Schwaches Barrierefreiheit STÄRKUNGs(?) Gesetz

Schon in den nächsten Tagen wird im Bundestag über ein Gesetz abgestimmt, dem ich rein nach dem Namen ja sofort zustimmen würde … aber Momentchen mal, an welcher Stelle des Gesetzes wird hier eigentlich die versprochene physische Barrierefreiheit geregelt? Nirgends? WTF!!!

Ein weißer Rollsuhlfahrer steht oben an einer Treppen und reicht die Hand zu der weißen Rollstuhlfahrerin die unten versucht die Stufe hoch zu kommen.
„Barrieren Symbolbild“ © Anna Spindelndreier

Dies war nun genug Anlass für mich, um mich fast das gesamte lange Wochenende über Himmelfahrt mich einzulesen in Berichte, Stellungnahmen und Entwürfe, Abgeordneten zu schreiben und Diskussionen auf Social Media anzuregen. Hier möchte ich nun mal niederschreiben, was ich dabei selbst so alles gelernt, gedacht und geschrieben habe. Vielleicht antwortet ja auch eine:r der Abgeordneten derweil.

© Andi Weiland | Gesellschaftsbilder.de

Eigentlich fing alles schon 2016 an. Damals gab es Proteste zum Bundesteilhabegesetz (gibt es hier auch zwei Blogbeiträge von uns dazu), ausgelöst von einem Gesetz, dass kurz vorher beschlossen wurde. Dem Behindertengleichstellungsgesetz, kurz BGG.

Damals wurde am 12. Juni ein Änderungsantrag diskutiert, wonach Barrierefreiheit in der Privatwirtschaft doch wieder ins Gesetz soll. Die Eröffnung der Debatte zu dem Thema machte die damals verantwortliche Ministerin Andrea Nahles und brachte folgendes Zitat:

„Was das vorliegende Gesetz angeht, sage ich ganz offen: Ja, auch mir fehlt im BGG der private Sektor . Den hätte ich gern mit in das Gesetz einbezogen . Das ist nicht gelungen. Aber es wird beim nächsten Mal gelingen!

Nun, JETZT ist das nächste Mal! Aber nun haben wir ein Gesetz mit dem vielversprechenden Namen Barrierefreiheitsstärkungsgesetz und es findet sich wieder keinerlei Absicht die Privatwirtschaft zu physischer Barrierefreiheit zu verpflichten! Also sollen wir wieder vertröstet werden?

Zugegeben, das Gesetzt soll vor allem eine EU Richtlinie umsetzen, den European Accessibility Act, und in diesem geht es vor allem um die Barrierefreiheit von Dienstleistungen. Aber viele dieser Dienstleistungen befinden sich halt hinter Stufen. Und die EAA Richtlinie schreibt zwar nicht vor, dass die Mitgliedsstaaten Regelungen zu einer physichen Barrierefreiheit treffen müssen, aber es wird angeregt. Und ganz ehrlich, ein Gesetz mit dem Namen Barrierefreiheits-STÄRKUNGS-gesetz sollte schon auch die Barrierefreiheit ganzheitlich stärken und nicht nur in Teilen. Natürlich gehört da auch eine Verpflichtung der Privatwirtschaft hinein, nicht nur zu physicher Barrierefreiheit, aber eben auch.

Nochmal zurück zum 12. Juni 2016, denn leider erwarte ich, dass es die gleichen Diskussionen, Argumente und Gegenargumente werden. Deswegen würde ich gern schon mal ein paar Sachen vorweg nehmen.

Unter anderem hat damals Dr. Astrid Freudenstein von der CDU auf eine Rückfrage des Grünen Politikers Markus Kurth abgeschmettert, welcher angeregt hat mal in die USA zu schauen, wo es bereits seit den 90er Jahren eine entsprechende Regelungen gibt. Sie antwortete, dass es in den USA ja keine Altstädte existierten wie bei uns in Europa. Nun ja, dann schauen sie halt nicht in die USA, sondern nach UK, ins Vereinigte Königreich, wo es ebenfalls eine entsprechende Gesetzes Grundlage und auch Mittelalterliche Altstädte gibt.

Außerdem antwortete Sie noch recht schnippisch, dass dies in den USA ja vor allem mit der Umsorgung von Veteranten zu tun habe und tat so, als ob wir erst Krieg führen müssten um Barrierefreiheit voranzubringen. Nun heute haben wir zum Glück eine sehr gute Dokumentation für jeden einsichtbar auf Netflix (kostenlos auch auf Youtube allerdings nur auf Englisch) mit dem Namen Crip Camp bzw. auf Deutsch „Der Sommer der Krüppelbewegung“. Dort kann man sehr gut sehen, dass auch in den USA die Menschen mit Behinderung für ihre Rechte gekämpft haben und dass es die gleichen Diskussionen gab.

Oder Herr Schummerer, der wieder und wieder betonte, dass doch erstmal Regierungsgebäude vorzeigen müssten wie Barrierefreiheit geht. Die Wirtschaft würde dann dem guten Beispiel schon folgen! Nun, 5 Jahre später, sind wir da kaum einen bedeutenden Schritt weiter gekommen, vor allem im Vergleich mit den USA und UK, aber auch im Vergleich mit Österreich schneiden wir deutlich schlechter ab.

Und wie sieht es denn nun aus in der USA oder in UK? Ist die Wirtschaft pleite gegangen? Nein! Im Gegenteil, sie haben neue Kunden gewonnen und die Gesellschaft ist weiter zusammen gewachsen. Wenn wir auf Reisen waren in den USA oder in Großbritannien, dann fühlen wir uns sofort anders. Wir sind freier in unseren Entscheidungen, müssen nicht jedes mal erst fragen ob wir Bahn fahren dürfen, aufs Klo kommen oder in das Restaurant können.

Ich hoffe doch sehr, dass 2021 die Debatte im Bundestag mit deutlich weniger Ableismus auskommt. Ich hoffe sehr, dass die Abgeordneten nicht wieder Erfahrungen aus ihrer privilegierten nichtbehinderten Perspektive als Beweis dafür einbringen „wie viel sich bereits getan hat“. Dass aber die Abgeordneten dort wieder ÜBER uns sprechen, ohne wirklich MIT uns gesprochen zu haben, scheint aber schon jetzt klar zu sein. Denn viel zu kurz war die Zeit zwischen Gesetzesentwurf, Stellungnahmen, Debatte und Abstimmung. So kann man es in der Stellungnahme der Sozialheld*innen lesen.

ein weißer Rollstuhlfahrer steht mit Megaphon vor dem Brandenburger Tor
© Lukas Kapfer | FGQ e.V.

Dabei steht in der UN Behindertenrechtskonvention klar und deutlich, dass Gesetze, die das Leben von Menschen mit Behinderungen betreffen, auch in ENGER Zusammenarbeit mit den Selbstvertretungsorganisationen erfolgen muss. Nun sehe ich hier keine enge Zusammenarbeit, wenn für eine ausführliche Stellungnahme nur wenige Tage Zeit bleibt und dann ein langes Wochenende mit Feiertag zwischen der Bekanntgabe der Abstimmung und der Debatte liegt zu dem mögliche Änderungsanträge vorligen müssten. Wie soll man in dieser kurzen Zeit eng an so einem wichtigen und möglicherweise wegweisenden Projekt zusammen arbeiten?

