Monatsarchiv: Dezember 2014

Gedanken zu… 2014 – ein Rückblick

Deep End High Five (Foto: Anna Spindelndreier)

Deep End High Five (Foto: Anna Spindelndreier)

Puh, da ist es schon wieder zwei Wochen her, dass wir den letzten Beitrag hier veröffentlicht haben. Aber so ist das wohl in der Weihnachtszeit. Man hat keine Zeit, außer für Geschenkbesorgungen und Glühweinverkostung auf dem Weihnachtsmarkt. Natürlich ist es dann auch noch kalt, nass und dunkel, was die Lust etwas halbwegs produktives nach Feierabend zu tun deutlich senkt. Aber wenn man schon keine Zeit hat sich ein gutes Thema auszudenken, dann macht man halt einen Jahresrückblick.

Eigentlich mag man ja keine Jahresrückblicke. Die sind ja viel zu mainstream, aber dann ist es ja doch wieder interessant, kann man doch alte Themen des Jahres nochmal in Erinnerung rufen. Vieles vergisst man, vieles vernachlässigt man und sowieso verläuft vieles einfach so im Sand. Aber nicht nur die halbfertig diskutierten Aufreger des Jahres haben es verdient aus der Versenkung geholt zu werden, nein, vor allem die guten und schönen Erinnerungen sollte man nochmal ausgraben um Kraft zu tanken und den Blick wieder nach vorne zu richten. Genau das möchte ich nun tun, Motivation schöpfen für das neue Jahr mit Hilfe von Erinnerungen an das vorübergehende.

Januar

Das Jahr fing an mit einem echten Knaller. Naja, zumindest hat es bei mir geknallt, am 6. Januar bei den Proben zur Millionärswahl. Die Show von Sat.1 und Pro 7, die zum größten Flop des Jahres werden sollte, begann für mich eigentlich viel versprechend. Denn als ich am ersten Probetag ans Set kam, wurden gerade noch die letzten Schrauben in den eigens für mich errichteten Skatepark gedreht. Ein Prachtstück, individuell für mich zusammengesetzt. Das hat garantiert einiges gekostet. Ich war total begeistert und drehte meine Runden. Jede Runde wurde ich meiner Choreografie bewusster. Hier hoch, da runter, dort drehen, Sprung. Yeah das passt, aber hier könnte noch ein Rail hin. Auch die nächste Rund saß und es war alles drin. Von Drop in über Sprung bis hin zum Grind. Da war nur noch das Problem, dass ich auf die Schwung- und Startrampe nicht selbständig hoch kam . Deswegen wurde dort hinten ran noch eine Rampe gezimmert, zum gemütlichen hoch fahren. Das diese auch noch genau dort ankam, wo ich Schwung holte für meine kleinen Sprung, kam mir doch gelegen. Mehr Schwung, mehr Sprung dachte ich. Also nutzte ich den halben Meter mehr und sprang… höher… weiter… zu weit! BÄÄM ich sprang über die Rampe und tauchte, vorbereitet auf eine Landung in der Bank nach vorne geneigt, mit den Vorderrädern zuerst in den Betonboden. Der Oberkörper folgte mit viel Schwung und meine Arme wollten dies reflexartig abbremsen. Ich lag am Boden, schaute auf meinen Arm und wusste das der Traum geplatzt ist. Die Ecke in meinem Unterarm war ein klares Indiz dafür. Krankenhaus, statt Kameraprobe, Gips, statt Liveperformance. ich verbrachte ein paar Tage in einem Krankenhaus in Köln, kam aber für die Liveshow raus und konnte immerhin meinen dicken Arm in die Kamera halten. Die Show floppte und der Hanfverband gewann nicht nur diese Sendung, sondern auch die Million im halb abgesetzten Webfinale.

