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Gedanken über…Sprache

Ich bin bei einer Diskussion auf Facebook mal wieder auf meinen Sprachgebrauch aufmerksam gemacht worden. Ich wurde dafür kritisiert, dass ich geistig Behinderte „Geistis“ genannt hab und das ich Blinde als Baustelle bezeichnet habe. Letzteres ist nicht so ganz korrekt, denn Sprache funktioniert ja auch oft nur im Kontext. Ich würde ja keinen Menschen als Baustelle bezeichnen. Viel mehr ging es um Aufgabengebiete, die ich Baustellen genannt habe. So sehe ich es als meine Baustelle u.a. gehbehinderte Menschen zu mobilisieren und zu motivieren, aber für blinde Menschen kann ich da nicht so viel tun, weil ich davon halt keine Ahnung habe und ich es auch nicht als meine Aufgabe sehe oder gar als meine Pflicht.

Nun kann man sich natürlich streiten, ob man bestimmte Bezeichnungen verniedlichen darf. Der eine mag es, der andere nicht und ich sage, es kommt auf den Kontext an und eben wer die Sprache anwendet und wo. Rolli, GehBehs, Spasti, Behindi… in meinem täglichen Sprachgebrauch sind das durchaus Worte, die ich oft und gern gebrauche und wenn sich da jemand von angegriffen fühlt, kann ich nur sagen: Nimm den Stock ausm Arsch! Natürlich würde ich diese Verniedlichungen nicht unbedingt überall als angemessen sehen und dort wo sachliche und fachliche Inhalte geschrieben stehen, wie z.B. in der Presse oder anderen Medien, achte ich sehr darauf, dass eine korrekte und angemessene Ausdrucksweise verwendet wird. Bei Interviews verweise ich auch gern auf Leidmedien.de.

In einem persönlicheren Umfeld nennen „wir uns“ auch gegenseitig Spasti oder Krüppel und wissen, dass das alles andere als böse gemeint ist. Auch hier kommt es wieder auf Kontext, wer, wie, wo und warum an. Generell muss ich aber dennoch sagen, dass ich nicht jeden berichtigen muss und mich auch nicht sofort bei jedem Scheiß beleidigt fühlen muss – schon gar nicht bei einer Verniedlichung. Ich mach mich auch gern lustig darüber, wenn der Busfahrer mal wieder fragt, wo denn die Rollstühle raus wollen, aber mehr als einen blöden Spruch gibt es dann auch nicht. Natürlich will der Mensch auch mit aussteigen in aller Regel, aber durch den Kontext ist das zum Glück relativ klar. Bei dem Spruch „…an den Rollstuhl gefesselt…“ bekommt derjenige auch einfach einen blöden Spruch gedrückt, nur selten belehre ich hier immer sofort, außer es ist ein Journalist oder andere, die mit Worten arbeiten und ein öffentliches Bild formen können/sollen. Oder ich habe viel Zeit, dann erkläre ich natürlich auch gern was daran blöd ist und warum man es anders ausdrücken sollte.

Auch der behinderte Mensch, im allgemeinen oft Behinderter genannt, ist eine Ausdrucksweise, die für mich in offizielle Schreiben / Reden gehört. Aber in der Umgangssprache finde ich es nicht schlimm jemanden einfach behindert oder Behinderten zu nennen. Auch hier gilt wieder, wenn ich viel Zeit habe oder mein Gegenüber jemand ist, der das verstehen sollte, erkläre ich mich oder verweise auf Leidmedien.de.

Wenn wir bei jedem Scheiß immer gleich auf Political Correctness pochen, wenn wir bei jedem kleinen Fehler immer berichtigen, erreichen wir die Leute noch viel weniger, weil sie einfach nur genervt sind und wir bauen Ängste auf, die wir eigentlich abbauen wollen. Wenn Leute schon Angst haben mit uns zu sprechen, weil sie Angst haben in Fettnäppfchen zu treten „oh darf ich überhaupt treten sagen?“, dann erreichen wir oft das Gegenteil von dem was wir eigentlich erreichen wollen. Denn Begegnungen und unkompliziertes, einfach normales Miteinander, inklusiv und bunt, das sehe ich sehr wohl als meine Baustelle. Dazu müssen wir aber auch ein unkompliziertes miteinander ermöglichen und dürfen das nicht unnötig erschweren, nur weil wir immer gleich auf politisch Korrekte Ausdrucksweise bestehen. Das ist nicht mein Bier!

Oh du trinkst gar kein Alkohol? War das jetzt unangemessen? Es gibt halt gewisse Floskeln im Sprachgebrauch, die erst nach und nach verschwinden, mal wieder auftauchen und auch wieder verschwinden. Natürlich kann und muss man das ein bisschen steuern, aber man sollte da nicht ein Sprach oder Behindertennazi werden und alle gleich verurteilen und unter Generalverdacht stellen, nur weil die dich „an den Rolli gefesselt“ genannt haben. Ich mag auch einen alten Spitznamen von mir nicht so ganz weil der so niedlich klang: „Busi“ haben mich die Mädels oft genannt, einige tun es immer noch. Dennoch mach ich die nicht blöde an und sage: „Das heißt Lebbe!“

/David

PS: Mit Spastiklatschen meinen wir z.B. das klatschen bei großer Freude von Leuten mit CP und keine gewaltverherrlichenden Aktionen!

blablabla

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Teilhabe! Jeder! Überall!