Wegweisend – Ja es könnte ein Meilenstein werden so ein Barrierefeiheitsstärkungsgesetz, aber dafür müsste man sich Zeit nehmen und wirklich eng mit denen arbeiten, die es am Ende betreffen wird. Man müsste ihnen zuhören und man müsste, anders als 2016, sie auch ernst nehmen. Dann könnte es wirklich etwas werden mit der Barrierefreiheit und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in Deutschland. Leider bin ich nicht mehr optimistisch was das angeht, aber ich möchte meinen Teil dazu beitragen.

Ich bitte auch euch! Ihr könnt etwas tun! Schreibt euren Vertreter:innen im Bundestag. Teilt diesen und andere Beiträge, lasst uns auch in Pandemiezeiten so laut sein wie es eben möglich ist. Denn nur wenn wir alles versucht haben, können wir uns am Ende auch beschweren, wenn die Politik wieder mal die Messlatte unterschritten hat.

/David

Falls ihr noch etwas mehr Input braucht oder euch weiter informieren möchtet, folgen hier noch ein paar interessante Links und Quellen:

Debatte vom 12.06.2016 zum BGG in Video www.youtube.com/watch?v=hSJjZRG2dBw&t=347s 

Debatte vom 12.06.2016 zum BGG in Text https://dipbt.bundestag.de/dip21/btp/18/18170.pdf#18170_Innen.indd%3ALesezeichen%207%3A174

Crip Camp auf Youtube (Englisch) www.youtube.com/watch?v=OFS8SpwioZ4&t=4015s

Stellungnahme der Sozialheld*innen https://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/Gesetze/Stellungnahmen/barrierefreiheitsstaerkungsgesetz-sozialhelden.pdf;jsessionid=FCFC018416BC0373BFCA70747A50C37D.delivery1-replication?__blob=publicationFile&v=1

Petition zur Barrierefeiheit und aktuelle Nachricht dazu https://www.change.org/p/schluss-mit-diskriminierung-barrierefreiheitsrecht-f%C3%BCr-menschen-mit-behinderung-jetzt-peteraltmaier-hubertus-heil-bmas-bund-bmwi-bund/u/29051684?cs_tk=ArjIhocBeuOsHKp8o2AAAXicyyvNyQEABF8BvA78icP2o6zX4jbBQXte9Ks%3D&utm_campaign=0bfa49301d5348e4af749e9ce5745ac2&utm_content=initial_v0_4_0&utm_medium=email&utm_source=petition_update&utm_term=cs&fbclid=IwAR0rr0fH5EntDGs-xVPA9-8cISkOGLyzFfHapIvwdnTZJ6wydtFltFyjU7Y

Artikel von Die Neue Norm zum Gesetz https://dieneuenorm.de/gesellschaft/barrierefreiheitsstaerkungsgesetz/?fbclid=IwAR23Kvk5f2nqeaB6hDSa0VL33FsBBQgZsa_ryN04we4AehcMhRBBzHvyAHg

Aufruf von Die Neue Norm https://dieneuenorm.de/kolumne/barrierefreiheitsstaerkungsgesetz-2/?fbclid=IwAR2RRi0Bfghz0W6RqGv9-XWD-mhMb6yyW8ggTZbjS7lj55eIONgPCERhO7E

Kobinet zum Gesetz https://kobinet-nachrichten.org/2021/05/12/barrierefreiheit-aber-beim-naechsten-mal-dann/

Video von uns zu Barrierefreiheit https://youtu.be/PIJYSPp-czA

Selbstfindung

Wegen Corona erleben wir gerade alle größere und kleinere Veränderungen. Ich stand aber schon länger an eine Stelle über die ich nicht rüber wollte, weil ich Angst davor hatte. Aber während ich an dieser Stelle stand, holten mich einige „böse Geister“ ein und vielleicht war Corona dann die Extra Last dich mich über die Schwelle brachte.

Ein weißer Mann steht mit einem Oliv farbenden Shirt unter einer Brücke. Auf dem Shirt steht auf Englisch Sit N Skate - Destroying Stereotypes. Im Hintergrund sieht man eine Rollstuhlrampe, eine Bank und mehre Menschen darauf. Eine weitere Bank ist leer.
ein tattowierter weißer Mann stützt seinen Kopf an der Stirn ab und schaut nachdenklich in die Ferne

Okay, ich höre auf in Rätseln zu schreiben. Während Corona haben wir einige Veränderungen gemacht, nicht alle davon waren direkt durch Corona entstanden. Wir haben SIT’N’SKATE zu einem gemeinnützigen Projekt gemacht und ich habe meinen 4ma3ma Job an den Nagel gehangen. Die bösen Geister von denen ich sprach waren vor allem psychischer Natur. Ich habe den Job bei der 4ma3ma geliebt und liebe die 4ma3ma immer noch und dennoch war ich an einem Punkt angekommen, an dem ich mich entscheiden musste. Setze ich meine Kraft und Anstrengung in die Rollstuhl Versorgung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen bei der 4ma3ma ein oder in das Projekt SIT’N’SKATE und dort ebenso in die Mobilität der gleichen Zielgruppe.

Ich entschied mich für letzteres und habe einen sozialversicherungspflichtigen Job an den Nagel gehangen, der bislang meine teure Hamburger Miete zahlte. Das Risiko hat sich nun, knapp drei Monate später aber insofern gelohnt, dass es mir mental wieder besser geht. Allein weil ich wieder mehr Zeit habe um skaten zu gehen, Playstation zu spielen oder einfach mal bei Netflix zu chillen. Und nun auch um mich wieder verstärkt Themen wie Inklusion, Teilhabe und Barrierefreiheit im aktivistischen Sinne zu beschäftigen!

Es ist schön sich den Themen widmen zu können, für die man brennt, für die man Leidenschaft und tiefe Überzeugung hat und dennoch fällt natürlich jede Menge Arbeit damit an, diese Arbeit und sein Leben zu finanzieren. Ich hoffe, dass ich es schaffen kann mein Leben auch mit dieser mir so wichtigen Arbeit zu finanzieren, aber auch wenn das nicht klappt, war dieser Tapeten- und Prioritätenwechsel richtig und wichtig.

I am back! #staytuned

/David

Bringet den Kinderlein passende Rollstühle

In der Nacht nach Heiligabend hatte ich einen Traum, einen ziemlich komplexen. Das wunderte mich, normalerweise träume ich nur Mist und kann mich kaum dran erinnern. Und nun hatte mein Traum auch noch ein Problem wieder an die Oberfläche gebracht, dass mir sehr wichtig ist! Deswegen sitze ich nun am Weihnachtstag mit Kaffee in der Küche meiner Schwiegereltern und tippe diese Zeilen.

