Monatsarchiv: Februar 2016

Bahn fahren? Nur allein!

Wenn David und ich Bus oder Bahn fahren, dann meistens zu zweit. Eigentlich keine große Sache und ganz normal, dass ein Pärchen zusammen reist. Nun stellt euch mal vor, man würde euch lautstark zu verstehen geben, euer Partner dürfe mit fahren, aber ihr müsstet auf den nächsten Bus warten – der kommt aber erst in einer Stunde. Die meisten würden sich wohl ziemlich verarscht vorkommen, und das mit Recht! Leider ist dies aber oft traurige Wahrheit für Rollstuhlfahrer.

Die Red Line brachte uns nach Boston - Foto: Anna Spindelndreier

Zusammen Bahn fahren, in Amerika klappt’s – Foto: Anna Spindelndreier

Vor ein paar Monaten zum Beispiel waren wir unterwegs in Frankfurt/Oder. Dort fahren sowohl barrierefreie, als auch alte, nicht barrierefreie Bahnen. Die barrierefreien Bahnen fahren recht selten. Je nach dem welchem Fahrplan man traut (die weichen nämlich auch stark voneinander ab), können schon mal 1,5 Stunden zwischen zwei barrierefreien Bahnen liegen. Da wir aber schon mal zusammen in Frankfurt/Oder Bahn gefahren sind und uns damals sogar der Fahrer rein helfen wollte, haben wir uns nichts weiter dabei gedacht und haben uns zur Haltestelle aufgemacht. Als wir vorne einsteigen wollten, versperrte uns die Fahrerin den Weg. „Ich hab hier schon einen Kinderwagen, Sie müssen die nächste Bahn nehmen!“, hieß es. Wir haben ihr mitgeteilt, dass die nächste für uns nutzbare Bahn laut Plan erst in 1,5 Stunden kommen würde und wir sicher nicht so lange warten würden. Einen von uns könne sie wohl mitnehmen, aber zwei ginge auf keinen Fall. Wir machten ihr klar, dass wir nur zusammen fahren würden, einen Termin hätten, schonmal in Frankfurt zusammen Bahn gefahren sind und diese (angebliche!?) Vorschrift eh Schwachsinn ist. Sie ließ sich auf nichts ein, so dass wir weiter hinten eingestiegen sind. Trotz ihrer Beteuerung, sie würde so nicht losfahren, tat sie es schließlich doch. Wir haben uns auf eine Bank umgesetzt und haben unsere Rollstühle festgehalten, so wie es weiter hinten eine Frau mit ihrem Koffer tat…

Wie kommen Menschen auf die Idee, dass diese Regel funktionieren oder Sinn machen könnte?? Wer soll da durch wen oder was gefährdet werden? Was macht eine Mutter im Rollstuhl mit einem Kind im Rollstuhl (ja, das soll es geben, hallo Nicole und Max Luca ;))? Oder eine Familie mit gehbehinderten Zwillingen? Wie sieht es mit Rollatoren aus, wieviele dürfen davon mitgenommen werden? Und warum ist ein durch die Gegend fliegender Rolli gefährlicher als eine Reisetasche?

Leider sind Bus- und Bahnfahrer oft so in ihren Vorschriften gefangen, dass sie diese offenbar nicht hinterfragen. Grund genug für uns, da in Zukunft was zu ändern. Für dieses Jahr planen wir die Erarbeitung eines Schulungskonzepts für Verkehrsunternehmen, in der Hoffnung ein Umdenken in Gang zu setzen.

 

/Lisa


Teilhabe! Jeder! Überall!

Warum fühle ich mich eigentlich auf Reisen immer so viel uneingeschränkter? Klar, man ist im Urlaub, das Gras auf der anderen Seite ist immer grüner, man hat nicht so viel Alltagserldigungen zu tun, muss nicht an so vieles denken.