Warum fühle ich mich eigentlich auf Reisen immer so viel uneingeschränkter? Klar, man ist im Urlaub, das Gras auf der anderen Seite ist immer grüner, man hat nicht so viel Alltagserldigungen zu tun, muss nicht an so vieles denken.

Spontan mit dem Zug verreisen  - ohne  Diskussionen! Foto: Anna Spindelndreier

Spontan mit dem Zug verreisen – ohne Diskussionen! Foto: Anna Spindelndreier

Kann man das aber wirklich immer so einfach abtun? Kann es nicht viel mehr daran liegen, dass bspw. die USA seit einem Vierteljahrhundert ein Teilhabegesetz haben? Dass man dadurch vielerorts, sogar an den meisten Orten nicht vorher überlegen muss, ob man in ein Café oder Restaurant reinkommt oder ob man dort auf Klo kommt – wenn man mal muss. Kann das nicht sein, dass auch das spontane und einfache Bahn fahren da was zu tut? Und das man nicht mit dem Busfahrer diskutieren muss um mitgenommen zu werden? Auch andere Länder scheinen uns da schon einiges voraus zu sein.

Die USA hat mit ADA nun schon seit 25 Jahren ein Teilhabegesetz und somit eine gesetzliche Verankerung, dass Menschen nicht aufgrund Ihrer Behinderung ausgeschlossen oder diskriminiert werden dürfen. Das wirkt sich dann zum Beispiel darauf auf, dass Barrierefreiheit vorangetrieben wird, weil nun die eine Stufe vor der Tür keine Ausrede mehr ist. Denn eine Rampe ist für jeden machbar. Das ist aber nur ein sehr niederschwelliges Beispiel. Das Gesetz wird für noch so viel mehr gebraucht. Eine Gesetztesgrundlage, für alle Rechte, die in der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen festgehalten sind.

Für Menschen mit Assistenzbedarf muss die Möglichkeit bestehen Geld zu sparen, für Menschen mit einer Gehbehinderung, eingeschränkter Mobilität u.ä. muss Barrierefreiheit gefördert und gefordert werden, für alle Menschen mit Behinderung muss es möglich sein am kulturellen, sportlichen, allgemein gesellschaftlichem Leben zugänglich sein und zwar überall, für jeden und immer!

Nun hat Deutschland bisher nicht nachgezogen und das obwohl wir doch in Sachen Gesundheit und Hilfsmittelversorgung Weltspitze sind, ja trotz aller Streitereien mit den Krankenkassen sind wir da weit vorn. Doch was bringt uns das, wenn wir an dem eigentlichen gesellschaftlichen Leben nur erschwert teilnehmen können, bzw. einige komplett ausgeschlossen werden?

Dass Deutschland mit dem Bundesteilhabegesetz noch nicht nachgezogen hat, ist mittlerweile doppelt und dreifach bedenklich. Zum einen hat Deutschland die UN Behindertenrechtskonvention ratifiziert und ist somit verpflichtet diese in geltendes Recht umzuwandeln, zum anderen sind die Entwürfe dafür mehr als am Ziel vorbei und es sieht so aus, als ob es entweder noch ewig dauert oder wir von den Politikern verarscht werden.

Helft mit und fordert die Politik auf endlich zu handeln! Schreibt euren zuständigen Politikern, dass ihr mit der Situation nich zufrieden seid! Beschwert euch! Seid laut!

Unterschreibt die Petition bitte wenn noch nicht gemacht: kampagne.teilhabegesetz.org

Den zuständigen Politiker für euer Gebiet bekommt ihr hier raus: www.bundestag.de/bundestag/abgeordnete18/wahlkreise

Wenn ihr nicht wisst was ihr schreiben sollt, hier eine Formulierungshilfe:  http://nitsa-ev.de/wp-content/uploads/2016/02/2016_02_22_Brief_an_MdB_Entwurf_BTHG.pdf

Hier noch ein sehr guter Beitrag von Raul Krauthausen bei jung&naiv:

Weitere Links zu dem Thema:

Behindertenrechtskonvention – erklärt von Aktion Mensch
Behindertenrechtskonvention – ganz trocken
teilhabegesetz.org
kobinet-nachrichten.org
MMiB e.V.

/David


Tag ohne Grenzen in Hamburg

5-O beim Tag ohne Grenzen - Foto: Malte Wittmershaus

5-O beim Tag ohne Grenzen – Foto: Malte Wittmershaus

Anfang des Monats hat die DGUV eingeladen zum Tag ohne Grenzen auf dem Hamburger Rathausmarkt. Sogar einen eigenen Skatepark haben wir für ein Wochenende bekommen, um zu zeigen wie vielfältig Rollstuhlsport heutzutage aussieht. Auf der Seite der DGUV könnt ihr nicht nur einen Bericht lesen, sondern euch auch die Highlights der beiden Tage anschauen und euch von der Vielfältigkeit überzeugen.

Auch die Stadt Hamburg veröffentlichte einen Bericht, seht selbst: http://www.hamburg.de/sport/4473850/tag-ohne-grenzen/

Natürlich gibt es noch viele andere interessante Zusammenfassungen im Netz zu finden, schmeißt einfach mal Tag ohne Grenzen in den Suchapparat 😉