Archiv der Kategorie: Allgemein

Materialverachtung 2.0

Der Heavy Beauty WCMX Wheelchair von SeanCo in Aktion - Foto: Steffie Wunderl

Der Heavy Beauty WCMX Wheelchair von SeanCo in Aktion – Foto: Steffie Wunderl

Vor einiger Zeit schrieb ich über die Rollstühle und das Equipment, dass ich schon so zerstört habe. Seit dem ist einiges passiert, vor allem auch wieder einiges kaputt gegangen. Der SeanCo WCMX Rollstuhl ist noch ein echtes Original von Sean Mahaney, der leider viel zu früh von dieser Welt gegangen ist. Sean sagte immer ich solle alles versuchen, den Stuhl nicht schonen und ihn versuchen kaputt zu kriegen. Nun ja ich habe alles gegeben und ich habe immerhin 11 Monate gebraucht bis er das erste mal geschweißt werden musste und nun skate ich mit dem Stuhl seit fast 2 einhalb Jahren. Mittlerweile ist er aber mehr in Notoperationen in der molab Werkstatt als mit mir im Skatepark.

Das letzte Jahr war ein Riesensprung für mich und die europäische WCMX Szene. Endlich hat auch Europa eine Competition und man muss nicht immer in die USA fliegen um sich zu messen. Für mich war es großartig endlich den Handplant zu stehen, dessen Versuche meinem Skaterahmen aber auch den Rest gegeben haben. Fehlversuche, die wie ein Hammer auf Castorbuchsen und Frontrahmen eingewirkt haben, weswegen meine Castorbuchsen nun aussehen wie Bananen. Das Aluminium ist weich geworden, sehr dünn an einigen Stellen und die nächste Notoperation steht an. Es werden neue Castorbuchsen eingeschweißt in der Hoffnung, dass der Stuhl noch eine Weile fahrbar bleibt.

Er ist aber schon jetzt der Stuhl, der es am längsten mit mir ausgehalten haben! Und das will was heißen, denn ich habe bisher nie einen Skatestuhle viel länger als ein Jahr behalten können.

In meinem letzten Text zu dem Thema sprach ich auch von dem Verschleiß an teuren Spinergy Rädern, was mich davon abgehalten hatte weiter am Handplant zu üben. Kurz darauf bekam ich von molab die Unterstützung, die mir gefehlt hat. Nun repariert Thorsten und seine Crew nicht nur ständig meinen Skatestuhl, sondern versorgt mich auch mit Rädern. Großer Dank an dieser Stelle!

Der Handplant ist gestanden, es gibt Deutsche WCMX Meisterschaften und die World Championships kommen 2019 nach Deutschland. Es steht großes an, Zeit auch beim Material ein neues Kapitel aufzuschlagen. Lisa hat nun schon seit zwei Jahren einen Jumper WCMX Pro Rollstuhl und nun soll auch ich einen bekommen. Ich bin gespannt wie lange es dieser Stuhl mit mir aushalten wird und was ich in der Zeit alles schaffen werde!

Sean Mahaney bei der Auslieferung meines Heavy Beauty WCMX Rollstuhls

RIP Sean, we miss you! – Sean Mahaney bei der Auslieferung meines Heavy Beauty WCMX Rollstuhls

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Rolli Skate Kids

Amos und Max nach der Siegerehrung der 1. German WCMX Championships - Foto: DRS|Mandau

Amos und Max nach der Siegerehrung der 1. German WCMX Championships – Foto: DRS|Mandau

Dieser Beitrag wurde bereits in der Rollikids Ausgabe des DRS Verbandsmagazins „Sport und Mobilität“ abgedruckt. Nun auch hier für euch verfügbar.

Bei den 1. International WCMX Championships wurden Meistertitel und Medaillen in verschiedenen Kategorien verliehen – aber unabhängig von der Platzierung waren die Rollikids die Sieger der Herzen! Die jüngste Teilnehmerin war Aylin Bülbül aus Bielefeld. Mit ihren 5 Jahren, ihrem Elan und ihrem schrillen pinken Outfit verzauberte Sie Zuschauer und Starterfeld gleichermaßen. Aylin kam schon vor knapp 3 Jahren zum ersten mal zu einem von Davids Skateworkshops in Dortmund. Damals hatte sie sich immer hinter Muttis Bein versteckt, doch auch dort hatte sie schon große Lust sich im Skatepark auszuprobieren – wenn niemand guckt. Heute fahren Aylins Eltern zu vielen Veranstaltungen, wie WCMX Workshops, Skatepark Eröffnungen und nun auch Competitons um Aylins Talent zu fördern. Aktuell sammeln Sie auch Geld über eine Spendenaktion um Aylin auch einen wachstumsanpassbaren Skaterollstuhl anpassen zu lassen.

