen Training alle einbinden und alle da abholen wollte, wo sie standen, mussten wir manchmal etwas flexibel sein. Wir schafften es aber die Kids immer gut auszulasten. Manchmal teilten wir die Gruppe um der einen Hälfte etwas anderes zu vermitteln, aber wir versuchten dies so selten wie möglich zu machen, denn die Gruppe sollte ja zusammen wachsen. Dies passierte auch und es war schön zu sehen, wie später die schnellen Kids die anderen mitnahmen, unterstützten und motivierten. Auch umgekehrt wurde viel angefeuert und auch die Kleinsten konnten sich für die Erfolge der anderen freuen.

Ab Montag bot ich dann Vormittags ein Alternativprogramm in der Turnhalle an. Da ein Wunsch war Transfertechniken zu üben, also das umsetzen, baute ich einen Parcour aus Kästen, Matten und Kisten auf. Dort konnte man sich von den Rollstuhl übersetzen und auf gleicher Höhe von Kiste zu Kiste oder

Rollstuhlfahren muss gelernt sein!

Rollstuhlfahren muss gelernt sein!

auf den Boden. Von den Boden auf eine Kiste oder in den Rollstuhl usw… Ich zeigte verschiedene Techniken wie man Höhen überwinden kann. Für Kinder ist ein Klettergerüst durchaus attraktiv, also erzählte ich nicht viel von Transfer, sondern von klettern und erklimmen, von Türmen, Dächern und Bergen. Drum herum entwickelte sich langsam ein Erlebnispark. Einige fuhren schnelle Runden um meinen Parcour, andere bauten Burgen aus großen Schaumstoffbauklötzern, um diese wieder umzufahren. Auch Seile wurden als Spielgerät entdeckt. Kinder können halt am Besten spielend lernen und so entwickelte sich hier ein Paradies, nicht nur für die Kinder. Immer mehr Eltern trauten sich in den Rollstuhl, welche sie beim Elternsport am Tag zuvor bekommen haben, und versuchten sich selbst.

Auch die Eltern mussten ran

Auch die Eltern mussten ran

Elternsport ist auch ein täglicher Programmpunkt und ein wichtiger. Es geht darum den Eltern zu zeigen, wie das Rollstuhlfahren funktioniert. Zum einen können sie dann ihre Kinder besser verstehen, zum anderen aber auch wirklich mal einen Tipp geben. Auch soll es zeigen wie viel Spaß Rollisport machen kann und wie viel es bringt, wieviel man durch Spaß und Bewegung lernen kann. Auch die Eltern wurde von Tag zu Tag besser. Besonders schön fand ich das Experiment, wo sich die Eltern abwechselnd in den Rollstuhl setzten und von anderen schieben lassen, um zu merken, was sie ihren Kindern manchmal unbewusst antun. Eine abrupte Bremsung oder ein Richtungswechsel, spontanes Ankippen oder wegdrehen, wenn man mit anderen redet, sind nur einige Beispiele. Aber die Eltern sollten auch Hindernisse überwinden und Kippeln, sowie den Spaß bei verschiedenen Spielen erfahren dürfen.

Neben dem Sport und dem Training fand ich den persönlichen Austausch sehr wichtig. Von Tag zu Tag wurde man lockerer, man schloss die Kinder ins Herz und bekam im Gegenzug Vertrauen. Man hatte für die Kinder einen so hohen Stellenwert, dass die Eltern mit den Kindern zu uns kamen und ihre Worte bestätigen lassen mussten damit die Kinder das glaubten. Aber wir waren ja auch die, die sogar den Eltern noch was beibringen konnten. Die Gespräche und der Austausch mit den Eltern war für mich sehr wichtig, manchmal sogar etwas emotional. Ich habe schon lange nicht mehr so oft und ausführlich über mich, meinen Unfall, meine Behinderung und all die Steine auf dem Weg hierher gesprochen. Aber es ist schön, wenn man merkt, dass diese Erfahrungen, welche für mich heute total normal sind, für andere wegweisend sein können.

sitzen und flitzen

sitzen und flitzen

Bei den Kids konnte man eine enorm schnelle Lernkurve beobachten. Ein Beispiel war das fahren ohne Kippräder. Beim ersten mal waren alle noch misstrauisch und taten das nur wiederwillig. Zwei Tage später war es schon kein Problem mehr, wenn auch nur für ein paar Minuten und natürlich immer mit mir als Vertrauensperson dahinter. Ich bin mir aber sicher, dass schon bald der Moment kommt, an dem  diese Kids die Kippräder gar nicht mehr brauchen und wollen. Bei einem bin ich mir sogar sicher, dass er die schon jetzt nicht mehr bräuchte. Aber es bringt nichts darauf zu drängen, zumindest nicht jetzt und sofort. Man kann immer mal wieder darauf hin trainieren und schon bald wird das von allein kommen.

Die beste Bezahlung ist ein Kinderlachen

Die beste Bezahlung ist ein Kinderlachen

Bei anderen aus der Truppe war der Erfolg ein anderer. Hier stand nicht das kippeln im Vordergrund, sondern sich generell zu bewegen. Es war schön zu sehen wie auch die „langsameren“ Kids aus sich heraus kamen und immer aktiver und fröhlicher wurden. Egal ob es ein Seil als Spielgerät zu entdecken galt oder die Motivation aus dem Wunsch heraus kam bei einer Betreuerin auf dem Schoß zu sitzen. Der Erfolg war, dass man aus eignem Antrieb diese Wünsche umsetzen konnte.

Die Woche ging schnell vorbei, zu schnell, wollte man doch gern noch so vieles einbauen. Aber am Ende waren auch alle fertig, auch wenn alle beteuerten gerne länger bleiben zu wollen. Vor allem die Kids konnten sich noch nicht damit abfinden, dass wir Tschüss sagen müssen. Die Betreuer, also wir, taten uns aber auch schwer, hatten doch die Kids alle ein Platz in unserem Herzen bekommen. Ein paar beherzte Umarmungen und das Wissen, viele von den Kids bald wieder bei anderen Rollisportangeboten oder einem weiteren Mobikurs zu sehen, konnte aber beruhigen und so mussten nicht allzu viele Tränen vergossen werden.

