WCMX – Mit dem Rollstuhl im Skatepark

Lebbe springt!

Lebbe springt! Foto: DRS/Wittmershaus

Was ich mache, klingt für viele erstmal total außergewöhnlich, dabei nutze ich nur ein anderes Sportgerät. Selbst wenn ich mit meinem Rollstuhl im Skatepark unterwegs bin, finden die vielen Skateboarder und BMXer ausgerechnet mich am krassesten, dabei kann ich noch nicht mal nen Kickflip. Nein, also ich finde es schon super, wenn ich auch mal nen stoke im Skatepark bekomme, aber lieber weil ich dann auch wirklich nen dickes Gap gesprungen bin oder einen Trick nach Hundert Stürzen endlich geschafft hab. Meistens aber bekomme ich schon ein „Ey Respekt man“, nur weil ich mir den Helm aufsetze.

Ich denke, wenn Rollstuhlfahrer nicht so oft unterschätzt werden würden, dann könnten sich viele einfach viel eher darauf einlassen und es einfach normal finden. Ich schau mir ja auch Skateboarder an und applaudiere wenn sie was geiles gemacht haben, aber nicht schon wenn sie nen Fuß aufs Board stellen.

Skaten heißt für mich Freiheit und Selbstverwirklichung. Ich kann mir selbst neue Herausforderungen setzen und mich diesen dann stellen. Dadurch hab ich es dann im Alltag auch wieder etwas leichter. Denn je besser man seinen Rollstuhl beherrscht, desto besser kommt man auch damit durchs Leben – auch mal in Ausnahmesituationen. Diese Situationen hat man als Rollstuhlfahrer öfter. Ob kaputter Fahrstuhl oder schlechte Sicht beim Konzert. Manchmal muss man andere Wege nehmen, als die, die mit nem Rollisymbol gekennzeichnet sind.

Meine Sportart heißt WCMX, WheelchairMX, und darin bin ich auch 2014 sowas wie Weltmeister geworden. Eine echte Meisterschaft wird es erst in diesem Jahr geben, aber im kalifornischen Venice Beach unter Palmen gegen die Elite, rund um NitroCircus Star Aaron Fotheringham, den ersten Platz zu belegen ist so offiziell, wie inoffiziell nur sein kann.

Peace!

Peace! Foto: Uli Gasper

Das ich mal zur Weltspitze eines Sports gehören würde, konnte ich mir glaub ich schon lange nicht mehr vorstellen und das ich eine neue Sportart mitgestalten werde schon gar nicht. Was ich hier in Deutschland mache, haben ja viele schon mitbekommen. Ich gebe Workshops, für Rollikids und Junggebliebene, für Eltern, Geschwister und andere Interessierte. Ich möchte zeigen, dass das ein Sport für Jedermann ist, für den einen ist es eine einmalige Bewegunserfahrung, für den anderen das Leben. Es gibt Sicherheit im Alltag und man kann sich austoben ohne unvorhersehbare Gehwegschäden, Ampeln oder andere Alltagsstolpersteine. Nun aber will ich auch international helfen, WCMX voranzubringen. Denn noch sind USA, Deutschland, Kanada, Australien und Brasilien die einzigen Länder, in denen es schon regelmäßig Events für Rollstuhlfahrer im Skatepark gibt.

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In Texas hat sich rund um Rise Adaptive Sports, den Veransalter der 1. WCMX World Championships, einigen anderen Rollstuhlskatern und mir, ein Team geformt, dass Rollifahrer auf der ganzen Welt die Möglichkeit geben will, sich im Skatepark auszuprobieren. Noch steckt alles in den Kinderschuhen, aber schon jetzt ist WCMX eine der am schnellsten wachsenden Sportarten der Welt. Nun soll ein internationales Netzwerk geflochten werden, ein Netzwerk, dass zum einen dafür sorgen soll, den Sport bekannter zu machen, aber auch helfen soll in den verschiedensten Regionen Programme zu starten, zu finanzieren und zu fördern. Alles natürlich Step by Step und wer weiß, wo uns diese Stufen über all hinführen können. Zu den XGames? Paralympics? Oder doch nur zwischen Himmel und Hölle?