Mein Traum

Ich träumte, Lisa und ich seien unterwegs durch die Stadt zu einem Einkaufszentrum. Wir fuhren über eine mir unbekannte Kreuzung und während Lisa schon vorfuhr in den Konsumtempel meiner offenbar fiktiven Traumstadt blieb ich an der Ampel stehen und suchte den besten Weg über die Kreuzung.

Im Einkaufszentrum angekommen fuhr ich zu einem Geschäft um Lisa zu finden (nehme ich an), doch ich sah zwei andere junge Rollstuhlfahrerinnen, die sich dort Schminke oder andere mir recht fremde Utensilien kauften. Ich setzte mich in die Ecke, wo wohl Männer während des Make Ups Kaufs zu warten hatten (falls sie nicht selbst welches brauchen). Dort saßen einige Briten, die mir berichteten sie seien hier auf so einer Art Klassenfahrt. Ich träumte dies tatsächlich in Englisch, was mich nochmals sehr verwunderte.

Dann kam der Rest der Gruppe und sie verließen den Konsumtempel. Neben den zwei Mädchen aus dem Geschäft war nun noch ein weiteres junges Mädchen im Rollstuhl dabei. In meinen Traum hatte sie einen viel zu kleinen Rollstuhl, sie lag regelrecht darin, passte nicht rein und hatte sichtbar offene Stellen am Rücken.

Ich sprach die Gruppe nochmal an und meinte, dass man da dringend was tun müsste. Es hieß, dass sie wohl gerade keinen passenden Rollstuhl bekommen würden. Ich bot an einen passenden Rollstuhl mitzugeben, müsste den aber erst holen. Natürlich wurde es kein Happy End, denn sie mussten direkt los und ich hatte keine Zeit einen Rollstuhl zu holen. Ich sagte noch so etwas wie: „Give her a fitting wheelchair as soon as possible, because she could suffer her whole life from the results of this one.“

Die Realität

Das war ein Traum, das heißt es ist nicht real oder? Nunja ich weiß nicht wie die Versorgung von Kindern und Jugendlichen im Rollstuhl in Großbritannien aussieht. Hierzulande sehe ich leider viel zu oft Kinder mit schlecht angepassten Rollstühlen. Zum Glück eigentlich nie so schlimm wie in meinem Traum. Selten ist der Rollstuhl so klein, dass die Kids dort nicht rein passen und dadurch Druckstellen bekommen. Viel mehr ist es oft so, dass die Rollstühle viel zu groß sind, damit sie „reinwachsen“. Als sei der Rollstuhl ein Strickpulli von der Oma, der dann vielleicht zum nächsten Weihnachten passt.

Auch wenn mein komisch und ungewohnt realer und komplexer Traum nicht die Realität wiederspiegelt, so holte er doch dieses Thema wieder in den Fokus meiner Gedanken. Ich arbeite seit 6 Jahren für die 4ma3ma, ein Kindersanitätshaus aus Dortmund und böse Zungen behaupten immer wieder, wenn ich dieses Thema anschneide, es sei nur Werbung. Doch wenn ich sehen, dass Kinder und Jugendliche anderswo gut versorgt werden, dann würde ich gar keine Gründe haben sie darauf anzusprechen. Viel mehr gebe ich sogar Tipps mit, damit wichtige Punkte wie die richtigen Sitzmaße und jährliche Anpassungen nicht unter den Teppich gekehrt werden.

Ein Rollstuhl sollte passen wie ein Maßschuh, er darf nicht zu groß sein, für Heranwachsende bedeutet das, dass man einen kleinen(!) Wachstumspuffer lässt, der maximal ein Jahr anhält und den man, sobald er sich schließt, dann mit einer Wachstumsanpassung wieder auf eben dieses kleine Puffermaß bringt. Verschiedene Rollstuhlmodelle für Kinder und Jugendliche können „mitwachsen“ indem man Teile austauscht oder auch nur Rohre ausszieht und neu verschraubt. Es ist also kein Hexenwerk und dennoch sehe ich so viele Kinder und Jugendliche in festverschweißten Erwachsenenrollstühlen, die dann natürlich Strickpullimäßig angepasst werden um sie nicht nach einem Jahr wieder austauschen zu müssen.

Ich frage mich echt was das soll und kann das nur auf mangelndes Fachwissen bei den Fachhändlern, Rehatechnikern und Sanitätshäusern zurückführen. Denn selbst wenn man wirtschaftlich denken möchte in dieser Situation, verdiene ich als Firma doch besser, wenn ein Rollstuhl über viele Jahre angepasst werden muss, als wenn er nur einmal verkauft und dann (ewig nicht passend) entsorgt wird, meistens gerade dann wenn er dann endlich halbwegs passt.

Vielleicht ist es aus Gründen der Einfachheit? Eigentlich bin ich ein Fan von #keepitsimple aber hier geht es um Kinder und Jugendliche, die ein Hilfsmittel für ihre Mobilität brauchen – eigentlich sogar ein Hilfsmittel für ihre Mobilität, ihre Teilhabe, ihre Entwicklung, ihr Spiel, ihre Weltentdeckung und vieles mehr!

Der Rollstuhl ist für diese Kinder ein wichtiges Instrument und nur wer früh und gut versorgt wird, hat die maximalen Entwicklungschancen und fällt eben nicht hinter die nichtbehinderten Kinder in der Entwicklung zurück! Wir haben heute komplexe und qualitativ gute Versorgungskonzepte für alle möglichen Situationen, Behinderungen, Größen und für alle der vielen verschiedenen Parameter die bei so einer Kinderversorgung auftreten können. Das klingt komplex? Ja, das ist es durchaus und ich wünschte mir, dass Fachhändler hier auch mal öfter sagen würden: „Das können wir nicht gewährleisten, bitte gehen sie damit zu einem Spezialisten.“

Am Ende möchte ich noch sagen, dass auch ich mit meinen gerade mal sechs Jahren Berufserfahrung nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen habe. Auch ich habe schon Fehler gemacht und musste die, oft teuer, auslöffeln. Wenn ich aber mal nicht weiter weiß, habe ich ein Netzwerk aus Kollegen und Institutionen, z.B. Rollikids, die ich befragen kann oder wo ich die Kunden dann abgeben kann, damit sie gut versorgt werden.

Bitte seid ehrlich zu euch, der Kinder wegen, bildet euch gern fort zu dem Thema um in Zukunft auch hier bessere Versorgungen zu machen und macht meinen Traum zu einem Alptraum, der in der Realität so gar nicht mehr vorkommen kann.

Es gibt Weiterbildungskurse bei der Kinder und Jugendabteilung des DRS, den Rollikids, die auch ein Buch zu dem Thema herausgebracht haben, dass sehr empfehlenswert ist. Da es auch für Laien verständlich ist, empfehle ich es auch gern jedem, der sich mit dem Thema mal beschäftigen will, Eltern oder Lehrer z.B., aber auch der Fachhandel und Therapeuten sollten sich das Buch „Rollstuhlversorgung bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen“ mal anschauen. Vielleicht muss ich dann das Buch den Eltern nicht mehr mit dem Satz in die Hand drücken: „Wenn ihr das gelesen habt, seid ihr qualifizierter als 95% des Fachhandels.“ (Auch wenn der rechtliche Teil leider in die Jahre gekommen ist und nicht mehr aktuell, aber der Teil mit Maßen, Einstellungen usw. ist aktueller denn je!)

