Eine Zugfahrt die ist lustig…

Was war das für ein Tag! Der Tag als wir nach Berlin wollten. Es fing schon damit an, dass um 7 Uhr morgens, noch in der Koffeinierungsphase mein Handy klingelte. Die DB Mobilitäszentrale war dran. Die Einstiegshilfe für Dortmund muss abgesagt werden, weil dort schon drei (!) weitere Einstiegshilfen zur gleichen Zeit bestellt wurden. Zugegeben, wir haben wieder mal nicht nach den Regeln der Bahn gespielt, haben wir uns es doch erlaubt die Zugfahrt nur 20 Stunden, anstatt 24 Stunden vorher anzumelden. Diese vier Stunden mehr hätte die Bahn sicherlich dazu gebracht, mehr Personal bereitszustellen – klar ne!

Der Mobilitätsservice hatte mir aber vorher schon per Mail die Reservierungen für die Züge geschickt, sodass wir beschlossen die Fahrt wie geplant anzutreten. Wir riefen die Bahnhofsmission zur Hilfe, damit die uns wenigstens durch die Wirren des rollstuhlunfreundlichsten Großstadtbahnhofs Deutschlands (ich finde der Dortmunder Hauptbahnhof hat so einen Preis wirklich verdient) zu bringen. Mit deren Hilfe wurde dann sogar doch noch die Einstiegshilfe durch die Bahn realisiert, aber nicht ohne  eine Menge Kleinkrieg. Es hieß ich sei unfreundlich am Telefon gewesen und deswegen wäre die Hilfe abgelehnt worden. Zur Erinnerung: ich wurde noch vor Vollendung des Koffeinkonsums angerufen! Bevor ich überhaupt die Chance hatte unfreundlich zu werden, wurde mir bereits gesagt, dass die Hilfe nicht realisiert werden kann. Dass die Dame am Telefon so zart besaitet ist, kann ich ja nicht ahnen. Ich hab doch nur gesagt, dass ich denen im Bahnhof schon aufn Tresen kacken werde wenn die mich nicht mit dem Zug fahren lassen.

Nun kamen wir aber mit der Bahnhofsmission zu dem von uns gebuchten und vom Mobilitätsservice reservierten Zug und Wagen. Das neue Problem war ein anderes. Es war ein Großraum-/Fahrradabteil. Wir wollten aber mehrere Stunden nach Berlin fahren, da sollte man für ein 60 € Ticket erwarten können, einen vernünftigen Platz zu bekommen und vor allem ein Klo zu bekommen. Das ist ja nun nicht gerade übermäßiger Luxus oder?

Wir dachten es sei einfach der falsche Wagen reserviert worden, aber der Zug hatte wohl aufgrund seines Alters kein Rollstuhlabteil. Dass das einfach nur Quatsch ist, zeigt schon, dass der HKX bspw. mit gemischten tlw. sehr altem Wagenmaterial fährt und es dennoch schafft rollstuhlgerecht zu sein. Naja es wurde uns angeboten mit dem später fahrenden ICE zu fahren, der dann auch freie Rolliplätze mit Klo hatte. Wir mussten uns also dafür nur ein wenig die Finger am Bahnsteig abfrieren, denn in Dortmund kann man ja als Rollstuhlfahrer nicht einfach mal eben selbstbestimmt nach unten um sich ein warmes Getränk zu holen und noch zwei mal durch die Katakomden wäre ja wohl zu viel verlangt. So viel Personal hat man hier ja nicht.