Die Moderatoren Elton (links), Jeannine Michaelsen (rechts). (Quelle: Sat.1)

Die Moderatoren Elton (links), Jeannine Michaelsen (rechts). (Quelle: Sat.1)

Februar

Ich wurde zum Efix Fahrer, damit ich wenigstens arbeiten und ein paar Konzerte besuchen konnte. Mein neuer Arbeitgeber, das Kindersanitätshaus 4ma3ma in Dortmund, stellte mir einen zur Verfügung. Schnell hatte ich den Namen D-Fix, obwohl ich lieber Nee-Fix sagte, denn das teil schafft bei weitem nicht mein Normaltempo und außerdem piepte es laufend mit verschiedensten Fehlermeldungen und verweigerte den Dienst. Naja, nichtsdestotrotz verhalf es mir zu ein wenig mehr Mobilität in dieser Zeit, wenn auch mit vielen Rückschlägen, denn meine Fahrweise konnte ich ja nicht von heute auf morgen umstellen. Also schaffte ich auch den Efix ein paar mal in die Knie mit gebrochenen Drehmomentstützen.
Sonst war der Monat recht ruhig, wie gesagt, ein paar Konzerte ohne Pogo, ein paar Basketballspiele vom Rand. Wenigstens ein Heimspiel der Borussia konnte ich mir angucken, da die anderen zu einem Turnier in Rahden waren. Am Ende des Monats nahm ich dann den Ball wieder auf und spielte beim Luise Guder Cup der SGH Berlin wieder im Trikot der RBG Dortmund 51 mit meiner Nummer 13. Es ging wieder bergauf.

März

Getreu dem Motto, wer Basketball spielen kann, kann auch skaten, war ich auch total heiß darauf wieder in die Rampen zu droppen. Natürlich war ich erstmal noch gebremst und mein Ziel, den Handplant zu schaffen, erst mal aufgeschoben. Dennoch wollte ich wieder carven, droppen und shredden. Am 28. März gab es dann ja auch den ersten Workshop des Jahres in Mühlhausen. Der Thuringia Funpark veranstaltete dafür einen inklusiven Skatetag und wir bespaßten einige interessierte Rollifahrer. Dazu gibt es auch einen MDR Beitrag der Sendung Selbstbestimmt. Außerdem entwickelten DSGN concepts einen Plan, wie man den Skatepark so modernisieren kann, dass er zeitgemäß und eben auch WCMX tauglich wird. Im gleichen Moment soll er natürlich für andere Rollsportarten genauso attraktiv bleiben und generell Anfängern, wie Fortgeschrittenen etwas bieten können. Keine einfache Aufgabe, aber DSGN concepts aus Münster lösten sie sehr gut. Das Konzept wurde vorgestellt und traf auch auf viel Gegenliebe. Leider hat sich bis heute, meines Wissens, kein großer Unterstützer finden können, sodass die Umbauarbeiten noch auf sich warten lassen.

April

Im April haben in Dortmund gleich zwei neue Workshop Reihen begonnen, die wir hoffentlich noch lange fortsetzen werden. Zum einen haben wir den ersten Rollikids Skate Day veranstaltet und somit einen Skate Workshop für die junge Generation Rollstuhlfahrer im Skatepark Dietrich-Keuning-Haus veranstaltet und zum anderen mit dem Roll On Workshop ein Rollstuhltrainingskonzept zum Leben erweckt, dass auch denen ein Training ermöglichen soll, die keine Fünf Tage am Stück frei schaufeln können oder es (noch) nicht von der Kasse bezahlt bekommen. Beides wurde ein voller Erfolg und soll auch im neuen Jahr fortgesetzt werden. Den Rollikids Skate Day möchte ich gerne auch in andere Städte exportieren, beim Roll On Workshop hoffe ich auf Nachahmer.

1. Rollikds Skate Day 2014 (Foto: Wittmershaus/DRS)

1. Rollikds Skate Day 2014 (Foto: Wittmershaus/DRS)

Mai

Wir wählten den Mai aus Anfang der Outdoor Saison aus, da er uns in den letzten Jahren immer viel Sonne und sommerliche Temperaturen gebracht hatte. Dieses mal brachte er leider eine Menge Wasser mit nach Hamburg, wo wir im Inselpark des ehemaligen igs Geländes den Betonbowl und Streetskatepark rockten. Der Skatepark ist super geeignet für Rollstühle und deswegen kamen auch bei miesem Hamburger Wetter eine Menge Shredder nach Wilhelmsburg. Auch unser spanischer Gast Toni Quinonero Martin zeigte ein paar Tricks auf nassem Beton und ganz neu dabei war auch das Rollstuhl Longboarden von Toni Hömpler.

