Wings For Life – warum wir morgen nicht mitrollen

Morgen um 13 Uhr deutscher Zeit gehen weltweit wieder tausende Läufer und Rollifahrer auf die Straße um beim Wings For Life Run Geld für die Forschung zur Heilung von Querschnittlähmungen zu sammeln. „Super Sache“ denken sich da viele und natürlich ist es toll, dass man es schafft, dass sich so viele mit dem Thema Querschnittlähmung auseinander setzen. Doch, tun sie das tatsächlich? Das Motto lautet „Run for those who can’t“ („Laufen für die, die nicht laufen können“). Also die Gesunden machen was für die „armen Kranken“. Dieses Bild wiederholt sich auch in anderen Bereichen von Wings For Life. Zum Beispiel sieht man auf den meisten Fotos mit Rollstuhlfahrern Leute, die diese anschieben. Aktive, sportliche und selbstständige Rollifahrer sind rar. Aber sie passen ja auch nicht ins Bild. Was wäre das denn für eine Message, wenn ein Rollstuhlfahrer womöglich sogar das Rennen gewinnen würde? Immerhin muss dieser doch von seiner Behinderung geheilt werden. Ich kann mir auch vorstellen, dass das der Grund sein könnte, warum es strikte Richtlinien gibt, welche Art von Rollstühlen erlaubt sind. So sind nämlich Rennrollstühle und Handbikes tabu, da „zu schnell“ (=„zu gefährlich“). Auch die Größe der Räder und Lenkrollen, sowie das vorhanden sein von Bremsen sind vorgeschrieben. Profiläufer hingegen dürfen teilnehmen und zwar mit ihren besten Laufschuhen…

Selbstverständlich denken wohl alle, die dort teilnehmen, dass sie was Gutes tun und gleichzeitig Spaß haben können. Und in gewisser Weise tun sie das ja auch. Obwohl weder David („Unfallquerschnitt“), noch ich („angeborener Querschnitt“) uns eine „Heilung“ wünschen, wissen wir, dass es genug Menschen gibt, die sich nichts sehnlicher wünschen. Wenn diese Menschen eines Tages aufgrund der hier geförderten Forschungsprojekte wieder laufen können: grandios! Aber der Weg dahin ist wohl noch ein langer. Es wird nie eine „Wunderpille“ geben, die den Körper auf den Ursprungszustand zurück stellt. Das heißt, wir werden alle noch eine Weile sitzen bleiben. Und genau das wird durch solche „Mitleids-„ bzw. Karma/Feel good-Veranstaltungen erschwert. Die Message die hängen bleibt, ist „Behinderung MUSS geheilt werden“, „Querschnittlähmung ist ein furchtbares Schicksal“, „Wenn man nicht (mehr) laufen kann, ist das Leben zu Ende“. Diese „Repariermentalität“ finde ich furchtbar! Unser aller Arbeit, den Menschen zu zeigen, dass man auch mit Behinderung ein aktives, selbstbestimmtes und großartiges Leben führen kann, wird durch solche Aktionen wie den Wings For Life Run mit Füßen getreten. Es wird nicht anerkannt, dass Behinderung kein Defizit sein muss, sondern einfach „anders“ ist. Hier findet kein Dialog auf Augenhöhe statt, die Gesunden für die Kranke und hinterher bitte schön „Danke Danke“ sagen.

Wenn Wings For Life es in Zukunft schafft zweigleisig zu fahren und eben nicht nur den Fokus auf eine Heilung setzt, ist das sicher eine tolle Geschichte. Sie könnten sich für mehr Barrierefreiheit, bessere Rollstuhlversorgung und ein positives Bild von Rollstuhlfahrern einsetzen. Das wären Maßnahmen, von denen wir alle SOFORT profitieren könnten.

In diesem Sinne: Walking is overrated

© Jörg Farys | Gesellschaftsbilder.de
© Jörg Farys | Gesellschaftsbilder.de

/Lisa

Recht auf Teilhabe #nichtMeinGesetz

Leider kann ich heute nicht in Berlin sein, aber ich hoffe, dass die Präsenz ausreichend ist, um etwas zu verändern!

Wenn ihr in Berlin seid, schließt euch den Leuten an die heute für Teilhabe, Barrierefreiheit und Inklusion auf die Straße rollen und gehen.

 
Wir brauchen ein #Teilhabegesetz und zwar ein, dass uns nicht verarscht! Frau Andrea Nahles schmücken sie sich nicht mit falschen Lorbeeren, denn das ist #nichtMeinGesetz! Teilhabe und Inklusion darf kein Kompromiss werden, es muss Normalität sein und bis es das ist, muss man ein Recht haben das man einfordern und notfalls einklagen kann!!!
Schaut euch doch mal was vom #ADA aus den USA ab und tauscht euch mit denen aus. Krankenversicherung gegen Teilhabegesetz, das wäre doch mal ein Deal, tausend mal besser und sinnvoller als euer Freihandelsabkommen. #zuerstdermensch #teilhabe #inklusion #barrierefreiheit
Links:
Raul Krauthausen zum Thema
Ich zum Thema
Bundesteilhabegesetz  im Internet
ZEIT Blog über ADA aus den USA

Selbst oder nicht Selbst ist hier die Frage!

Nach meinem Unfall wollte ich nichts mehr, als wieder selbstständig leben zu können, aktiv zu sein und mich bewegen. Das war mein größter Wunsch und ich war hoch motiviert das zu schaffen. Ich hab es geschafft und das obwohl ich auch schnell gelernt hab, dass man sich manchmal unter Wert verkaufen muss.

Aber warum muss man das? Sollte es nicht anders sein? Die Krankenkassen haben Bonusprogramme in denen ihre Versicherten motiviert werden sollen Sport zu treiben und gesund zu leben. Sie werden dann mit tollen Sachen gelockt, von Zusatzleistungen bis hin zu teuren neuen Smartphone Uhren. Aber als behinderter Versicherter ist es anders. Die meisten Bonusprogramme, wenn nicht sogar alle, kommen für mich nicht in Frage, sind einfach nicht anwendbar, obwohl ich sportlich bin und meinen Lebensstil deutlich geändert habe. Ich lebe gesünder und bin aktiver, ich gehe arbeiten und zahle in das System ein. Doch statt mehr Leistung bekomme ich weniger, weil ich zu aktiv bin, zu mobil, zu selbstständig.