Hier, in Deutschland, ist das halt alles anders. Wir fanden es schon sehr interessant, dass uns von mehreren Bahn Angestellten an diesem Tag gesagt wurde, als wir von positiven Erfahrungen aus anderen Ländern berichteten, dass wir ja hier nicht in den USA oder sonstwo wären, sondern in DEUTSCHLAND. Da geht so was natürlich nicht. So ein Vierte Welt Land wie Deutschland kann sowas natürlich nicht leisten und trotz unterschriebener UN Behindertenrechtskonvention werden die Rechte von behinderten Menschen ja eh mit Füßen getreten. Die treten ja auch nicht zurück diese Querschnittgelähmten, denkt sich die Bahn da offenbar. Wir hatten einfach mal wieder das Gefühl Fahrgäste 3. Klasse zu sein, mussten wir uns doch Sprüche von der Bahn anhören wie: „Sie wurden ja auch offiziell abgelehnt!“, „Wir können ja nicht 100 Rollstuhlfahrern helfen, so viel Personal haben wir nunmal nicht.“ oder „Reserviert wurde ja auch nur für zwei Personen mit Fahrrädern.“ Um nur einige zu nennen. Ich könnte mir auch die Tonaufnahme nochmal anhören um noch ein paar weitere Zitate aus dem Hut zu zaubern, aber ich möchte mein Blutdruck niedrig halten.

Als wir dann endlich im ICE nach Berlin gefahren sind, schien die Story sich dem Ende zu nähren, aber es sollte noch einiges passieren. In Stendal zum Beispiel wurde der Zug auf einmal picke packe voll und siehe da, es handelte sich um die Fahrgäste des IC Zuges, der aufgrund seines Alters kein Rollstuhlabteil hatte. Ist er nun auch aufgrund seines Alters stehen geblieben? Da hat die Bahn wohl ganz schön schlechtes Karma bekommen nach der Aktion. Der ICE rollte weiter und in Berlin gab es dann eine weitere Schrecksekunde. Die Ausstiegshilfe war nicht zu sehen. Da der Hauptbahnhof aber nicht Endstation war, wollten wir vermeiden weiter zu fahren und so drückte ich meine Reisetasche einen hilfsbereiten Fahrgast in die Hand und sprang aus dem ICE. Keine Rampe zu sehen, also machte Lisa es mir nach und mit der Hilfe von den freundlichen Fahrgästen bekamen wir alles aus dem Zug.

Ich filmte diese Aktion und schwenkte dann über den Bahnsteig, wo ich die Dame vom DB Servicepersonal entdeckte, die die Rollirampe in unsere Richtung schob. Doch anstatt sich zu freuen, dass wir bereits ausgestiegen sind, fragte Sie nur: „Sollte ich Sie aus dem Zug holen?“ Wir sagten, eigentlich schon und dann fing sie an ungemütlich zu werden. Sie wollte meine Kamera sehen, da es ja nicht sein kann, dass ich hier Fotos von ihr machen würde. Ich sagte ihr, dass ich gefilmt hab, wie meine Freundin aus dem Zug klettern musste, weil Sie nicht zu sehen war. Aber sie wollte weiter nur, dass ich das Foto lösche. Sie hörte mir also nicht mal zu, denn ich habe ihr mehrfach erklärt, dass ich ein Video gemacht hab, kein Foto. Lisa erklärte ihr auch, dass es ein Unterschied ist, ob ich nun jemanden direkt filme oder fotografiere oder jemand im zufällig im Hintergrund ist. Ich gab ihr auch meine Visitenkarte und sagte, wenn ich etwas online stelle, finden sie das dort. Sie hat die Karte aber nicht angenommen und drohte mit Sicherheitspersonal und Polizei, was mich aber kalt lies.

Ein Bild aus dem "verbotenen Video" bevor die DB Trulla ins Bild kam
Ein Bild aus dem „verbotenen Video“ bevor die DB Trulla ins Bild kam

Lisa und ich packten weiter unsere Sachen zusammen und gingen Richtung Ausgang. Die Dame blieb uns dicht auf dem Fersen, bis sie dann endlich seine Streife von Bundespolizisten im Bahnhof erspäht hatte und auf uns hetzte. Die Polizisten jedoch erklärten ihr das, was wir auch schon mehrfach gesagt haben. Das sie als öffentliche Person damit leben muss hier bei der Arbeit auf dem ein oder anderen Foto zu landen. Der Polizist lies sich meinen Ausweis geben, glich das mit der Visitenkarte ab und gab der DB Angestellten die Karte mit der Bitte dort nachzuschauen. Sie wiederum konnte das alles gar nicht verstehen und wurde immer schlecht gelaunter, konnte aber nun nichts mehr an der Situation retten und verschwand mit dieser peinlichen Aktion sichtlich angepisst in die Weiten des Hauptbahnhofes.