Juni

Endlich war der Sommer da und man konnte wieder überall und immer ne Skatesession starten. Wir haben einen weiteren Skateworkshop in Gießen auf der Landesgartenschau veranstaltet, Wien bereist und damit den Grundstein gelegt für den ersten Skateworkshop in Östereich nächstes Jahr. Ansonsten stand bei mir die Vorbereitung auf die WM Teilnahme im Juli im Vordergrund. Kalifornien sollte natürlich wieder das absolute Highlight im Kalender werden. Deswegen wollte ich mich nach der Zwangspause am Anfang des Jahres auch ordentlich vorbereitet wissen.

Juli

California uber alles… so dröhnten die Dead Kennedys schon oft aus meiner Anlage in meine Ohren und nun war es wieder endlich soweit. Dieses mal hatten wir uns viel vorgenommen, neben der üblichen Teilnahme am Life Rolls On They Will Skate Again und der angeschlossenen WCMX Weltmeisterschaft, wollten wir auch das surfen im Pazifik probieren und über alles eine Dokumentation drehen. Wir reisten also mit einem kleinen Kamerateam nach LA und produzierten schöne Bilder, die ihr auch schon im Aktion Mensch Video bewundern könnt. Aber das soll nich nicht alles sein, denn wir haben noch soooo viel an sensationellen Aufnahmen, dass wir schon bald mit einem weiteren, längeren, besseren Film die Leinwände erobern wollen. Da das aber Zeit, Geld und Arbeit bedeutet, wird es wohl noch eine Weilchen dauern. Bei den ganzen Erlebnissen, Drehs und der Arbeit, ging fast unter, dass ich die WM dann sogar gewonnen hatte. Ich habe aber auch selbst lange gebraucht um zu realisieren, dass die Jury mich vor Aaron Fotheringham setzte und ich somit bis zum April 2015 als bester WCMX Rider der Welt in die Skateparks rollen kann. Immer noch klingt das total unreal, zumal Wheelz natürlich wieder alles weggerockt hat und jedem die Wurst von der Stulle zog. Dafür gewann er aber auch den Best Trick Contest, aber mein fast fehlerfreier und abwechslungsreicher Run überzeugte die Jury irgendwie und es reichte zum Sieg. Ich bin mir immer noch ziemlich sicher, dass es der Handkuss war, den ich Lisa aus der Bowl beim carven zu geworfen hab. Mein Kumpel Robert Thompkins gewann übrigens den Balls to the Wall Preis als Draufgänger unter den Rolliskatern.

Californian Sunset im Camp Woodward West

Californian Sunset im Camp Woodward West (Foto: Anna Spindelndreier)

Life Rolls On They Will Surf Again San Diego 2014

Life Rolls On They Will Surf Again San Diego 2014 (Foto: Anna Spindelndreier)

August

Nach der US Reise planten wir direkt den nächsten großen Trip. Dieses mal blieben wir aber auf dem heimischen Kontinent und machten einen kleinen Roadtrip durch Luxemburg, Frankreich, Spanien, Italien und die Schweiz. Wir erstellten unsere Touren so, dass wir auf dem Weg einige bekannte Skateparks und Spots mitnehmen konnten. Neben Barcelona, war vor allem Marseille ein besonderes Highlight. Marseille stellte uns zwar mit seinem Verkehr, der Parkplatzsituation und der Kriminalität auf die Probe, aber dann rockten wir die Marseille Bowls doch, am nächsten Tag in aller Früh, was sich als echter Vorteil erwies, denn der Bowl war weitestgehend frei und nicht so überfüllt wie am Abend. Außerdem war das Klima viel angenehmer. Auch Barcelona stellte uns auf die Probe. Meine Tasche mit allen Geldkarten, Ausweisen und Papieren wurde geklaut als ich grad einen der berühmtesten Skatespots shreddete, Barcelona Saints. Unseren Dieb haben wir auf Kamera, aber meine Tasche auf immer verloren. In Italien trafen wir Ilaria das erste mal, welche uns die schöne Stadt Varazze zeigte und uns zu Pestosüchtigen machte. In der Schweiz entdeckten wir ein Paradebeispiel für einen inklusiven Skatepark, ohne das man ihn so nennen muss. Einfach nur ein großer Skatepark bei dem an eine behindertengerechte Toilette gedacht wurde. Ziel unserer Reise war Potsdam, denn dort gab es einen weiteren Skateworkshop im jwd Lindenpark, was nun auch ein fester Termin im Kalender werden soll.
Auf dem Weg durch Europa reifte die Idee für diesen Blog, zuerst wollten wir einen Videoblog machen, stellten aber fest, dass wir eigentlich keine Zeit haben Videos zu editieren. Also entschärften wir die Pläne und machten ein Video, eigentlich sollte es nur einen Trailer darstellen, aber ich bin ehrlich, ich bin bisher noch nicht dazu gekommen auch nur eine Minute des eigentlich geplanten Roadmovies zu erstellen. Auch hier kann ich nur sagen: Video Soooooooooon!