Als Behinderter oder Pflegebedürftiger bekommt man oft den Tip, man solle sich zurückhalten, nicht alles zeigen was man kann. Dann wird man schlechter eingeschätzt und der Ausgleich der Behinderung ist damit größer. Man bekommt mehr Pflegegeld oder ein tolles Hilfsmittel. Aber wehe man ist zu aktiv, zu selbstständig und zu mobil – und dann auch noch ehrlich. Dann hat man verloren. Das Hilfsmittel bekommt man nicht um noch aktiver zu sein, um noch selbstständiger zu sein und anstatt Pflegegeld werden einem auch noch die Handschuhe gestrichen. Denn wenn man keine Pflege nötig hat, braucht man die ja nicht. Ja ich rede von verdammten Gummihandschuhen, die ich brauche um meine (sorry) täglichen Geschäfte zu erledigen. Jeder der weiß, was kathetern, peristeen, ausräumen und ähnliches ist, weiß auch, dass man dazu gewisse Hilfsmittel braucht. Katheter, klar, aber eben auch Desinfektionsmittel und Handschuhe, aber beides bekommt man oft nicht, bzw. nur wenn man eine Pflegestufe hat.

Ich kann den Gedanken nicht nachvollziehen. Nur weil ich es selber kann, brauche ich es nicht? Oder gehen die vielleicht davon aus, dass wenn man sowas braucht, man das halt auch nicht selbstständig kann? Also bin ich wegen ein paar Gummihandschuhen dazu angehalten meine Pflegebedürftigkeit zu erhalten. Ich muss nachweisen, dass ich eine bestimmte Zeit täglich Hilfe für Körperpflege, anziehen und Hauswirtschaft brauche. Am Ende bekomme ich jeden Monat ein Pflegegeld, ein paar Handschuhe und Desinfektionsmittel. Irgendwie hirnrissig. Da wollen die Kassen immer sparen, aber anstatt mir ein paar Handschuhe zu bezahlen, geben die mir lieber noch 230 € oben drauf!?

Ja ich weiß, dass ich hier mein Pflegegeld riskiere, weil nun vielleicht jemand auf die Idee kommt zu prüfen, ob das was ich hier tippe wirklich so ist. Aber soll es deswegen so weiter gehen? Warum kann sich das System nicht ändern? Man wird ja regelrecht gezwungen zu lügen. Und wenn man nicht lügen will, dann lässt man es halt einfach bleiben mit dem selbstständig und aktiv leben. Ist das vielleicht die Lösung? Wollen die gar nicht das ich selbstständig lebe und arbeite?

Warum kann man nicht auch hier Anreize für ein selbstständiges und aktives, sowie gesundes Leben schaffen? Warum kann man das nicht auch für behinderte und pflegebedürftige machen? Es könnte doch auch mal ein Zuschuss zu einem Hilfsmittel geben, dass den Versicherten in seiner Aktivität fördert.

Ein Beispiel: Ich bekomme kein Handbike, also ein Fahrrad, was ich vor meinen Rollstuhl spannen kann, weil ich zu mobil bin. In der Ablehnung heißt es, dass ich mit meinem Rollstuhl alle Orte des täglichen Lebens erreichen kann und zu mehr sei die Krankenkasse nicht verpflichtet. Ok, ich finde auch, dass die Krankenkasse nicht alles bezahlen muss. Aber da ich mir das vielleicht selbst nicht leisten kann, muss ich jetzt abbauen und beweisen, dass ich nicht mobil bin? Warum kann die Krankenkasse nicht sagen: „Toll, dass sie so selbstständig sind und an der Gesellschaft teilhaben. Toll, dass sie arbeiten und ihren Anteil leisten. Wir wollen ihnen einen Bonus geben, wenn sie sich ein Handbike beschaffen.“ Vielleicht muss die Krankenkasse das dann gar nicht komplett bezahlen und vielleicht ist das auch ein doofes und egoistisches Beispiel, aber was ich sagen will: Warum kann die Krankenkasse behinderte Menschen nicht genauso motivieren, wie ihre nichtbehinderten Versicherten auch? Es kann mir jetzt keiner erzählen, dass eine Apfel Uhr die Mobilität eines Fußgängers im Sinne der gesetzlichen Krankenversicherung verbessert oder irgendwie therapeutische Maßnahmen erfüllt.

Bonusprogramme oder Abstellgleis?
Bonusprogramm oder Abstellgleis?

Ich finde es gut, wenn die Krankenkasse ihre Versicherten motiviert mehr Sport zu treiben und auf ihre Gesundheit zu achten. Ich finde es auch ok, wenn dafür ein gewisser Anreiz geschaffen wird. Ich finde es aber schade, dass ich bei behinderten oft das Gegenteil sehe. Ein weiterer Gedanke ist folgender. Ein Rollstuhlfahrer, der für sein tägliches Leben auf einen Aktivrollstuhl angewiesen ist, muss in den Gebrauch des Hilfsmittels geschult werden. Dafür geben geübte Rollstuhlfahrer und Übungsleiter Mobilitätstrainingskurse, diese müssen von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt werden. Aber in der Praxis werden diese oft nicht bezahlt oder nur ein kleiner Teil. Dabei sind diese Kurse extrem wichtig für die Selbstständigkeit und die Teilhabe. Aber anstatt zu motivieren, solche Kurse zu besuchen, freut man sich, wenn die Kosten eingespart werden können.

Gedanken zu…Vorbildfunktion

Vorbildrolle? Beim rollen gern! - Foto: Anna Spindelndreier
Vorbildrolle? Beim rollen gern! – Foto: Anna Spindelndreier

In letzter Zeit werde ich öfter gefragt, wie es ist ein Vorbild zu sein und was es mir bedeutet. Jedes mal wenn ich diese Frage gestellt bekomme, mach ich mir meine Gedanken und eigentlich fällt die Antwort in der Kürze eines Interviews immer anders aus. Deswegen hier mal meine ausführlichen Gedanken dazu.

So ganz habe ich es wohl selbst noch nicht verstanden. Ich? Ein Vorbild? Wie ist das denn passiert? Eigentlich sehe ich mich immer noch lieber als den Rebellen, der einfach nur nicht das macht, was die Gesellschaft von einem erwartet. Denn nach meinem Unfall hieß es vor allem immer „Du kommst da nicht rein – das geht mit Rollstuhl nicht – da geht es nicht hoch“ und ich fühlte mich dadurch immer motiviert einen Weg zu suchen und dann zu sagen „DOCH!“. Dass ich damit einmal eine Vorbildrolle einnehmen sollte war mir nicht bewusst und heute ist das eigentlich immer noch so.