Nun dachten wir das wäre das Ende der Story, doch im Hotel spielte sich noch wesentlich mehr ab. Da ich nach diesem traumatischen Erlebnis nicht mehr in der Lage war etwas zu schreiben, hab ich das einfach mal in einem Video (Achtung! Nicht ganz jugendfrei!) festgehalten:

Nach all den Ereignissen hatten wir aber wieder eine schöne Zeit in Berlin. Zuerst mit dem Auftakt für die Spendenaktion des zukünfigen Peter Panther Park der Kurt-Tucholsky-Oberschile in Berlin Pankow mit meinem alten Sportverein Pfeffersport Berlin. Später haben wir uns noch schöne Stunden an den Berlin Bowls im Gleisdreieck Park gemacht, sowie mit Punkrock Konzerten beim Myfest von DxBxSx am Core Tex. Aber auch geschafft mit Laura und Anhang die Sonne in Fhain zu genießen.

UPDATE

Es gab einen interessanten Kommentar in einer Facebook Gruppe, darauf meine Antwort mit einem Update zu der Geschichte.

Kommentar:
Ich sehe da so einige Fehler. Und zwar beim Rollifahrer selber. Eine Fahrt von Dortmund nach Berlin macht man nicht so ganz spontan. Warum meldet man die Mobilitätshilfe so spät an ? Gut, kann passieren. Dann ruft also morgens früh die Mobilitätszentrale an und sagt das die Hilfe so nicht geht. Anstatt mal abzuwarten was die vorschlagen (es hätte dann nämlich ohne Zusatzkosten schon bei der Hotline der ICE abgesprochen werden können) wird man pampig. Spätestens das sollte definitiv NICHT passieren. Denn dadurch wurde die frühzeitige Problemlösung durch die beiden Rollifahrer schon mal verhindert.

Den Dortmunder Hbf als den Rolli-unfreundlichsten Bahnhof Deutschlands zu bezeichnen zeugt von absoluter Ahnungslosigkeit. Immerhin sind mit Hilfe durch Mitarbeiter ALLE Bahnsteige mit dem Aufzug (teilweise Lasten-Aufzug) erreichbar. Das ist bei sehr vielen anderen Bahnhöfen nicht der Fall. Da geht dann selbst mit Hilfe der DB nichts. So z.B. an der gesamten Rheinstrecke linksrheinisch von Koblenz in Richtung Süden auf weit über 100km.

Die Fehler ziehen sich dann als „roter Faden“ durch den ganzen Bericht. In Berlin z.B. „springt man aus dem Zug“ (Zitat) ohne sich vorher zu vergewissern ob die Mobilitätshilfe nicht doch unterwegs ist. Da das Zugpersonal von den beiden Rollifahrern wusste hätte der Zug doch eh gewartet bis beide draußen waren.

Auch das beharren auf der Zulässigkeit von Videoaufnahmen zeugt eher von Naivität. Denn auch der Bundespolizist hatte Unrecht. Das Bahngelände ist Privatgelände. Dadurch unterliegen alle Video- und Fotoaufnahmen der Hausordnung der DB. Die verweist auf die Foto- und Videogenehmigung der DB und da steht drin das die Rechte der Mitarbeiter am eigenen Bild zu beachten sind. Also war die Videoaufnahme ganz klar unzulässig da die Mitarbeiterin dem widersprochen hat. Auf Anfrage per PN kann ich das PDF mit der angesprochenen Foto- und Videogenehmigung gerne zuschicken.

