Tansania Reise – Teil 2

Die Erstberollung des Mount Meru

Das Team macht sich auf dem Weg, ganz vorne die drei Rollstuhlfahrer.
Theresa, Ranger, David, Walter (leicht verdeckt), Sontos, Lisa und Ina (je mit Porter) -vlnr – Foto: Lars Wehrmann

Der Berg begrüßte uns am frühen Morgen bei klarem Himmel in seiner ganzen Pracht schon vom Hoteleingang aus. Mit einem Team aus Deutschen, Schweden und Tansaniern machten wir uns auf den Weg für den von Theresa Harbauer und Walter Miya geplanten Charity Hike auf den Mount Meru im Arusha Nationalpark. Wir drei Rollstuhlfahrer, Lisa, Ina und ich, waren von der ersten Reifenberührung mit dem Berg die ersten, welche den Mount Meru damit zu bestreiten versuchten. 

Im Gegensatz zu seinem großen Bruder, dem Kilimanjaro, hat er nicht so gut ausgebaute Wege und führt über steinige, steile und matschige Wege hinauf zu den Gipfeln Little Meru und dem 4566 Meter hohen Summit des Mount Meru. 

Am Gate erwartete uns ein TV Team, immerhin war es ja ein Rekordversuch. Das kam uns sehr gelegen, denn wir wollten damit ja auch Leute erreichen und ihnen zeigen, dass Rollstuhlfahrer am Leben teilhaben sollen und auch an ihre Grenzen gehen können. 

Vom Gate, so ca. die ersten 3 Kilometer, konnte ich noch recht problemlos selber fahren und benötigte keine Hilfe, doch dann wurde es schnell sehr steil und so mussten mich schon hier, bei der vermeintlich einfachsten Etappe, durchgängig drei Leute schieben und ziehen. Diese erste Etappe erstreckte sich über insgesamt 14 km hinauf zur ersten Hütte. Ein Wasserfall und ein als Torbogen gewachsener Feigenbaum waren die Highlights und lockerten die Tortur etwas auf, vor allem auch durch die Pausen an diesen Orten. 

David posiert mit seinem Rollstuhl vor einem Wasserfall
Foto: Lars Wehrmann

Doch schon kurz nach dem Wasserfall wurde klar, dass wir den Zeitplan nicht einhalten und uns ganz schön ins Zeug legen müssen um vor Einbruch der Dunkelheit die Hütte zu erreichen. Der Weg zog sich gewaltig und zwischendurch war die Moral ziemlich im Keller. Der Regen der letzten Tage machte teilweise Wege fast unpassierbar und wir mussten entscheiden ob mitten durch den Matsch oder drumherum, oft nah am Hang oder durchs Dickicht wanderten. 

Je höher man kam, desto mehr Steine spickten auch den Weg. Das wurde als zusätzliches Hindernis immer wieder zu einem echten Kraftakt, denn jeder Stein hatte das Potential dich komplett auszubremsen. Manche Steine waren so groß, dass man rüber gehoben werden musste. Kurz vor der Hütte gab es nochmal ein Plateau, das hieß zwar keine steilen Anstiege, aber dafür säumten Gräben vom Regenwasser die Wege und so langsam verschwand die Sonne hinterm Berg. Die Dunkelheit brach dann schnell über uns herein, sodass wir sogar die auf der Ebene grasenden Büffel verpassten. Wir wollten nur noch ankommen!

Endlich an der Hütte auf 2500 Meter angekommen, gab es heißen Tee und ein ausgiebiges Abendessen. Durch die Tortur des ersten Tages war die Motivation etwas im Keller, aber wir schliefen erstmal die Nacht drüber. 

David bei Einbruch der Nach mit mehrern Helfern
Finish in the dark – Foto: Lars Wehrmann

Die Hütte hatte natürlich keine barrierefreien Waschräume oder Toiletten und so dauerte das Morgenprogramm auch etwas länger. Wieder halbwegs mit Motivation betankt machten wir uns leicht verspätet auf den Weg zu Etappe zwei. Die Wege sollten heute schmaler und steiler werden – noch steiler. So kam es auch, dass bereits nach ein paar hundert Metern und gerade mal 60 Höhenmetern für Lisa und mich klar wurde, dass das so nix werden wird. Schon hier wurden wir eigentlich nur noch getragen, geschoben, gezogen, teilweise von fünf Portern und der Weg sollte weitere 7 km so weiter gehen. In diesem Tempo hätten wir das nie bei Tageslicht geschafft. 