Blick nach vorn und ab gehts! - Foto: Anna Spindelndreier
Blick nach vorn und ab gehts! – Foto: Anna Spindelndreier

Natürlich weiß ich mittlerweile, dass jeder aktive und selbstständige Rollstuhlfahrer ein wichtiges Vorbild ist für Kinder im Rollstuhl oder auch für „Verunfallte“. Dennoch bin ich ja eigentlich immer noch „nur“ der Skater, der Rebell, der Unangepasste, der, der sich nicht sagen lässt wo er mit dem Rollstuhl rein, hoch oder runter kommt. Ich bin einfach ich und lass mich nicht in eine Rolle drängen. Doch genau das scheinen viele unter einer Vorbildfunktion zu verstehen. Ich muss nun der Heilige, sich immer adrett ausdrückende und zu jedem freundliche Rollstuhlfahrer sein. Aber auch ein Vorbild kann abseits seiner vorbildlichen Sachen einfach mal Mensch sein.

Gerade erst vor kurzem wurde ein Kommentar von mir gemeldet. Ich schrieb auf Englisch, weil war ja ein Video eines WCMX Kollegen aus den USA, dass sein Video „fucking awesome“ ist. In Deutsch hätte ich vielleicht geschrieben „geiler Scheiß“ oder „krasser Kack“. Das bin ich und wenn das schon reicht um diese Vorbildfunktion nicht mehr zu erfüllen, dann will ich das auch nicht sein. Natürlich kann man sich hier anders ausdrücken und natürlich soll man auch denken bevor man schreibt, aber ich werde nicht anfangen jedes mal zwei mal zu überlegen, sonder auch hier will ich einfach nur ich sein. Es gab eine längere Diskussion auf Englisch, in der es mich gewurmt hat, dass ich mich in Englisch eben nicht so gut und klar ausdrücken kann. Auch wurmt es mich jetzt, dass derjenige diesen Text hier gar nicht lesen wird, weil er ja gar kein Deutsch lesen kann. Schade eigentlich.

Kleine Erfolgserlebnisse in der Videoanalyse - Foto: Anna Spindelndreier
Kleine Erfolgserlebnisse in der Videoanalyse – Foto: Anna Spindelndreier

Aber zurück zu der oft gestellten Frage. Ja ich bin gerne Vorbild, wenn es darum geht ein posistives Beispiel für einen aktiven und selbständigen Rollstuhlfahrer zu sein. Ich bin auch gern Vorbild beim Sport, beim WCMX, meinetwegen auch beim Wheelsoccer oder anderen sportlichen Aktionen. Für Kinder, aber auch für alle anderen. Es gibt mir eine Menge, wenn Kinder sich durch mich motiviert fühlen, ihren Rollstuhl mehr zu nutzen und ihre Selbstständigkeit dadurch verbessern. Es ist toll, wenn „erworbene“ Querschnitte und andere „Frisch-Rollstuhlfahrer“ durch mich motiviert werden ihr „Schicksal“ zu überwinden oder aus ihrem „Loch“ herauskommen. Noch besser ist es, wenn ich es sogar schaffe ihnen zu vermitteln, dass es eben kein schlimmes Schicksal ist, sonder eine Chance. Eine Chance auf ein mobiles und selbstbestimmtes Leben. Das ist die Vorbildfunktion, die ich gern einnehme. Die, des lyrischen Wohltäters überlasse ich anderen, auch wenn ich wohl unterscheiden kann, wann und wo ich fucking scheißendreckarschmist sage und wo besser nicht.

Vorbild oder nicht, dass könnt ihr entscheiden. Am Ende bin ich einfach ich und das will ich bleiben. Verändert hab ich mich schon genug, denn vor wenigen Jahren hätte ich noch gesagt: Ick bin ick und dit bleibt so! Heute muss ich schon einen Berliner/Brandenburger gegenüber haben, dass mir mein so geliebter Dialekt noch automatisch über die Lippen kommt. Aber das ist ein anderes Thema.

In diesem Sinne, einen verkackt schönen Tag euch noch!

 

 

Gedanken zu… Flüchtlingskrise

Die folgenden Zeilen sind Gedanken. Gedanken, die ich in mehreren Etappen niedergeschrieben hab. Immer wenn das Thema durch meine Timeline huschte, wenn ich entsetzt Kommentare unter eben diesen Themen gelesen habe. Immer wenn es irgendwie auf meinem Schirm erschien. Es liest sich daher vielleicht nicht immer wie ein zusammenhängender Text, aber dennoch sind es meine Gedanken zu einem wichtigen Thema: Menschlichkeit! Viel Spaß beim lesen und bitte bleibt sachlich wenn ihr irgendwo anderer Meinung seid, danke!

Traurig, dass ich regelmäßig meine Facebook Kontakte prüfen muss wenn sich das Thema Flüchtlinge und deren Aufnahme bzw Unterbringung wieder in den medialen Vordergrund drängt. Wie viele dort menschenfeindliche Ansichten haben, erschreckt mich in letzter Zeit immer öfter. Wie viele davon auch in meinen Kreisen zu finden sind, erschreckt mich umso mehr. Meistens sind es zwar flüchtige Kontakte, aber auch die hat man ja mal anders kennen gelernt.

Dabei sollte doch gerade bei Menschen mit Behinderung, die ja auch oft noch gegen stereotypische Vorurteile und für Integration bzw Inklusion kämpfen, doch ein breites Verständnis vorhanden sein. Ich meine es ist natürlich ein schwieriger Vergleich, aber die einen sind durch Einschränkungen und Barrieren gehindert im gleichen Maße am Leben in der Gesellschaft teilzunehmen, wie der schwerstmehrfachnormale Mitbürger – die anderen werden von Regelungen und Zäunen daran gehindert.

Das ist aber noch längst nicht alles was ähnlich ist. Denn müssen wir als „behinderte“ Menschen nicht oft noch erklären, dass wir mit der Bahn mitfahren können, dass wir einen Aufzug selbst bedienen und die Tür alleine aufmachen können? Müssen wir uns nicht oft beweisen, dass wir in der Lage sind zu arbeiten und verantwortungsvolle Aufgaben übernehmen können. Müssen wir nicht ständig dafür kämpfen, dass uns ganz normale Sachen nicht aufgrund unserer Behinderung verweigert werden, wie eben arbeiten, Bahn oder Bus fahren? Früher mussten Menschen mit anderer Hautfarbe im Bus getrennt vom Rest sitzen, schwarze Bedienstete hatten im Süden der USA ihre eigene Toilette, „konnten“ die normale nicht benutzen. Heute gelten diese Sachen noch oft für Rollstuhlfahrer.