Mobikurs Truppe

Mobikurs Truppe

Ich jedenfalls freue mich schon auf den nächsten Mobikurs, der hoffentlich nicht wieder zwei Jahre auf sich warten lassen muss. Helft mit und meldet eure Kinder an, denn die Kurse sind teilweise nicht ausgebucht und je mehr die Nachfrage wieder wächst, desto eher wird es auch wieder Kurse in anderen Teilen Deutschlands geben. Alle Infos zu den Kursen bekommt ihr auf der Seite von den Rollikids www.rollikids.de

Also bis bald im Skatepark oder in der Sporthalle!

Auch Rolltreppe fahren muss gelernt sein

Auch Rolltreppe fahren muss gelernt sein

/David

Der Fotografenpapa :)

Der Fotografenpapa 🙂 (rechts 😉 )


Die Wichtigkeit des gekonnten Rollens

Oft werde ich gefragt, wie ich das Rollstuhlfahren gelernt hab. Natürlich habe ich mir mittlerweile vieles beim skaten angeeignet, aber die Grundlage dazu hat ein ausgiebiges und umfangreiches Rollstuhl-, Mobiliäts- und Transfertraining gebildet. In meinem Fall war das während der Reha nach meinem Unfall und da hatte ich offenbar echt Glück.
Kippeltraining auf der Matte - Foto: RBG Dortmund 51

Kippeltraining auf der Matte – Foto: RBG Dortmund 51

Es gibt so viele Menschen die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, aber kein Rollstuhl- und Mobilitätstraining hatten. Oftmals weil das in der Reha vernachlässigt oder nicht ausgiebig genug gemacht wurde. Sehr oft auch, weil derjenige selbst in der Reha noch keine Akzeptanz für sein neues Gefährt entwickelt hat, um motiviert genug an diesem Training teilzunehmen und für sich im Alltag umzusetzen. Aber meistens, und das ist das traurige, sind es Menschen, die entweder schleichend zum Rollstuhl gekommen sind, also lange noch zu Fuß oder mir anderen Hilfsmitteln unterwegs waren, oder die seit der Kindheit einen Rollstuhl nutzen und nicht ausreichend genug in der Nutzung ihres Rollstuhls geschult worden sind.

Auch für Kinder ist ein Training sinnvoll - Foto: RBG Dortmund 51

Auch für Kinder ist ein Training sinnvoll – Foto: RBG Dortmund 51

Bei Kindern wird oft gesagt, sie seien noch zu jung und später wird das dann aber verschleppt bis es dann oft zu spät ist. Denn gerade für Kinder sollte man so ein Training frühzeitig ansetzen, damit sie ihre Mobilität voll ausnutzen können, denn nur so werden sie alle Möglichkeiten haben sich physisch wie psychisch optimal zu entwickeln. Man kann so ein Training ja auch altersgerecht gestalten, so dass auch Kinder frühzeitig und spielerisch den Umgang mit dm Rollstuhl lernen und später nach Stand der Entwicklung dann das Training auffrischen und fortsetzen. Nur so werden diese Kinder auch die Chance auf ein selbstbestimmtes und unabhängiges Leben haben. So ein Training wird u.a. von den Rollikids, der Kinder- und Jugendabteilung des DRS, angeboten. Dort gibt es ein ganzheitliches Konzept zur Schulung der Mobilität mit dem Rollstuhl. In 5 Tagen können dort von Fahrtechniken, über Transfertechniken, Alltagssituationen und vieles mehr trainiert werden, zusammen mit erfahrenen Rollstuhlfahrern und anderen Übungsleitern.

Aber auch für Erwachsene ist es immens wichtig. Egal ob der Rollstuhl als Folge eines Unfalls, einer Krankheit oder als Entscheidung aufgrund der eigenen Mobilitätssituation daher kommt. Bei einer Versorgung mit einem Aktivrollstuhl muss auch dringend ein ausführliches Mobilitätstraining erfolgen. Für Erwachsene gibt es neben dem DRS auch viele andere Anbieter, wie z.B. die Manfred-Sauer-Stiftung, oder regionale Behindertensportvereine.
Mobilitätstraining gemeinsam mit der DSW21 - Foto: RBG Dortmund 51

Mobilitätstraining gemeinsam mit der DSW21 – Foto: RBG Dortmund 51

In Dortmund machen wir, zusammen mit der RBG Dortmund 51, die Roll On Workshops, welche an verschiedenen Wochenenden verschiedene Themen nach eigenem Leistungsniveau anbieten. Dort kann dann zum Beispiel das Fahren mit den öffentlichen Verkehrsmitteln geübt werden oder an einem anderen Wochenende die Grundfahrtechniken, inklusive Kippeln und Kanten fahren. Mit einem starken Team von Übungsleitern, teilweise selbst Rollstuhlfahrer, und Partnern, wie die DSW 21 Verkehrsbetriebe, kann man so mit mehren Terminen im Jahr ein ausführliches Training gewährleisten.

Mit einem umfangreichen Training werden viele Barrieren überwindbar - Foto: RBG Dortmund 51

Mit einem umfangreichen Training werden viele Barrieren überwindbar – Foto: RBG Dortmund 51

Da die Schulung im Umgang mit dem Hilfsmittel bei einer Neuversorgung fest verankert ist, sollten eigentlich auch die Krankenkassen so ein Training bezahlen. Nicht jedes Rollstuhltraining kann mit der Kasse abrechnen, aber die vom DRS und den Rollikids angebotenen sollten in jedem Fall von der Kasse bezahlt werden können. Leider berufen sich die Krankenkassen darauf, dass die Schulung bei der Auslieferung des Hilfsmittels zu erfolgen hat und verkennen dabei, dass dies gar nicht machbar ist. Kein Sanitätshaus der Welt kann innerhalb weniger Stunden alle wichtigen Fahrtechniken vermitteln. Wer mehr über die Kostenübernahme von den Krankenkassen wissen will, kann sich den Artikel aus der Sport+Mobilitäthier anschauen.