Sorry, wenn ich SO an solch eine Reise ran gehe ist der Misserfolg vorprogrammiert ! Wenn ich eine angenehme Reise haben will muss ich meine Planung schon auf meine Ansprüche ausrichten. Und vor allem muss ich (wenn ich schon auf Probleme aufmerksam gemacht werde) auch aktiv an einer Problemlösung mitarbeiten.

Selbst wenn man (wie meine Frau und ich) gerne mal spontan und ganz ohne Anmeldung unterwegs ist trifft man (fast) immer auf engagierte, nette Mitarbeiter die immer beim lösen von Problemen helfen.

Meine Antwort:
So mal von vorn nach hinten: Eine Lösung wurde nicht angesprochen, sondern bis zu dem Punkt wo ich pampig wurde hieß, es Pech gehabt, Arschkarte, meld dich früher an. Tut mir Leid aber Lösungsorientiert war das nicht. Und doch ich muss dir weiterhin widersprechen, wir fahren öfter spontan auch mit der Fernbahn und das ist unser gutes Recht! Zugegeben, dieses mal hab ich es etwas verpeilt, weil es mir aber auch aufn Sack geht, dass ich zu dem normalen Ticketkauf nochmal alle Daten angeben muss um mich anzumelden. Warum kann man das nicht schon beim Ticketkauf? Warum wird das nicht einfacher gestaltet? Wäre sicher kein Problem, aber es ist wohl nicht gewollt.
Dann hast du offenbar nicht richtig gelesen. Ich habe den Dortmunder Hauptbahnhof nicht als rollstuhlunfreundlichsten Bahnhof Deutschlands betitelt, sondern als rollstuhlunfreundlichsten Großstadtbahnhof Deutschlands, da liegt ein Riesen Unterschied. Und solche Preise sind durchaus gängig bei der Bahn, denn meine Heimatstadt Frankfurt Oder wurde „Schönster Kleinstadtbahnhof“ und der ist sogar barrierfrei. Dass du nun die Bahn lobst weil die es schaffen alle Gleise erreichbar zu machen in einer Großstadt, lässt erahnen, dass du Ziele offenbar tief ansetzt oder sehr positiv bewertest. Ich finde es schrecklich jedes mal durch den stinkenden Müllgang zu müssen und dann, wenn ein Zug Verspätung hat oder eben auf einen anderen ausgewichen wird, nicht selbstständig runter zu können um mir nen verdammten Kaffee, ne Brezel oder was anderes kaufen zu können, nicht mal auf Klo kann ich einfach so gehen. Also was bitte soll ich daran positiv bewerten???
Der rote Faden zieht sich durch dein Kommentar. Denn ich bin aus dem Zug gesprungen (und da kannst du die Anführungsstriche weglassen) als ich mehrfach aus der Tür gelinst hab und keinen erblicken konnte. Ich hatte nunmal keinen Bock mit dem Zug einen Bahnhof weiter zu fahren. Dem Bahnpersonal jedenfalls traue ich da nicht, dass die warten.
Wir haben im Bahnhof nicht gewerblich gedreht, sondern rein privat und das verbietet auch die Bahn nicht. Nachdem die Mitarbeiterin sich geäußert hat, habe ich das selbstverständlich sofort eingestellt und somit absolut rechtens gehandelt. Die Dame darf mich gern anzeigen, es würde nie zu einer Verurteilung kommen, warum auch!?
Im Übrigen wir sind zu netten und engagierten Leuten auch immer nett und freundlich, so etwas wie an diesem Tag erlebt man zum Glück seltener. Öfter erlebt man aber, dass Rechte behinderter Menschen beschnitten werden und mit Ausreden abgetan werden und das lass ich nicht zu! So etwas kann ich nicht gelten lassen.
Die Geschichte ging ja durchaus auf der Rückreise weiter… in Hamm (bis dahin hat alles super geklappt und alles war toll) fiel der Zug aus. Es wurde duch die Blume mitgeteilt, dass sich die Passagiere gern schon mal eine andere Verbindung suchen können. Als ich die Zugbegleiterin ansprechen wollte, entgegnete sie mir , bevor ich auch überhaupt nur eine Frage stellen konnte: „Nein, sie bleiben erstmal hier!“ Im Ernst? Was soll das? Darf ich als Rolsltuhlfahrer nicht selbst entscheiden was ich mache? Kann man nicht darüber sprechen? Findet man so Lösungen? Nein, findet man nicht. Sie war danach sichtlich überfordert, aber anstatt einfach mal meine Fragen anzuhören um nach Lösungen zu suchen wurde ich in der Tür stehen gelassen. Sie entfernte sich ein Stück, sie dachte wohl ich könnte dann nicht hinterher… als ich sie dann wieder fragte, musste mir ein Passagier antworten(!) als ob sie mir nicht sagen dürfe ob der Zug da gegenüber auch in Dortmund hält… Mein Vorschlag war simpel, wir steigen hier aus und da drüben rein. „Dann müsse erstmal einer vom Service geholt werden, ist aber keiner hier“ Ja dann vielleicht ma einen rufen? Ja muss der Schaffner machen, stammelte sie und verschwand. Kurz danach war auch klar, dass der Zug nicht mehr fahren wird und alle aussteigen mussten. Den Zug gegenüber, welchen ich nehmen wollte, war dann auch schon weg. Also tut mir Leid, aber ich sehe hier 1000 Fehler und zwar nicht bei mir, bei mir sehen ich einen, dass meinen Kaffee erst um 7 Uhr getrunken habe!
Tipp:
Noch mehr davon gibt es auf Facebook in der Gruppe „Alles rund um den Rolli