Doch nicht nur Aylin zeigte was die Rollikids im Skatepark so drauf haben. Auch Amos Donath aus Leipzig und Tom Brimacombe aus Potsdam drehten ihre Runden im Skatepark. Tom drehte Kreise im gesamten Skatepark und Amos fuhr selbstständig schon alle steilen Rampen alleine rauf und natürlich wieder runter. Man konnte richtig gut sehen, wie gut die Drei ihren Rollstuhl beherrschen. Hierbei hilft der Skatepark natürlich ungemein, denn für die Kids ist es eine Spielwiese in der sie ihre Grenzen austesten und ihre Fähigkeiten erweitern können – spielerisch.

Bei den etwas „älteren“ Rollikids gab es Spitzenplätze zu vermelden. Til Augustin gewann Gold bei den Beginnern und sicherte sich damit den Deutschen Meistertitel in dieser Kategorie – zweiter wurde dort Pierre Richter. Til und Pierre kommen aus Chemnitz und kennen sich vom Basketball. Nun treffen sie sich bestimmt des öfteren im Chemnitzer Skatepark. Wir hoffen auf jeden Fall auf ein Wiedersehen mit den Rollikids bei den Deutschen WCMX Meisterschaften 2019 oder sogar bei den WCMX World Championships am 31. August und 1. September 2019 in Köln.

Kaum zu erahnen was diese Rollikids in wenigen Jahren zeigen werden. Bleibt gespannt und verfolgt den Weg dieser jungen Athleten in dieser jungen Sportart.

Die ganze Crew - und Aylin mittendrin! - Foto: DRS|Mandau

Die ganze Crew – und Aylin mittendrin! – Foto: DRS|Mandau


10 Jahre Rolliläum

Vor 10 Jahren bin ich bei einer Geburtstagsparty angetrunken von einem Treppengeländer gepurzelt, den Treppenschacht hinunter gestürzt und mir dabei den Rücken gebrochen. Ziemlich schmerzhaft, ziemlich blöd und mit der Konsequenz einer Querschnittlähmung!

Die Diagnose – ein Schock! Ungewissheit, Trauer und Sorge waren die ersten Gefühle die ich hatte. Ich konnte die ersten Tage nur im Bett liegen, mich nicht alleine drehen und schon gar nicht aufstehen. Und was macht man dann? Man schaltet den Fernseher ein! Und Glück im Unglück liefen dort die Paralympics. Perfekt abgepasst, zeigte mir dieser schnelle und attraktive Sport doch eine Perspektive und gab mir neue Hoffnung.

Die ersten Tage fühlten sich dann eher so an, als ob man sich etwas gebrochen hat und man bald wieder nach Hause kommt und alles beim Alten ist. Doch so war es nicht und auch das wusste man ja irgendwie. Die ersten Wochen und Monate waren ein Mix aus Hoffnung, Fortschritten, neuen Perspektiven, aber auch Depressionen und Trauer. Als die Physiotherapeutin das erste mal den Rollstuhl ans Bett schob, war es eine Befreiung.  Endlich kam ich aus diesem Bett raus und konnte mich selbst bewegen. Der Rollstuhl, so viel war klar, ist hier nicht das Problem!

In der Reha war ich hochmotiviert mein neues Fortbewegungsmittel kennen zu lernen. Mein oberstes Ziel war aber wieder selbstständig zu werden. Ich wollte keine Hilfe brauchen! Sah ich eine Lücke im Therapieplan, habe ich sie füllen lassen, hatte ich Freizeit, war ich im Kraftraum, in der Sporthalle oder im Treppenhaus mit meinem Rollstuhl – Treppen fahren üben.

Ein Freund zeigte mir ein Video von Aaron Fotheringham und ich wusste, dass alles was ich über Rollstuhlfahrer zu wissen dachte, für’n Arsch ist. Vorurteile aus der Gesellschaft und den Medien, die nicht im Ansatz stimmten. Keine Pferdedecken, kein Gesabber, naja manchmal ein bisschen Gesabber… und vor allem keine Hilfe von irgendwelchen Schiebomaten!

Als ich gelernt hatte vom Boden wieder in den Rollstuhl zu kommen, was harte Arbeit war, fuhr ich sofort in den Skatepark. Schließlich konnte mich jetzt nichts mehr aufhalten. Als ich die Rampen sah, gab ich Gas. Ich fuhr auf die Quarter zu, fuhr hoch und fiel um. Alle BMXer sprangen auf und dachten wohl ich wollte mich umbringen oder so… Aber ich lag am Boden und war der Glücklichste Mensch der Welt!