EDIT: Patrick Moser hat in den Kommentaren eine sehr richtige und wichtige Ergänzung gebracht. Natürlich steht so ein Mobilitätskurs nicht nur aktive Fahrer zu. Ich möchte aber gar nicht so viel in eigen Worte packen, da Patrick dies wunderbar formuliert hat:

„…guter Blogeintrag, allerdings finde ich die Beschränkung auf Aktivrollstühle sehr schade. Das Suggeriert, dass man ein Mobilitätstraining nur braucht, sofern man einen Aktivrollstuhl nutzt. Ich finde jeder unabhängig vom Rollstuhltyp sollte ein Mobilitätstraining erhalten, damit jeder sein Mobilitätspotential voll ausschöpfen kann. Und auch das Gesetz beschränkt sich bei der Notwendigkeit einer Ausbildung im Gebrauch nicht auf Aktivrollstühle. Die wenigsten Rollinutzer fahren (leider) Aktiv- bzw. Adaptivrollstühle. An den Leitern solcher Kursangebote sollte es dann liegen, im Rahmen der Trainings auf die unterschiede zwischen den Rollstuhltypen hinzuweisen, mittels Demostühlen diese erspührbar zu machen und dann falls bedingt durch das Mobilitätspotential oder dessen Entwicklung notwendig, eine entsprechende Umversorgung mit einzuleiten.“

Vielen Dank Patrick. Ich denke es muss da einfach noch einiges passieren, damit wir auch für alle ein geeignetes Training anbieten können und so jedem helfen können, die für ihn bestmögliche Mobilität und Selbstständigkeit zu erreichen.


April April

Nein ich schreibe keine Ente, keine Satire und auch keinen Mist, nein ich freu mich einfach, dass der April nun hoffentlich den Frühling einleiten wird. Außerdem freu ich mich, dass die 4ma3ma heute ihren 18. Geburtstag feiert und weiterhin, dass der April einige Highlights bereit hält. Aber ma eins nach dem andern…

Like an eagle ... Foto: Anna Spindelndreier

Like an eagle … Foto: Anna Spindelndreier

Letztes Wochenende waren wir in Mühlhausen / Thüringen und haben uns im Thuringia Funpark ordentlich ausgetobt. Besonders am Workshop war, dass ich zum allerersten mal überhaupt keinen Neuling dabei hatte, sondern nur bekannte Gesichter und das wir mit Thomas Winkler und Daniel Schliessmann zwei Gäste hatten, die das Angebot vervielfältigen konnten.

Thomas Winkler ... Foto: Anna Spindelndreier

Thomas Winkler … Foto: Anna Spindelndreier

Thomas z.B. der als Skateboarder mit Beinprothese gemeinsam mit uns gezeigt hat, dass im Skatepark alle ihren Spaß haben können, bzw. Daniel, der gezeigt hat wie man neben dem Skatepark für eine gelungene Abwechslung sorgen kann. Wheelchair Flying Disc Sport, kurz WFDS, oder auch einfach nur Rollstuhl Frisbee ist mehr als einfach nur eine Scheibe hin und her werfen, in verschiedenen Disziplinen, wie z.B. Golf, kann man allein, in Gruppen oder Teams ne Menge Spaß haben. Am Sonntag haben wir dann direkt noch eine Kombination aus WCMX und WFDS probiert. Mit Kreativität haben wir also den März dann beendet und unter dem Schutz des Hallendaches schonmal für den Frühling geprobt.

Aber nun zurück zum April. Nein, ich mache immer noch keine blöden Scherze, Lügen oder Enten an dieser Stelle mit der doppelten Nennung des Monats. Viel mehr möchte ich mal einen Ausblick auf diesen Monat bieten. Es steht eine ganze Menge an und bevor ich gar nicht weiß wo ich da anfangen soll, mach ich es einfach mal chronologisch.

Ostern: Man was haben wir geplant und überlegt. Ostern 2015 sollte was Besonderes werden mit WCMX rund um die Uhr, am besten ganz weit weg in riesigen Skateparks zur Vorbereitung auf das nahende Saison Highlight. Zuerst stand lange Prag auf dem Plan, dann sogar eine ganze Skatepark Tour durch die Tschechische Republik, aber die hat so viele geile Skateparks, dass wir dafür wohl besser mal ne Woche oder zwei einplanen. Dann vielleicht Dänemark, aber auch dort haben wir schon so viel auf dem Zettel, dass ein einfaches langes Wochenende nicht ausreichen wird. Paris? London? Zürich? Ach wir waren uns nicht mehr sicher wohin wir nun eigentlich wollten, doch dann fanden wir eine frisch eröffnete Halle – gar nicht so weit weg – in Stuttgart. Die Freestyle Academy hat gerade erst ihre Pforten geöffnet und ist mit ihrem Konzept noch einzigartig in Deutschland. Neben Skatepark und Bowl gibt es dort jede Menge Trampoline und eine Big Air Anlage mit einem riesigen Luftkissen als Landezone. Wie geil ist das denn bitte!!!??? Vielen Dank an Handbike Toni an dieser Stelle für den Link zur Entdeckung!

Also haben wir die Züge gebucht, ein Zimmer reserviert und die Halle informiert, dass ein verrücktes Rollstuhlpärchen am Osterwochenende zu Besuch sein wird. Mit Sicherheit werden wir über dieses Erlebnis berichten, wer es nicht abwarten kann, kann natürlich auf Facebook und Instagram stalken. 😉

11. April: Ein weiterer WCMX Schnupperkurs findet statt in Dortmund. Gemeinsam mit der RBG Dortmund 51 e.V., der Skatehalle des Dietrich-Keuning-Hauses, der 4ma3ma und Wellspect Healthcare laden wir zum Skate ma anders Workshop für Kids und Teens ein.

11. April 2015 - Skate ma anders in Dortmund

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Ja hier wollen wir das Durchschnittsalter bewusst sehr niedrig halten und vor allem die jüngeren Rollikids einladen, sich hier richtig auszutoben. Ich lade also hiermit nochmal ein zum skaten, toben und rasen. Alle Infos findet ihr auf dem Plakat oder auf der Seite vonne RBG Dortmund 51.