/David

DB 3S minus 2S = Service der Bahn

Grenzen sind wie Barrieren, manchmal kann man sie überwinden, manchmal nicht. Wir sind definitiv dafür Grenzen und Barrieren abzubauen, aber bis diese weg sind, müssen wir sie halt irgendwie umfahren. Dann gibt es Tage, da scheint auch alles grenzenlos zu sein und Tage, an dem direkt vor einem Mauern aufgebaut werden. Gerade erst haben wir beim Tag ohne Grenzen in Hamburg so schön beeindruckend zelebriert, wie viele Möglichkeiten Rollstuhlfahrer und behinderte Menschen heutzutage haben.  Da viele Leute davon noch gar nichts wissen, sind solche Veranstaltungen sehr wichtig. Wichtig, um der breiten Masse die veralteten Stereotype auszutreiben, aber auch um Rollstuhlfahrern selbst neuen Perspektiven zu schaffen, Ängste abzubauen und für neue Dinge zu motivieren. Vielen Dank für diese tolle Möglichkeit die Vielfalt des Sports unter die Leute zu bringen liebe DGUV!

Dann aber gibt es diese Tage, wo man ungewollt der breiten Masse zeigt, dass man halt doch nicht so frei und selbstbestimmt ist. Oftmals haben diese Tage mit einer Bahnreise zu tun. Ob es da einen Zusammenhang gibt? Wir meinen JA!

Dieses Wochenende sind wir nach Berlin gefahren, genauer noch nach Rüdersdorf bei Berlin, um die Brandenburg Open um einen Programmpunkt zu erweitern. Dass dieser wegen der ständig wechselnden Wetterlage dann ins Wasser gefallen ist, ist natürlich ärgerlich, aber zum Glück haben wir uns noch mehr vorgenommen an diesem Wochenende. Wir waren in Brandenburg an der Havel um meine alte Rehaklink in Hohenstücken besuchen und haben eine alte Freundin wiedergesehen, was wirklich toll war und allein die Reise und das Wochenende zu einem gelungenen Trip macht. Aber es gab da dann doch noch einige Sachen, die man zumindest mal bedenken sollte.

