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Gedanken zu… Filme und Behinderung #LiveBoldly

Es wird momentan viel diskutiert. Das ist nichts neues, auch das Thema ist nicht neu. Filme zum Thema Behinderung und deren Darstellung darin. Auch gern diskutiert die Darsteller, meistens selbst ohne Behinderung. Grund für die Diskussion ist der Hollywood Film zum Buch „Ein ganzes halbes Jahr“ in dem es um einen Querschnittgelähmten reichen Typen geht, der sich in seine Pflege verliebt und trotzdem lieber sterben will. Nachdem sich der Anfang der Handlung liest wie bei „Ziemlich beste Freunde“ wird schnell klar, dass diese Handlung anders ist. Der Wunsch zu sterben, weil man zu behindert ist und so nicht leben kann… ich denke wir denken da anders drüber. Nun kenn ich weder Film noch Buch, habe nur ein wenig die Diskussion verfolgt. Deswegen möchte ich zum Thema ein paar Gedanken und Beispiele finden.

Gute Beispiele aus der näheren Vergangenheit für Filme mit dem Thema Behinderung sind „Ziemlich beste Freunde“ und „Vielen Dank für nichts“. Letzterer vor allem auch, weil er für den Diskussionspunkt der Besetzung Maßstäbe setzt. Der Hauptdarsteller des Films erleidet eine Querschnittlähmung durch einen Unfall. Der Schauspieler ist im wahren Leben nicht behindert. Bevor jetzt alle aufschreiben, muss ich aber sagen, dass er seine Rolle als frisch Verletzter Neurollifahrer super spielt. Er hat sich offenbar mit dem Thema befasst und auch das Rollstuhlfahren gelernt. Weiterhin spielen in weiteren Hauptrollen auch zwei Typen mit CP mit (rein aus dem Erinnerungsprotokoll meines Kopfes). Diese machen eine ebenso gute Figur in ihren Rollen und das Trio passt perfekt in den Film. Nun ist dieser Film natürlich nicht zu vergleichen mit der traurigen Geschichte des neuen Hollywood Dramas. Aber er zeigt, dass es nicht allein darauf ankommt, dass ein Schauspieler behindert sein muss um einen behinderten Menschen gut zu spielen.

Ein guter Schauspieler sollte sich aber mit seiner Rolle auseinander setzen und dafür arbeiten diese gut zu spielen. In einer ARD Serie „Rote Rosen“ hatte der Schauspieler Niklas Osterloh sogar an einem meiner Skateworkshops teilgenommen, mehrere intensive Rollstuhltrainingsstunden genommen und sich für längere Zeit an den Rollstuhl gewohnt. Er hat außerdem Gespräche mit verschiedenen Querschnittgelähmten geführt und am Ende hat sowohl er, als auch die Redaktion dahinter gezeigt, dass man dieses Thema durchaus angehen kann. Vor allem in so einer Serie kann ja der Schauspieler nicht einfach wechseln, nur weil er in der Story nun im Rollstuhl sitzt. Es war also besser, dass der Schauspieler sich auf seine Rolle vorbereitet, als dass sich nun ein Schauspieler im Rollstuhl in seine Rolle einpassen muss.

Dennoch ist es wohl oft so, dass Schauspieler im Rollstuhl einfach nicht gefragt werden. Dass es sie gibt und das sie gut sind, zeigt Teal Shearer. Was habe ich die erste Staffel ihrer Websoap „My Gimpy Life“ geliebt. Ok, das war ihr Ding, quasi ihr Leben in lustig aufgearbeitet – Realsatire quasi. Im Enddefekt fänd ich es gut, wenn öfter Schauspieler mit Behinderung Rollen spielen würden. Aber ich finde es gibt plausible Gründe warum eine Rolle auch nicht mit eben so einem äußerlich gut passenden Schauspieler zu besetzen ist.

Wenn die Rolle in der Geschichte auch Ausschnitte aus seinem nicht behinderten Leben (also zB vor dem Unfall ) zeigt oder wenn es eben mitten in der Story passiert, wie bei der Serie zB. Aber natürlich kann es auch einfach sein, dass der Schauspieler einfach nicht passt. Nicht für die Rolle oder nicht ins Team, denn auch das ist ja menschlich und normal. Es kann einfach vorkommen, dass von 10 möglichen Schauspielern nur einer für die Rolle passt. Man wählt ja sicher nicht nur nach Äußerlichkeiten aus, sondern auch nach Können, nach Qualität, Sympathie und vieles mehr.

Soviel zu meinen Gedanken dazu. Vielleicht schaue ich diesen traurigen Film ja mal und schreib dazu auch nochmal was, aber ich glaube nicht. Nicht weil ich ohnehin denke, dass die Story schlecht umgesetzt und an der Realität vorbei geschrieben ist. Nein, viel mehr weil ich solche Filme einfach nicht mag.