September

Wasserski oder Wakeboarden? Beides scheint mir nicht zu liegen. Zumindest musste ich das wieder mal beim Let’s get wet Wassersportcamp in Duisburg feststellen. Aber dafür habe ich mich ins Kanu bzw. Kajak fahren wieder gefunden. Wenn ich das nächste mal eine Chance habe mich ins kühle Nass zu stürzen werde ich es wieder tun. Auch das Wakeboarden habe ich noch nicht abgeschrieben. Schließlich bin ich sogar im Pazifik Wellenreiten gewesen. Was war noch? Ach ja ich hatte Geburstag und habe den Club 27 überlebt. Außerdem gab es noch den dritten und vorerst letzten Teil unserer Roll On Workshop Reihe in Dortmund. Sehr experimentell mit einer „Schnipseljagd“ durch Dortmund, die am Ende doch mit Schnitzel belohnt wurde. Das Obdachlosenmagazin Bodo schrieb einen schönen Artikel über dieses Wochenende.

Oktober

Der Oktober bot ein ganz besonderes Highlight, welches auch noch ein Video und einen eigenen Beitrag hier bekommen wird (Soooon!) Bärlin Pedäl Bättle!!! Ein Ritterturnier auf Rädern, eigentlich auf Fahrrädern, aber wir haben es mit unseren Krüppelrittern infiltriert und wollen dies auch nächstes Jahr wieder tun. Mein Rekrutierungsblog und -video kommt, versprochen! Was gab es noch, außer verschwitzte Typen in Rüstungen, die mit Fahrrädern werfen? Na Aktion Mensch wird 50! Das Jubiläum habe ich schon das ganze Jahr in Zeitungen und Magazinen begleitet, nun waren Lisa und ich auch auf einer Veranstaltung mit dem Bundespräsidenten eingeladen. Was soll nun noch kommen? Ich weiß es auch nicht, aber 2015 wird auch einige Überraschungen für Lisa und mich bereithalten.

Jubiläumsanzeige der Aktion Mensch

Jubiläumsanzeige der Aktion Mensch

November

Im November wurde es ruhiger, aber nicht ruhig. Crowdsurfing bei Konzerten entwickelt sich zu meiner neuen Lieblingssportart und wie ihr hier im Blog lesen könnt, waren wir auch wieder unterwegs, in Ulm und Leipzig. Die Messe Abgefahren in Leipzig zeigte mein Video aus Kalifornien und ich quatschte ein wenig darüber, eine kleine Show Einlage gab es am Sonntag natürlich auch. In Ulm waren wir zu Gast in der Popbastion und der dort angesiedelten Reithalle, welche eigentlich eine Skatehalle ist. Wir ritten also unsere Rollstühle durch die Halle und konnten wieder viele junge und alte Rollifahrer eine Möglichkeit geben sich auszuprobieren und ihre Fähigkeiten zu erweitern.  Sonst hieß es wieder vom Skatepark aufs Basketballfeld. Die Basketballsaison war bereits im vollen Gange und so langsam fand auch ich mein Feingefühl für den Ball wieder. Die RBG Dortmund 51 konnte die Hinrunde der Regionalliga West äußerst zufriedenstellend beenden und geht an der Spitze in die Winterpause, welche bis Februar andauern wird.

Dezember

Die kalte Jahreszeit hat mit skaten eigentlich nicht mehr so viel gemein, denn oft ist es einfach zu nass und zu kalt. Vor allem Veranstaltungen gibt es eher selten, da die Hallen auch nicht gut beheizt sind und draußen weiß man ja nie was das Wetter so vor hat. Doch das kleine Ackerpoolco in Hamburg Eidelstedt lud kurz vor Weihnachten doch nochmal in eine kleine, aber gut beheizte Skatehalle ein. Das konnten und wollten wir nicht abschlagen und beendeten die Skatesaison mit einer schicken kleinen Session. Gleich drei Drop In Neulinge bei einer Achtköpfigen Truppe dürfte auch so was wie ein kleiner Rekord sein.