Links findet ihr im Text und unten drunter. Vielen Dank, dass ihr euch mit dem Thema befasst und vielleicht schaffen wie es ja, dass im Jahr 2020 noch mehr Menschen auf dieses Thema achten und unsere Kids sitzend und flitzend am Leben teilhaben können, in passenden Rollstühlen, um Folgeschäden von Schultern, Hüfte und Co zu vermeiden und eine bestmögliche Entwicklung zu fördern.

/David
PS: Dieser Artikel enthält unbezahlte Werbung, auch wenn ich bei der 4ma3ma angestellt bin und mit den Rollikids Aktionen zu Sport und Mobilität durchführe, so ist es für mich, wie für Lisa und somit für sit’n’skate ein wichtiges Thema das uns beschäftigt. Wir würden uns sehr freuen, wenn der Fachhandel, Therapeuten und andere im Versorgungsprozess involvierte sich mit diesem Thema auseinandersetzen und für eine bessere Qualität sorgen würden. Die Politik könnte Qualitätsstandards festlegen die man kontrollieren kann, doch stattdessen wird durch die Krankenkassen immer mehr pauschalisiert und somit eine individuelle und qualitative Versorgung torpediert! Alles was wir wollen ist also eine gesunde Diskussion und daraus resultierende Veränderungen im Prozess der Versorgung, wenn das ohne Rollikids und 4ma3ma möglich ist, ok, aber vielleicht kann man von der gebündelten Erfahrung profitieren und diesen Weg gemeinsam beschreiten!

So jetzt aber wirklich Ende! (Ja ich könnte zu diesem Thema noch Stunden lang schreiben!)

Links

Buch „Rollstuhlversorgung bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen“
http://www.rollikids.de/index.php?id=45

Rollikids
http://www.rollikids.de/

4ma3ma – Das Kindersanitätshaus
http://www.4ma3ma.de

Auf dem Bild ist ein Kind im Rollstuhl zu erkennen, dass von rechts nach links fährt. Offenbar mit hoher Geschwindigkeit, da die Umgebung stark verzerrt ist.
Sitzen und flitzen mit passenden und gut angepassten Rollstühlen! – Foto: Rollikids

Materialverachtung!

Seit nunmehr sieben Jahren schrotte ich leidenschaftlich Rollstühle. Naja eigentlich ist das nur ein teures Nebenprodukt meiner Leidenschaft. Denn die mittlerweile fünf Rollstühle, die ich durch das skaten zu Grunde gerichtet habe, waren teilweise aus eigener Tasche bezahlt, nur zum Teil gesponsert.

Foto: Robert Loeung
Foto: Robert Loeung

Mein erster Kassenstuhl war ein Sopur Argon und somit leichte Beute, um den zu zerstören brauchte ich eigentlich keinen Skatepark, aber es hat halt mehr Spaß gemacht. Daraufhin kaufte ich mir einen Colours Boing, weil Wheelz ja für den Werbung machte damals und so dachte ich, dass der dann einiges aushalten muss. Nunja, hat er nicht. Ständig war irgend ein Teil gebrochen, ausgeschlagen oder verbogen. Das lag daran, dass Aaron damals schon einen von Mike Box (hat damals bei Colours gearbeitet(sein Bruder hat Colours gegründet)) Skatestuhl hatte und nicht das Serienmodell, für das er Werbung gemacht hat. Nur erkannte ich das als Laie nicht.

Mit TNS konnte ich erst so richtig loslegen!
Mit TNS konnte ich erst so richtig loslegen!

Ich war an einem Punkt, an dem ich mir mein Hobby nicht mehr leisten konnte. Doch dank einiger Videos, die ich bis dahin schon auf Youtube gestellt hatte, erkannte TNS aus den Niederlanden meine Begabung als Crahs äääh Testfahrer. Bei TNS habe ich den Coulour gekauft, weil es keinen deutschen Vertrieb gab. Sie bauten damals gerade an ihrem rsX (real suspension experience) und der war exakt das, was ich zu diesem Zeitpunkt gebraucht hatte. Mit diesem Stuhl konnte ich meinen Sport weiter machen und ich wurde besser. Ich fand aber auch Schwachstellen, die aber dann dank der Vereinbarung von TNS repariert und verbessert wurden.

Eigentlich war das eine perfekte Zusammenarbeit und ein super Deal, doch als ich die Chance auf einen Mike Box WCMX Stuhl (mittlerweile baute er eigene Stühle) wechselte ich quasi den Stall. TNS hat das eingesehen, haben sie nie behauptet, dass der rsX ein WCMX Rollstuhl wäre. Außerdem verkaufen sie auch Mike Box Stühle. Jedenfalls hat auch der Box Stuhl einen unglaublichen Boost gegeben, denn er war wieder exakt das, was ich gebraucht habe. Ich konnte mich wieder verbessern ohne ständig Angst zu haben das bricht. Nur leider blieb das nicht lange so. Schon wenige Monate später war der erste Termin beim Schweißer, dann der zweite, dritte… und so ging es weiter.

Mike Box sponserte mir einen Stuhl Foto: Anna Spindelndreier
Mike Box sponserte mir 2015 einen Stuhl Foto: Anna Spindelndreier

Aufgrund der Probleme und weil ich immer besser wurde, bekam ich von Mike einen weiteren Rollstuhl gesponsert. Dank Mike konnte ich wieder voll loslegen. Mittlerweile schreiben wir das Jahr 2015. Ich habe also bereits angefangen Workshops zu geben und war viel unterwegs. Ich war eigentlich nie krank oder musste eine Veranstaltung absagen. Doch hatte ich immer eine riesige Angst, dass ich was kaputt mache vor einer Veranstaltung. Also hielt ich mich immer mehr zurück (das war schon nach meinem Armbruch 😉 ). Ich wurde zwar immer noch besser oder man könnte sagen routinierter, doch die großen Sprünge traute ich mich nicht mehr. Zu groß war die Angst, dass ich den Stuhl kaputt machen und die Veranstaltung absagen müsste.

Seit 2014 habe ich mir vorgenommen den Handplant zu lernen. Ich kann ihn immer noch nicht. Jedes mal wenn ich mich bereit fühlte, machte ich was kaputt, vor allem Räder und die bekam ich leider noch nie gesponsert. Bei den World Championships 2016 machte ich dann den gerade ein Jahr alten Box Stuhl zum Totalschaden: Rahmenbruch – und zwar richtig! Ich hatte meinen alten aber wieder zusammen geschweißt und konnte weiter machen. Mike bot mir auch einen neuen Stuhl an, also eigentlich alles gut, doch nach der USA Reise schwor ich mir, mich nicht mehr zurück zu halten. In den USA hatte ich das auch nicht und es tat gut wieder so volles Rohr zu skaten.