Spontan mit dem Zug verreisen  - ohne  Diskussionen! Foto: Anna Spindelndreier

Spontan mit dem Zug verreisen – ohne Diskussionen! Foto: Anna Spindelndreier

Kann man das aber wirklich immer so einfach abtun? Kann es nicht viel mehr daran liegen, dass bspw. die USA seit einem Vierteljahrhundert ein Teilhabegesetz haben? Dass man dadurch vielerorts, sogar an den meisten Orten nicht vorher überlegen muss, ob man in ein Café oder Restaurant reinkommt oder ob man dort auf Klo kommt – wenn man mal muss. Kann das nicht sein, dass auch das spontane und einfache Bahn fahren da was zu tut? Und das man nicht mit dem Busfahrer diskutieren muss um mitgenommen zu werden? Auch andere Länder scheinen uns da schon einiges voraus zu sein.

Die USA hat mit ADA nun schon seit 25 Jahren ein Teilhabegesetz und somit eine gesetzliche Verankerung, dass Menschen nicht aufgrund Ihrer Behinderung ausgeschlossen oder diskriminiert werden dürfen. Das wirkt sich dann zum Beispiel darauf auf, dass Barrierefreiheit vorangetrieben wird, weil nun die eine Stufe vor der Tür keine Ausrede mehr ist. Denn eine Rampe ist für jeden machbar. Das ist aber nur ein sehr niederschwelliges Beispiel. Das Gesetz wird für noch so viel mehr gebraucht. Eine Gesetztesgrundlage, für alle Rechte, die in der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen festgehalten sind.

Für Menschen mit Assistenzbedarf muss die Möglichkeit bestehen Geld zu sparen, für Menschen mit einer Gehbehinderung, eingeschränkter Mobilität u.ä. muss Barrierefreiheit gefördert und gefordert werden, für alle Menschen mit Behinderung muss es möglich sein am kulturellen, sportlichen, allgemein gesellschaftlichem Leben zugänglich sein und zwar überall, für jeden und immer!

Nun hat Deutschland bisher nicht nachgezogen und das obwohl wir doch in Sachen Gesundheit und Hilfsmittelversorgung Weltspitze sind, ja trotz aller Streitereien mit den Krankenkassen sind wir da weit vorn. Doch was bringt uns das, wenn wir an dem eigentlichen gesellschaftlichen Leben nur erschwert teilnehmen können, bzw. einige komplett ausgeschlossen werden?

Dass Deutschland mit dem Bundesteilhabegesetz noch nicht nachgezogen hat, ist mittlerweile doppelt und dreifach bedenklich. Zum einen hat Deutschland die UN Behindertenrechtskonvention ratifiziert und ist somit verpflichtet diese in geltendes Recht umzuwandeln, zum anderen sind die Entwürfe dafür mehr als am Ziel vorbei und es sieht so aus, als ob es entweder noch ewig dauert oder wir von den Politikern verarscht werden.

Helft mit und fordert die Politik auf endlich zu handeln! Schreibt euren zuständigen Politikern, dass ihr mit der Situation nich zufrieden seid! Beschwert euch! Seid laut!

Unterschreibt die Petition bitte wenn noch nicht gemacht: kampagne.teilhabegesetz.org

Den zuständigen Politiker für euer Gebiet bekommt ihr hier raus: www.bundestag.de/bundestag/abgeordnete18/wahlkreise

Wenn ihr nicht wisst was ihr schreiben sollt, hier eine Formulierungshilfe:  http://nitsa-ev.de/wp-content/uploads/2016/02/2016_02_22_Brief_an_MdB_Entwurf_BTHG.pdf

Hier noch ein sehr guter Beitrag von Raul Krauthausen bei jung&naiv:

Weitere Links zu dem Thema:

Behindertenrechtskonvention – erklärt von Aktion Mensch
Behindertenrechtskonvention – ganz trocken
teilhabegesetz.org
kobinet-nachrichten.org
MMiB e.V.

/David


1. WCMX Treff Dortmund

Endlich war es soweit! Der Auftakt zu einem regelmäßigen Treffen von Rollstuhlskatern bei mir vor der Tür. Von nun an, werden alle vier Wochen Rollstuhlfahrer in der Skatehalle unterwegs sein und sich gegenseitig motivieren was neues auszuprobieren. Gegenseitig pushen und voneinander lernen. Es soll, anders als bei den Workshops, eher darum gehen gemeinsam zu skaten und zu einer Gruppe zu wachsen, die es Neulingen ermöglich an ihr zu wachsen, aber auch den Besseren hilft immer wieder einen Schritt weiter zu kommen.