Es war ein tolles Jahr und ich freue mich auf 2015. Noch mehr Workshops, noch mehr Skateparks und die WM in Texas. Ein schönes Jahr wird es werden, wenn es auch nicht ganz stressfrei bleiben wird.

Vielen Dank an alle, die mich begleitet und unterstützt haben. Vielen Dank an alle, die mich supporten und anfeuern. Vielen Dank an alle, die meine Videos, Links und Fotos in die Welt hinaus tragen.

Danke auch meinen Sponsoren Schwalbe, Iriedaily, RehaOptimal Onken, Team Box Wheelchairs, Art of People und den vielen weitern Unterstützern, Crowdfundern und allen, die geholfen haben, ob mit Zeit, Engagement oder Geld.

Ich freue mich euch alle nächstes Jahr wieder zu sehen und ich freue mich auf die, die ich nächstes Jahr kennen lernen werde.

Frohes Fest und einen guten Rutsch ohne Glatteis wünschen euch Lisa und David.

 

 

/David

Fotos: Anna Spindelndreier

Foto: Anna Spindelndreier

 

Fotos: Anna Spindelndreier

Typen! Mit Robert Thompkins (Foto: Anna Spindelndreier)

Fotos: Anna Spindelndreier

Foto: Anna Spindelndreier

 

 

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Ulmer Kletterstuben

Letztes Wochenende waren wir in Ulm. Die Popbastion Ulm hat in die Reithalle zur Inklusion in der Bastion eingeladen. In der Reithalle werden heute aber keine Pferde geritten, sondern Skateboards, Bikes und jetzt auch Rollstühle. Denn die Reithalle wurde umgebaut in eine schnieke Skatehalle.

Den Weg nach Ulm bestritten wir mit dem ICE und den üblichen kleinen Problemchen am Dortmunder Hauptbahnhof, obwohl, trotz später Anmeldung, hat die Reservierung der Sitzplätze geklappt, nur hatten wir dieses mal keine Nachricht darüber erhalten und sind nur durch Zufall in den richtigen Wagon geklettert. Auf die Einstieghilfe hatten wir bewusst verzichtet, mit dem Risiko, dass die Rolltreppen nicht gehen. Wir wussten aber zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht, dass wir dieses Wochenende noch öfter klettern müssen.

ulm klo 2Am Bahnhof Ulm angekommen, half uns der Zugbegleiter mit den Stühlen und dem Gepäck. Lisa kletterte raus und dann ich, schon fast draußen, kam auf einmal doch die Rampe und hätte um eine haaresbreite meine Beine abgehackt. Wo kommen die denn jetz her? Wenn man sie bestellt haben sie was zu meckern oder kommen nicht und wenn man sie nicht bestellt, sind sie da wenn man sie am wenigsten braucht. Komisches Volk diese DB Mobilitätshelfer.

Nunja, in Ulm angekommen schauten wir uns erstmal auf dem Bahnsteig um. Kein Aufzug zu sehen. Die DB Mobihelferin fragte, ob sie uns helfen könne. Wir verneinten. Dennoch sagte sie, sie könne nur einen nehmen. Wir guckten uns fragend an und erwiederten, dass wir wohl selbst fahren können. Dann rollten wir los, einen Aufzug gab es nicht, aber Rampen. Lange, steile Rampen. Wir hatten meinen alten Skaterolli dabei, als Ersatz und Leihstuhl für den Workshop und benutzten ihn um unser Gepäck zu transportieren, was den Rolli sehr schwer und fast unlenkbar machte. Trotzdem ging runter ganz gut, zum Glück sprang keiner in den Weg, ich hätte wohl nicht bremsen können…

Gepäckrolli

Die Rampe wieder hoch in die Bahnhofshalle aber hatte ich keine Chance alleine mit dem Gepäckrolli. Zum Glück kam schnell jemand zur Hilfe. Das Ulm auch nicht ganz so eben ist, hätte wir uns aufgrund der geographischen Lage denken können, aber in Ulm ist ja auch nur alles 500 m entfernt haben wir Google Maps vertraut, war ja auch so, aber halt auch ein paar Höhenmeter. Wir erreichten das Hotel mit einem weiteren hilfsbereiten Passanten, der unser Gepäck anschubste.