Ich bin der Meinung, dass, wenn wir Flüchtlinge mit mehr Verständnis und Gastfreundschaft empfangen, dann können Sie genau so ein Teil der Gesellschaft sein, wie jeder Mensch, egal von wo und egal mit welcher Behinderung. Wir dürfen sie aber nicht von vornherein schlecht reden. Wir dürfen sie nicht direkt als kriminell abstempeln und sie mit einem wütenden Mob begrüßen. Genauso wie wir behinderte Menschen nicht ausschließen dürfen und ihnen ihre eigenen Entscheidungen in Frage stellen sollen. Menschen sind Menschen und den einen mag man, den anderen nicht, mit dem einen kommt man klar, mit dem anderen nicht, mit vielen kann man lange und ausgiebig reden, mit anderen eben nicht. Aber ob man mit jemanden klar kommt, das ist doch nicht vom Äußeren abhängig oder davon, wo er herkommt, wie er hierher gekommen ist oder ob er ein zwei oder drei Beine hat, weder Farbe des Rollstuhls, noch der Haut spielt dabei eine Rolle, sondern lediglich der Mensch und wie er sich dir gegenüber verhält.

Nun trifft den aktiven Rollstuhlfahrer, wie auch andere Breitensporler, das Problem, dass Sporthallen als Notunterkünfte für ankommende Flüchtlinge umfunktioniert werden. Sporthallen, die oftmals schon jetzt komplett ausgelastet sind und somit Alternativen für den Sport nur schwer zu finden sind. Ich kann verstehen, dass da Unmut aufkommt. Ich war auch nicht glücklich, dass wir einen Skateworkshop verschieben mussten, weil die Skatehalle als Lager für Spenden genutzt wurde. Allerdings war die kurze Enttäuschung über den Ausfall (denn bis ein neuer Termin stand, dauerte es eine Weile) des Skateworkshops schnell gewichen. Vielmehr freute ich mich, über die Hilfsbereitschaft. Dass beim Basketball, Rugby, Handball oder anderen Hallensportarten, vor allem im Winter, nur schwer Alternativen zu finden sind, ist mir klar. Aber auch hier verstehe ich nicht warum sich der Hass und die Wut dann so extrem gegen die dort einquartierten Flüchtlinge richtet. Warum kanalisiert man nicht diese Energie in eine andere Richtung? Zum Beispiel in Richtung Rathaus oder in Hilfsbereitschaft? Dass die Leute ein Dach über dem Kopf brauchen, sollte jedem klar sein. Vielleicht kann man ja auch gemeinsame Beschäftigungen finden, Sport im Freien machen. In anderen Hallen kann man vielleicht etwas zusammenrücken, zusammen trainieren. Macht aus der Not eine Tugend und zeigt was es heißt eine inklusive Gesellschaft zu sein!

Natürlich ist es ein Problem, eine Krise und natürlich sehe ich auch andere in der Pflicht, Flüchtlinge aufzunehmen. Doch ich will hier nicht die politische Diskussion anregen, sondern die menschliche Seite! Denn die Menschen die hier hergekommen sind, sind jetzt nun mal hier und es ist an uns diesen Menschen ein guter Gastgeber zu sein. Einige werden weiter ziehen, einige gehen sicher auch wieder zurück wenn sich der Nebel des Krieges irgendwann wieder legt, andere bleiben hier, aber egal was die Zukunft bringen wird, das hier und jetzt ist wichtig um in Zukunft gut miteinander auszukommen.

Warum ist es eigentlich so schwierig für viele, sich in andere hinein zu versetzen? Keiner kann sich vorstellen, wie schlimm Krieg und Terror in der Heimat vieler Flüchtlinge sein muss. Aber wie schlimm es sein muss, seine Heimat zu verlassen und eine Reise zu wählen, dessen Ausgang völlig ungewiss ist, kann man sich vielleicht ausmalen. Wenn man dann diese Tortur der Reise überstanden hat, wird man hier auch nicht direkt mit Luxus überhäuft. Und dann sind da noch diese jammernden Hetzer, die dir an die Gurgel wollen, die dich wieder zurück schicken wollen, dahin zurück, wo die Hölle wohl der bessere Ort wäre. Da ist doch auch klar, dass der ein oder andere durchdreht. Aber eben auch nur der ein oder andere und noch lange nicht alle. Die meisten wollen einfach nur das, was sie noch nie im Leben hatten: Frieden und Freiheit, nicht mehr und nicht weniger. Wer hier aber angekommen ist, hat das noch lange nicht erreicht.

Lasst uns unsere Vorurteile ablegen und alle Menschen einfach freundlich und aufgeschlossen begrüßen, dann haben wir es alle etwas leichter uns zu integrieren Denn nicht nur behinderte Menschen müssen das, jeder muss seinen Platz in der Gesellschaft finden. Warum machen wir es uns gegenseitig schwer?

Ich jedenfalls freue mich neue Menschen kennen zu lernen, egal von wo auf der Welt und egal wo auf der Welt!

 

PS: Das sind Gedanken, aufgeschrieben von mir persönlich. Es kann natürlich andere Ansichten geben, aber dennoch hoffe ich, dass sich der ein oder andere zum Nachdenken aufgefordert fühlt und diese Gedanken dann wiederum in sachliche und friedliche Sätze zu packen. Hier ist kein Platz für Hass und Rassismus. wohl aber für sachliche Diskussion!

/David

Gedanken zu… 2014 – ein Rückblick

Deep End High Five (Foto: Anna Spindelndreier)
Deep End High Five (Foto: Anna Spindelndreier)

Puh, da ist es schon wieder zwei Wochen her, dass wir den letzten Beitrag hier veröffentlicht haben. Aber so ist das wohl in der Weihnachtszeit. Man hat keine Zeit, außer für Geschenkbesorgungen und Glühweinverkostung auf dem Weihnachtsmarkt. Natürlich ist es dann auch noch kalt, nass und dunkel, was die Lust etwas halbwegs produktives nach Feierabend zu tun deutlich senkt. Aber wenn man schon keine Zeit hat sich ein gutes Thema auszudenken, dann macht man halt einen Jahresrückblick.