Unser Hostel bspw. hatte eigentlich alle Voraussetzungen uns ein stressfreies Wochenende in Berlin zu verschaffen. All In hieß es und das kann ja schon mal heißen, dass alle rein können, muss aber nicht heißen, dass man das alleine kann. Nach 22 Uhr fährt der Aufzug auf einmal nicht mehr nach unten, man muss erst das Personal aufsuchen um raus zu kommen. Halb so wild, aber warum muss man eine Toilette / Dusche ein Stockwerk höher nutzen und dann noch nicht mal das neben dem Aufzug, sondern ein weiteres viel weiter entfernt, wo es doch eins auf der selben Etage, unweit vom Zimmer, gibt. Angeblich gehörte es zu einem Zimmer… Aber warum ist es dann von draußen als betretbar und gekennzeichnet? Ok, auch noch nicht so wild, es ist immerhin möglich. Doch wenn man erst etliche Male mit voller Blase, oder früh am Morgen / spät Abends zur Rezeption muss, weil das zugeteilte Klo nicht öffnen möchte, dann ist das doch irgendwie scheiße, wenn man von den anderen Klos weiß. Auch das Zimmer war nicht so super (wir hatten ein 8 Bett Zimmer zu zweit). Man konnte nicht am anderen vorbei und selbst kaum drehen. Andere offenbar freie Zimmer, hätten da mehr Platz geboten. Andere bezahlen für das selbe Zimmer jedenfalls deutlich weniger… Ok dann hat man ein paar fremde bei sich im Zimmer, aber man spart halt auch Geld. Wir dachten uns ja auch: Hey wir gönnen uns mal was, pennen nicht bei Freunden auf dem Boden und nehmen uns ein Doppelzimmer. Naja beim nächsten mal surfen wir vielleicht doch lieber wieder ne Couch, denn da kommt man auf jeden Fall rein und raus, man kann auf Klo und auf die Dusche wann immer man will / muss. Bei Freunden pennt man ja auch mal auf dem Boden, aber dann macht man das gern, bezahlt nix und man´weiß, dass man sich ein Bad teilen muss. Das All in Hostel hatte aber mehrere Rolliduschen, ließ uns aber nur ein sehr entferntes nutzen und wenn gerade ein anderer Rollifahrer (oder auch keiner) dort drinnen war, musste man wieder ein Stockwerk nach unten, um nach einem anderen Bad zu fragen.

Die Lage im Herzen Friedrichshains war aber super, sodass Lisa viele Cupcakes und ihre geliebten Spätzle bekam und ich einen Abstecher in die Jägerklause machen konnte. Auch Kreuzberg war easy zu erreichen und so war locker ein Besuch bei Iriedaily drin, wo mit nem Kaffee auf den gemeinsamen Weg angestoßen werden konnte und Pläne für den zukünftigen Weg geschmiedet wurden #staytuned 😉

Nun mussten wir aber weiter nach Rüdersdorf – S7 nach Ostkreuz, S3 nach Friedrichshagen und mit der Tram 88 nach Rüdersdorf. Eigentlich ganz einfach,  wenn da nicht dieser Unsicherheitsfaktor Aufzüge wäre. Ein einziger defekter Aufzug am Ostkreuz durchkreuzte jedenfalls unseren Plan und wir mussten den Umweg Alexanderplatz, RE1 nach Erkner, S3 zurück(!) Richtung Berlin nach Friedichshagen in Kauf nehmen. Der RE1, der uns ja auch schon von Magdeburg nach Brandenburg und von dort nach Berlin gebracht hat, erschien mir auch nicht mehr so vertraut wie früher. Es sind dort jetzt die Rollstuhlplätze weiter in der Mitte des Zuges, die Rampen sind nicht mehr automatisch und es stand eine Wand aus Metall zwischen Lisa und mir.