WCMX, Hardcore Sitting, Chairskating, egal wie man es nennt oder genannt hat. Es war mein Anker, meine neue Hoffnung, meine Freiheit. Das Gefühl dort am Boden zu liegen, der Rollstuhl neben mir und zu wissen ich stehe wieder auf und probiere es nochmal, war berauschend. Ich versuchte es wieder und kam auch irgendwie wieder heil unten an. Seit dem besuchte ich den Skatepark regelmäßig. Anfangs waren es weniger Tricks, als einfach eine Spielwiese um meinen Rollstuhl noch besser beherrschen zu lernen.

Auch in der Stadt nutzte ich jede Gelegenheit, Treppen, Rampen, Kanten, Mauern, alles was potentiell nicht mit dem Rollstuhl bezwingbar war, war gerade Herausforderung genug. Wenn jemand sagte: „Da kommst du mit dem Rollstuhl nicht hoch/rein.“ Dann war das mein Startzeichen!

2012 flog ich das erste mal in die USA um mit anderen Rollstuhlskatern bei They Will Skate Again eine fette Session zu haben. Ich lernte in den 2 Tagen dort mehr als in den 4 Jahren zuvor! Nicht zuletzt deswegen wollte ich nun auch in Deutschland andere begeistern mit mir in den Skatepark zu kommen. Doch vielen Skatehallen war das noch zu heikel, Versicherung und so…

Auf einem Sommerfest der UKB Berlin lernte ich jemanden vom Deutschen Rollstuhl-Sportverband kennen. Er meinte wir sollten Skate Workshops organisieren und ich war Feuer und Flamme. Zusammen mit dem Hamburger Verein UTE e.V. gab es dann auch bald den ersten Skate Workshop für Rollstuhlfahrer in Hamburg.

Ich war zwar regelmäßig skaten und spielte auch Rollstulhbasketball, aber in Helsinki fand ich eine neue Spielwiese: Die Natur! Die Felsen, in der Eiszeit geformt, waren wunderbar um sie mit dem Rollstuhl zu bezwingen. Ich machte davon Videos und stellte sie auf Youtube und sie wurden gesehen! Sogar von jemanden, der mir daraufhin ein Jobangebot in Dortmund machte.

Nach meiner Zeit in Berlin, die eine Phase des „es kann jeden Tag vorbei sein“ Lebens war mit viel Party, Konzerten, Fast Live halt, war Dortmund nun viel ruhiger. Vor allem hatte ich eine feste Arbeit, einen geregelten Rhythmus und es kamen die Skateworkshops dazu. Ich fand also gleich mehrere neue Aufgaben. Aufgaben, die mich erfüllten und glücklich machten. Der Typ, der einen Treppenschacht runter gefallen ist, ist nun auf einmal Vorbild und Motivation für andere.

Bei einem dieser Skateworkshops lernte ich Lisa kennen. Sie war Teilnehmerin eines Skateworkshops in Kassel und, so berichten Augenzeugen, funkte es direkt sehr stark zwischen uns. Obwohl ich behaupte, den Workshop ganz professionell durchgeführt habe und niemanden besonders bevorzugt habe. Aber die Funken waren wohl hell und so trafen Lisa und ich uns schon am nächsten Tag wieder in der Dortmunder Skatehalle. Trotz der hellen Funken brauchten wir noch einige Skate Sessions, Kinobesuche und sogar einen Hamburgtrip um diese Funken endliche selbst zu erkennen.

Ein grünes neues Jahr! - Foto: Anna Spindelndreier

Ein grünes neues Jahr! – Foto: Anna Spindelndreier

In den folgenden Jahren gab es viele Skate Workshops und es entstand eine kleine Szene, mal aktiver und mal weniger, aber beständig wachsend. Medieninteresse begleitete die Anfangsphase, was die Nachfrage in enorme Höhen katapultierte. Das Problem war, dass ich mittlerweile fast jedes Wochenende unterwegs war und kaum noch Zeit hatte etwas anderes zu machen. Fast unbemerkt war ich dem Burnout nahe. Zum Glück fanden sich mittlerweile einige Skater, die Workshops übernehmen konnten, sodass ich mich etwas sortieren konnte.

In dieser Sortierung entstanden neue Projekte, wie z.B. sit’n’skate, was aber auch Schritt für Schritt passierte. Ich musste mich erst freiberuflich selbstständig machen, ein Filmprojekt starten und Teil eines gleichnamigen Fotobandes sein um das Offensichtliche zu sehen: SIT N SKATE!

Mittlerweile darf ich mich Deutscher WCMX Meister nennen, war Weltmeister, bin mehrfacher Bronzegewinner bei internationalen WCMX Competitions. Es gab die ersten WCMX Meisterschaften in Deutschland, ich bereise mit Lisa die Welt, wohne in Hamburg und habe einen Job und Aufgaben für die ich gerne aufstehe.

1. International German WCMX Championships 2018 Foto: Michler/Mandau

1. International German WCMX Championships 2018 Foto: Michler/Mandau/DRS

Als ich vor 10 Jahren die Diagnose bekam, war das alles nicht vorherzusehen. Es war schlicht unmöglich mit dem Rollstuhl skaten zu gehen oder die Welt zu bereisen. Es war unvorstellbar, dass dieses Häufchen Elend in dem Krankenhausbett ein Vorbild und Motivator für andere sein könne. Aber mit kleinen Zielen und den damit verbundenen Erfolgserlebnissen konnte ich das Unmögliche möglich machen und schaffe heute Sachen, die ich vorher für nicht möglich gehalten habe!

Auch heute ist es unvorstellbar was in den nächsten 10 Jahren passiert, aber dieses mal bin ich mir sicher, dass wir in 10 Jahren wieder auf tolle Erinnerungen, große Erfolge und viele Meilensteine zurück blicken können. In diesem Sinne: Auf die nächsten 10 Jahre und die beginnen heute mit einem Roadtrip Richtung Süden… Stay tuned!


Materialverachtung!

Seit nunmehr sieben Jahren schrotte ich leidenschaftlich Rollstühle. Naja eigentlich ist das nur ein teures Nebenprodukt meiner Leidenschaft. Denn die mittlerweile fünf Rollstühle, die ich durch das skaten zu Grunde gerichtet habe, waren teilweise aus eigener Tasche bezahlt, nur zum Teil gesponsert.

Foto: Robert Loeung

Foto: Robert Loeung

Mein erster Kassenstuhl war ein Sopur Argon und somit leichte Beute, um den zu zerstören brauchte ich eigentlich keinen Skatepark, aber es hat halt mehr Spaß gemacht. Daraufhin kaufte ich mir einen Colours Boing, weil Wheelz ja für den Werbung machte damals und so dachte ich, dass der dann einiges aushalten muss. Nunja, hat er nicht. Ständig war irgend ein Teil gebrochen, ausgeschlagen oder verbogen. Das lag daran, dass Aaron damals schon einen von Mike Box (hat damals bei Colours gearbeitet(sein Bruder hat Colours gegründet)) Skatestuhl hatte und nicht das Serienmodell, für das er Werbung gemacht hat. Nur erkannte ich das als Laie nicht.

Mit TNS konnte ich erst so richtig loslegen!

Mit TNS konnte ich erst so richtig loslegen!

Ich war an einem Punkt, an dem ich mir mein Hobby nicht mehr leisten konnte. Doch dank einiger Videos, die ich bis dahin schon auf Youtube gestellt hatte, erkannte TNS aus den Niederlanden meine Begabung als Crahs äääh Testfahrer. Bei TNS habe ich den Coulour gekauft, weil es keinen deutschen Vertrieb gab. Sie bauten damals gerade an ihrem rsX (real suspension experience) und der war exakt das, was ich zu diesem Zeitpunkt gebraucht hatte. Mit diesem Stuhl konnte ich meinen Sport weiter machen und ich wurde besser. Ich fand aber auch Schwachstellen, die aber dann dank der Vereinbarung von TNS repariert und verbessert wurden.

Eigentlich war das eine perfekte Zusammenarbeit und ein super Deal, doch als ich die Chance auf einen Mike Box WCMX Stuhl (mittlerweile baute er eigene Stühle) wechselte ich quasi den Stall. TNS hat das eingesehen, haben sie nie behauptet, dass der rsX ein WCMX Rollstuhl wäre. Außerdem verkaufen sie auch Mike Box Stühle. Jedenfalls hat auch der Box Stuhl einen unglaublichen Boost gegeben, denn er war wieder exakt das, was ich gebraucht habe. Ich konnte mich wieder verbessern ohne ständig Angst zu haben das bricht. Nur leider blieb das nicht lange so. Schon wenige Monate später war der erste Termin beim Schweißer, dann der zweite, dritte… und so ging es weiter.

Mike Box sponserte mir einen Stuhl Foto: Anna Spindelndreier

Mike Box sponserte mir 2015 einen Stuhl Foto: Anna Spindelndreier

Aufgrund der Probleme und weil ich immer besser wurde, bekam ich von Mike einen weiteren Rollstuhl gesponsert. Dank Mike konnte ich wieder voll loslegen. Mittlerweile schreiben wir das Jahr 2015. Ich habe also bereits angefangen Workshops zu geben und war viel unterwegs. Ich war eigentlich nie krank oder musste eine Veranstaltung absagen. Doch hatte ich immer eine riesige Angst, dass ich was kaputt mache vor einer Veranstaltung. Also hielt ich mich immer mehr zurück (das war schon nach meinem Armbruch 😉 ). Ich wurde zwar immer noch besser oder man könnte sagen routinierter, doch die großen Sprünge traute ich mich nicht mehr. Zu groß war die Angst, dass ich den Stuhl kaputt machen und die Veranstaltung absagen müsste.

Seit 2014 habe ich mir vorgenommen den Handplant zu lernen. Ich kann ihn immer noch nicht. Jedes mal wenn ich mich bereit fühlte, machte ich was kaputt, vor allem Räder und die bekam ich leider noch nie gesponsert. Bei den World Championships 2016 machte ich dann den gerade ein Jahr alten Box Stuhl zum Totalschaden: Rahmenbruch – und zwar richtig! Ich hatte meinen alten aber wieder zusammen geschweißt und konnte weiter machen. Mike bot mir auch einen neuen Stuhl an, also eigentlich alles gut, doch nach der USA Reise schwor ich mir, mich nicht mehr zurück zu halten. In den USA hatte ich das auch nicht und es tat gut wieder so volles Rohr zu skaten.

Es kam, wie es kommen musste: Mitten bei einem bezahlten Auftritt in Dänemark brach der Stuhl. Ich musste also mit Hilfe meines Auftraggebers einen Schweißer in Kopenhagen finden, der mal eben einen Rollstuhl an einer empfindlichen Stelle zusammen schweißen konnte. Wir schafften es und es konnte weiter gehen. Wenige Monate später, luden die Dänen zum Roskilde Festival ein. Diesmal brach der Stuhl erst nach der Show und ich konnte die Reise mit meinem eigenen Leihrolli (der gute alte rsX von TNS) fortsetzen. Schon seit der ersten Misere in Dänemark spielte ich mit dem Gedanken wieder den Stall zu wechseln. Ich wollte nicht mehr ständig Angst haben, dass mein Rollstuhl bricht und doch wollte ich wieder frei von der Leber weg skaten. Hirn aus und so.

Ich entschied mich gegen den kostenlosen Rollstuhl von Mike und bestellte bei SeanCo. Die Investition war es mir wert, wenn er hielt was er versprach – und bisher hält er es! Schon beim Bestellvorgang war ich begeistert von Sean. Übrigens ist Sean kein unbekannter, er arbeitete früher bei Westcoast Customs und hat dort quasi Karosseriearbeiten für XZibit und seine Kunden gemacht. Dass er in die Rollstuhlbranche wechselte, lag an der Tochter seiner Frau. Trinity hat Spina Bifida und Sean fand, dass sie ein Gerät mit mehr Style verdient hatte.

Aber zurück zu meinem Rollstuhl. Sean fragte mich nach Maße, nach Informationen, Anekdoten, Problemen, er sog alles in sich auf, lernte mich kennen und verstehen, um mir einen Stuhl zu bauen, der mir gerecht wird. Seans Alleinstellungsmerkmal sind Custom Rollstühle, also wirklich Unikate auf den Nutzer zugeschnitten. Auch wenn er bei den WCMX Stühlen ein Grundkonzept hat, so wird er alles was du ihm sagst in den Stuhl irgendwie verarbeiten. So kam es, dass ich mein „Heavy Beauty“ bekam. Denn ich wollte einen Stuhl, der unzerstörbar ist, Gewicht egal.

Schon in den USA, wo ich den Stuhl abholte, versuchte ich alles aus mir herauszuholen. Denn wenn ich ihn hier kaputt machen würde, könnte er ja noch Verbesserungen vornehmen oder einen neuen bauen oder so. Aber obwohl ich alles versuchte und oft das Gefühl hatte: „Scheiße, jetzt ist wieder was kaputt oder verbogen“… nix…

Der SeanCo passt zu mir! Foto: Björn Lubetzki

Der SeanCo passt zu mir! Foto: Björn Lubetzki

Ich fahre den SeanCo nun seit 8 Monaten, unzählige male bin ich schief gelandet, nur auf der Seite, den Vorderrädern, nur auf einem Rad aus großer Höhe. Meine Alten Stühle hätte ich schon 100 mal verformt oder gebrochen – nicht so der SeanCo. Ich habe in den 8 Monaten nun einen einzigen Gabelbolzen verbogen, ein Rückenrohr ist ein bisschen schief und das Seitenteil musste ich drei mal wieder etwas zu Recht hämmern, aber das musste ich beim Box nach jeder Skatesession. Ich traute mich wieder Sachen, die ich vorher gelassen hab, auch vor Veranstaltungen und mein SeanCo lies mich nicht im Stich. Ok, ein paar Spinergy Räder habe ich geschrottet, aber das nur, weil ich nun einen Stuhl habe, der mich wieder auf ein neues Level gehoben hat. Der nächste Stallwechsel steht noch nicht an – bei den Rädern vielleicht, aber da habe ich leider noch keine passende Alternative gefunden.

Am Ende bleibt zu sagen, dass ich vor allem Mario und Jaqueline von TNS, sowie Mike und Troy von Box Wheelchairs zu großem Dank verpflichtet bin, denn sie haben mich da unterstützt, wo ich sonst nicht allein weiter gekommen wär! #wcmxfamily

SeanCo Webseite: http://www.seancowheelchairs.com

Mike Box Webseite: https://www.boxwheelchairs.com

TNS Webseite: http://www.tnsrijen.nl

/David


Vlog vs. Blog

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Soll ich mich jetzt schon wieder entschuldigen oder raus reden, warum hier momentan so wenig passiert? Nein, ich denke nicht, dass ich mich entschuldigen muss und wenn dann nur dafür, dass ich es versäumt hab unsere neuen Video Blogs hier mit euch zu teilen!

Wie schon im letzten Beitrag geschrieben, sind wir mit unserem neuen Projekt sit ‘n‘ skate beschäftigt und das beinhaltet auch einen neuen Video Kanal, den wir nun vorerst für alle Video Projekte nutzen werden. Das heißt ein oder mehrere Blicke darauf von Zeit zu Zeit lohnt sich auf jeden Fall. Weiterhin gelobe ich Besserung, dass ich von nun auch die Videos hier mit euch teilen werde.

Unser neues Logo

Unser neues Logo

Dieser Blog ist auch eigentlich nur entstanden, weil wir uns „damals“, als wir damit begonnen haben, noch nicht in der Lage fühlten regelmäßig Videos zu schneiden und hochzuladen. Daher dachten wir uns, dass wir all die Themen eben hier niederschreiben, um sie außerhalb der sozialen Netzwerke findbar zu machen. Eigentlich wollen wir alles nun unter dem Logo von sit ‘n‘ skate laufen lassen, aber diesen Blog wollen wir weder einstampfen, noch ändern. Er bleibt euch erhalten, nun muss ich es nur noch schaffen, ihn weiter mit Leben zu füllen.

Fürs erste, checkt unseren neuen Youtube Kanal und schaut euch um. Natürlich würden wir uns auch freuen, wenn ihr uns dort auch abonniert.

www.youtube.com/c/sitnskate


sit ’n‘ skate – Destroying Stereotypes

Fragt ihr euch auch warum hier manchmal ewig nix neues kommt? Sitzen die eigentlich nur rum? Haben die nix mehr zu berichten? Jein!

Ja, wir sitzen rum! 😉 Aber wir haben noch jede Menge vor, nur das unser neuestes Projekt jede Menge Zeit frisst gerade. Sitzen und Skaten ist ja ohnehin unser Motto, also haben wir nach dem tollen Fotobuch von Anna Spindelndreier uns nun auch ein passendes Logo gegeben und unter diesem Logo soll nun einiges passieren.

Abgesehen von der schon bestehenden Facebook Seite und dem Instagram Account, ist das vor allem einmal ein neuer Youtube Kanal. Ja, schon wieder ein neuer Kanal. Für alle die sich jetzt fragen, was das schon wieder soll, folgt hier eine kleine Erklärung.

Ich war mit meinem Kanal „David Lebuser“ auf dem ich seit 2009 WCMX Videos online gestellt habe nie so wirklich zufrieden, allein schon wegen dieser blöden URL, die ich mir ausgesucht hab zu einer Zeit, in der ich mich nie als Videomaker gesehen habe. Mit diesem Blog „The Wheel Rocking World of Lisa and David“, kam dann ein neuer Youtube Kanal, doch auch hier war die URL wegen des langen Namens nicht so wie gewünscht. Deswegen heißt nun dieser Blog auch nur noch „Lisa and David!, aber die URL vom Kanal lässt sich leider nicht mehr ändern . Da haben wir zu schnell geschossen. Mit dem neuen sit’n’skate Kanal wird es dann auch bald eine kürzere URL geben (sobald wir 100 Abonnenten haben – also los abonniert den Kanal 😉 ), außerdem einen einheitlichen Style mit unseren anderen Projekten.

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Der Grieche hat uns einen neuen Header gebastelt – vielen Dank!

Denn unter sit’n’skate wollen wir nicht nur online auftreten, sondern immer und überall. Ja, wir machen uns damit selbstständig! Egal, ob Skatetreff, Workshop, WCMX event oder Präsentation… ab jetzt heißen wir sit’n’skate! Und ob wir am Ende mehr coole Klamotten kreieren oder mit anderen Aktionen unsere Brötchen verdienen, werden wir sehen. Auf jeden Fall starten wir gerade eine erste Testreihe von DIY Shirts, Sticker und ähnlichem. Außerdem kreieren wir „Produkte“ mit denen wir auf den Markt wollen und so richtig Kohle scheffeln können –  nein Quatsch – natürlich haben wir auch hier das selbe Ziel, wie bei all unseren Aktionen: Wir wollen werben für Teilhabe, Inklusion und vor allem wollen wir diese blöden veralteten Stereotypen aus den Köpfen verdrängen!!!

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Warum wir dafür nun die Selbstständigkeit wählen, ist schnell erklärt. Mit all unseren ehrenamtlichen Engagements kommen wir nicht mehr hin. Weder zeitlich, noch finanziell. Wir sind hier am Limit, dabei wollen wir darüber hinaus noch viel mehr machen! WCMX muss bekannter werden, der Rollstuhl soll nicht nur als blödes Hilfsmittel gesehen werden und um die Masse zu erreichen, muss einfach noch viel mehr Zeit investiert werden. Wir wollen also nicht reich werden, sondern wir wollen versuchen davon zu leben und somit noch flexibler in unserem Engagement zu sein!

Ihr wollt uns dabei helfen? Die Gelegenheit kommt mit Sicherheit, aber jetzt helft ihr uns vor allem erst mal, indem ihr unsere Facebook Seite liked, unsere Inhalte teilt, auf Instagram folgt und unseren Youtube Kanal abonniert.

Vielen Dank schon mal und #staytuned –  da kommt noch einiges!

 

Cheers Lisa + David

 

 


Mein Artikel aus der taz.mit Behinderung

Die taz – Die Tageszeitung hat zum Tag der Menschen mit Behinderung eine Sonderausgabe in Zusammenarbeit mit Leidmedien.de und den Sozialhelden herausgebracht, in der viele Autoren mit Behinderung geschrieben haben. Ich kann nur jedem empfehlen die ganze Ausgabe zu lesen, da sehr viele interessante Artikel darin zu finden sind. Für alle, die die taz vom Freitag, dem 2. Dezember nicht gelesen haben, hier zumindest mein Text in ungekürzter Fassung.

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Foto: RBG Dortmund 51 e.V.

Wie zu Fuß, nur bergab deutlich schneller
Mobilität mit dem Rollstuhl – Warum das fahren lernen so wichtig ist
Text: David Lebuser

Mobilität ist in der heutigen Zeit enorm wichtig. Für uns ist es ganz normal, dass wir kurze Strecken zu Fuß, mittlere mit der Bahn und lange Strecken beispielsweise mit dem Auto fahren – oder mit dem Fahrrad. All das lernen wir in der Regel von klein auf, indem wir uns das von den anderen abschauen und es dann nachmachen. So lernen wir Menschen, wir ahmen nach, wir schauen uns etwas ab und halten das dann für normal. Doch was machen Kinder, die nie laufen lernen oder Menschen, die nicht mehr laufen können – wegen eines Unfalls, Krankheit oder Behinderung?

Meist wird Mobilität mit dem offensichtlich „Normalen“ in Verbindung gebracht, also wird erst mal das Laufen trainiert. Doch für Rollstuhlnutzer, selbst für welche, die noch laufen können, ist das oft nicht die effizienteste Methode. Wir sollten also zuerst lernen, mobil zu sein und dabei sollte nicht entscheidend sein wie man mobil ist, sondern dass man mobil ist.

Die Stärken stärken sollte im Vordergrund stehen und somit sollte man gehbehinderten Menschen, Kindern wie Erwachsenen, das Rollstuhlfahren beibringen. Wenn man selbstbestimmt in der Lage ist, seine Umgebung zu erreichen, dann wird man auch einfacher und motivierter weitere Ziele in Angriff nehmen können. Das kann dann Laufen lernen genauso sein, wie ein guter Schulabschluss oder der (Wieder-)Einstieg ins Berufsleben.

Vor allem Kinder schauen sich in ihrer Entwicklung vieles von den Eltern und anderen Menschen in ihrer Umgebung ab und brauchen daher ein gutes Rollstuhltraining, denn selten gibt es rollstuhlfahrende Vorbilder im engeren Bekanntenkreis. Sinnvoll ist es auch gelegentlich Sportangebote für Rollstuhlfahrer zu nutzen, damit die Kinder auf eine spielerische Art und Weise voneinander lernen können.

Rollstuhl- und Mobilitätskurse gibt es aber nicht nur für Kinder, denn auch Erwachsene, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind – sei es nun durch Unfall, Krankheit oder Behinderung – benötigen eine gute Einweisung in den Gebrauch des Rollstuhls. So eine Einweisung besteht aus deutlich mehr, als wie man den Rücken einklappt oder wie man die Räder abnimmt und wo man die Schiebegriffe einstellt. Viel mehr muss man lernen sich mit dem Rollstuhl effektiv und kraftsparend zu bewegen, zu lenken und zu bremsen, damit man das Gerät in jeglichen Situationen im Griff hat. Weiter geht es zu lernen, wie man Bordsteinkanten sicher hoch und runter kommt und auch wie man Menschen anleitet zu helfen, wenn eine Barriere doch mal zu groß ist.

Solche Kurse werden unter anderem vom Deutschen Rollstuhl-Sportverband e.V. (DRS) angeboten und von eben diesem gibt es auch eine Übersicht aller Kurse in Deutschland. Auf http://www.rollstuhl-fahren-lernen.de kann man schauen, welche Termine demnächst anstehen. Für Kinder und Jugendliche kann man auch speziell bei den Rollikids auf http://www.rollikids.de schauen und auch nach Kindersportangeboten in der Nähe fragen.

Ist man auf einen Rollstuhl für das tägliche Leben angewiesen, sollte auch die Krankenkasse die Kosten für so einen Kurs übernehmen. Das bestätigte 2012 u.a. auch das Sozialgericht in Oldenburg (S 6 KR 412/12): „Gesetzlich versicherte Rollstuhlfahrer haben einen Anspruch auf die Übernahme der Kosten für einen Mobilitäts- und Rollstuhltrainingskurs.“, heißt es dort unter anderem.

Doch oft sehen dies die Krankenkassen anders. Es heißt, für die Einweisung sei der Leistungserbringer, also das Sanitätshaus zuständig. Aber haben die Sachbearbeiter der Krankenkassen ihren Führerschein auch beim Autokauf im Autohaus gemacht? Sicher nicht, denn auch dort ist klar, dass die technische Komponente vom Fachverkäufer übernommen wird, aber die Fahrfähigkeiten werden bei der Fahrschule erlernt.

Gerade für ein selbstbestimmtes Leben ist es enorm wichtig mobil zu sein. Kinder entdecken die Welt und lernen dabei. Je mobiler und selbstbestimmter sie das machen können, desto besser werden sie sich entwickeln – in allen Belangen. Auch ein erwachsener Mensch wird sein Leben besser gestalten können und lebenswerter empfinden, wenn ihm seine Mobilität möglichst einfach gemacht wird. Nur wenn Hilfsmittelversorgung und die Schulung in den Gebrauch des Hilfsmittels individuell auf die Situation des Menschen mit Behinderung abgestimmt sind, wird auch eine optimale Teilhabe am Leben möglich sein. Wenn wir also wieder mal von Inklusion reden, dürfen wir dies auf keinen Fall außer Acht lassen.

Nicht also das Laufen ist als normal anzusehen, sondern die Freiheit sich zu bewegen können und mit dieser Freiheit dann am Leben teilhaben zu können. Wenn der Rollstuhl erst mal beherrscht wird, ist auch das Bahn fahren, sowie das Autofahren kein großer Schritt mehr. Unabhängig von Alter, Behinderung oder Rollstuhlversorgung empfehle ich allen betroffenen Menschen sich über die Möglichkeiten zu informieren und an so einem Training teilzunehmen. Die Mobilitätskurse gibt es für alle Altersgruppen, sowie für Aktiv- und auch für E-Rollstuhlfahrer.

Ist das Fahren dann gelernt, bietet der Rollstuhl nahezu die selben Möglichkeiten, wie das zu Fuß gehen, nur ist man bergab deutlich schneller!

/David