Eigentlich mag man ja keine Jahresrückblicke. Die sind ja viel zu mainstream, aber dann ist es ja doch wieder interessant, kann man doch alte Themen des Jahres nochmal in Erinnerung rufen. Vieles vergisst man, vieles vernachlässigt man und sowieso verläuft vieles einfach so im Sand. Aber nicht nur die halbfertig diskutierten Aufreger des Jahres haben es verdient aus der Versenkung geholt zu werden, nein, vor allem die guten und schönen Erinnerungen sollte man nochmal ausgraben um Kraft zu tanken und den Blick wieder nach vorne zu richten. Genau das möchte ich nun tun, Motivation schöpfen für das neue Jahr mit Hilfe von Erinnerungen an das vorübergehende.

Januar

Das Jahr fing an mit einem echten Knaller. Naja, zumindest hat es bei mir geknallt, am 6. Januar bei den Proben zur Millionärswahl. Die Show von Sat.1 und Pro 7, die zum größten Flop des Jahres werden sollte, begann für mich eigentlich viel versprechend. Denn als ich am ersten Probetag ans Set kam, wurden gerade noch die letzten Schrauben in den eigens für mich errichteten Skatepark gedreht. Ein Prachtstück, individuell für mich zusammengesetzt. Das hat garantiert einiges gekostet. Ich war total begeistert und drehte meine Runden. Jede Runde wurde ich meiner Choreografie bewusster. Hier hoch, da runter, dort drehen, Sprung. Yeah das passt, aber hier könnte noch ein Rail hin. Auch die nächste Rund saß und es war alles drin. Von Drop in über Sprung bis hin zum Grind. Da war nur noch das Problem, dass ich auf die Schwung- und Startrampe nicht selbständig hoch kam . Deswegen wurde dort hinten ran noch eine Rampe gezimmert, zum gemütlichen hoch fahren. Das diese auch noch genau dort ankam, wo ich Schwung holte für meine kleinen Sprung, kam mir doch gelegen. Mehr Schwung, mehr Sprung dachte ich. Also nutzte ich den halben Meter mehr und sprang… höher… weiter… zu weit! BÄÄM ich sprang über die Rampe und tauchte, vorbereitet auf eine Landung in der Bank nach vorne geneigt, mit den Vorderrädern zuerst in den Betonboden. Der Oberkörper folgte mit viel Schwung und meine Arme wollten dies reflexartig abbremsen. Ich lag am Boden, schaute auf meinen Arm und wusste das der Traum geplatzt ist. Die Ecke in meinem Unterarm war ein klares Indiz dafür. Krankenhaus, statt Kameraprobe, Gips, statt Liveperformance. ich verbrachte ein paar Tage in einem Krankenhaus in Köln, kam aber für die Liveshow raus und konnte immerhin meinen dicken Arm in die Kamera halten. Die Show floppte und der Hanfverband gewann nicht nur diese Sendung, sondern auch die Million im halb abgesetzten Webfinale.

Die Moderatoren Elton (links), Jeannine Michaelsen (rechts). (Quelle: Sat.1)
Die Moderatoren Elton (links), Jeannine Michaelsen (rechts). (Quelle: Sat.1)

Februar

Ich wurde zum Efix Fahrer, damit ich wenigstens arbeiten und ein paar Konzerte besuchen konnte. Mein neuer Arbeitgeber, das Kindersanitätshaus 4ma3ma in Dortmund, stellte mir einen zur Verfügung. Schnell hatte ich den Namen D-Fix, obwohl ich lieber Nee-Fix sagte, denn das teil schafft bei weitem nicht mein Normaltempo und außerdem piepte es laufend mit verschiedensten Fehlermeldungen und verweigerte den Dienst. Naja, nichtsdestotrotz verhalf es mir zu ein wenig mehr Mobilität in dieser Zeit, wenn auch mit vielen Rückschlägen, denn meine Fahrweise konnte ich ja nicht von heute auf morgen umstellen. Also schaffte ich auch den Efix ein paar mal in die Knie mit gebrochenen Drehmomentstützen.
Sonst war der Monat recht ruhig, wie gesagt, ein paar Konzerte ohne Pogo, ein paar Basketballspiele vom Rand. Wenigstens ein Heimspiel der Borussia konnte ich mir angucken, da die anderen zu einem Turnier in Rahden waren. Am Ende des Monats nahm ich dann den Ball wieder auf und spielte beim Luise Guder Cup der SGH Berlin wieder im Trikot der RBG Dortmund 51 mit meiner Nummer 13. Es ging wieder bergauf.

März

Getreu dem Motto, wer Basketball spielen kann, kann auch skaten, war ich auch total heiß darauf wieder in die Rampen zu droppen. Natürlich war ich erstmal noch gebremst und mein Ziel, den Handplant zu schaffen, erst mal aufgeschoben. Dennoch wollte ich wieder carven, droppen und shredden. Am 28. März gab es dann ja auch den ersten Workshop des Jahres in Mühlhausen. Der Thuringia Funpark veranstaltete dafür einen inklusiven Skatetag und wir bespaßten einige interessierte Rollifahrer. Dazu gibt es auch einen MDR Beitrag der Sendung Selbstbestimmt. Außerdem entwickelten DSGN concepts einen Plan, wie man den Skatepark so modernisieren kann, dass er zeitgemäß und eben auch WCMX tauglich wird. Im gleichen Moment soll er natürlich für andere Rollsportarten genauso attraktiv bleiben und generell Anfängern, wie Fortgeschrittenen etwas bieten können. Keine einfache Aufgabe, aber DSGN concepts aus Münster lösten sie sehr gut. Das Konzept wurde vorgestellt und traf auch auf viel Gegenliebe. Leider hat sich bis heute, meines Wissens, kein großer Unterstützer finden können, sodass die Umbauarbeiten noch auf sich warten lassen.

April

Im April haben in Dortmund gleich zwei neue Workshop Reihen begonnen, die wir hoffentlich noch lange fortsetzen werden. Zum einen haben wir den ersten Rollikids Skate Day veranstaltet und somit einen Skate Workshop für die junge Generation Rollstuhlfahrer im Skatepark Dietrich-Keuning-Haus veranstaltet und zum anderen mit dem Roll On Workshop ein Rollstuhltrainingskonzept zum Leben erweckt, dass auch denen ein Training ermöglichen soll, die keine Fünf Tage am Stück frei schaufeln können oder es (noch) nicht von der Kasse bezahlt bekommen. Beides wurde ein voller Erfolg und soll auch im neuen Jahr fortgesetzt werden. Den Rollikids Skate Day möchte ich gerne auch in andere Städte exportieren, beim Roll On Workshop hoffe ich auf Nachahmer.