Die Klettertour war hier allerdings nicht vorbei, sie fing erst an. Die kleien Stufe und die blöden Türen machten mich noch nicht stutzig, aber als ich dann drinnen war, sah ich Treppen. Genauer gesagt drei Stufen, die zum Aufzug führten, keine Rampe und offenbar keine Zimmer auf der unteren Ebene. An der Rezeption ein junger Mann, ich schätze mal ein Azubi, der nicht genau wusste was er mit uns tun soll. Hm vielleicht lernt man erst im 3. Lehrjahr, dass man Menschen mit Behinderung auch ganz normal wie jeden anderen Gast behandeln kann. Aber woher sollte er es denn auch besser wissen, wenn seine Kollegen, älteren Semesters, es auch nicht besser wussten. Die Dame, die er rief, konnte uns wenigstens sagen welches Zimmer wir bekommen. Ich fragte, ob es denn rolltuhlgerecht sei. Sie sagte ja und ich fragte weiter, wie wir denn dahin kommen sollen. Es gibt eine Rampe. Aha, naja ich gab meine Unterschrift und war gespannt was da wohl aus dem Schuppen geholt wird.

Anlegerampen verhieß nichts gutes und so kam es dann auch, dass die Schienen, die an die Treppen gelegt wurden vielleicht für Kinderwägen funktionieren,  nicht aber für selbstständige Rollstuhlfahrer. Als Test lies ich den Gepäckrolli hochschieben, vom Azubi und wenn es nicht so traurig wär, hätte man laut lachen müssen. Nicht nur, dass man sich zu blöde anstellen kann einen Rollstuhl zu schieben, man kriegt noch nicht mal mit, dass die Rampen eben totaler Mist sind. Jedenfalls wollt ich mich nicht von denen hochschieben lassen, also kletterte ich, dann Lisa hinterher. Aus bisher ungeklärten Umständen fiel Lisas Rolli um und ihr teuer erstandener Kakao verteilte sich auf dem Boden. Wir waren beide extrem angepisst und wollten nur noch ins Zimmer.

Ulm HOtel

„Ich helfe ihnen mit der Tür, die sind ziemlich schwer.“ sagte der Azubi. Am Liebsten hätte ich gesagt: „Alter, wir sind hier gerade die Treppen hochgeklettert und du bist zu blöde einen Rollstuhl zu schieben, meinst du wirklich wir brauchen seine verdammte Hilfe.“ , aber ich sagte nur „ok“.  Die Tür war nicht schwer… Viel schlimmer war, dass er sich selbst auf ebenem Boden zu blöd anstellte den Gepäckrolli zu schieben. Er schob tatsächlich an den Rädern und kam damit unglaublich langsam voran.

Das Zimmer war zu unserer Überraschung tatsächlich Rollstuhlgerecht, naja sagen wir seniorengerecht. Die Dusche hang hoch, selbst auf dem niedrigsten Punkt. Die Toilette war ein Hochsitz und die Dusche war ein Hochdruckreiniger. Aber tatsächlich brachte man in dem recht kleinen Bad ganze vier riesige Griffe an, die das Bad noch kleiner machten.

Am nächsten Tag frühstückten wir, natürlich mit treppenspringen am Morgen. Dann wurden wir von unsren Gastbebern abgeholt und rollten die nächsten 500 m zur Bastion. Ein Gelände mit dem Roxy, der Reithalle, dem Schilli, einem, nein zwei Kinos. Echt super diese Popbastion. Zudem nette Leute, die alles in die Wege leiteten, sogar das Rollstuhlklo noch putzten, nachdem der Chef persönlich feststellen musste, dass es nicht leer geräumt wurde. Ich bin guter Hoffnung, dass bei meinem nächsten Besuch das Klo sofort benutzbar ist. Generell ist es ja sehr lobenswert, dass die Skatehalle über ein Rolsltuhlklo verfügt und der Klub Schilli neben an über noch eins. Die Voraussetzungen waren also super.