Es kam, wie es kommen musste: Mitten bei einem bezahlten Auftritt in Dänemark brach der Stuhl. Ich musste also mit Hilfe meines Auftraggebers einen Schweißer in Kopenhagen finden, der mal eben einen Rollstuhl an einer empfindlichen Stelle zusammen schweißen konnte. Wir schafften es und es konnte weiter gehen. Wenige Monate später, luden die Dänen zum Roskilde Festival ein. Diesmal brach der Stuhl erst nach der Show und ich konnte die Reise mit meinem eigenen Leihrolli (der gute alte rsX von TNS) fortsetzen. Schon seit der ersten Misere in Dänemark spielte ich mit dem Gedanken wieder den Stall zu wechseln. Ich wollte nicht mehr ständig Angst haben, dass mein Rollstuhl bricht und doch wollte ich wieder frei von der Leber weg skaten. Hirn aus und so.

Ich entschied mich gegen den kostenlosen Rollstuhl von Mike und bestellte bei SeanCo. Die Investition war es mir wert, wenn er hielt was er versprach – und bisher hält er es! Schon beim Bestellvorgang war ich begeistert von Sean. Übrigens ist Sean kein unbekannter, er arbeitete früher bei Westcoast Customs und hat dort quasi Karosseriearbeiten für XZibit und seine Kunden gemacht. Dass er in die Rollstuhlbranche wechselte, lag an der Tochter seiner Frau. Trinity hat Spina Bifida und Sean fand, dass sie ein Gerät mit mehr Style verdient hatte.

Aber zurück zu meinem Rollstuhl. Sean fragte mich nach Maße, nach Informationen, Anekdoten, Problemen, er sog alles in sich auf, lernte mich kennen und verstehen, um mir einen Stuhl zu bauen, der mir gerecht wird. Seans Alleinstellungsmerkmal sind Custom Rollstühle, also wirklich Unikate auf den Nutzer zugeschnitten. Auch wenn er bei den WCMX Stühlen ein Grundkonzept hat, so wird er alles was du ihm sagst in den Stuhl irgendwie verarbeiten. So kam es, dass ich mein „Heavy Beauty“ bekam. Denn ich wollte einen Stuhl, der unzerstörbar ist, Gewicht egal.

Schon in den USA, wo ich den Stuhl abholte, versuchte ich alles aus mir herauszuholen. Denn wenn ich ihn hier kaputt machen würde, könnte er ja noch Verbesserungen vornehmen oder einen neuen bauen oder so. Aber obwohl ich alles versuchte und oft das Gefühl hatte: „Scheiße, jetzt ist wieder was kaputt oder verbogen“… nix…

Der SeanCo passt zu mir! Foto: Björn Lubetzki
Der SeanCo passt zu mir! Foto: Björn Lubetzki

Ich fahre den SeanCo nun seit 8 Monaten, unzählige male bin ich schief gelandet, nur auf der Seite, den Vorderrädern, nur auf einem Rad aus großer Höhe. Meine Alten Stühle hätte ich schon 100 mal verformt oder gebrochen – nicht so der SeanCo. Ich habe in den 8 Monaten nun einen einzigen Gabelbolzen verbogen, ein Rückenrohr ist ein bisschen schief und das Seitenteil musste ich drei mal wieder etwas zu Recht hämmern, aber das musste ich beim Box nach jeder Skatesession. Ich traute mich wieder Sachen, die ich vorher gelassen hab, auch vor Veranstaltungen und mein SeanCo lies mich nicht im Stich. Ok, ein paar Spinergy Räder habe ich geschrottet, aber das nur, weil ich nun einen Stuhl habe, der mich wieder auf ein neues Level gehoben hat. Der nächste Stallwechsel steht noch nicht an – bei den Rädern vielleicht, aber da habe ich leider noch keine passende Alternative gefunden.

Am Ende bleibt zu sagen, dass ich vor allem Mario und Jaqueline von TNS, sowie Mike und Troy von Box Wheelchairs zu großem Dank verpflichtet bin, denn sie haben mich da unterstützt, wo ich sonst nicht allein weiter gekommen wär! #wcmxfamily

SeanCo Webseite: http://www.seancowheelchairs.com

Mike Box Webseite: https://www.boxwheelchairs.com

TNS Webseite: http://www.tnsrijen.nl

/David

Vlog vs. Blog

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Soll ich mich jetzt schon wieder entschuldigen oder raus reden, warum hier momentan so wenig passiert? Nein, ich denke nicht, dass ich mich entschuldigen muss und wenn dann nur dafür, dass ich es versäumt hab unsere neuen Video Blogs hier mit euch zu teilen!

Wie schon im letzten Beitrag geschrieben, sind wir mit unserem neuen Projekt sit ‘n‘ skate beschäftigt und das beinhaltet auch einen neuen Video Kanal, den wir nun vorerst für alle Video Projekte nutzen werden. Das heißt ein oder mehrere Blicke darauf von Zeit zu Zeit lohnt sich auf jeden Fall. Weiterhin gelobe ich Besserung, dass ich von nun auch die Videos hier mit euch teilen werde.

Unser neues Logo
Unser neues Logo

Dieser Blog ist auch eigentlich nur entstanden, weil wir uns „damals“, als wir damit begonnen haben, noch nicht in der Lage fühlten regelmäßig Videos zu schneiden und hochzuladen. Daher dachten wir uns, dass wir all die Themen eben hier niederschreiben, um sie außerhalb der sozialen Netzwerke findbar zu machen. Eigentlich wollen wir alles nun unter dem Logo von sit ‘n‘ skate laufen lassen, aber diesen Blog wollen wir weder einstampfen, noch ändern. Er bleibt euch erhalten, nun muss ich es nur noch schaffen, ihn weiter mit Leben zu füllen.

Fürs erste, checkt unseren neuen Youtube Kanal und schaut euch um. Natürlich würden wir uns auch freuen, wenn ihr uns dort auch abonniert.

www.youtube.com/c/sitnskate

#nichtmeingesetz

Ich hab mich eigentlich nie großartig für Politik interessiert. Ich war zwar immer wählen, aber so richtig beschäftigt und auseinander gesetzt hatte ich mich damit nie. Nun, irgendwie habe ich mich auch nie so richtig davon betroffen gefühlt.

Nach meinem Unfall war das nicht viel anders. Ich musste mich zwar zum ersten mal mit Gesetzestexten rumschlagen um meine Widerspruchsschreiben bei der Krankenkasse zu würzen, aber sonst interessierte es mich immer noch sehr wenig. Zu den Wahlen flammte es dann ab und an etwas auf, aber auch schnell wieder ab. Denn in keiner Partei fühle ich mich wirklich gut aufgehoben, weder früher, noch heute. Bei der Wahl galt für mich immer irgendein geringes Übel, mit den besten Sprüchen oder den blumigsten Aussichten, die es aber eh nicht schafften.