In diesem Sinne, schaut euch Vielen Dank für nichts an und nein ich gucke „Rote Rosen“ nicht (mehr) 😉 Aber ich habe mir einige Folgen angeschaut und muss sagen, das Thema wurde super angegangen und selbst ich hatte nichts zu meckern… naja ok, es hätte ein anderer Rolli sein können, aber hey man kann ja nicht alles haben.

Jetz is aber gut! Ende!

/David

Vom Film Vielen Dank für Nichts - Quelle: www.vielendankfuernichts-film.de

Vom Film Vielen Dank für Nichts – Quelle: http://www.vielendankfuernichts-film.de

 

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Gedanken zu…Vorbildfunktion

Vorbildrolle? Beim rollen gern! - Foto: Anna Spindelndreier

Vorbildrolle? Beim rollen gern! – Foto: Anna Spindelndreier

In letzter Zeit werde ich öfter gefragt, wie es ist ein Vorbild zu sein und was es mir bedeutet. Jedes mal wenn ich diese Frage gestellt bekomme, mach ich mir meine Gedanken und eigentlich fällt die Antwort in der Kürze eines Interviews immer anders aus. Deswegen hier mal meine ausführlichen Gedanken dazu.

So ganz habe ich es wohl selbst noch nicht verstanden. Ich? Ein Vorbild? Wie ist das denn passiert? Eigentlich sehe ich mich immer noch lieber als den Rebellen, der einfach nur nicht das macht, was die Gesellschaft von einem erwartet. Denn nach meinem Unfall hieß es vor allem immer „Du kommst da nicht rein – das geht mit Rollstuhl nicht – da geht es nicht hoch“ und ich fühlte mich dadurch immer motiviert einen Weg zu suchen und dann zu sagen „DOCH!“. Dass ich damit einmal eine Vorbildrolle einnehmen sollte war mir nicht bewusst und heute ist das eigentlich immer noch so.

Blick nach vorn und ab gehts! - Foto: Anna Spindelndreier

Blick nach vorn und ab gehts! – Foto: Anna Spindelndreier

Natürlich weiß ich mittlerweile, dass jeder aktive und selbstständige Rollstuhlfahrer ein wichtiges Vorbild ist für Kinder im Rollstuhl oder auch für „Verunfallte“. Dennoch bin ich ja eigentlich immer noch „nur“ der Skater, der Rebell, der Unangepasste, der, der sich nicht sagen lässt wo er mit dem Rollstuhl rein, hoch oder runter kommt. Ich bin einfach ich und lass mich nicht in eine Rolle drängen. Doch genau das scheinen viele unter einer Vorbildfunktion zu verstehen. Ich muss nun der Heilige, sich immer adrett ausdrückende und zu jedem freundliche Rollstuhlfahrer sein. Aber auch ein Vorbild kann abseits seiner vorbildlichen Sachen einfach mal Mensch sein.

Gerade erst vor kurzem wurde ein Kommentar von mir gemeldet. Ich schrieb auf Englisch, weil war ja ein Video eines WCMX Kollegen aus den USA, dass sein Video „fucking awesome“ ist. In Deutsch hätte ich vielleicht geschrieben „geiler Scheiß“ oder „krasser Kack“. Das bin ich und wenn das schon reicht um diese Vorbildfunktion nicht mehr zu erfüllen, dann will ich das auch nicht sein. Natürlich kann man sich hier anders ausdrücken und natürlich soll man auch denken bevor man schreibt, aber ich werde nicht anfangen jedes mal zwei mal zu überlegen, sonder auch hier will ich einfach nur ich sein. Es gab eine längere Diskussion auf Englisch, in der es mich gewurmt hat, dass ich mich in Englisch eben nicht so gut und klar ausdrücken kann. Auch wurmt es mich jetzt, dass derjenige diesen Text hier gar nicht lesen wird, weil er ja gar kein Deutsch lesen kann. Schade eigentlich.