1. Rollikds Skate Day 2014 (Foto: Wittmershaus/DRS)
1. Rollikds Skate Day 2014 (Foto: Wittmershaus/DRS)

Mai

Wir wählten den Mai aus Anfang der Outdoor Saison aus, da er uns in den letzten Jahren immer viel Sonne und sommerliche Temperaturen gebracht hatte. Dieses mal brachte er leider eine Menge Wasser mit nach Hamburg, wo wir im Inselpark des ehemaligen igs Geländes den Betonbowl und Streetskatepark rockten. Der Skatepark ist super geeignet für Rollstühle und deswegen kamen auch bei miesem Hamburger Wetter eine Menge Shredder nach Wilhelmsburg. Auch unser spanischer Gast Toni Quinonero Martin zeigte ein paar Tricks auf nassem Beton und ganz neu dabei war auch das Rollstuhl Longboarden von Toni Hömpler.

Juni

Endlich war der Sommer da und man konnte wieder überall und immer ne Skatesession starten. Wir haben einen weiteren Skateworkshop in Gießen auf der Landesgartenschau veranstaltet, Wien bereist und damit den Grundstein gelegt für den ersten Skateworkshop in Östereich nächstes Jahr. Ansonsten stand bei mir die Vorbereitung auf die WM Teilnahme im Juli im Vordergrund. Kalifornien sollte natürlich wieder das absolute Highlight im Kalender werden. Deswegen wollte ich mich nach der Zwangspause am Anfang des Jahres auch ordentlich vorbereitet wissen.

Juli

California uber alles… so dröhnten die Dead Kennedys schon oft aus meiner Anlage in meine Ohren und nun war es wieder endlich soweit. Dieses mal hatten wir uns viel vorgenommen, neben der üblichen Teilnahme am Life Rolls On They Will Skate Again und der angeschlossenen WCMX Weltmeisterschaft, wollten wir auch das surfen im Pazifik probieren und über alles eine Dokumentation drehen. Wir reisten also mit einem kleinen Kamerateam nach LA und produzierten schöne Bilder, die ihr auch schon im Aktion Mensch Video bewundern könnt. Aber das soll nich nicht alles sein, denn wir haben noch soooo viel an sensationellen Aufnahmen, dass wir schon bald mit einem weiteren, längeren, besseren Film die Leinwände erobern wollen. Da das aber Zeit, Geld und Arbeit bedeutet, wird es wohl noch eine Weilchen dauern. Bei den ganzen Erlebnissen, Drehs und der Arbeit, ging fast unter, dass ich die WM dann sogar gewonnen hatte. Ich habe aber auch selbst lange gebraucht um zu realisieren, dass die Jury mich vor Aaron Fotheringham setzte und ich somit bis zum April 2015 als bester WCMX Rider der Welt in die Skateparks rollen kann. Immer noch klingt das total unreal, zumal Wheelz natürlich wieder alles weggerockt hat und jedem die Wurst von der Stulle zog. Dafür gewann er aber auch den Best Trick Contest, aber mein fast fehlerfreier und abwechslungsreicher Run überzeugte die Jury irgendwie und es reichte zum Sieg. Ich bin mir immer noch ziemlich sicher, dass es der Handkuss war, den ich Lisa aus der Bowl beim carven zu geworfen hab. Mein Kumpel Robert Thompkins gewann übrigens den Balls to the Wall Preis als Draufgänger unter den Rolliskatern.

Californian Sunset im Camp Woodward West
Californian Sunset im Camp Woodward West (Foto: Anna Spindelndreier)
Life Rolls On They Will Surf Again San Diego 2014
Life Rolls On They Will Surf Again San Diego 2014 (Foto: Anna Spindelndreier)

August

Nach der US Reise planten wir direkt den nächsten großen Trip. Dieses mal blieben wir aber auf dem heimischen Kontinent und machten einen kleinen Roadtrip durch Luxemburg, Frankreich, Spanien, Italien und die Schweiz. Wir erstellten unsere Touren so, dass wir auf dem Weg einige bekannte Skateparks und Spots mitnehmen konnten. Neben Barcelona, war vor allem Marseille ein besonderes Highlight. Marseille stellte uns zwar mit seinem Verkehr, der Parkplatzsituation und der Kriminalität auf die Probe, aber dann rockten wir die Marseille Bowls doch, am nächsten Tag in aller Früh, was sich als echter Vorteil erwies, denn der Bowl war weitestgehend frei und nicht so überfüllt wie am Abend. Außerdem war das Klima viel angenehmer. Auch Barcelona stellte uns auf die Probe. Meine Tasche mit allen Geldkarten, Ausweisen und Papieren wurde geklaut als ich grad einen der berühmtesten Skatespots shreddete, Barcelona Saints. Unseren Dieb haben wir auf Kamera, aber meine Tasche auf immer verloren. In Italien trafen wir Ilaria das erste mal, welche uns die schöne Stadt Varazze zeigte und uns zu Pestosüchtigen machte. In der Schweiz entdeckten wir ein Paradebeispiel für einen inklusiven Skatepark, ohne das man ihn so nennen muss. Einfach nur ein großer Skatepark bei dem an eine behindertengerechte Toilette gedacht wurde. Ziel unserer Reise war Potsdam, denn dort gab es einen weiteren Skateworkshop im jwd Lindenpark, was nun auch ein fester Termin im Kalender werden soll.
Auf dem Weg durch Europa reifte die Idee für diesen Blog, zuerst wollten wir einen Videoblog machen, stellten aber fest, dass wir eigentlich keine Zeit haben Videos zu editieren. Also entschärften wir die Pläne und machten ein Video, eigentlich sollte es nur einen Trailer darstellen, aber ich bin ehrlich, ich bin bisher noch nicht dazu gekommen auch nur eine Minute des eigentlich geplanten Roadmovies zu erstellen. Auch hier kann ich nur sagen: Video Soooooooooon!