Dann war ich das erste mal in der USA und seit 2012 dann jedes Jahr. Ich war erstaunt über die drastischen Unterschiede zu Deutschland. So viel Barrierefreiheit und überall Behindertentoiletten, völlig selbstverständlich. Hohe Bußgelder für das unberechtigte Parken auf Behindertenparkplätze, viele Abschleppwagen, die das auch durchsetzten und Busse, Züge und Taxis, die ohne jegliches zögern alles möglich machten, damit du ans Ziel kommst. Alles völlig selbstverständlich oder? Aber das war und ist es in Deutschland leider nicht.

Ich erfuhr vom Teilhabegesetz der USA: Americans with Disability Act oder kurz ADA. Jeder kannte es, nutze es und es war offensichtlich, dass diese Regelungen ein Grund sind, dass Teilhabe dort so selbstverständlich ist.

Dann gab es endlich Pläne auch in Deutschland ein Teilhabegesetz zu verabschieden. Das freute mich, denn ich erhoffte mir ja eine ähnliche Entwicklung. Doch nun wird das Bundesteilhabegesetz kaum Ähnlichkeiten mit dem der USA haben. Auch nicht, wenn man das Behindertengleichstellungsgesetz hinzu zieht. Es werden keine Regelungen getroffen, dass Arztpraxen, Boutiquen, Imbissläden, Restaurants oder andere private Unternehmen barrierefrei sein müssen. Nicht mal der Versuch einer Regelung, dass diese es versuchen müssen, wenn die Durchführung super einfach ist. Beim ADA wird dies klar geregelt, es gibt auch dort Ausnahmen, aber eben mit klaren Regeln!

Weiter fehlt mir im Bundesteilhabegesetz eine Verbesserung des ÖPNV, der Bahn, Reisebusse und anderen Beförderungsunternehmungen. Auch das findet im ADA deutlich mehr Beachtung. Nicht falsch verstehen, nach wie vor gibt es die Möglichkeit den Nahverkehr mit Wertmarke zu nutzen, es gibt Kostenerstattungen und Vergünstigungen. Aber was bringt mir das, wenn die Bahnhöfe, Züge und Busse nicht ausreichend Platz bieten bzw. nicht barrierefrei ausgebaut sind?

Ich gebe zu, dass die Punkte, die mich direkt berühren vergleichsweise gering erscheinen, wenn man sich die Kritik anschaut, die von vielen Menschen und Verbänden im Internet und auf Demonstrationen in Richtung des Ministeriums für Arbeit und Soziales und des Bundestags gesendet wird.

Doch dann machten wir etwas, dass ich mir wohl nie hätte vorstellen können: Lisa und ich guckten uns Bundestagssitzungen und eine Fragestunde an. In voller Länge und aufmerksam. Wir waren wirklich sehr interessiert und es freute uns, dass die Opposition die Kritik ehrlich und unverfälscht in den Bundestag brachte. Was uns dann schockierte, war der Umgang damit bei den Regierungsparteien. Die Debatten kann man sich auf bundestag.de Eine Kurzform gibt es hier (etwas zurecht geschnitten 😉 ) https://www.youtube.com/watch?v=q-7JZTD1GTQ

Die Antworten der SPD und CDU waren keine echten Antworten. Sie versteckten sich hinter den immer gleichen Ausreden und konterten mit sich wiederholenden Fakten. 700 Millionen werden in die Hand genommen und trotzdem 5 Milliarden Entlastung der Kommunen… Toll, aber das war nicht die Frage! Und immer wieder diese Selbstbeweihräucherung: „Es ist ein gutes Gesetz.“ Dabei hat es anscheinend nur einen tollen Namen für ein Gesetz, dass die Chance gehabt hätte, echt gut zu sein. Eine weitere oft wiederholte Phrase war: „Es wird für viele Menschen Verbesserungen geben.“ – aber was ist das für eine Aussage auf eine konkret gestellte Frage? Als ob ich im Supermarkt frage, warum es keine Äpfel mehr gibt und mir nur geantwortet wird: „Es wird für viele Menschen Bananen geben“. Aber warum ich keine Äpfel bekomme, bleibt offen.

Ja ich weiß, der Obstvergleich ist madig und ist auch nicht mein bester Spruch, aber alles in allem war ich einfach tierisch geschockt, dass offenbar keiner auf die Kritik eingehen möchte. Es soll so durchgedrückt werden. Kritiker werden ignoriert oder angeschrien. Denn nicht nur, dass die Antworten von SPD und CDU keine echten Antworten enthielten, sie waren oft auch noch rotzfrech. Jetzt sagt der ein oder andere, dass das immer so sei zwischen Regierung und Opposition, aber für mich war es, als ob sie mir direkt ins Gesicht spucken. Denn es war ja die Kritik von mir und anderen vom Gesetz betroffenen Menschen. Hätten die mir also genauso geantwortet?

Und dann wird eine Werbekampagne gefahren, die allen vermitteln soll, dass alles gut wird. Beschäftigt euch nicht damit, lest es euch nicht durch, glaubt einfach diesem Plakat. Zum Glück haben engagierte Leute, wie Raul Krauthausen oder Constantin Grosch, zusammen mit Vereinen wie Mobil mit Behinderung und vielen anderen einen Gegenentwurf gestartet. Dieser Gegenentwurf enthält deutlich mehr Wahrheit.

Politik ist für mich nach wie vor Neuland, aber ich möchte, dass die Regelungen für die Teilhabe behinderter Menschen auch ein gutes Gesetz bekommen. Deswegen bitte ich euch, kommt am 7. November zur Demonstration nach Berlin ans Brandenburger Tor, schreibt euren kommunalen Politikern, euren MdLs und konfrontiert sie mit der Kritik, seid laut und lasst euch nicht verarschen. Auch wenn für den ein oder anderen unter euch Politik auch noch Fremdland ist, hier geht es um etwas, dass schon längst selbstverständlich sein sollte!

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Für mehr Informationen schaut nach Hashtags #nichtmeingesetz #BTHG #Bundesteilhabegesetz

Weitere Kampagnen und Informationen findet ihr unter anderem hier: http://nichtmeingesetz.de

 

/David

 

Rollstuhlfahrer = Lügner

Wieder mal am Flughafen Düsseldorf, wieder mal haben wir den Rollstuhl erst am Gepäckband bekommen und wieder mal mussten wir uns fühlen wie Bittsteller, die einen total überdimensionierten Service fordern.

Auch wenn uns dieses mal keine Prügel angedroht wurde, so bleibt dieser fade Beigeschmack. Denn wie kann es sein, dass wir jedes mal bezichtigt werden, etwas total exklusives zu fordern? Eine Flugbegleiterin von AirBerlin meinte, als sie das Thema aufgeschnappt hatte, dass nirgendwo die Rollstühle zum Gate gebracht werden. Darauf hin sagte ich, dass dies nicht richtig sei und zählte eine (meiner Meinung nach mittlerweile recht imposante) Liste an Flughäfen auf, an den das problemlos klappt. Dennoch sagte sie dazu: Nein, das stimmt nicht!

Was soll das? Warum sollen wir denn so einen Spaß daran haben irgendwelche Lügen zu erzählen??? Sind wir als Rollstuhlfahrer nicht glaubhaft? Irgendwo weiter vorne habe ich noch ein „jaja das erzählen die immer“ aufgeschnappt, weiß aber nicht den Kontext dazu, aber es würde hier super reinpassen und ich unterstelle einfach mal, dass es auch um dieses Thema ging. Dann frage ich mich aber, warum die immer noch denken, dass wir Scheiße erzählen, anstatt sich mal zu fragen, ob da nicht doch was dran ist!?

Auf dem Hinflug hat alles super funktioniert, auch in Düsseldorf. Keine dummen Fragen, kein Geeier, Rolli bis zum Gate, Sitze nebeneinander, in Stockholm Rolli zum Gate… alles super! Aber auf dem Weg zurück wieder die alte Leier… dieses mal werden wir auch eine Beschwerde an den Flughafen selbst schreiben, ob es was bringt, mag ich noch bezweifeln.

Wer dies auch tun möchte, kann seine Meinung hier dem Flughafen DUS geigen: https://www.dus.com/de-de/kontakt/feedback

/David

Scheiß Faule Krüppel

Was ist los in diesem paralympischen Sportjahr? Gefühlt wurden die Hälfte aller Sportveranstaltungen wegen zu weniger Anmeldungen abgesagt oder mit nur halber Besetzung durchgezogen. Auch unsere Skateworkshops haben deutlich geringere Teilnehmerzahlen als die Jahre zuvor. Nun könnte man behaupten der Boom sei vorbei, aber es geht ja auch dem Wassersportcamp, Kanu oder anderen Sportarten nicht anders. Dabei sind dieses Jahr doch Paralympics und alle müssten doch im Sportfieber sein…

Was ist los mit den Rollifahrern? Alle kacke faul? Haben alle schon alles ausprobiert? Sieht keiner mehr hin bei der Flut an Facebook Veranstaltungseinladungen?

Böse Zungen könnten jetzt behaupten die Behinderten ziehen sich zurück in ihre dunklen Kammern. Genug von Inklusion und Öffentlichkeit? Nein, ich denke nicht! Vielleicht sind sie auch einfach nur gegen das nicht ausreichende Teilhabegesetz demonstrieren oder anderweitig politisch aktiv. Aber so viel man auch nach Erklärungen suchen mag, es ist traurig, dass so viele tolle Sportveranstaltungen abgesagt werden müssen. Sportveranstaltungen, die mit viel ehrenamtlichen Aufwand und Herzblut geplant und organisiert werden, was dann alles umsonst war.

Ich hätte eigentlich nur einen Wunsch für die nächsten Wochen: Dass die Paralympics wieder das Feuer entfachen, die Sportlerherzen wieder zu schlagen beginnen und die Rollifahrer wieder auf die Sportkurse strömen, ob nun paralympischer Sport oder nicht. Nutzt die Angebote und probiert alles aus – YOLO und so!

In diesem Sinne: Sport frei und viel Spaß bei den Paralympics und eigenen sportlichen Aktivitäten!

nur noch faul am rumliegen...
nur noch faul am rumliegen…

PS: Wer die Überschrift zu derb findet, sollte sich diesen Link nicht anschauen: http://reportage.wdr.de/echtwir#19573

/David

Gedanken über…Sprache

Ich bin bei einer Diskussion auf Facebook mal wieder auf meinen Sprachgebrauch aufmerksam gemacht worden. Ich wurde dafür kritisiert, dass ich geistig Behinderte „Geistis“ genannt hab und das ich Blinde als Baustelle bezeichnet habe. Letzteres ist nicht so ganz korrekt, denn Sprache funktioniert ja auch oft nur im Kontext. Ich würde ja keinen Menschen als Baustelle bezeichnen. Viel mehr ging es um Aufgabengebiete, die ich Baustellen genannt habe. So sehe ich es als meine Baustelle u.a. gehbehinderte Menschen zu mobilisieren und zu motivieren, aber für blinde Menschen kann ich da nicht so viel tun, weil ich davon halt keine Ahnung habe und ich es auch nicht als meine Aufgabe sehe oder gar als meine Pflicht.

Nun kann man sich natürlich streiten, ob man bestimmte Bezeichnungen verniedlichen darf. Der eine mag es, der andere nicht und ich sage, es kommt auf den Kontext an und eben wer die Sprache anwendet und wo. Rolli, GehBehs, Spasti, Behindi… in meinem täglichen Sprachgebrauch sind das durchaus Worte, die ich oft und gern gebrauche und wenn sich da jemand von angegriffen fühlt, kann ich nur sagen: Nimm den Stock ausm Arsch! Natürlich würde ich diese Verniedlichungen nicht unbedingt überall als angemessen sehen und dort wo sachliche und fachliche Inhalte geschrieben stehen, wie z.B. in der Presse oder anderen Medien, achte ich sehr darauf, dass eine korrekte und angemessene Ausdrucksweise verwendet wird. Bei Interviews verweise ich auch gern auf Leidmedien.de.

In einem persönlicheren Umfeld nennen „wir uns“ auch gegenseitig Spasti oder Krüppel und wissen, dass das alles andere als böse gemeint ist. Auch hier kommt es wieder auf Kontext, wer, wie, wo und warum an. Generell muss ich aber dennoch sagen, dass ich nicht jeden berichtigen muss und mich auch nicht sofort bei jedem Scheiß beleidigt fühlen muss – schon gar nicht bei einer Verniedlichung. Ich mach mich auch gern lustig darüber, wenn der Busfahrer mal wieder fragt, wo denn die Rollstühle raus wollen, aber mehr als einen blöden Spruch gibt es dann auch nicht. Natürlich will der Mensch auch mit aussteigen in aller Regel, aber durch den Kontext ist das zum Glück relativ klar. Bei dem Spruch „…an den Rollstuhl gefesselt…“ bekommt derjenige auch einfach einen blöden Spruch gedrückt, nur selten belehre ich hier immer sofort, außer es ist ein Journalist oder andere, die mit Worten arbeiten und ein öffentliches Bild formen können/sollen. Oder ich habe viel Zeit, dann erkläre ich natürlich auch gern was daran blöd ist und warum man es anders ausdrücken sollte.

Auch der behinderte Mensch, im allgemeinen oft Behinderter genannt, ist eine Ausdrucksweise, die für mich in offizielle Schreiben / Reden gehört. Aber in der Umgangssprache finde ich es nicht schlimm jemanden einfach behindert oder Behinderten zu nennen. Auch hier gilt wieder, wenn ich viel Zeit habe oder mein Gegenüber jemand ist, der das verstehen sollte, erkläre ich mich oder verweise auf Leidmedien.de.

Wenn wir bei jedem Scheiß immer gleich auf Political Correctness pochen, wenn wir bei jedem kleinen Fehler immer berichtigen, erreichen wir die Leute noch viel weniger, weil sie einfach nur genervt sind und wir bauen Ängste auf, die wir eigentlich abbauen wollen. Wenn Leute schon Angst haben mit uns zu sprechen, weil sie Angst haben in Fettnäppfchen zu treten „oh darf ich überhaupt treten sagen?“, dann erreichen wir oft das Gegenteil von dem was wir eigentlich erreichen wollen. Denn Begegnungen und unkompliziertes, einfach normales Miteinander, inklusiv und bunt, das sehe ich sehr wohl als meine Baustelle. Dazu müssen wir aber auch ein unkompliziertes miteinander ermöglichen und dürfen das nicht unnötig erschweren, nur weil wir immer gleich auf politisch Korrekte Ausdrucksweise bestehen. Das ist nicht mein Bier!

Oh du trinkst gar kein Alkohol? War das jetzt unangemessen? Es gibt halt gewisse Floskeln im Sprachgebrauch, die erst nach und nach verschwinden, mal wieder auftauchen und auch wieder verschwinden. Natürlich kann und muss man das ein bisschen steuern, aber man sollte da nicht ein Sprach oder Behindertennazi werden und alle gleich verurteilen und unter Generalverdacht stellen, nur weil die dich „an den Rolli gefesselt“ genannt haben. Ich mag auch einen alten Spitznamen von mir nicht so ganz weil der so niedlich klang: „Busi“ haben mich die Mädels oft genannt, einige tun es immer noch. Dennoch mach ich die nicht blöde an und sage: „Das heißt Lebbe!“

/David

PS: Mit Spastiklatschen meinen wir z.B. das klatschen bei großer Freude von Leuten mit CP und keine gewaltverherrlichenden Aktionen!

blablabla

Gedanken zu… Filme und Behinderung #LiveBoldly

Es wird momentan viel diskutiert. Das ist nichts neues, auch das Thema ist nicht neu. Filme zum Thema Behinderung und deren Darstellung darin. Auch gern diskutiert die Darsteller, meistens selbst ohne Behinderung. Grund für die Diskussion ist der Hollywood Film zum Buch „Ein ganzes halbes Jahr“ in dem es um einen Querschnittgelähmten reichen Typen geht, der sich in seine Pflege verliebt und trotzdem lieber sterben will. Nachdem sich der Anfang der Handlung liest wie bei „Ziemlich beste Freunde“ wird schnell klar, dass diese Handlung anders ist. Der Wunsch zu sterben, weil man zu behindert ist und so nicht leben kann… ich denke wir denken da anders drüber. Nun kenn ich weder Film noch Buch, habe nur ein wenig die Diskussion verfolgt. Deswegen möchte ich zum Thema ein paar Gedanken und Beispiele finden.

Gute Beispiele aus der näheren Vergangenheit für Filme mit dem Thema Behinderung sind „Ziemlich beste Freunde“ und „Vielen Dank für nichts“. Letzterer vor allem auch, weil er für den Diskussionspunkt der Besetzung Maßstäbe setzt. Der Hauptdarsteller des Films erleidet eine Querschnittlähmung durch einen Unfall. Der Schauspieler ist im wahren Leben nicht behindert. Bevor jetzt alle aufschreiben, muss ich aber sagen, dass er seine Rolle als frisch Verletzter Neurollifahrer super spielt. Er hat sich offenbar mit dem Thema befasst und auch das Rollstuhlfahren gelernt. Weiterhin spielen in weiteren Hauptrollen auch zwei Typen mit CP mit (rein aus dem Erinnerungsprotokoll meines Kopfes). Diese machen eine ebenso gute Figur in ihren Rollen und das Trio passt perfekt in den Film. Nun ist dieser Film natürlich nicht zu vergleichen mit der traurigen Geschichte des neuen Hollywood Dramas. Aber er zeigt, dass es nicht allein darauf ankommt, dass ein Schauspieler behindert sein muss um einen behinderten Menschen gut zu spielen.

Ein guter Schauspieler sollte sich aber mit seiner Rolle auseinander setzen und dafür arbeiten diese gut zu spielen. In einer ARD Serie „Rote Rosen“ hatte der Schauspieler Niklas Osterloh sogar an einem meiner Skateworkshops teilgenommen, mehrere intensive Rollstuhltrainingsstunden genommen und sich für längere Zeit an den Rollstuhl gewohnt. Er hat außerdem Gespräche mit verschiedenen Querschnittgelähmten geführt und am Ende hat sowohl er, als auch die Redaktion dahinter gezeigt, dass man dieses Thema durchaus angehen kann. Vor allem in so einer Serie kann ja der Schauspieler nicht einfach wechseln, nur weil er in der Story nun im Rollstuhl sitzt. Es war also besser, dass der Schauspieler sich auf seine Rolle vorbereitet, als dass sich nun ein Schauspieler im Rollstuhl in seine Rolle einpassen muss.

Dennoch ist es wohl oft so, dass Schauspieler im Rollstuhl einfach nicht gefragt werden. Dass es sie gibt und das sie gut sind, zeigt Teal Shearer. Was habe ich die erste Staffel ihrer Websoap „My Gimpy Life“ geliebt. Ok, das war ihr Ding, quasi ihr Leben in lustig aufgearbeitet – Realsatire quasi. Im Enddefekt fänd ich es gut, wenn öfter Schauspieler mit Behinderung Rollen spielen würden. Aber ich finde es gibt plausible Gründe warum eine Rolle auch nicht mit eben so einem äußerlich gut passenden Schauspieler zu besetzen ist.

Wenn die Rolle in der Geschichte auch Ausschnitte aus seinem nicht behinderten Leben (also zB vor dem Unfall ) zeigt oder wenn es eben mitten in der Story passiert, wie bei der Serie zB. Aber natürlich kann es auch einfach sein, dass der Schauspieler einfach nicht passt. Nicht für die Rolle oder nicht ins Team, denn auch das ist ja menschlich und normal. Es kann einfach vorkommen, dass von 10 möglichen Schauspielern nur einer für die Rolle passt. Man wählt ja sicher nicht nur nach Äußerlichkeiten aus, sondern auch nach Können, nach Qualität, Sympathie und vieles mehr.

Soviel zu meinen Gedanken dazu. Vielleicht schaue ich diesen traurigen Film ja mal und schreib dazu auch nochmal was, aber ich glaube nicht. Nicht weil ich ohnehin denke, dass die Story schlecht umgesetzt und an der Realität vorbei geschrieben ist. Nein, viel mehr weil ich solche Filme einfach nicht mag.

In diesem Sinne, schaut euch Vielen Dank für nichts an und nein ich gucke „Rote Rosen“ nicht (mehr) 😉 Aber ich habe mir einige Folgen angeschaut und muss sagen, das Thema wurde super angegangen und selbst ich hatte nichts zu meckern… naja ok, es hätte ein anderer Rolli sein können, aber hey man kann ja nicht alles haben.

Jetz is aber gut! Ende!

/David

Vom Film Vielen Dank für Nichts - Quelle: www.vielendankfuernichts-film.de
Vom Film Vielen Dank für Nichts – Quelle: http://www.vielendankfuernichts-film.de