Kleine Erfolgserlebnisse in der Videoanalyse - Foto: Anna Spindelndreier

Kleine Erfolgserlebnisse in der Videoanalyse – Foto: Anna Spindelndreier

Aber zurück zu der oft gestellten Frage. Ja ich bin gerne Vorbild, wenn es darum geht ein posistives Beispiel für einen aktiven und selbständigen Rollstuhlfahrer zu sein. Ich bin auch gern Vorbild beim Sport, beim WCMX, meinetwegen auch beim Wheelsoccer oder anderen sportlichen Aktionen. Für Kinder, aber auch für alle anderen. Es gibt mir eine Menge, wenn Kinder sich durch mich motiviert fühlen, ihren Rollstuhl mehr zu nutzen und ihre Selbstständigkeit dadurch verbessern. Es ist toll, wenn „erworbene“ Querschnitte und andere „Frisch-Rollstuhlfahrer“ durch mich motiviert werden ihr „Schicksal“ zu überwinden oder aus ihrem „Loch“ herauskommen. Noch besser ist es, wenn ich es sogar schaffe ihnen zu vermitteln, dass es eben kein schlimmes Schicksal ist, sonder eine Chance. Eine Chance auf ein mobiles und selbstbestimmtes Leben. Das ist die Vorbildfunktion, die ich gern einnehme. Die, des lyrischen Wohltäters überlasse ich anderen, auch wenn ich wohl unterscheiden kann, wann und wo ich fucking scheißendreckarschmist sage und wo besser nicht.

Vorbild oder nicht, dass könnt ihr entscheiden. Am Ende bin ich einfach ich und das will ich bleiben. Verändert hab ich mich schon genug, denn vor wenigen Jahren hätte ich noch gesagt: Ick bin ick und dit bleibt so! Heute muss ich schon einen Berliner/Brandenburger gegenüber haben, dass mir mein so geliebter Dialekt noch automatisch über die Lippen kommt. Aber das ist ein anderes Thema.

In diesem Sinne, einen verkackt schönen Tag euch noch!

 

 


Gedanken zu… Flüchtlingskrise

Die folgenden Zeilen sind Gedanken. Gedanken, die ich in mehreren Etappen niedergeschrieben hab. Immer wenn das Thema durch meine Timeline huschte, wenn ich entsetzt Kommentare unter eben diesen Themen gelesen habe. Immer wenn es irgendwie auf meinem Schirm erschien. Es liest sich daher vielleicht nicht immer wie ein zusammenhängender Text, aber dennoch sind es meine Gedanken zu einem wichtigen Thema: Menschlichkeit! Viel Spaß beim lesen und bitte bleibt sachlich wenn ihr irgendwo anderer Meinung seid, danke!

Traurig, dass ich regelmäßig meine Facebook Kontakte prüfen muss wenn sich das Thema Flüchtlinge und deren Aufnahme bzw Unterbringung wieder in den medialen Vordergrund drängt. Wie viele dort menschenfeindliche Ansichten haben, erschreckt mich in letzter Zeit immer öfter. Wie viele davon auch in meinen Kreisen zu finden sind, erschreckt mich umso mehr. Meistens sind es zwar flüchtige Kontakte, aber auch die hat man ja mal anders kennen gelernt.

Dabei sollte doch gerade bei Menschen mit Behinderung, die ja auch oft noch gegen stereotypische Vorurteile und für Integration bzw Inklusion kämpfen, doch ein breites Verständnis vorhanden sein. Ich meine es ist natürlich ein schwieriger Vergleich, aber die einen sind durch Einschränkungen und Barrieren gehindert im gleichen Maße am Leben in der Gesellschaft teilzunehmen, wie der schwerstmehrfachnormale Mitbürger – die anderen werden von Regelungen und Zäunen daran gehindert.

Das ist aber noch längst nicht alles was ähnlich ist. Denn müssen wir als „behinderte“ Menschen nicht oft noch erklären, dass wir mit der Bahn mitfahren können, dass wir einen Aufzug selbst bedienen und die Tür alleine aufmachen können? Müssen wir uns nicht oft beweisen, dass wir in der Lage sind zu arbeiten und verantwortungsvolle Aufgaben übernehmen können. Müssen wir nicht ständig dafür kämpfen, dass uns ganz normale Sachen nicht aufgrund unserer Behinderung verweigert werden, wie eben arbeiten, Bahn oder Bus fahren? Früher mussten Menschen mit anderer Hautfarbe im Bus getrennt vom Rest sitzen, schwarze Bedienstete hatten im Süden der USA ihre eigene Toilette, „konnten“ die normale nicht benutzen. Heute gelten diese Sachen noch oft für Rollstuhlfahrer.

Ich bin der Meinung, dass, wenn wir Flüchtlinge mit mehr Verständnis und Gastfreundschaft empfangen, dann können Sie genau so ein Teil der Gesellschaft sein, wie jeder Mensch, egal von wo und egal mit welcher Behinderung. Wir dürfen sie aber nicht von vornherein schlecht reden. Wir dürfen sie nicht direkt als kriminell abstempeln und sie mit einem wütenden Mob begrüßen. Genauso wie wir behinderte Menschen nicht ausschließen dürfen und ihnen ihre eigenen Entscheidungen in Frage stellen sollen. Menschen sind Menschen und den einen mag man, den anderen nicht, mit dem einen kommt man klar, mit dem anderen nicht, mit vielen kann man lange und ausgiebig reden, mit anderen eben nicht. Aber ob man mit jemanden klar kommt, das ist doch nicht vom Äußeren abhängig oder davon, wo er herkommt, wie er hierher gekommen ist oder ob er ein zwei oder drei Beine hat, weder Farbe des Rollstuhls, noch der Haut spielt dabei eine Rolle, sondern lediglich der Mensch und wie er sich dir gegenüber verhält.