View this post on Instagram

@dieBahn baut eine Mauer zwischen uns auf 😢

A post shared by David Lebuser (@datlebbe) on

Der Rückweg aus Rüdersdorf war dann allerdings noch interessanter, denn am S Bahnhof Friedrichshagen ging der grad noch benutzte Aufzug nicht mehr. Auf Nachfrage bei der 3S Zentrale der DB wurde dieser am Morgen als Störung gemeldet. Ein Auftrag zur Reparatur wäre schon raus, der Monteur entscheidet aber selbst wann er diesen in Angriff nimmt. Sonntag jedenfalls nicht. Was man dann für Möglichkeiten hat war lange ein Rätsel. Wir sollten eine andere Straßenbahn in Richtung Köpenick nehmen, ob diese aber barrierefrei ist, konnte man uns nicht sagen. Einen Notfallplan gäbe es jedenfalls nicht. Ein Taxi könnten wir nehmen, natürlich ohne Zusage, dass die Kosten von der Bahn übernommen werden können. Was die wohl gemacht hätten, wenn wir da ein Zelt bis Montag aufgeschlagen hätten? Die Polizei gerufen wegen unangemeldeter Demo?

Aber wenn der Monteur doch erst auf einer seiner nächsten Touren vorbei kommt und es offenbar keine Alternative gibt, muss man halt ein paar Tage im Bahnhof bleiben. Als Bahnkunde muss man eben flexibel sein. Unterm Strich hatte die 3S Zentrale keine Lösung bieten können und somit in 2 von 3 S versagt: Service-Sicherheit-Sauberkeit.
Schlussendlich halfen uns Passanten unsere Koffer, Rollstühle und Equipment die Treppen hoch zu tragen, während wir diese erklimmten. Bahnhofspersonal hätte dies nicht getan, aus versicherungstechnischen Gründen, wie ich es schon oft gehört habe. Freundliche Passanten tun dies aus Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft, doch was wenn die sich nun dabei verletzen würden? Sich überheben oder den Rollstuhl die Treppen runter fallen lassen? Ich finde bei all unseren Regeln sollte man manchmal auch einfach menschlich und hilfsbereit sein, auch als DB Mitarbeiter.
Ob man nun wegen Körperverletzung, Nötigung oder Ähnlichem gegen die Bahn vorgehen kann weiß ich nicht, aber irgendwas sollte man mal tun, damit die Bahn mal merkt, dass es Sinn macht die Aufzüge und Rolltreppen in Schuss zu halten.

Stellen sie sich doch mal vor, es gäbe keine Treppen und alle wären darauf angewiesen. Keiner könnte ohne Aufzug den Service der Bahn in Anspruch nehmen, keiner würde zahlen. Wie schnell wären wohl alle Bahnhöfe barrierefrei zugänglich und mit redundanten Aufzugssystemen ausgestattet? Aber für so ein paar motzende Rollifahrer doch nicht. Wie viele aber in den 30 Minuten dort ihre Kinderwagen, Fahrräder, schweres Gepäck  hoch tragen mussten, humpelnd, schnaufend, fluchend… eigentlich sollte es auch mit der Existenz Treppen klar sein, wie wichtig die barrierefreie Zugänglichkeit der Bahnhöfe ist.

Mittlerweile sitzen wir im ICE nach Hause. Die Einstiegshilfe hat ohne Probleme geklappt. Wir waren am Ostbahnhof aber auch angemeldet. Wie sehr der Service davon abhängig ist, hatten wir gerade erst wieder im RE1 gemerkt. Dort wurden wir mehrfach darauf hingewiesen, dass wir ein Störfaktor sind und ein Grund für Verspätungen wenn wir uns nicht anmelden (zu diesem Zeitpunkt sind wir schon eigenständig am in Brandenburg ebenerdigen Bahnsteig 1 eingestiegen!). Wir haben mehrfach dann daran erinnert, dass ein Regionalzug, anders bei einer Fernreise, einfach auch mal spontan und ohne Planung genutzt wird. Man kann diesen also gar nicht anmelden , schon gar nicht an Brandenburgischen Kleinstadt Bahnhöfen.

Selbstbestimmte Mobilität ist für viele Zugbegleiter offenbar immer noch ein unbekanntes Mysterium. Dennoch vielen Dank Deutsche Bahn, dass wir wieder einmal sicher von Dortmund nach Berlin und wieder zurück gekommen sind, wenn es auch wieder einmal einige Nerven gekostet hat.

/David

(Positive) Fotos und Videos vom Trip: