Tansania Reise – Teil 3

Spina Kids in der Klinik Haydom

Ein kleines Mädchen sitzt in einem Rollstuhl und jagt nach Bällen
Foto: Lars Wehrmann

Der für uns viel wichtigere Teil sollte erst nach dem Berg kommen. Wir machten uns vom urbanen Arusha auf den Weg ins ländliche Haydom. Allein die Fahrt dorthin war sehr interessant, sah man doch die großen regionalen Unterschiede. Von Arusha, der vom Tourismus gewachsenen Stadt mit vielen befestigten Straßen, führte eine gut ausgebaute Überlandstraße Richtung Westen. Doch irgendwann wurden die Dörfer ärmer, die Straße schlechter und der Asphalt verschwand. Die letzten 50 km nach Haydom nannte der Fahrer „African Massage“, da die Straßen hier nur noch aus Sand und Schotter bestanden und wir dem entsprechend durchgeschüttelt wurden. Nachdem wir uns ausgiebig haben massieren lassen und mehrere Viehherden durchfuhren, kamen wir in Haydom an. 

Kaum dort, bezogen wir im Gästetrakt unsere Zimmer. Deutlich barrierfreier als das Hotel in Arusha, aber weit entfernt von Rollstuhlgerecht. Ein Gartenstuhl war diesmal der Duschsitz unserer Wahl. Eine Tour durch die Klinik mit dem Pädriatischen Chefarzt „Daktari“ Joshua Gidabaday ließ schnell erkennen, dass dies nicht im Ansatz mit dem zu vergleichen war, was wir als Klinik kannten. Die Klinik bestand aus mehreren nach und nach gebauten Gebäuden, teilweise nur Container und Baracken, die mit überdachten Betonwegen verbunden waren. Diese Bauweise ermöglichte schöne begrünte Innenhöfe, sorgte aber auch dafür, dass Tiere bis an die Zimmer der Patienten kommen konnten. Die Ausstattung war sehr unterschiedlich. Während einige Gebäudeteile spärlich ausgestattet waren, gab es in der Radiologie Röntgengeräte, allerdings werden die Bilder hier teilweise noch per Hand entwickelt, und ein niegelnagelneues und topmodernes CT. Wogegen die Betten und die Rollstühle, die teilweise nur noch mit Gottes Willen zusammen gehalten wurden, einen deutlich schlechteren Eindruck machten.

Dr. Theresa am Bett eines Neugeborenen mit Spina Bifida
Foto: Lars Wehrmann

Aber unabhängig von der Ausstattung wurde schnell klar, dass das Personal, die Ärzte und Ärztinnen, Pfleger und Pflegerinnen hier hochmotiviert und engagiert waren ihren Patienten den bestmöglichen Service zu bieten. Angekommen an der Kinderstation, genannt „Lena Ward“ nach einer Familie die diesen Teil des Krankenhauses stiftete, erfuhren wir auch mehr über das Spina Bifida Programm und wie es in den letzten Jahren gewachsen ist und weswegen das House of Hope für den Fortbestand und die Weiterentwicklung so enorm wichtig ist. Im Lena Ward gab es 80 Betten und wenn diese voll waren, war kein Platz für Familien die am Nachsorgeprogramm teilnehmen wollten oder nach der Geburt eines behinderten Kindes aus Gründen des Aberglaubens nicht mehr nach Hause zurückkehren konnte. Das House of Hope soll hier Abhilfe schaffen und den Familien Raum geben sich der neuen Herausforderung zu stellen, zu lernen, sich auszutauschen. Den Kindern soll vor allem auch die Trennung vom Krankenhaus zu Gute kommen, denn sie sollen sich ja nicht krank fühlen mit ihrer Behinderung.

Spiel und Spaß für mehr Mobilität

Ina spielt mit Agnes mit einem Ballon
Foto: Lars Wehrmann

Der Tag darauf begann, wie hier üblich, mit einem Gottesdienst in dessen Rahmen wir auch vorgestellt wurden. Es wurde über das House of Hope gesprochen und natürlich über den erfolgreichen Verlauf des Charity Hikes auf den Mount Meru, der ja mittlerweile auch im nationalen Fernsehen zu sehen war.  Später ging es dann endlich zu den Kindern und den Familien. 

Trotz meiner Bemühungen etwas Swahili zu lernen, war die Kommunikation nur über Dolmetscher möglich. Mit den Kindern sind wir aber schnell warm geworden und konnten sie zu Bewegung animieren. Dabei halfen Bälle, Ballons und Flummis, aber auch Seilchen und Malbücher. 

Leider konnten nicht alle Familien ihre Rollstühle mitnehmen, denn das kostet extra und so mussten wir mit den Rollstühlen aus der Notaufnahme und einem selbst mitgebrachten Rollstuhl improvisieren. Leider mussten immer mal wieder Kinder auf Hockern oder auf dem Boden Platz nehmen, da einfach nicht genügend Rollstühle vorhanden waren. 

Rollstühle – Made in Tansania

David bespricht die Rollstuhlversorgung mit Lisa und Janina
Foto: Lars Wehrmann

Die Rollstühle waren auch der nächste Punkt auf der Agenda. Verstärkt mit Jens Naumann, seines Zeichens Gründer der 4ma3ma Filiale Hamburg und Sonderpädagoge, sowie erfahrener Übungsleiter der Rollikids, wollten wir die Rollstühle unter die Lupe nehmen. 

Wir betrachteten die in Tansania gebauten Rollstühle genau, reparierten mit der klinikeigenen Werkstatt was zu reparieren war und machten gemeinsame Überlegungen wie man die Rollstühle konzipieren muss , damit die Kinder sich effektiver fortbewegen können. Hier entstand schon während unseres Aufenthalts eine Kooperation, die fortlaufend sein wird. 

Grundsätzlich finden wir das Rollstuhlkonzept sehr gut, da es die regionalen Bedingungen aufgreift und die Produktionskosten gering sind. Ein Rollstuhl kostete ca. 250 Euro und ist im Vergleich zu Europäischen Stühlen also deutlich erschwinglicher. Ganz abgesehen davon, dass die Nachhaltigkeit gewährt ist, wenn die Stühle im Land produziert werden und dann auch dort mit Ersatzteilen ausgestattet werden können. Es benötigt nur ein paar konzeptionelle Änderungen um den Kindern hier ein effektives Antreiben des Rollstuhls zu ermöglichen. 

Jens mit dem Schrauber aus Haydom arbeiten am Rollstuhl von Musa
Foto: Lars Wehrmann

In Zukunft hoffen wir mit dem House of Hope ein regelmäßiges Mobilitäts- und Sportprogramm, sowie Rollstuhlanpassungs- und Reparaturtermine einrichten zu können. Im Moment nehmen Sport und Mobilität einen nicht so wichtigen Platz ein, bzw. wurden bisher kaum gefördert. Ich denke aber, wir konnten der Klinik und den Menschen vor Ort gut aufzeigen wie wichtig und wertvoll die Bewegungsschulung für die Mobilität sein kann. 

Asante sana – vielen Dank!

/David

Haydom Friends: https://haydom-friends.org

BetterPlace.org: https://www.betterplace.org/en/projects/72907-a-house-of-hope-for-kids-with-birth-defects-in-africa

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