Ich hatte das große Ziel die nächste Hütte zu erreichen, doch ich bin niemand der sich gerne tragen lässt. Ich möchte lieber selber klettern. Doch auch das war keine Option, da ich den Weg so erst Recht nicht bei Tageslicht geschafft hätte, wenn überhaupt. Lisa und ich kehrten also zur ersten Hütte zurück und der Rest der Gruppe, inklusive der schwedischen Rollstuhlfahrerin Ina Akerberg und dem Tansanischen Spina Bifida Wanderer Santos Joshua Chuwa, ging ihren Weg weiter hinauf.

Da ich nicht gerne aufgebe, war diese Entscheidung für mich nicht leicht, aber am Ende war es wohl die Richtige. Die Message war ja schon hier auf 2500 Meter erreicht, denn bisher hat es noch kein Rollstuhlfahrer soweit an diesem Berg geschafft und eine war ja immer noch auf dem Weg zum Gipfel. Und in Tansania, wo Kindern mit Rollstuhl der Gang zur Schule oft verwehrt wird, weil ihnen der Weg oder gar die Schule an sich nicht zugetraut wird, ist es doch eine schöne Message, dass man sich manchmal einfach auf den Weg machen muss – ganz ohne die Erfolgschancen vorher zu bewerten. 

Santos kämpfte sich den Berg nur mit Gehstöcken hoch
Santos Joshua Chuwa wanderte nur mit Gehstöcken hinauf – Foto: Lars Wehrmann

Lisa und ich machten uns nun zwei entspannte Tage auf der Hütte, ohne Kontaktmöglichkeit zum Rest der Gruppe. Wir wussten also nicht wie weit die anderen waren. Aber da Ina nicht zurück gekehrt war, hat sie es wohl auf jeden Fall zur nächsten Hütte geschafft. In der Wartezeit sprachen wir mit einigen Leuten, die bereits auf dem Weg nach unten waren. Viele der „normalen“ Wanderer schafften den Gipfel nicht, teils wegen Sturm und Regen, aber auch wegen der Höhenkrankheit oder einfach der Anstrengung wegen. Viele meinten auch, dass es für sie unvorstellbar ist den Weg zum Gipfel, welcher teilweise am Steilhang nur aus einer Kette zum festhalten bestand, mit einem Rollstuhl machbar wäre. 

Aber wir warteten ab und als das Team dann endlich zurück kam, brauchten Sie tolle Neuigkeiten mit! Ina war die erste Rollstuhlfahrerin auf dem Little Meru und Santos der vermutlich erste, der mit Spina Bifida zu Fuß den Little Meru erreicht hat. Ein Teil der Gruppe machte sich auch noch auf den Weg zum 4500 Meter Summit des Mount Merus und nahmen unsere Namen und die Message mit auf die Bergspitze. Der Gipfel sollte also weiterhin von Rollstuhlfahrern unerreicht bleiben, aber vielleicht gibt es ja mit unserem Anstoß bald abenteuerlustige Rollstuhlfahrer, die auch das erreichen wollen. 

Ina und Santos mit dem Team auf dem Little Meru

Am Ende muss man sagen, es war ein toller Rekordversuch mit der richtigen Message, aber bis der Mount Meru ein beliebtes Reiseziel für Rollstuhlfahrer werden kann, muss noch einiges passieren. Bis dahin könnte man aber am Fuß des Bergs eine „Walking“ Safari machen und kann Büffel, Giraffen, Affen und andere Tiere ganz ohne Blechbüchse entdecken. 

Das Ziel der Wanderung ist aber in erster Linie die Finanzierung des House of Hopes, sowie Schaffung von mehr Awareness und Abbau von Vorurteilen gegenüber Kindern mit Spina Bifida in Tansania.

Um das möglich zu machen bitten wir euch auf den Seiten von Haydom Friends e.V. eine Spende für das House of Hope zu hinterlassen um einen kleinen Beitrag zu leisten und Großes zu erreichen. Mit der Hilfe von Vielen kann dort vor Ort in zukunft viel bewegt werden und da das Konzept bereits an anderen Orten in Tansania aufgeht, ist eine sichere, nachhaltige Investition in die Zukunft vieler Kinder und Familien. 

Asante sana – vielen Dank!

/David

Lisa wird von mehreren Leuten den Hang hochgezogen
Foto: Lars Wehrmann

Haydom Friends: https://haydom-friends.org

BetterPlace.org: https://www.betterplace.org/en/projects/72907-a-house-of-hope-for-kids-with-birth-defects-in-africa

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