Und dann kommt es: DAS Highlight, der Saisonhöhepunkt schlechthin, denn am 22. April heben wir ab nach Texas. Genauer nach Dallas zur WCMX Worldchampionships, also der Weltmeisterschaft fürs Rollstuhl Skaten. Dieses mal werde ich nicht mehr der einzige Teilnehmer sein, nein, ich werde begleitet von Paul Engel, Philipp Cierpka und meiner reizenden Freundin Lisa Schmidt. Wir vier werden auch am Wettkampf teilnehmen und damit wir uns auch auf diesen konzentrieren können, werden wir unterstützt von Anna Spindelndreier und Patrick Krause. Gemeinsam werden wir Dallas ordentlich rocken! Drückt uns auf jeden Fall die Daumen am letzten April Wochenende, besonders bei den Finals am 26. April werden wir das brauchen.

WCMX Team Germany ... Foto: Anna Spindelndreier

WCMX Team Germany … Foto: Anna Spindelndreier

Für Lisa, Anna und mich wird es danach noch weiter gehen in den USA. Wir knüpfen direkt an und fahren durch die Texanische Wüste nach Austin, touren durch Skateparks und Punkrock Kneipen um dann in den Flieger nach Boston zu steigen. Dort werden wir fortsetzen womit wir in Austin aufgehört haben und einige Tage später noch New York besuchen.

WCMX World Championships 2015

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Ich werde mich bemühen auf der Reise möglichst viele Eindrücke hier für euch in Wort, Bild und Video zu packen, damit ihr an unserer Reise teilhaben könnt. Dank Anna wird es auf jeden Fall viele tolle Fotos geben und ich kann euch nur raten, ihr auf Instagram zu folgen, damit ihr nix verpasst 😉

Na dann ich wünsche euch allen einen schönen April und wer mir nicht glaubt, dass der April so viel Gutes bringt, schaut hier einfach öfter mal rein und überzeugt sich davon, dass dies keine Ente war!

/David

Instagram von David @datlebbe
Instagram von Anna @_little.anna_
Facebook von David
Facebook von WCMX
Facebook WFDS (ganz neu also liken!)

Homepage WCMX Foundation
Homepage Anna Spindelndreier


Flitzen im Sitzen

Foto: DRS/Wittmershaus

Oskar hat Riesenspaß beim Rampen runter rasen – Foto: DRS/Wittmershaus

Kinder wollen toben, sie wollen spielen, flitzen und die Welt erkunden. Alles was sie dazu benötigen ist Neugier, die haben sie von Natur aus und Mobilität, die haben nicht alle von Natur aus. Zum Glück kennen wir heute aber genug Möglichkeiten ihnen diese (wieder) zu geben. Dazu müssen sich allerdings einige erst mal von dem Gedanken verabschieden, dass Laufen die Mobilität schlechthin ist. Für viele, denen das Laufen nicht so einfach fällt, gibt es effizientere Methoden. Babys krabbeln ja auch weil es für sie die beste Methode ist, um die Welt zu erkunden und ihre Neugier zu befriedigen. Die Meisten von ihnen lernen dann laufen, aber einige werden es nie lernen oder immer nur unter erschwerten Bedingungen. Egal ob es nun Spina Bifida, Cerebralparese, ein Querschnitt oder ein anderer Grund ist, wenn laufen nur unter extremen Anstrengungen möglich ist, dann ist ein Rollstuhl oft die effizientere Methode der Fortbewegung. Das hilft den Kindern in ihrer Mobilität, Neugier und damit auch ihrer kognitiven und sozialen Entwicklung.

Sören rollt - Foto: Uli Gasper

Sören rollt – Foto: Uli Gasper

Heute gibt es zum Glück schon viele, die sich mit der Rollstuhlversorgung von Kindern richtig gut auskennen. Leider treffe ich bei meinem Arbeitgeber, dem Kindersanitätshaus 4ma3ma, immer noch zu oft auf Kinder, die richtig schlecht versorgt wurden. Oft ist der Rollstuhl hier eher ein „Schiebestuhl“, anstatt dass die Möglichkeit genutzt wird, ihnen mit einer angepassten, aktiven Rollstuhlversorgung Aktivität und Selbstständigkeit zu ermöglichen. Wie oft höre ich, dass Kind ist kein Selbstfahrer und wenn es dann aber eine Weile in einem gut angepassten Aktivrollstuhl von uns sitzt, staunen nicht nur die Eltern. Das Kind muss natürlich erst die neuen Möglichkeiten entdecken und ausprobieren. Bei manchen dauert dies nur wenige Minuten, bei anderen Wochen. Wenn man ihnen aber diese Möglichkeiten vorenthält, werden sie diese Chance gar nicht nutzen können.

Es gibt heute nicht nur gute Literatur zu dem Thema (Das Buch: Rollstuhlversorgung bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen z.B.), sondern auch extrem viele Beispiele von Rollstuhlfahrern, die schon früh einen Rollstuhl bekommen haben und somit ein aktives, selbstständiges Leben von Anfang an hatten, wie Paralympic Goldmedaillengewinnerin Anna Schaffelhuber oder der kleine Internetstar Abel Rose. Aber auch die vielen anderen Rollikids zeigen bei meinen Workshops, bei anderen Sportveranstaltungen und (viel wichtiger) im täglichen Leben wie viel mehr eine gute Mobilität wert ist, im Vergleich zum (mehr oder weniger) aufrechten Gang.

Sören rollt - Foto: RBG Dortmund 51

Sören rollt und rollt – Foto: RBG Dortmund 51

Kinder wollen flitzen und wir können ihnen die Möglichkeit geben. Viele werden mit Rädern viel schneller unterwegs sein als zu Fuß und dennoch werden sie das Laufen nicht verlernen, wenn sie es denn können. Im Gegenteil, denn wenn wir ihnen eine kraftsparende Alternative geben, können sie ihre Kräfte viel besser einteilen und so das Laufen dort anwenden, wo sie es wirklich gebrauchen können. Wenn sie sich schon bis dahin gequält haben, scheitern sie dort vielleicht trotz der vielen Praxisübung.

Lisa ist ein gutes Beispiel, dass man sein Leben natürlich auch selbstbestimmt und aktiv auf Krücken bestreiten kann, aber selbst sie würde den Rollstuhl heute nicht mehr eintauschen und hätte rückblickend gern eher diese Mobilität genossen, aber was sie über Laufen so denkt, könnt ihr bei Kein Widerspruch lesen.