Ob es nun irgendwann zu den XGames geht oder nicht, auch Competitions und Wettkämpfe gehören einfach dazu. Man will sich messen, vergleichen und gucken wo man steht. Aber anders, als bei den meisten Leistungssportarten, steht beim skaten doch immer noch das Gemeinsame, der Austausch und das immer wieder Neue im Vordergrund und auf dieser Basis wollen wir es auch schaffen möglichst viele zu animieren Sport zu treiben und sich immer wieder herauszufordern. Bei WCMX geht es nicht immer um den fettesten Trick, nicht nur ein Backflip zählt, sondern vor allem auch der eigene Style, sich selbst zu verwirklichen und sich nach Außen zu präsentieren. Ich habe selten einen Behindertensport gesehen, wo verschiedene Behinderungen, unterschiedlicher Klassifikation, gemeinsam den selben Sport machen können. Jeder hat zwar mit anderen Einschränkungen zu kämpfen, aber jeder kann auch seinen Weg finden, diese auszugleichen.

Oft habe ich gehört, ich könne „das“ ja nur weil ich so tief gelähmt bin, wenn ich dann aber von anderen erzähle, die Th3 und höher gelähmt sind, dann sind das wieder Ausnahmen. Es werden aber immer mehr Ausnahmen. Schaut euch Darryl Keith Tait an oder Troy McGuirk. Ich glaube, dass jeder der Bock hat und ein bisschen Skate Lifestyle im Blut, wird sich auch entwickeln und schon bald Sachen im Skatepark machen, die man vorher selbst für unmöglich gehalten hat. So ging es mir und so ging es vielen anderen die ich auf meinem Weg schon getroffen hab.

50 Jahre Aktion Mensch

50 Jahre Aktion Mensch Foto: Aktion Mensch

Gemeinsam was ins Rollen bringen

Gemeinsam was ins Rollen bringen Foto: DRS

Damit auch weiter Rollstuhlfahrer diese Erfahrung machen können, werde ich auch weiter WCMX Events organisieren. Ich kann das allerdings nicht alleine. Ich brauche Hilfe, denn schon jetzt ist mein Kalender packe voll und ich möchte aber gern noch weitere Orte erschließen, um es noch mehr Leuten möglich zu machen, sich unter Anleitung das erste mal in den Skatepark zu trauen. Die Hilfe kann unterschiedlichster Art sein. Finanziell, organisatorisch, als freiwilliger Helfer, engagierter Netzwerker und noch vieles mehr. Ich arbeite mit verschiedenen Organisationen zusammen, um meine Projekte an den Start zu bekommen, vom Deutschen Rollsuhl-Sportverband und seiner neuen Kampagne „Gemeinsam was ins Rollen bringen“, über Aktion Mensch, UTE e.V., verschiedenen Skateboard Vereinen und nun auch der international agierenden WCMX Foundation. Ich freue mich über jeden, der Interesse äußert und aus vielen Interessenten sind mittlerweile Veranstalter für WCMX Events geworden. In den nächsten Jahren hoffe ich, das da noch viele dazu kommen und wir so überall bald Events für Anfänger und Fortgeschrittene haben, bis hin zu Competitions, um sich auch untereinander zu messen. Vielleicht gibt es dann auch irgendwann eine WCMX Weltmeisterschaft hier in Europa oder Deutschland und die Stars, wie Aaron „Wheelz“ Fotheringham oder Christiaan „Otter“ Bailey, kommen hierher, um sich mit unseren Rolliskatern zu messen.

Dieses Jahr geht es aber nach Texas, zur ersten offiziellen WCMX Weltmeisterschaft. Bis dahin bereite ich mich noch so gut es geht vor. Bei dem Wetter hierzulande gar nicht so einfach. Da wir in den USA aber auch einige Punkrockkonzerte besuchen werden, habe ich auch hier eine passende Vorbereitung für die kalte Jahreszeit gefunden: Punkrock Konzerte!

In Texas werden wir Nowherebound, in Boston Burning Streets wieder treffen. Was mir hierzulande schon so vorgekommen ist bei Konzerten, könnt ihr ja in einigen anderen Artikeln lesen 😉

/David

Mehr Infos zu WCMX.org? Na dann klickt euch doch mal durch: www.wcmx.org

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Über datlebbe

Hi ich bin David. Ich versuche hier, zusammen mit meiner Freundin Lisa, Gedanken zu sammeln und zu teilen. Hauptsächlich dreht sich alles um under Leben und der Suppe aus Punkrock, Rollstuhl, Skaten, Sex und Reisen... Zeige alle Beiträge von datlebbe

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