Der erste Teilnehmer, Urs, war super pünktlich und musste leider etwas warten bis wir uns gesammelt hatten. Leider war der Beginn nicht richtig mitgeteilt, sodass alle nach und nach eintrafen und ich immer wieder Einzelunterricht gab. Es waren aber echte Talente in Ulm, neben Urs, kam die Martina, welche mit ihrer Familie aus Österreich anreiste, sofort super klar und hätten mich eigentlich gar nicht gebraucht. Auch ältere Semester fanden den Weg in die Reithalle und weitere talentierte Rollstuhlfahrer konnten hier neue Bewegungserfahrungen machen. Urs machte sogar direkt seinen ersten Drop in von der Quarter!

Schilli

Man merkt, dass es Zeit wurde einen Workshop in Süddeutschland zu veranstalten und wir freuen uns, dass neben Ulm nächstes Jahr auch Münschen und Mühlacker auf dem Plan stehen werden.

Abends gingen wir noch in die Stadt. Lisa wollte unbedingt schwäbisch essen, Spätzle, Maultaschen, so in die Richtung. Zur Lochmühle sollte es dann sein, nachdem uns das Google, Veranstalterin und ein Freund unseres neuen Freundes Elias dieses empfohlen haben. Wir rollten also auch diese 500 m in die Stadt um festzustellen, dass es keinen ebenen Weg hinein gab. Also die Treppen runter in den Biergarten und die nächsten Treppen runter ins Restaurant. „Wir sind voll“ teilte uns die Kellnerin mit, dass es nur noch Plätze an der Theke gab. Aber diese Treppentour sollte nicht unbelohnt bleiben, also kletterten wir nun auch noch auf die Thekenhocker.

ulm restaurant2

Und es hat sich gelohnt, denn wir wurden mit einem richtig leckeren Essen belohnt. Später fuhren wir zurück zur Bastion und lauschten noch einem Konzert, bevor wir uns wieder mit dem Hotel, wo nun auch noch der Eingang zugeparkt war, rumärgerten.

Am Abreisetag kam die Veranstalterin Anthon um uns mit dem Gepäck zu helfen. Sie erklärte dem Hotelbetreiber nochmal etwas sachlicher, dass solche Rampen nicht rollstuhlgerecht sind, sondern nur eine Notlösung. Doch ich glaube, dass wir die ersten aktiven Rollstuhlfahrer waren, die dort diese Probleme ansprachen, denn sie schienen es einfach nicht zu verstehen. Vielleicht nehmen sie zumindest den Tip an und schreiben einen Hinweis auf die Internetseite. /David


Brauchen Sie Hilfe? – Eine Parkplatzgeschichte

Heute morgen – Dortmund Hauptbahnhof – Nordseite, mein täglicher Arbeitsweg und jeden Tag das gleiche Bild. Die Behindertenparkplätze werden von Leuten belegt, die auf Bus- oder Zugreisende Bekannt warten. Selbstverständlich ohne Berechtigung. Meistens bringt es ja nichts Leute darauf anzusprechen. Nichts außer Ärger zumindest.

Doch heute habe ich es mal anders probiert. Da die Frau, die auf dem Parkplatz stand, ihr Fenster etwas geöffnet hatte, hielt ich an und fragte ob ich ihr helfen könne. „Brauchen Sie Hilfe beim Rollstuhl ausladen?“ fragte ich. „Waaaas?“ sagte sie. Ich wiederholte und fragte nochmal. Sie verstand es immer noch nicht. Dann habe ich es etwas umformuliert: „Ich kann Ihnen helfen Ihren Rollstuhl auszuladen oder warum stehen sie hier?“ Nun schaute Sie etwas doof aus der Wäsche und verlegen auf ihr Handy. „Nein brabbel bla bla“ brabbelte sie unverständlich zu ihrem Lenkrad. Dann fragte ich nochmal: “ Ich helfe Ihnen gerne kein Problem, wo haben Sie ihren Rollstuhl?“ „Ich warte hier nur kurz“ kam sie endlich mit der typischen Ausrede heraus. „Das ist eine Scheiß Ausrede, parke einfach woanders“ sagte ich und fuhr weiter zur Arbeit.

Als ich also etwas belustigt weiter fuhr, hörte ich hinter mir Stimmen, drehte mich um und siehe da. Ein paar mit Ausweisen behangene Ordnungsmenschen, keine Ahnung ob von der DB, der Stadt oder sonst wem, sprachen die Dame an und sie musste weg. Kann das nicht immer so funktionieren? Ich jedenfalls merk mir nun diese Umkehrtaktik und werde mal beobachten wie die Leute reagieren. /David