Übrigens habe auch ich schon ein Text auf Kein Widerspruch veröffentlicht. In diesem schreibe ich übers Skaten, aber auch wie Kinder unsere Welt verändern können, wenn wir sie flitzen lassen – auch im sitzen 😉

/David

 

Weitere Links zu dem Thema:

Fiduz, Ausgabe 33, auch da habe ich einen Text veröffentlicht http://www.fiduz-infoblatt.de/publikationen.htm , den ihr auch hier lesen könnt

Rollikids http://www.rollikids.de/ die Kinder und Jugensabteilung des DRS, wenn es darum geht Kinder und Jugendliche mobil und fit mit dem Rolli zu machen

Rollstuhl- und Mobilitätstraining für Kinder und Jugendliche gibt es bei den Rollikids http://www.rollikids.de/ und der ASBH http://www.asbh.de/termine/rollstuhltraining.html sowie bei einigen lokalen und regionalen Sportvereinein und Initiativen (mit mir u.a. noch bei der RBG Dortmund 51, siehe unter Termine)

Kindersanitätshaus 4ma3ma in Dortmund http://www.4ma3ma.de/

Sören ro... ähm rollt nicht!?  - Foto: Uli Gasper

Sören ro… ähm rollt mal nicht!? – Foto: Uli Gasper

 


Gedanken zu… 2014 – ein Rückblick

Deep End High Five (Foto: Anna Spindelndreier)

Deep End High Five (Foto: Anna Spindelndreier)

Puh, da ist es schon wieder zwei Wochen her, dass wir den letzten Beitrag hier veröffentlicht haben. Aber so ist das wohl in der Weihnachtszeit. Man hat keine Zeit, außer für Geschenkbesorgungen und Glühweinverkostung auf dem Weihnachtsmarkt. Natürlich ist es dann auch noch kalt, nass und dunkel, was die Lust etwas halbwegs produktives nach Feierabend zu tun deutlich senkt. Aber wenn man schon keine Zeit hat sich ein gutes Thema auszudenken, dann macht man halt einen Jahresrückblick.

Eigentlich mag man ja keine Jahresrückblicke. Die sind ja viel zu mainstream, aber dann ist es ja doch wieder interessant, kann man doch alte Themen des Jahres nochmal in Erinnerung rufen. Vieles vergisst man, vieles vernachlässigt man und sowieso verläuft vieles einfach so im Sand. Aber nicht nur die halbfertig diskutierten Aufreger des Jahres haben es verdient aus der Versenkung geholt zu werden, nein, vor allem die guten und schönen Erinnerungen sollte man nochmal ausgraben um Kraft zu tanken und den Blick wieder nach vorne zu richten. Genau das möchte ich nun tun, Motivation schöpfen für das neue Jahr mit Hilfe von Erinnerungen an das vorübergehende.

Januar

Das Jahr fing an mit einem echten Knaller. Naja, zumindest hat es bei mir geknallt, am 6. Januar bei den Proben zur Millionärswahl. Die Show von Sat.1 und Pro 7, die zum größten Flop des Jahres werden sollte, begann für mich eigentlich viel versprechend. Denn als ich am ersten Probetag ans Set kam, wurden gerade noch die letzten Schrauben in den eigens für mich errichteten Skatepark gedreht. Ein Prachtstück, individuell für mich zusammengesetzt. Das hat garantiert einiges gekostet. Ich war total begeistert und drehte meine Runden. Jede Runde wurde ich meiner Choreografie bewusster. Hier hoch, da runter, dort drehen, Sprung. Yeah das passt, aber hier könnte noch ein Rail hin. Auch die nächste Rund saß und es war alles drin. Von Drop in über Sprung bis hin zum Grind. Da war nur noch das Problem, dass ich auf die Schwung- und Startrampe nicht selbständig hoch kam . Deswegen wurde dort hinten ran noch eine Rampe gezimmert, zum gemütlichen hoch fahren. Das diese auch noch genau dort ankam, wo ich Schwung holte für meine kleinen Sprung, kam mir doch gelegen. Mehr Schwung, mehr Sprung dachte ich. Also nutzte ich den halben Meter mehr und sprang… höher… weiter… zu weit! BÄÄM ich sprang über die Rampe und tauchte, vorbereitet auf eine Landung in der Bank nach vorne geneigt, mit den Vorderrädern zuerst in den Betonboden. Der Oberkörper folgte mit viel Schwung und meine Arme wollten dies reflexartig abbremsen. Ich lag am Boden, schaute auf meinen Arm und wusste das der Traum geplatzt ist. Die Ecke in meinem Unterarm war ein klares Indiz dafür. Krankenhaus, statt Kameraprobe, Gips, statt Liveperformance. ich verbrachte ein paar Tage in einem Krankenhaus in Köln, kam aber für die Liveshow raus und konnte immerhin meinen dicken Arm in die Kamera halten. Die Show floppte und der Hanfverband gewann nicht nur diese Sendung, sondern auch die Million im halb abgesetzten Webfinale.

Die Moderatoren Elton (links), Jeannine Michaelsen (rechts). (Quelle: Sat.1)

Die Moderatoren Elton (links), Jeannine Michaelsen (rechts). (Quelle: Sat.1)

Februar

Ich wurde zum Efix Fahrer, damit ich wenigstens arbeiten und ein paar Konzerte besuchen konnte. Mein neuer Arbeitgeber, das Kindersanitätshaus 4ma3ma in Dortmund, stellte mir einen zur Verfügung. Schnell hatte ich den Namen D-Fix, obwohl ich lieber Nee-Fix sagte, denn das teil schafft bei weitem nicht mein Normaltempo und außerdem piepte es laufend mit verschiedensten Fehlermeldungen und verweigerte den Dienst. Naja, nichtsdestotrotz verhalf es mir zu ein wenig mehr Mobilität in dieser Zeit, wenn auch mit vielen Rückschlägen, denn meine Fahrweise konnte ich ja nicht von heute auf morgen umstellen. Also schaffte ich auch den Efix ein paar mal in die Knie mit gebrochenen Drehmomentstützen.
Sonst war der Monat recht ruhig, wie gesagt, ein paar Konzerte ohne Pogo, ein paar Basketballspiele vom Rand. Wenigstens ein Heimspiel der Borussia konnte ich mir angucken, da die anderen zu einem Turnier in Rahden waren. Am Ende des Monats nahm ich dann den Ball wieder auf und spielte beim Luise Guder Cup der SGH Berlin wieder im Trikot der RBG Dortmund 51 mit meiner Nummer 13. Es ging wieder bergauf.