September

Wasserski oder Wakeboarden? Beides scheint mir nicht zu liegen. Zumindest musste ich das wieder mal beim Let’s get wet Wassersportcamp in Duisburg feststellen. Aber dafür habe ich mich ins Kanu bzw. Kajak fahren wieder gefunden. Wenn ich das nächste mal eine Chance habe mich ins kühle Nass zu stürzen werde ich es wieder tun. Auch das Wakeboarden habe ich noch nicht abgeschrieben. Schließlich bin ich sogar im Pazifik Wellenreiten gewesen. Was war noch? Ach ja ich hatte Geburstag und habe den Club 27 überlebt. Außerdem gab es noch den dritten und vorerst letzten Teil unserer Roll On Workshop Reihe in Dortmund. Sehr experimentell mit einer „Schnipseljagd“ durch Dortmund, die am Ende doch mit Schnitzel belohnt wurde. Das Obdachlosenmagazin Bodo schrieb einen schönen Artikel über dieses Wochenende.

Oktober

Der Oktober bot ein ganz besonderes Highlight, welches auch noch ein Video und einen eigenen Beitrag hier bekommen wird (Soooon!) Bärlin Pedäl Bättle!!! Ein Ritterturnier auf Rädern, eigentlich auf Fahrrädern, aber wir haben es mit unseren Krüppelrittern infiltriert und wollen dies auch nächstes Jahr wieder tun. Mein Rekrutierungsblog und -video kommt, versprochen! Was gab es noch, außer verschwitzte Typen in Rüstungen, die mit Fahrrädern werfen? Na Aktion Mensch wird 50! Das Jubiläum habe ich schon das ganze Jahr in Zeitungen und Magazinen begleitet, nun waren Lisa und ich auch auf einer Veranstaltung mit dem Bundespräsidenten eingeladen. Was soll nun noch kommen? Ich weiß es auch nicht, aber 2015 wird auch einige Überraschungen für Lisa und mich bereithalten.

Jubiläumsanzeige der Aktion Mensch
Jubiläumsanzeige der Aktion Mensch

November

Im November wurde es ruhiger, aber nicht ruhig. Crowdsurfing bei Konzerten entwickelt sich zu meiner neuen Lieblingssportart und wie ihr hier im Blog lesen könnt, waren wir auch wieder unterwegs, in Ulm und Leipzig. Die Messe Abgefahren in Leipzig zeigte mein Video aus Kalifornien und ich quatschte ein wenig darüber, eine kleine Show Einlage gab es am Sonntag natürlich auch. In Ulm waren wir zu Gast in der Popbastion und der dort angesiedelten Reithalle, welche eigentlich eine Skatehalle ist. Wir ritten also unsere Rollstühle durch die Halle und konnten wieder viele junge und alte Rollifahrer eine Möglichkeit geben sich auszuprobieren und ihre Fähigkeiten zu erweitern.  Sonst hieß es wieder vom Skatepark aufs Basketballfeld. Die Basketballsaison war bereits im vollen Gange und so langsam fand auch ich mein Feingefühl für den Ball wieder. Die RBG Dortmund 51 konnte die Hinrunde der Regionalliga West äußerst zufriedenstellend beenden und geht an der Spitze in die Winterpause, welche bis Februar andauern wird.

Dezember

Die kalte Jahreszeit hat mit skaten eigentlich nicht mehr so viel gemein, denn oft ist es einfach zu nass und zu kalt. Vor allem Veranstaltungen gibt es eher selten, da die Hallen auch nicht gut beheizt sind und draußen weiß man ja nie was das Wetter so vor hat. Doch das kleine Ackerpoolco in Hamburg Eidelstedt lud kurz vor Weihnachten doch nochmal in eine kleine, aber gut beheizte Skatehalle ein. Das konnten und wollten wir nicht abschlagen und beendeten die Skatesaison mit einer schicken kleinen Session. Gleich drei Drop In Neulinge bei einer Achtköpfigen Truppe dürfte auch so was wie ein kleiner Rekord sein.

Es war ein tolles Jahr und ich freue mich auf 2015. Noch mehr Workshops, noch mehr Skateparks und die WM in Texas. Ein schönes Jahr wird es werden, wenn es auch nicht ganz stressfrei bleiben wird.

Vielen Dank an alle, die mich begleitet und unterstützt haben. Vielen Dank an alle, die mich supporten und anfeuern. Vielen Dank an alle, die meine Videos, Links und Fotos in die Welt hinaus tragen.

Danke auch meinen Sponsoren Schwalbe, Iriedaily, RehaOptimal Onken, Team Box Wheelchairs, Art of People und den vielen weitern Unterstützern, Crowdfundern und allen, die geholfen haben, ob mit Zeit, Engagement oder Geld.

Ich freue mich euch alle nächstes Jahr wieder zu sehen und ich freue mich auf die, die ich nächstes Jahr kennen lernen werde.

Frohes Fest und einen guten Rutsch ohne Glatteis wünschen euch Lisa und David.

 

 

/David

Fotos: Anna Spindelndreier
Foto: Anna Spindelndreier

 

Fotos: Anna Spindelndreier
Typen! Mit Robert Thompkins (Foto: Anna Spindelndreier)
Fotos: Anna Spindelndreier
Foto: Anna Spindelndreier

 

 

Gedanken zu… Behinderung

Behinderung ist ein Wort, dass viele an einen sabbernden Menschen im Rollstuhl denken lässt. Dabei heißt es doch eigentlich, dass man behindert wird.

Das kommt dann in der Regel von äußeren Umständen und das kennt eigentlich auch jeder, egal wie gut er zu Fuß ist. So kann es schon mal vorkommen, dass man sein Auto auf der Autobahn parken muss, weil man von der Blechlawine vor einem behindert wird und so ist es eben auch bei Rollstuhlnutzern. Nur sind es da Treppen, defekte Aufzüge oder überzogene Brandschutzbestimmungen. Behinderung von Behinderten behindert dann den Menschen. Oftmals so sehr, dass die Teilhabe am gesellschaftlichen und sozialen Leben nicht möglich ist, weil man den Treffpunkt seiner Freunden nicht erreichen kann. Natürlich könnten die auch woanders hin gehen, aber mal ehrlich – würdest du dich wohl fühlen, wenn andere immer wegen dir ihre Pläne ändern müssten? Oder willst du immer vorher recherchieren, ob du einen Ort überhaupt erreichen kannst? Das kann einen jungen spontanen Menschen schon ganz schön in seinen Möglichkeiten beschneiden.