Nun trifft den aktiven Rollstuhlfahrer, wie auch andere Breitensporler, das Problem, dass Sporthallen als Notunterkünfte für ankommende Flüchtlinge umfunktioniert werden. Sporthallen, die oftmals schon jetzt komplett ausgelastet sind und somit Alternativen für den Sport nur schwer zu finden sind. Ich kann verstehen, dass da Unmut aufkommt. Ich war auch nicht glücklich, dass wir einen Skateworkshop verschieben mussten, weil die Skatehalle als Lager für Spenden genutzt wurde. Allerdings war die kurze Enttäuschung über den Ausfall (denn bis ein neuer Termin stand, dauerte es eine Weile) des Skateworkshops schnell gewichen. Vielmehr freute ich mich, über die Hilfsbereitschaft. Dass beim Basketball, Rugby, Handball oder anderen Hallensportarten, vor allem im Winter, nur schwer Alternativen zu finden sind, ist mir klar. Aber auch hier verstehe ich nicht warum sich der Hass und die Wut dann so extrem gegen die dort einquartierten Flüchtlinge richtet. Warum kanalisiert man nicht diese Energie in eine andere Richtung? Zum Beispiel in Richtung Rathaus oder in Hilfsbereitschaft? Dass die Leute ein Dach über dem Kopf brauchen, sollte jedem klar sein. Vielleicht kann man ja auch gemeinsame Beschäftigungen finden, Sport im Freien machen. In anderen Hallen kann man vielleicht etwas zusammenrücken, zusammen trainieren. Macht aus der Not eine Tugend und zeigt was es heißt eine inklusive Gesellschaft zu sein!

Natürlich ist es ein Problem, eine Krise und natürlich sehe ich auch andere in der Pflicht, Flüchtlinge aufzunehmen. Doch ich will hier nicht die politische Diskussion anregen, sondern die menschliche Seite! Denn die Menschen die hier hergekommen sind, sind jetzt nun mal hier und es ist an uns diesen Menschen ein guter Gastgeber zu sein. Einige werden weiter ziehen, einige gehen sicher auch wieder zurück wenn sich der Nebel des Krieges irgendwann wieder legt, andere bleiben hier, aber egal was die Zukunft bringen wird, das hier und jetzt ist wichtig um in Zukunft gut miteinander auszukommen.

Warum ist es eigentlich so schwierig für viele, sich in andere hinein zu versetzen? Keiner kann sich vorstellen, wie schlimm Krieg und Terror in der Heimat vieler Flüchtlinge sein muss. Aber wie schlimm es sein muss, seine Heimat zu verlassen und eine Reise zu wählen, dessen Ausgang völlig ungewiss ist, kann man sich vielleicht ausmalen. Wenn man dann diese Tortur der Reise überstanden hat, wird man hier auch nicht direkt mit Luxus überhäuft. Und dann sind da noch diese jammernden Hetzer, die dir an die Gurgel wollen, die dich wieder zurück schicken wollen, dahin zurück, wo die Hölle wohl der bessere Ort wäre. Da ist doch auch klar, dass der ein oder andere durchdreht. Aber eben auch nur der ein oder andere und noch lange nicht alle. Die meisten wollen einfach nur das, was sie noch nie im Leben hatten: Frieden und Freiheit, nicht mehr und nicht weniger. Wer hier aber angekommen ist, hat das noch lange nicht erreicht.

Lasst uns unsere Vorurteile ablegen und alle Menschen einfach freundlich und aufgeschlossen begrüßen, dann haben wir es alle etwas leichter uns zu integrieren Denn nicht nur behinderte Menschen müssen das, jeder muss seinen Platz in der Gesellschaft finden. Warum machen wir es uns gegenseitig schwer?

Ich jedenfalls freue mich neue Menschen kennen zu lernen, egal von wo auf der Welt und egal wo auf der Welt!

 

PS: Das sind Gedanken, aufgeschrieben von mir persönlich. Es kann natürlich andere Ansichten geben, aber dennoch hoffe ich, dass sich der ein oder andere zum Nachdenken aufgefordert fühlt und diese Gedanken dann wiederum in sachliche und friedliche Sätze zu packen. Hier ist kein Platz für Hass und Rassismus. wohl aber für sachliche Diskussion!

/David