März

Getreu dem Motto, wer Basketball spielen kann, kann auch skaten, war ich auch total heiß darauf wieder in die Rampen zu droppen. Natürlich war ich erstmal noch gebremst und mein Ziel, den Handplant zu schaffen, erst mal aufgeschoben. Dennoch wollte ich wieder carven, droppen und shredden. Am 28. März gab es dann ja auch den ersten Workshop des Jahres in Mühlhausen. Der Thuringia Funpark veranstaltete dafür einen inklusiven Skatetag und wir bespaßten einige interessierte Rollifahrer. Dazu gibt es auch einen MDR Beitrag der Sendung Selbstbestimmt. Außerdem entwickelten DSGN concepts einen Plan, wie man den Skatepark so modernisieren kann, dass er zeitgemäß und eben auch WCMX tauglich wird. Im gleichen Moment soll er natürlich für andere Rollsportarten genauso attraktiv bleiben und generell Anfängern, wie Fortgeschrittenen etwas bieten können. Keine einfache Aufgabe, aber DSGN concepts aus Münster lösten sie sehr gut. Das Konzept wurde vorgestellt und traf auch auf viel Gegenliebe. Leider hat sich bis heute, meines Wissens, kein großer Unterstützer finden können, sodass die Umbauarbeiten noch auf sich warten lassen.

April

Im April haben in Dortmund gleich zwei neue Workshop Reihen begonnen, die wir hoffentlich noch lange fortsetzen werden. Zum einen haben wir den ersten Rollikids Skate Day veranstaltet und somit einen Skate Workshop für die junge Generation Rollstuhlfahrer im Skatepark Dietrich-Keuning-Haus veranstaltet und zum anderen mit dem Roll On Workshop ein Rollstuhltrainingskonzept zum Leben erweckt, dass auch denen ein Training ermöglichen soll, die keine Fünf Tage am Stück frei schaufeln können oder es (noch) nicht von der Kasse bezahlt bekommen. Beides wurde ein voller Erfolg und soll auch im neuen Jahr fortgesetzt werden. Den Rollikids Skate Day möchte ich gerne auch in andere Städte exportieren, beim Roll On Workshop hoffe ich auf Nachahmer.

1. Rollikds Skate Day 2014 (Foto: Wittmershaus/DRS)

1. Rollikds Skate Day 2014 (Foto: Wittmershaus/DRS)

Mai

Wir wählten den Mai aus Anfang der Outdoor Saison aus, da er uns in den letzten Jahren immer viel Sonne und sommerliche Temperaturen gebracht hatte. Dieses mal brachte er leider eine Menge Wasser mit nach Hamburg, wo wir im Inselpark des ehemaligen igs Geländes den Betonbowl und Streetskatepark rockten. Der Skatepark ist super geeignet für Rollstühle und deswegen kamen auch bei miesem Hamburger Wetter eine Menge Shredder nach Wilhelmsburg. Auch unser spanischer Gast Toni Quinonero Martin zeigte ein paar Tricks auf nassem Beton und ganz neu dabei war auch das Rollstuhl Longboarden von Toni Hömpler.

Juni

Endlich war der Sommer da und man konnte wieder überall und immer ne Skatesession starten. Wir haben einen weiteren Skateworkshop in Gießen auf der Landesgartenschau veranstaltet, Wien bereist und damit den Grundstein gelegt für den ersten Skateworkshop in Östereich nächstes Jahr. Ansonsten stand bei mir die Vorbereitung auf die WM Teilnahme im Juli im Vordergrund. Kalifornien sollte natürlich wieder das absolute Highlight im Kalender werden. Deswegen wollte ich mich nach der Zwangspause am Anfang des Jahres auch ordentlich vorbereitet wissen.

Juli

California uber alles… so dröhnten die Dead Kennedys schon oft aus meiner Anlage in meine Ohren und nun war es wieder endlich soweit. Dieses mal hatten wir uns viel vorgenommen, neben der üblichen Teilnahme am Life Rolls On They Will Skate Again und der angeschlossenen WCMX Weltmeisterschaft, wollten wir auch das surfen im Pazifik probieren und über alles eine Dokumentation drehen. Wir reisten also mit einem kleinen Kamerateam nach LA und produzierten schöne Bilder, die ihr auch schon im Aktion Mensch Video bewundern könnt. Aber das soll nich nicht alles sein, denn wir haben noch soooo viel an sensationellen Aufnahmen, dass wir schon bald mit einem weiteren, längeren, besseren Film die Leinwände erobern wollen. Da das aber Zeit, Geld und Arbeit bedeutet, wird es wohl noch eine Weilchen dauern. Bei den ganzen Erlebnissen, Drehs und der Arbeit, ging fast unter, dass ich die WM dann sogar gewonnen hatte. Ich habe aber auch selbst lange gebraucht um zu realisieren, dass die Jury mich vor Aaron Fotheringham setzte und ich somit bis zum April 2015 als bester WCMX Rider der Welt in die Skateparks rollen kann. Immer noch klingt das total unreal, zumal Wheelz natürlich wieder alles weggerockt hat und jedem die Wurst von der Stulle zog. Dafür gewann er aber auch den Best Trick Contest, aber mein fast fehlerfreier und abwechslungsreicher Run überzeugte die Jury irgendwie und es reichte zum Sieg. Ich bin mir immer noch ziemlich sicher, dass es der Handkuss war, den ich Lisa aus der Bowl beim carven zu geworfen hab. Mein Kumpel Robert Thompkins gewann übrigens den Balls to the Wall Preis als Draufgänger unter den Rolliskatern.