Moment mal, hat der grad jung gesagt? Ja hat er und da kommen wir zu einem weiteren Stereotypen. Der stereotypische Rollstuhlfahrer, ist langweilig, unstylisch und macht ja sowieso nix, außer Enten füttern im Park. Falsch! Es gibt mittlerweile so viele junge, selbstständige und abenteuerlustige Rollstuhlfahrer, wie es langweilige Nichtbehinderte gibt und ich bin mir sicher, von letzteren gibt es sogar noch weitaus mehr. Rollstuhlfahrer gehen feiern, allein, mit Freunden oder auch mit ihren Assistenten, wenn sie denn welche brauchen. Sie machen Sport, ganz unterschiedlicher Art und achten auf ihr Aussehen, auf ihren Style. Eigentlich machen Rollstuhlfahrer all das, was Nichtbehinderte auch machen und auch wieder nicht, eben auch wie Nichtbehinderte. Der eine mag das, der andere das und das dafür nicht. Diese Vielfalt und diese Entscheidungsmöglichkeiten müssen wir allen zugänglich machen. Jeder sollte für sich entscheiden können, ob er nun in diese Bar oder die andere möchte. Diese Entscheidung sollte einem nicht von ein paar Stufen abgenommen werden dürfen.

Bild von Malte Wittmershaus
Bild von Malte Wittmershaus

Barrierefreiheit ist ein großes Ziel und doch ist es nur ein Wegpunkt in Richtung Inklusion, denn klar kann ein sportlich, aktiver Rollstuhlfahrer durchaus in der Lage sein, gewisse Barrieren zu überwinden, aber auch den unsportlichen oder höher gelähmten, auch den Muskelkranken und E-Rollifahrern, sowie allen anderen, muss diese Vielfalt offen stehen. Deswegen setze ich mich für Barrierefreiheit ein, auch wenn ich bisher noch jede Treppe mit allen Rädern hoch und runter gekommen bin. Erst wenn wir wirklich frei sind in unseren Entscheidungen, wo wir hin gehen, was wir machen und mit wem wir das machen, dann können wir eine inklusive Gesellschaft erreichen! Wenn wir das dann geschafft haben, schaffen wir dann auch das Wort Behinderung ab? Ich denke nicht, denn am Ende ist es ja eine physische Einschränkung, die uns bei bestimmten Situationen behindert, z.B. beim Treppen steigen. Nur vielleicht müssen wir dann nicht mehr so oft die Behinderung des einzelnen in den Vordergrund stellen, weil wir uns darüber ja gar nicht mehr so viele Gedanken machen müssten. Dann sind es doch alles nur Menschen, wie du, wie ich, wie die Leute da draußen. Dann lernen vielleicht auch Medien, Presse, Politiker und die Krankenkassen, dass man über Menschen mit Behinderung nichts pauschalisieren kann. Man kann ihnen helfen, wenn man sie fragt oder bei Gesetzen und Regelungen mitreden lässt. Man darf sie aber nicht bevormunden, wie es viele Regelungen, Bestimmungen und Gesetzte derzeit tun. Selbt gut gemeinte Regelungen schränken einen im täglichen Leben oft ein. Sei es nun der zu volle Bus, wo man im strömednen Regen auf den nächsten warten muss, weil da nur einer rein darf oder der verwehrte Ausblick vom Fernsehturm. Gar nicht erst reden wollen wir vom Club und Kneipenerlebnissen oder von spontanen Bahnreisen. Letztere wollen doch glatt, dass man für jede kleine regionale Zugreise eine Anmeldung macht, mit genauer Abfahrts- und Ankunftszeit und das auch noch mindestens 24 Stunden vorher. Spontanität, weil gerade ein Kumpel angerufen hat, er hätte noch ein Ticket für das Fußballspiel ergattern können oder für das Konzert, ist also oft nicht drin. Ist es auch noch so schön, dass man eine Begleitung kostenlos mitnehmen kann, so ist es oft auch echt deprimierend, dass man unter seinen Freunden einen auslosen soll, der dann als einziger mit dir auf den Rolliplatz darf. Mit allen Freunden zusammen ein Fußballspiel genießen oder zusammen auf einem Konzert abgehen ist oftmals nicht drin.

Was also behindert einen mehr? Die Behinderung an sich? Die Gesellschaft? Barrieren? Regelungen? Oder einfach die Unflexibilität derer, die sich an solchen Regelungen dann aufhängen? Schwer zu sagen, irgendwie ist es auch alles ein bisschen und manches ein bisschen mehr, bei jedem natürlich auch wieder anders.

Wo wir wieder dabei sind: Wir sind alle anders, egal ob wir stehen, laufen, sitzen oder kriechen. Wir sollten also auch genauso individuell behandelt werden. Wenn wir mal auf die Schnauze fallen, dann müssen wir nicht innerhalb von 10 Sekunden wieder im Stuhl sitzen, wir können auch mal kurz am Boden liegen bleiben, ihr müsst uns nicht begrabschen und an uns zerren. Ihr könntet stattdessen einfach mal fragen wie es uns geht da unten! Wenn wir Hilfe benötigen, werden wir eure Frage mit ja beantworten oder euch darauf aufmerksam machen, sagen wir aber nein, dann heißt es auch nein, verdammt nochmal! Stolpert ihr nie? Seid ihr noch nie auf die Fresse geflogen? Was habt ihr dann gemacht? Ihr seid aufgestanden, richtig? Also, warum sollten wir das nicht auch einfach so machen, auch wenn es vielleicht etwas unbeholfener aussieht und länger dauert. Wenn ihr es vielleicht nicht alleine geschafft habt, dann hat euch aber sicher auch keiner einfach so hochgezerrt, sondern hat euch gefragt, vielleicht auch nur die Hand gereicht. Denkt da mal drüber nach! Solltet ihr jemanden in Not sehen, auf Schienen, oder auf der Straße mit nahendem Auto, dann holt ihr ihn dort natürlich weg, aber das macht ihr bitte auch mit Nichtbehinderten, solange ihr euch selbst nicht in Gefahr begeben müsst!!! Merkt ihr schon worauf ich hinaus will? Ihr könnt einen behinderten Menschen behandeln, wie ihr jeden anderen auch behandelt! So viel Unterschied ist da gar nicht, denn aller Unterschiede zum Trotz: Menschen sind wir alle!

So genug Gedanken aufgeschrieben, sind vielleicht etwas ungeordnet, aber so sind Gedanken eben manchmal. Ich hoffe ich kann damit auch ein wenig zum Denken anregen. Niemand macht alles richtig, aber bevor man alles falsch macht, einfach mal den Kopf benutzen und dann erst handeln. 😉


Text: David Lebuser