In diesem Video nun erstmal die Eindrücke vom ersten Treffen und ich hoffe mal auf viele weitere Treffen und Videos 😉


WCMX im AckerPoolCo Hamburg

Das WCMX Jahr 2016 hat in Hamburg angefangen. Wir haben einen kleinen aber feinen Workshop im Ackerpoolco in Eidelstedt geschmissen, woraus ab April ein monatliches WCMX Treffen in Hamburg entstehen wird. Also liebe Hamburger, seht dieses Video als kleine Inspiration für folgende Sessions 😉 Außerdem waren wir noch in der Rindermarkthalle auf Sankt Pauli um auch dem Sonntag noch eine kleine Session zu schenken. Was heißt let’s shred auf nordisch? Let’s shred Digga! Also bis zum nächsten mal im Norden oder anderswo!


Danke TK!

In der Regel hört die Krankenkasse nur von einem, wenn etwas schief geht bzw. nicht bewilligt wird. Heute will ich aber mal „danke“ sagen. Danke TK, für meinen Rollstuhl!

Mein neuer Rollstuhl

Mein neuer Rollstuhl – Langer Radstand trotz kurzer Beine

Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich meinen aktuellen Rollstuhl bekommen. Ich habe vorher extra die Krankenkasse gewechselt, weil ich woanders wohl nicht so einen teuren Rollstuhl bekommen hätte – und es hat sich gelohnt. Die TK hat sich meine Begründung zu Herzen genommen und nicht, wie sonst so oft, unter „klingt ja ganz schön, aber jeden Luxus können wir auch nicht finanzieren“ abgelegt. Ich habe von meinen ständigen Stürzen im alten Stuhl berichtet und wie negativ sich dies auf meine Fahrweise auswirkt.

Aufgrund meiner kurzen Oberschenkel sind die meisten konventionellen Rollstuhl viel zu kurz, um über einen adäquaten Radstand (also der Abstand der hinteren Rädern zu den vorderen) zu verfügen. Das führt dann dazu, dass zu viel Gewicht auf den Vorderrädern liegt, so dass sie sich leicht verhaken oder man hängen bleibt. Selbst die kleinste Kante hat mitunter schon zu einer ungeplanten Vollbremsung geführt. Mein neuer Rollstuhl ist ganz anders aufgebaut als die meisten, so dass der Radstand unabhängig von der Oberschenkellänge ist.

 

Mein alter Rollstuhl

Mein alter Rollstuhl – leider viel zu kurz

Dies hat die TK so akzeptiert und tatsächlich ist das eingetreten, was ich ihnen versprochen habe: ich fahre viel sicherer! Tatsächlich bin ich im letzten Jahr kein einziges Mal (!) vorne übergekippt. Das ist mir vorher mindestens 1-2 Mal pro Monat passiert, stecken geblieben bin ich sogar mehrfach am Tag. Außerdem sind meine Rückenschmerzen dank anatomisch angepasster Rückeneinheit und Pelotten deutlich zurück gegangen.

Also liebe TK, vielen Dank, dass ihr euren Versicherten zuhört und mitdenkt. Ein wirklich gut angepasster Rollstuhl ist für Rollstuhlfahrer (und die, die es mal werden möchten) das A und O und die wichtigste Voraussetzung für ein eigenständiges Leben (mehr dazu bald hier). Und oft ist die beste Versorgung unterm Strich eben auch die wirtschaftlichste, da sie einfach funktioniert.


Flashback Series Teil III

Und wieder ein altes Video. Das hatte ich damals alles an einem Tag gefilmt und direkt zusammen geschustert. Obwohl es „nur“ ein „ich-mach-mal-eben-schnell“ Video war, war es immer eins meiner Lieblingsvideos. Wie findet ihr es?