Californian Sunset im Camp Woodward West

Californian Sunset im Camp Woodward West (Foto: Anna Spindelndreier)

Life Rolls On They Will Surf Again San Diego 2014

Life Rolls On They Will Surf Again San Diego 2014 (Foto: Anna Spindelndreier)

August

Nach der US Reise planten wir direkt den nächsten großen Trip. Dieses mal blieben wir aber auf dem heimischen Kontinent und machten einen kleinen Roadtrip durch Luxemburg, Frankreich, Spanien, Italien und die Schweiz. Wir erstellten unsere Touren so, dass wir auf dem Weg einige bekannte Skateparks und Spots mitnehmen konnten. Neben Barcelona, war vor allem Marseille ein besonderes Highlight. Marseille stellte uns zwar mit seinem Verkehr, der Parkplatzsituation und der Kriminalität auf die Probe, aber dann rockten wir die Marseille Bowls doch, am nächsten Tag in aller Früh, was sich als echter Vorteil erwies, denn der Bowl war weitestgehend frei und nicht so überfüllt wie am Abend. Außerdem war das Klima viel angenehmer. Auch Barcelona stellte uns auf die Probe. Meine Tasche mit allen Geldkarten, Ausweisen und Papieren wurde geklaut als ich grad einen der berühmtesten Skatespots shreddete, Barcelona Saints. Unseren Dieb haben wir auf Kamera, aber meine Tasche auf immer verloren. In Italien trafen wir Ilaria das erste mal, welche uns die schöne Stadt Varazze zeigte und uns zu Pestosüchtigen machte. In der Schweiz entdeckten wir ein Paradebeispiel für einen inklusiven Skatepark, ohne das man ihn so nennen muss. Einfach nur ein großer Skatepark bei dem an eine behindertengerechte Toilette gedacht wurde. Ziel unserer Reise war Potsdam, denn dort gab es einen weiteren Skateworkshop im jwd Lindenpark, was nun auch ein fester Termin im Kalender werden soll.
Auf dem Weg durch Europa reifte die Idee für diesen Blog, zuerst wollten wir einen Videoblog machen, stellten aber fest, dass wir eigentlich keine Zeit haben Videos zu editieren. Also entschärften wir die Pläne und machten ein Video, eigentlich sollte es nur einen Trailer darstellen, aber ich bin ehrlich, ich bin bisher noch nicht dazu gekommen auch nur eine Minute des eigentlich geplanten Roadmovies zu erstellen. Auch hier kann ich nur sagen: Video Soooooooooon!

September

Wasserski oder Wakeboarden? Beides scheint mir nicht zu liegen. Zumindest musste ich das wieder mal beim Let’s get wet Wassersportcamp in Duisburg feststellen. Aber dafür habe ich mich ins Kanu bzw. Kajak fahren wieder gefunden. Wenn ich das nächste mal eine Chance habe mich ins kühle Nass zu stürzen werde ich es wieder tun. Auch das Wakeboarden habe ich noch nicht abgeschrieben. Schließlich bin ich sogar im Pazifik Wellenreiten gewesen. Was war noch? Ach ja ich hatte Geburstag und habe den Club 27 überlebt. Außerdem gab es noch den dritten und vorerst letzten Teil unserer Roll On Workshop Reihe in Dortmund. Sehr experimentell mit einer „Schnipseljagd“ durch Dortmund, die am Ende doch mit Schnitzel belohnt wurde. Das Obdachlosenmagazin Bodo schrieb einen schönen Artikel über dieses Wochenende.

Oktober

Der Oktober bot ein ganz besonderes Highlight, welches auch noch ein Video und einen eigenen Beitrag hier bekommen wird (Soooon!) Bärlin Pedäl Bättle!!! Ein Ritterturnier auf Rädern, eigentlich auf Fahrrädern, aber wir haben es mit unseren Krüppelrittern infiltriert und wollen dies auch nächstes Jahr wieder tun. Mein Rekrutierungsblog und -video kommt, versprochen! Was gab es noch, außer verschwitzte Typen in Rüstungen, die mit Fahrrädern werfen? Na Aktion Mensch wird 50! Das Jubiläum habe ich schon das ganze Jahr in Zeitungen und Magazinen begleitet, nun waren Lisa und ich auch auf einer Veranstaltung mit dem Bundespräsidenten eingeladen. Was soll nun noch kommen? Ich weiß es auch nicht, aber 2015 wird auch einige Überraschungen für Lisa und mich bereithalten.

Jubiläumsanzeige der Aktion Mensch

Jubiläumsanzeige der Aktion Mensch

November

Im November wurde es ruhiger, aber nicht ruhig. Crowdsurfing bei Konzerten entwickelt sich zu meiner neuen Lieblingssportart und wie ihr hier im Blog lesen könnt, waren wir auch wieder unterwegs, in Ulm und Leipzig. Die Messe Abgefahren in Leipzig zeigte mein Video aus Kalifornien und ich quatschte ein wenig darüber, eine kleine Show Einlage gab es am Sonntag natürlich auch. In Ulm waren wir zu Gast in der Popbastion und der dort angesiedelten Reithalle, welche eigentlich eine Skatehalle ist. Wir ritten also unsere Rollstühle durch die Halle und konnten wieder viele junge und alte Rollifahrer eine Möglichkeit geben sich auszuprobieren und ihre Fähigkeiten zu erweitern.  Sonst hieß es wieder vom Skatepark aufs Basketballfeld. Die Basketballsaison war bereits im vollen Gange und so langsam fand auch ich mein Feingefühl für den Ball wieder. Die RBG Dortmund 51 konnte die Hinrunde der Regionalliga West äußerst zufriedenstellend beenden und geht an der Spitze in die Winterpause, welche bis Februar andauern wird.

Dezember

Die kalte Jahreszeit hat mit skaten eigentlich nicht mehr so viel gemein, denn oft ist es einfach zu nass und zu kalt. Vor allem Veranstaltungen gibt es eher selten, da die Hallen auch nicht gut beheizt sind und draußen weiß man ja nie was das Wetter so vor hat. Doch das kleine Ackerpoolco in Hamburg Eidelstedt lud kurz vor Weihnachten doch nochmal in eine kleine, aber gut beheizte Skatehalle ein. Das konnten und wollten wir nicht abschlagen und beendeten die Skatesaison mit einer schicken kleinen Session. Gleich drei Drop In Neulinge bei einer Achtköpfigen Truppe dürfte auch so was wie ein kleiner Rekord sein.

Es war ein tolles Jahr und ich freue mich auf 2015. Noch mehr Workshops, noch mehr Skateparks und die WM in Texas. Ein schönes Jahr wird es werden, wenn es auch nicht ganz stressfrei bleiben wird.

Vielen Dank an alle, die mich begleitet und unterstützt haben. Vielen Dank an alle, die mich supporten und anfeuern. Vielen Dank an alle, die meine Videos, Links und Fotos in die Welt hinaus tragen.

Danke auch meinen Sponsoren Schwalbe, Iriedaily, RehaOptimal Onken, Team Box Wheelchairs, Art of People und den vielen weitern Unterstützern, Crowdfundern und allen, die geholfen haben, ob mit Zeit, Engagement oder Geld.

Ich freue mich euch alle nächstes Jahr wieder zu sehen und ich freue mich auf die, die ich nächstes Jahr kennen lernen werde.

Frohes Fest und einen guten Rutsch ohne Glatteis wünschen euch Lisa und David.

 

 

/David

Fotos: Anna Spindelndreier

Foto: Anna Spindelndreier

 

Fotos: Anna Spindelndreier

Typen! Mit Robert Thompkins (Foto: Anna Spindelndreier)

Fotos: Anna Spindelndreier

Foto: Anna Spindelndreier

 

 


Sich vom Boden lösen – Wenn Räder den Boden verlassen

Vor nicht allzu langer Zeit schrieb ich einen Artikel für das Magazin fiduz von der Arbeitsstelle Frühförderung Bayern. Das Leitthema war „Sich finden – sich lösen, verbunden sein – sich trennen“ zu finden im Heft no. 33, 17. Jahrgang 1/2014; ISSN  1619-2958 ; www.fiduz-infoblatt.de

Ich in einem wissenschaftlichen, medizinischen, erziehungsfragenbeantwortendem Magazin? Ja! Und ungeändert nun hier für euch:

Mein Leben erfuhr einen großen Umbruch, als ich vor ein paar Jahren im Krankenhaus aufwachte und mir der Arzt mitteilte, dass ich querschnittgelähmt bleiben werde. Ich wusste nicht wirklich was das bedeutete und so nahm ich an, dass es nichts schlimmeres geben könne.

Aber zum Glück wurden mir schnell die Möglichkeiten aufgezeigt. Nach einigen Rollstuhltrainingsstunden und Sporttherapien wusste ich, es geht eine Menge! Schnell lernte ich den Rollstuhl zu beherrschen und ich merkte, dass meine Selbstständigkeit und meine Freiheit damit unmittelbar zusammenhängt. Denn je mehr ich lernte, desto weniger brauchte ich Hilfe, desto seltener musste ich umkehren, weil eine Barriere im Weg war. Dieser Ansporn brachte mich dann auch in den Skatepark, denn hier fand ich eine Spielwiese für meine Räder. Hier konnte ich meine Grenzen kennen lernen und kontinuierlich verschieben.

Ich fand Spaß daran die unüberwindbar zumutenden Schrägen und Rampen zu fahren. Nicht nur das Adrenalin tat seines dazu, vor allem die Erfolgserlebnisse geben einem immer wieder Motivation. Dazu kommt, dass ich im Alltag immer weniger Barrieren vorfand, die mich wirklich aufhielten. Irgendwann entschied ich mich das auch mit anderen zu teilen. Zuerst mit Videos über YouTube, doch nach meiner USA Reise wollte ich es direkt an andere weiter geben.

In den USA nahm ich an einem Event mit dem Namen „They will skate again“ von der Organisation Life Rolls On teil. Hier wurde Kindern, Jugendlichen und Junggebliebenen Rollstuhlfahrern von Skateprofis das Fahren im Skatepark gezeigt. Danach gab es einen Contest, die WCMX (WheelchairMX) Weltmeisterschaft. Ich wurde Dritter, was ein unglaublich gutes Ergebnis war. Was mich aber noch mehr beeindruckte, war die Erfahrung mit Gleichgesinnten im Skatepark zu fahren. Natürlich fahre ich auch gern mit meinen Nichtbehinderten Freunden, welche auf Skateboards oder BMX unterwegs sind, aber hier lernte ich an zwei Tagen mehr, als in den zwei Jahren zuvor.

Ich wollte so etwas auch in Deutschland veranstalten und nahm die Idee mit über den großen Teich. Zurück in Deutschland fand die Idee durchaus schnell Anklang, aber vieles sprach gegen mein Anliegen. Denn wie sind Rollstuhlfahrer versichert wenn sie sich etwas tun im Skatepark? Viele hatten Angst davor, dass etwas passiert wofür sie haftbar gemacht werden können, aber auch davor, dass alte Stereotypen überholt werden müssen. Ich gab nicht auf und fand bald mit dem Deutschen Rollstuhl-Sportverband einen Partner, der mich unterstützen sollte.

Wir veranstalten nun Workshops und Schnupperkurse für Rollstuhlfahrer in ganz Deutschland. Das Interesse ist groß und das Feedback durchweg positiv. Eltern bedanken sich, weil ihre Kinder diese Erfahrung sehr gut annehmen. Viele kommen wieder und einige finden hier sogar einen Sport, den man unabhängig von den wenigen Rollstuhlsportvereinen ausüben kann. Die Erfahrung, egal ob einmalig oder wiederholt, gibt den Kindern und Jugendlichen eine Menge – in vielerlei Hinsicht.

Zum einen ist die eigene Wertschätzung gestärkt, aber auch die Motivation den Rollstuhl noch besser zu beherrschen, sowie im Alltag selbständiger zu werden. Die Aktivität wird somit im hohen Maß gefördert und der Weg für ein selbstbestimmtes Leben bereitet.

Eltern, die sich Sorgen machen, ob das zu gefährlich sei, sollten sich unbedingt vor Augen halten, dass ein behindertes Kind die selben Entscheidungen treffen kann, wie ein nicht behindertes. Denn gerade jetzt, zu einem Zeitpunkt an dem die Inklusion an Schulen Einzug hält, sollte es möglich sein, mit seinen Schulfreunden die gleichen Hobbys zu teilen und das kann eben auch das skaten sein. /David

Foto: Andi Weiland

Foto: Andi Weiland

Foto: DRS/Wittmershaus

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